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Unser abschließendes Reiseziel soll Mostar sein. Aber Abenteuer und Missgeschick sind nur eine Kurve weit entfernt. Ihr Name heißt „Kolbenreiber“. Wir sind irgendwo in den Bergen zwischen Sarajevo und Mostar, der Kolben steckt, unsere Mobiltelefone sind ebenfalls wie leblos. Und wir sind ziemlich verzweifelt. Dann passiert etwas Unglaubliches: Mit Händen und Füßen unterhalten wir uns mit den Bewohnern einer unscheinbaren Bauernhütte, die uns dann auf ein Haus aufmerksam machen, das ein paar hundert Meter weit entfernt liegt. Wie eine Werkstätte sieht es nicht aus, aber der Hausbesitzer und ein Freund stehen gerade vor der Türe. Weil sie kein Englisch verstehen kommt Valentino auf eine Idee: Er zeichnet einen Motorkolben samt Kolbenringen auf ein Blatt Papier, und Semir, der Hauseigentümer, erfasst die Symbolik des Hilferufs sofort.

033 Vespareise Sarajevo kl
Stilleben mit ölverschmierten Fingern, Reiseroute, türkischemKaffee und Würfelzucker
066 Vespareise Sarajevo kl
Im Hafen von Zadar, am Weg
zur berühmten Wasserorgel
 
056 Vespareise Sarajevo kl
Badevergnügen im späten Oktober –
das Geschenk einer Vespa-Reise!
035 Vespareise Sarajevo kl
Fast wäre hier Endstation gewesen. Mit viel Gefühl montieren Semir und Valentino die festgefressenen Kolbenringe ab
 

Semir öffnet das Garagentor, und wir befinden uns in einer Reparaturwerkstatt, die mit Werkzeug und Motorteilen bis an die Decke vollgefüllt ist. Valentino beginnt die ersten Muttern abzuschrauben, um an den Zylinderkopf zu gelangen. Semir mischt sich ein, und geschickt arbeiten sie beide an der Primavera. Es ist sofort klar, dass Semir über Zweitaktmotoren Bescheid weiß, auch wenn er noch nie eine Vespa zur Reparatur hatte. Das Wissen um die Mechanik ist wie eine gemeinsame Sprache, untermalt von sparsamen Gesten. Der Zylinder kommt runter, und endlich hat Semir den vermaledeiten Kolben in der Hand. Lötlampe, Zange, Schleifpapier und Poliermittel sind die wichtigsten Utensilien, und dann wird alles wieder zusammengebaut. Sie springt tatsächlich an, die Vespa ist wieder fertig. Und wir sind es auch, vor lauter Glück und Freude. In diesen Momenten macht das Reisen großen Spaß.

Mostar schließlich ist eine wunderbare Stadt. Die Sehenswürdigkeiten wie Stari most, die „Alte Brücke“ aus dem 16. Jahrhundert über die Neretva, sind perfekt restauriert – auch wenn man sich an prominenten Stellen manche Einschusslöcher aus dem Bombardement 1993 als Mahnmal behalten will. Seit 2005 gehören Mostar und die Brücke zum UNESCO Welterbe.

068 Vespareise Sarajevo kl
Großes Vergnügen: An der prächtigen
dalmatinischen Küste reiht sich
eine Kurve an die andere

 
041 Vespareise Sarajevo kl
Abendliche Andacht in Mostar: die berühmte
Stari most über den Neretva-Fluss, von der
sich die furchtlosen Brückenspringer stürzen
072 Vespareise Sarajevo kl
Kurz bevor wir heimkommen, wird die Primavera
lauter und lauter, und der Auspuff fällt ab. Da
können wir nur mehr lachen!
 

Unsere Rückreise
führt über die kroatische Küstenstraße, das ist ein Erlebnis für sich. Ab Metković im Neretva-Delta wird der Duft der Zitrusfrüchte immer intensiver, ebenso die salzige Meeresbrise. Die Küstenstraße wird von Orangenbäumen gesäumt, ab Makarska bestimmen Weinstöcke und Olivenbäume die Landschaft. Die Nationalstraße D8, die Jadranska Magistrala, ist ein Traum für alle Zweiradfahrer. Wie in einem Videospiel: Linkskurve, Rechtskurve, wieder links und rechts, 476 Kilometer lang bis Rijeka. Der Oktoberhimmel ist so klar, als ob ihn jemand gemalt hätte. Wir können noch in dieser Jahreszeit im Meer schwimmen und im Zelt schlafen.

