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Die Kellnerin vom Zillertal. Die schönste Kellnerin vom Zillertal!
Die Kellnerin vom Zillertal.
Die schönste Kellnerin vom Zillertal!
Die nächste Herausforderung ist der mörderische Nachmittagverkehr in Innsbruck. Wir verlieren uns ständig aus den Augen. Doch wir kommen durch und genießen schließlich in Uderns im Zillertal den bezaubernd servierten Kaffee. Hier machen wir wieder einmal die Erfahrung, wie tief die Marke Puch vor allem bei der ländlichen Bevölkerung verwurzelt ist. Eine gesetzte Dame bemerkt angesichts eines zarten Zweitaktwölkchens im Gastgarten ganz verzückt: „Das ist der Duft meiner Jugend!"

Am Abend ist wieder Schrauben angesagt. Wobei sich jedoch der Aufwand in Grenzen hält – es ist erstaunlich, wie gut sich die alten Zweiräder bei etwas Wartung und Pflege halten. Nicht ohne Grund wurde den Puchs jahrzehntelang auch von der Konkurrenz die absolute Kompetenz am Berg nachgesagt. Tags darauf steht die Zillertaler Höhenstraße am Programm. Die Strecke ist ein Muss für jeden Zweiradler und ist zu Recht mautpflichtig. Sie zieht sich am Grat des Talrandes dahin und ermöglicht an vielen Stellen einen atemberaubenden Ausblick ins Zillertal. Später kommen wir zur Talstation des Hintertuxer Gletschers. Im Sommer hält sich der Verkehr in Grenzen, auch erlaubt die Straße zügiges Fahren. Die vielen Baustellen sind etwas störend, doch in den kurzen schneefreien Monaten muss alles Notwendige fertig werden, um den Wintertourismus nicht zu beeinträchtigen.

Für meine M 125 sind allerdings die harten Steigungen wohl etwas zu viel. Sie wird den Rest der Reise im Lkw verbringen. Klappernde Geräusche im Teillastbetrieb deuten vorerst auf einen gebrochenen Kolbenring hin. Ich bin trotzdem stolz auf die kleine Puch: Sie musste in den letzten 20 Jahren, in denen sie in meinem Besitz ist, mit einem Minimum an Wartung auskommen. Später stellt sich dann heraus, dass sich nur die Schrauben des Zylinders gelockert hatten und ich nach fünf Minuten Arbeit weiterfahren hätte können!

Ich darf dafür mit Hermanns 250 SGS ausrücken, was mich besonders freut. Es ist ein sehr spätes Modell aus den ausgehenden 1960ern und wurde zudem vom rastlosen Tüftler und hingebungsvollen Puch-Fan modifiziert und in vielen Punkten verbessert. Anstatt der serienmäßigen 11,8 kW (16 PS) zerren hier nun – vorsichtig geschätzte – zwanzig Pferde an der Kette. Hier lerne ich auch die Vorzüge des berühmten Doppelkolbenmotors zu schätzen. Das Prinzip stammt eigentlich von Gilera, wurde aber von Puch seit Anfang der 1920er perfektioniert.
Unser Doktor in Feldkirch freut sich: Wir haben die kleine Puch kuriert
Unser Doktor in Feldkirch freut
sich: Wir haben die kleine Puch kuriert
  Es verleiht dem eher drehmomentschwachen Zweitakter die sprichwörtliche „Kraft aus dem Drehzahlkeller“. Und wirklich – über den Dientener Sattel, den wir in Trockenheit überqueren können, bin ich der Star. Obwohl auch die SGS nur über vier Gänge verfügt, zieht sie an den größten Steigungen locker zumindest in der Dritten durch. Jetzt verstehe ich, warum die Puchs auch im Ausland als Bergmeister geschätzt wurden. Natürlich geraten wir schon bald in derartig starken Regen, dass wir den kürzesten Weg nach Gröbming nehmen.

