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Nach einer Führung durch das Museum ist frische Luft wohltuend, und auch ein guter Schluck. Abstecher nach Ilok, in die östlichste Stadt Kroatiens. Sie liegt in einem riesigen Weinbaugebiet, alleine in der Winzerei Stari Podrum („Alter Keller“) werden neun Millionen Liter Wein pro Jahr gekeltert. Der Betrieb ist tatsächlich sehr alt: Seine Geschichte geht bis ins 15. Jahrhundert zurück, in den riesigen Kellern gibt’s noch viele Fässer und weinbäuerliches Handwerkszeug, dessen Inschriften auf Herkunft aus der Donaumonarchie hinweisen. 50.000 Besucher jährlich zählt die Kellerei. Man verkostet Grasevina – Welschriesling – und kann sich dann in einem der 18 modernen Gästezimmer des Hauses zur Ruhe begeben.

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Die Salinen von Ston
auf der Halbinsel Peljesac
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Die Kellerei Stari Podrum erzeugt neun
Millionen Liter Wein pro Jahr
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Roller-Parade im
Städtchen Trogir
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Stadtrundgang in Zadar
mit ortskundiger Begleitung

In Slavonski Brod, das heißt „Slawonische Furt“, besuchen wir das relaxte Klubhaus des örtlichen Motoklubs Brod, direkt am Ufer der Save. Die Burschen sind höchst umtriebig und veranstalten einmal im Jahr eines der größten Zweiradtreffen am Balkan, zu dem regelmäßig 25.000 Teilnehmer anreisen. Auch Slavonski Brod als geistiges und kulturelles Zentrum hat viel historische Substanz, Prinz Eugen scheint allgegenwärtig, besonders sehenswert ist die riesige Festungsanlage.

Gleich nach Slavonski Brod kommt der Grenzübergang nach Bosnien und Herzegowina. Die Inspektion der Dokumente kann pingelig ausfallen – und so durchfährt es mich siedend, dass ich die dringend empfohlene Internationale Versicherungskarte natürlich wieder einmal nicht mit dabei habe. Wird man ertappt, kann man sich mit zehn bis fünfzehn Euro von weiteren Unannehmlichkeiten freikaufen, ganz offiziell. In Bosnien und Herzegowina laufen die Uhren noch immer ein bisschen anders. Über dutzende Kilometer nach der Grenze sieht man nur ausgebombte Häuser. Später sehen dann auch die ohne Verputz wieder instandgesetzten Häuser alles andere als freundlich aus, jede Art von Blumenschmuck oder unnötigem Zierrat ist hier eindeutig kein Thema.

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Fast endlose Kurvenfahrerei
im Biokovo-Gebirge
Landwirtschaft oder Ackerbau ebenfalls nicht, man fährt durch Niederwald und Macchia. Erst weiter südlich kommt man durch agrarische Flecken, wo entweder nach alter Sitte mit Pferden der Acker  bestellt wird oder der Bauer mit dem Einachsschlepper aufs Feld fährt. Mit dem Yamaha T-Max 530 kommt man sich recht übermotorisiert vor. Gut so, weil jeder Baum am Straßenrand kann einen Polizisten mit Laserpistole im Anschlag verstecken – der halbwegs Ortskundige weiß, dass die Organe zusätzlich zur Verkehrsstrafe auch weitere Zuwendungen annehmen. Es ist irgendwie so wie bei meiner ersten Rumänienreise oder auf dem seligen jugoslawischen Autoput in den 1980ern, man könnte fast sentimental werden.

Spätestens bei Kiseljak oder Konjic weicht die gewisse Depression einer beeindruckenden Gebirgslandschaft. Wir übernachten in den entrisch gelegenen Herzegovina Lodges, einem Miniatur-Feriendorf im skandinavischen Stil an einem Steilhang, das im Sommer von einer sonst in Holland arbeitenden bosnischen Architektin geführt wird. Am Abend kommen sautierte Waldpilze, hausgemachtes Brot, unter der Peka – der Tonglocke – zubereitete Spezialitäten und schöne regionale Weine auf den Tisch; Frischwasser direkt von der Quelle. Hier wird Ferien in den Bergen gemacht: paradiesische Zustände für Wanderer, Camper, Fliegenfischer, Raftingfreunde, Paraglider und was einem in nahezu unberührter Natur noch alles so einfallen kann.

Von Konjic bis Mostar führt eine neu gemachte, schnell-kurvige und griffige Prachtstraße. Der gewundene Verlauf der oberen Neretva schneidet sich tief in die Gebirgslandschaft. Das UNESCO-Weltkulturerbe Mostar empfängt mit Plattenbausiedlungen, aber der Weg zur Altstadt und zur Stari Most ist gut ausgeschildert. Am Roller-Parkplatz duftet es schon nach den Ćevapi-Lokalen. Der karawanenartige Andrang von den Bus-Parkplätzen ist dicht, und jedes zweite Wort ist deutsch oder österreichisch.