Auf der Strecke liegen Split mit seinem berühmten Diokletianpalast sowie Zadar, das touristisch ein bisschen unterschätzt, aber mindestens ebenso sehenswert ist: historische Fußgängerzone mit zahlreichen Marmorbauten, römische Ruinen, byzantinische Kirchen, viele venezianische Details. Zu den modernen Errungenschaften gehört seit 2005 die erstaunliche Wellenorgel im Hafen, die durch den Druck der anschlagenden Wellen Luft durch die Orgelpfeifen presst und variantenreiche esoterische Klänge erzeugt.

Die befahrenen Straßen, die Panoramablicke, die besichtigten Monumente werden mir in Erinnerung bleiben – doch der Held der Reise ist meine Vespa. Man kann sie nicht einfach verwenden, man muss mit ihr leben. Sie entscheidet über den Zeitplan und über das Programm, sie entscheidet, wo und wann gestoppt wird und sie bestimmt, welche Menschen man trifft und welche Erfahrungen man mit ihnen macht. Sie bleibt an unerwarteten Stellen stehen und fördert dort außergewöhnliche Schätze zutage.


tripipp braun


WOHNEN & SCHLAFEN
Das Hotel Cerkno im slowenischen Cerkno wollen wir sehr gerne weiterempfehlen. Sehr sauber und sogar mit einem Hauch von Luxus, Garage, bikerfreundlich (Zweiradfahrer bekommen 30 Prozent Nachlass auf den Zimmerpreis), 67 Euro für das Doppelzimmer mit Frühstück; Sedejev trg 8, 5282 Cerkno, Tel.: 00386/537/434 00; www.hotel-cerkno.si
In Bosnien übernachteten wir im historischen Zentrum von Sarajevo in der Pension Focin Han: einfach, aber sehr gepflegt, zwei geschützte Abstellplätze für Autos oder Zweiräder, 40 Euro für das Doppelzimmer mit Frühstück; Safvet Bega Bašagića 10, 71000 Sarajevo, Tel.: 00387/33/573 000; www.focinhan.com
Die Pension Aksoj im herzegowinischen Mostar ist kein Luxushotel oder Platz für eine romantische Nacht; der Besitzer ist definitiv eine bizarre Erscheinung, aber sehr freundlich. Nur 25 Euro für das Doppelzimmer sind ein Schnäppchen im touristischen Mostar; Marsala Tita 226, 88000 Mostar, Tel.: 00387/62/612 458; www.hostel-aksoj.com.ba


ESSEN & TRINKEN
039 Vespareise Sarajevo klUnsere Verpflegung war regelmäßig Sandwich zum Mittagessen und Abendessen in einfachen Gaststätten. Auch unter diesen frugalen Umständen haben wir einige gute Plätze gefunden, die wir gerne teilen wollen: Mala Kuhinja in Sarajevo ist ein kleines, köstliches Restaurant mit Fusionsküche. Der Chef fragt nach den persönlichen Vorlieben der Gäste und gibt seine Empfehlungen aus der täglich wechselnden Karte. Man rechne mit 7 bis 10 Euro pro Person (ohne Getränke); Tina Ujevica 13, 71000 Sarajevo, Tel.: 00387/33/841 076; www.malakuhinja.ba
Das Grill Centar in Mostar ist ein typisches Ćevadžinica, also ein Grillrestaurant mit riesigem, gutem Fleischangebot und gemütlicher Stimmung. Man gibt 5 bis 6 Euro aus und geht satt nach Hause; Braće Fejića 13, 88000 Mostar, Tel.: 00387/761/198 111.
Das Hotel-Restaurant Niko in Zadar ist der richtige Platz, wenn man sich etwas Feines gönnen will: frischer Fisch und eine große Weinkarte, zu genießen auf einer großen Terrasse mit Meerblick. 25 Euro, die es wert sind; Obala Kneza Domagoja 9, 23000 Zadar, Tel.: 00385/23/337 888; www.hotel-niko.hr


INFOS & WWW
Bei der Vorbereitung einer Slowenienreise ist das Slowenische Tourismusbüro behilflich, Opernring 1/R/4/447, 1010 Wien, Tel.: 01/715 40 10; www.slovenia.info
Für touristische Infos über Bosnien und Herzegowina besucht man die Webseite der Botschaft in Wien, www.bh-botschaft.at/tourismus, Tivoligasse 54, 1120 Wien, Tel.: 01/811 85 34. Die offizielle Homepage des Bosnischen Fremdenverkehrverbandes ist www.bhtourism.ba/ger, die Adresse in Sarajevo ist Branilaca Sarajeva 21/II, 71000 Sarajevo, Tel.: 00387/33/252 900.
Bezugsquelle für Broschüren, Karten und Zimmernachweise in Kroatien ist die Kroatische Zentrale für Tourimus, Liechtensteinstraße 22a/1/1/7, 1090 Wien, Tel.: 01/585 38 84; www.kroatien.at



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