Ein erwartungsgemäß darauf folgender grauer Morgen kann uns die gute Laune nicht mehr verderben. Die Puchs laufen ausgezeichnet, außerdem scheinen sie in Richtung Steiermark Heimatluft zu schnuppern! Im Gesäuse finden wir einen urigen Berggasthof, wo uns die Wirtin gleich selbst Hand anlegen lässt. Nämlich an der Herd lässt. Und später in Seewiesen werden wir in der ehemaligen Postkutschenstation wie immer freundlich aufgenommen. Sofort kramt die Chefin einige Fotos ihres Großvaters auf seinem Motorrad hervor –  es ist natürlich eine Puch. Unser letzter Abend, und noch dazu mein Geburtstag. Die Feier verläuft zivilisiert, wir sind hübsch müde und sehnen uns schön langsam nach dem Zuhause. Das ist nur noch eine Tagesreise entfernt und umfasst die typischen Kurven über Mariazell, den Ochssattel und die Kalte Kuchl. Fast wie selbstverständlich treffen wir wieder am RBO-Firmengelände von Manfred Stöckl in Korneuburg ein. Pannenfrei per Puch, sozusagen. Fürs Jahr darauf wünschen wir uns wieder unsere Puchs und vor allem das passende Wetter.



STECKBRIEF: PUCH M 125
DER LETZTE MOHIKANER
 
Als eine der ältesten Motorradfabriken der Welt
kann die österreichische Firma Puch auf eine lange Tradition von hervorragenden Straßenmotorrädern zurückblicken. Vor allem die berühmten Doppelkolben-Zweitaktmotoren begründeten den Ruf der Steirer. Weniger bekannt ist das letzte „echte“ Motorrad aus Graz Thondorf: die für damalige Zeiten mit einem hochmodernen Motor bestückte M 125.

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M 125: Läuft „brav“ ohne übermäßige Pflege
Als die M 125 1966 auf den Markt kommt,
haben die Grazer bereits zehn Jahre lang kein neues Straßenmotorrad mehr entwickelt. Mit dem modernen Einzylindermotor mit hartchrombeschichtetem Zylinder sowie dem grazilen Stahlrohrrahmen wenden sich die Konstrukteure endgültig vom Doppelkolben und dem aus Blech gepreßten Schalenrahmen ab. Nur etwas über 10.000 Stück des kleinen Einzylinders werden (laut Puch-Buch von Fritz Ehn) in den Jahren 1966 bis 1971 gefertigt – davon nur zirka 1700 „De Luxe“-Versionen (wie das hier vorgestellte, im Besitz des Autors befindliche Exemplar). Dementsprechend rar sind heute auch die Ersatzteile, doch Hermann Stöckl aus Korneuburg bei Wien hat mit seiner Firma RBO die meisten Teile auf Lager oder kann sie organisieren; www.rbo.at

Auch 1971 schon nicht mehr zeitgemäß ist das klauengeschaltete Vierganggetriebe. Obwohl der mit einem Bohrungs-Hub-Verhältnis von 55 zu 52 Millimetern fast quadratisch ausgelegte Motor im unteren Drehzahlbereich relativ viel Kraft bietet, fehlt vor allem beim Sprung vom dritten auf den vierten Gang (etwa bei Gegenwind oder auf leichten Steigungen) der Anschluß. Zirka 100 Stundenkilometer sind problemlos erreichbar, auch moderne 125er sind oft nicht viel schneller. Die Bremsen wurden von den letzten Doppelkolben-SV-Modellen übernommen und haben mit dem Leichtgewicht kaum Probleme, eher schon die mit ihrem Federweg von 110 Millimetern recht komfortable Telegabel, deren dünne Standrohre sich bei Vollbremsungen jämmerlich biegen. Das Fahrwerk selbst ist recht stabil – interessanterweise rollt die M 125 auf mittlerweile wieder modischen 17-Zoll-Rädern, deren Bereifung sehr schwer zu bekommen ist.

Die Ausstattung ist trotz der Bezeichnung „De Luxe“ recht spartanisch: „De Luxe“ bezieht sich auf die Blinkanlage, auf das mittels eines einfachen Kippschalters zu betätigende Standlicht sowie auf die Tachobeleuchtung … Gefallen konnten und können auch heute noch die langen Alu-Hebel, die allerdings in Verbindung mit dem wahlweise erhältlichen flachen Lenker eine nicht gerade glückliche Verlegung der Bowdenzüge erfordern. Ein Rückspiegel wurde (nach den Bildern in zeitgenössischen Prospekten und in der Bedienungsanleitung zu urteilen) offensichtlich vom Werk nicht geliefert. Im Reigen der seinerzeitigen Konkurrenz – vor allem aus Japan – wirkt die M 125 Anfang der 1970er wie ein größeres Moped. Dieser Eindruck wird noch dadurch verstärkt, als die Grazer ihre erfolgreiche 50er-Palette optisch der 125er so perfekt anpaßten, daß auch für den Kenner nur mehr der Blick auf den Motor eine Unterscheidung möglich macht. Obwohl im Versuch bereits erfolgreich eine Version mit 175 Kubik und eine „verdoppelte“ zweizylindrige 250er laufen, stellen die Grazer 1971 die Produktion ihres letzten Straßenmodells ein. Heute beginnt die kleine Puch langsam zum Klassiker zu reifen, wenn auch die Mehrheit der Fans ein Doppelkolbenmodell vorzieht. Die M 125 bekommt man noch zu recht günstigem Preis, zwischen 1500 und 2000 Euro muss man für ein gutes Exemplar rechnen.