Die weltberühmten Brückenspringer auf der weltberühmten Alten Brücke sind heute nicht da, weil gerade Niedrigwasser ist. Die kleinen Steinhäuser beidseits der Uferpromenade sind stimmungsvoll. Weniger die trashigen Souvenirläden; die kleinen Einschusslöcher an den Hauswänden werden sicher liebevoll restauriert, UNESCO macht’s möglich. Man sollte Mostar einmal im Leben gesehen haben – und genau deswegen ist es mittlerweile ein beliebtes Reiseziel, das gerade vor der Entscheidung zwischen Touristenmagnet und Touristenfalle steht.

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Stari Most, die berühmte Brücke in Mostar.
Die Brückenspringer sind heute nicht da
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Blick von der Dubrovnik-
Stadtmauer ins Zentrum
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Die Franjo-Tudman-Brücke nach Dubrovnik
verkürzt die Strecke um zwölf Kilometer
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Der grandiose Nationalpark
Plitvicer Seen

In Mostar gedeihen Palmen, man kann die dalmatinische Küste schon spüren. Die legendäre Jadranska Magistrale ist zweifellos eine der schönsten Küstenstraßen der Welt. Die Ausblicke und die zügigen Kurven sind auf einem Sportroller mit untadeligem Fahrwerk wie dem Yamaha T-Max 530 ein Hochgenuss. Auf dem Weg nach Dubrovnik kommen ausgedehnte Muschelfarmen ins Blickfeld. Wer gerne frische Austern, Langusten, Lobster und andere Meeresfrüchte zu sich nimmt, für den ist eine Feinschmecker-Einkehr in der Villa Koruna nahe der Saline von Ston das oberste Gebot.

Im prächtigen Dubrovnik sind mittlerweile keine Kriegsschäden mehr erkennbar – und wenn doch, dann wurde ein Mahnmal daraus gemacht. Der komplette Rundgang auf den breiten, im Viereck angelegten Stadtmauern dauert an die zwei Stunden und bietet großartige Eindrücke und Aussichten. Die in der Antike als Ragusa bekannte Stadt hat sich als hochklassiges Reiseziel herausgeputzt. Dementsprechend hochwertig und hochpreisig hat sich die Hotellerie entwickelt. Im schön an einer Bucht gelegenen Mittelklasse-Hotel Vis, das seine beste Zeit gehabt hat, stoße ich auf witziges Tourismus-Marketing: Ein Zimmer mit „Park View“ heißt hier, dass man guten Blick auf den Parkplatz hat.

Fährt man durch Dalmatien wieder heimwärts, soll man keineswegs immer auf der Küstenstraße bleiben: So empfiehlt sich zum Beispiel ein Besuch des Römermuseums in Metković (antike Stadt Narona) im fruchtbaren Neretva-Delta und die anschließende Auffahrt ins steile Biokovo-Gebirge. Hier sieht’s ähnlich aus wie in den Winnetou-Filmen – obwohl die weiter nördlich im Velebit gedreht wurden. Herrliche Ausblicke auf Tiefebenen im Landesinneren als auch auf die Makarska Riviera und auf die dalmatinische Inselwelt: auf Hvar; die Halbinsel Pelješac; das dahinter liegende Korčula. Die Abfahrt vom 1700 Meter hohen Kalkgebirge ins Ferienzentrum Makarska an der Küste ist zweifellos einer der fahrerischen Höhepunkte einer Kroatientour.

Die Weiterfahrt nach Norden zeigt uns, dass das Juwel Dubrovnik bei weitem nicht die einzige Adriaperle ist: Split mit dem erstaunlichen Diokletianspalast ist weithin berühmt; aber auch deutlich weniger bekannte Städtchen wie Trogir oder – das noch nicht so überlaufene, venezianisch wirkende – Šibenik sind gute Plätze für längere Aufenthalte. Vielleicht mit einem Ausflug auf die kleine Insel Krapanj, wo viele der Inselbewohner seit Jahrhunderten vom Schwammtauchen leben.

Zwei grandiose Nationalparks liegen noch am Weg: Die Plitvicer Seen mit ihren sich ständig verändernden Becken und Kaskaden zählen über eine Million Besucher pro Jahr. Das Naturwunder ist das bisschen Anstellen an der Nationalparkkassa wirklich wert. Wer es etwas ruhiger haben will, der besucht den Nationalpark Krka, der mit seinen vielen Wasserfällen nicht minder sehenswert ist. Bei der Weiterfahrt über Zagreb holt uns in Karlovac der Jugoslawienkrieg noch einmal ein: Direkt neben der Straße wurde die „Collection of Weapons from the Homeland War“ angesammelt: eine abgeschossene MIG, Kanonen, Kettenfahrzeuge. Eine alternative Rückreise über Istrien wäre zwar kriegsreliktfrei gewesen – aber der Vergangenheit entkommt man sowieso nicht.


tripipp_braun


GUT WOHNEN & GUT SCHLAFEN
028_Rollerreise_Kroatien2012_klDiese „motomobil“-erprobten Herbergen würden wir jederzeit wieder besuchen und sind uns daher eine Empfehlung wert: Das Hotel Waldinger im Zentrum von Osijek ist ein sehr gepflegtes Klassik-Hotel, das Zimmer für zwei Personen inklusive Frühstück gibt es um 125 Euro. Županijska ul. 8, 31000 Osijek, Tel.: 00385/31/250 450; www.waldinger.hr. Die Kellerei Stari Podrum in Ilok hat 18 neu möblierte Gästezimmer mit moderner Ausstattung, die Übernachtung inklusive Frühstück kostet im Doppelzimmer 34 Euro pro Person. Šetalište O. M. Barbarića 4, 32236 Ilok, Tel.: 00385/52/590 088; www.ilocki-podrum.hr. In den im Bericht erwähnten Herzegovina Lodges in beeindruckender Gebirgslandschaft in der Gegend von Konjic muss man je nach Haus mit zirka 50 Euro pro Person rechnen, Kontakt-Infos über www.hercegovina-lodges.com


GUT ESSEN & GUT TRINKEN
124_Rollerreise_Kroatien2012_klDie besten slawonischen und dalmatinischen Gerichte haben wir hier gefunden: Im gediegenen Restaurant Terasa im Daruvar Spa gibt es klassische slawonische Küche, an der auch der Kaiser seine Freude gehabt hätte. Julijev Park 1, 43500 Daruvar, Tel.: 00385/43/623 623. Austernparadies in Ston: In der Vila Koruna von Salinen-Direktor Svetan Pejic werden die feinsten Meeresfrüchte erntefrisch, günstig und reichlich serviert. Mali Ston, 20230 Ston, Tel.: 00385/20/754 999; www.vila-koruna.hr. Das Restoran Riva Makarska an der Uferpromenade von Makarska serviert Fisch- und Fleischspezialitäten in höchster Qualität. Obala Kralja Tomislava 6, 21300 Makarska, Tel.: 00385/21/616 829. Der Gastgarten des Restoran Monika in der Altstadt von Trogir liegt in einem schönen Innenhof, gepflegte dalmatinische Küche.  Budislavićeva 12, 21220 Trogir, Tel.: 00385/21/884 808; www.restoran-monika.com


AUSFLÜGE & ATTRAKTIONEN
118_Rollerreise_Kroatien2012_klDas Museumsdorf Kumrovec, Geburtsort von Staatslenker Marschall Tito, befindet sich etwa eine Fahrstunde nördlich von Zagreb; www.mdc.hr/kumrovec. Die riesige Sumpf- und Aulandschaft Kopački Rit ist 15 Kilometer von Osijek in Ostslawonien entfernt; www.kopacki-rit.com. Im Restaurant Lopoc in Momić im Neretva-Delta kann man auf den verzweigten Wasserwegen Bootsfahrten mit regionaltypischer Verpflegung bis zum Römermuseum Narona buchen; www.restaurant-lopoc.com. Der Nationalpark Krka mit seinen vielen Wasserfällen liegt direkt bei der Küstenstadt Šibenik; www.npkrka.hr. Das berühmte Naturschauspiel der Plitvicer Seen befindet sich zirka auf halber Strecke zwischen Zadar und Zagreb; www.np-plitvicka-jezera.hr


INFOS, BUCHTIPPS & WWW
129_TransBalkan_Buch_klVor einem Reiseantritt ist die Kroatische Zentrale für Tourimus in Österreich mit Infos und Zimmernachweis gerne behilflich; Liechtensteinstraße 22a/1/1/7, 1090 Wien, Tel.: 01/585 38 84, www.kroatien.at. Das Kroatien-Forum ist eine dichte Informationsquelle, wenn man im Internet stöbern will und persönliche Reiseeindrücke sucht; www.forum-kroatien.de.
Der österreichische Fotograf Rudi Froese und seine Frau Cordula sind große Balkan-Fans. Sie haben mit ihren Motorrädern die lange Strecke von Wien nach Istanbul auf Nebenstraßen befahren und die Erlebnisse unter dem Titel „TransBalkan“ in einem Buch und einer DVD verewigt. Eine Reise durch 14 Länder abseits von Touristenpfaden, mit zahlreichen humorigen, kuriosen und berührenden Begegnungen. Das Buch kostet 39,90 Euro, die DVD 23,90 Euro, beide sind 2012 in der Verlagsbuchhandlung Brüder Hollinek erschienen; www.hollinek.at oder www.transbalkan.at



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