TECHNISCHE DATEN: PUCH M 125
Motor: 1-Zyl.-2-Takt, luftgekühlt, schlitzgesteuert
Hubraum: 123,5 ccm
Leistung: 8,8 kW (12 PS) bei 7000/min
Getriebe: Viergang
Bremsen vo/hi: Trommel 160 mm
Bereifung vo/hi: 2,50–17/3,00–17
Radstand: 1250 mm
Sitzhöhe: 790 mm
Tankinhalt: 9,5 l (ab 1970 13 l)
Trockengewicht: 95 kg
Verbrauch: ca. 3,5 l/100 km
Spitze: über 100 km/h






























MOTOMOBIL TRIPTIPP

WAS IST DIE RBO OLDTIMERREISE?

Bereits seit 2004 veranstaltet der Korneuburger Veteranen-Ersatzteilspezialist Hermann Stöckl regelmäßige Ausflüge in Österreich und ins benachbarte Ausland, um gemeinsam mit seinen Kunden die Oldtimer an die frische Luft zu bringen. Die Teilnahme mit einer Puch ist nicht zwingend, das Fahrzeug sollte lediglich zur Gruppe und zum gesetzten Fahrstil passen. Die Touren sind – samt Gepäcktransport – professionell vorbereitet und organisiert: Kooperationspartner ist Manfred Cyran, Betreiber des österreichischen Reiseveranstalters „Manfreds Motorradreisen“. Die RBO Oldtimerreise 2011 führt von 15. bis 19. Juni in die Südsteiermark, die Tagesetappen sind zirka 120 bis 240 Kilometer lang, befahren wird unter anderem natürlich auch die berühmte Weinstraße. Der Teilnahmepreis ist 599 Euro (inklusive Halbpension, im Doppelzimmer); Infos unter Tel.: 0699/118 144 35, www.motorradreisen.cc

GUT WOHNEN & SCHLAFEN
Hier sind die empfehlenswertesten Adressen der Oldie-Tour durchs nebelige Österreich: Das Hotel Büchel in Feldkirch-Gisingen ist laut einer Tiscover-Umfrage das beste 3-Sterne-Hotel Österreichs, Sägerstraße 20, 6800 Feldkirch, Tel.: 05522/733 06; www.hotel-buechel.at. Oberhalb von Fügen bietet das Hotel Waldfriede einen wunderbaren Ausblick ins Zillertal, Pankrazberg 32, 6264 Fügenberg, Tel.: 05288/622 53; www.waldfriede.at. Und am Aflenzer Seeberg bietet der Alpengasthof Schuster einfach ausgestattete Fremdenzimmer, die Panoramalage und die Wirtsstube sind immer wieder einen Besuch wert, 8636 Seewiesen 36, Tel.: 03863/241 01, www.alpengasthof-schuster.at

DAS MOTORRADMUSEUM FELDKIRCH
Das kleine, aber feine Privatmuseum wird seit wenigen Jahren betrieben und zeigt vor allem Motorräder der Marke Puch sowie eine Vielzahl von Puch-Motoren aus den Jahren 1930 bis 1978. Weitere Ausstellungsschwerpunkte sind vor allem den österreichischen Motorradmarken KTM, Lohner und HMW gewidmet – Elmar Wehinger und Wolfgang Weber wollen ihren Enkeln und Urenkeln einen Teil der historischen Technik und des Wirtschaftswunders bewahren und erhalten. Öffnungszeiten nach telefonischer Vereinbarung, Eintritt und Führung sind frei. Bifangstraße 39, 6805 Feldkirch-Gisingen, Tel.: 05522/416 82.



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