Banner
Banner
Banner
Banner
Banner


Die schwungvolle Abfahrt ins Dörfchen Trenta ist harmonischer als der strapaziöse Anstieg. Wir sind am über 100 Kilometer langen Flusslauf der Soča, dem Isonzotal. Besonders das schillernde Farbenspiel des Isonzo ist ein Erlebnis: Von Goldbraun, Grün, Türkis bis Aquamarin gibt es je nach Untergrund, Bewölkung, Sonneneinstrahlung und Blickwinkel alle Nuancen und Schattierungen. Die wohlschmeckende Marmorataforelle fühlt sich hier wohl, was viele Angler zu schätzen wissen; Kajakfahrer und Raftingfreunde freuen sich über die Stromschnellen. Kobarid, knapp an der italienischen Grenze, ist die westlichste Gemeinde Sloweniens. Die Ortschaft lebt vom Alpin-Tourismus und kann mit einer europaweit bekannten Gourmetadresse locken, dem Hiša Franko (siehe Infokasten). Kommt man zur richtigen Jahreszeit, stehen hier sogar speziell zubereitete Gerichte mit Bärenfleisch auf der Speisekarte … Wer in Kobarid anderen Interessen nachgehen will, dem empfiehlt sich das Museum des Ersten Weltkriegs, in dem vor allem Erinnerungen an die österreichisch-italienischen Schlachten und den langwierigen Stellungskrieg an der Insonzofront bewahrt werden.

Das Logarska dolina ist eins der schönsten Gletschertäler Europas
Das Logarska dolina (Logartal) ist eines der
schönsten Gletschertäler Europas
In der Weingegend nahe der slowenischen Grenze wird’s schon recht mediterran
In der Weingegend nahe der slowenisch-italienischen
Grenze wird’s schon recht mediterran
Und über den Paulitschsattel einen Abstecher nach Kärnten machen
Über den Paulitschsattel kann man einen
Abstecher nach Kärnten machen
Am Bleder See, der touristischen Paraderegion Sloweniens
Am Bleder See, der touristischen
Paraderegion Sloweniens
In engen Serpentinen vom Vršic-Pass wieder hinunter
In engen Serpentinen vom
Vršič-Pass wieder hinunter
Das ist das Geburtshaus von Marschall Josip Broz Tito in Kumrovec
Das Geburtshaus von Marschall
Josip Broz Tito in Kumrovec

Die Weiterfahrt durch das Isonzotal
erfreut wieder mit der Farbenpracht der Soča und mit schnellen, flüssigen Kurven. Landschaft und Stimmung werden mediterran. Mit jedem gefahrenen Kilometer steigt die Temperatur. Die Strecke nach Görtz führt durch große Weinbaugebiete, zum Teil auch über die reizvolle slowenische Weinstraße. Palmen und südländische Architektur sind die ersten Boten des Mittelmeeres. Bald wird jetzt die Entscheidung fällig, ob man die „große istrische Runde“ über Umag, Rovinj, Pula und Abbazia „mitnehmen“ will oder ob wir über flotte Landstraßen zur Hafenstadt Rijeka abkürzen. Für Istrien soll man mindestens zwei Tage einplanen (siehe „motomobil“-Rollerreise in Folge 006). Noch besser ist freilich eine ganze Woche.

Das Automotodrom Grobnik, die Rennstrecke von Rijeka, ist seit Jahrzehnten die Attraktion für sportive Zweiradfahrer im nördlichen Kroatien. Aus dem Grand-Prix-Kalender ist die Rennstrecke (die im alten Jugoslawien eigentlich als Teil einer militärischen Anlage entstand) seit langem verschwunden, aber für kleinere Veranstaltungen und für Hobbyfahrer ist sie nach wie vor ein heißes Pflaster. Immer wieder gibt es Publikumsfahrtage, an denen man gegen überschaubare Gebühr flotte Runden hinlegen kann. Nur einige Kilometer vom Meer entfernt, sind wir hier schon im Gebirge und können Ende Mai gleich vier verschiedene Jahreszeiten an einem Tag erleben: Die Autobahn Richtung Zagreb mit Sicht auf schneebedeckte Bergrücken führt steil bergauf, sogar hinter der großen Tourenscheibe des Suzuki Burgman 400 wird es bitterkalt.

Über das Plešivica-Gebirge erreichen wie die Weinregion Samobor bei Zagreb, die uns weitaus wärmer empfängt. Es schaut fast aus wie daheim im Vulkanland. Auf der Weinstraße fahren wir Hügel über Hügel und rollen durch zufriedene, entspannte Siedlungen – wie man sie eben vor allem in Weinbaugebieten findet. Zagreb schließlich ist die größte Stadt Kroatiens – aber nur, wenn man alle Vororte hinzurechnet, kommt man auf über eine Million Einwohner. Für eine Hauptstadt also eine recht übersichtliche, fast familiäre Angelegenheit. Zagrebs barocke Altstadt mit ihren vielen top-restaurierten Sehenswürdigkeiten ist schlichtweg beeindruckend, und dennoch hat man den Eindruck, dass es hier um einiges gelassener und ausgeruhter zugeht als in anderen gefeierten Touristenmetropolen des früheren Ostens wie zum Beispiel Prag. Im Zagreber Zentrum werden Tag für Tag 200 historische Gaslaternen durch den eigens beauftragten Bediensteten entflammt, der sich bei aller gebotenen Eile auch für die Kameras der Besucher in Positur zu stellen vermag. Sowohl Unterstadt als auch Oberstadt haben ihr speziellen Reize und die verbindende Drahtseilbahn ist höchst bequem, doch der Fußmarsch zwischen den beiden Stadtteilen lohnt sich nicht nur wegen der vielen Straßencafés und Gastwirtschaften.

Kleine Kontrollfahrt zur berühmten Rennstrecke von Rijeka
Kleine Kontrollfahrt zur berühmten
Rennstrecke von Rijeka
Das prächtige kroatische Nationaltheater in Zagreb
Das prächtige kroatische
Nationaltheater in Zagreb

Wenn’s rasch gehen muss, dann sind es von Zagreb
bis zur österreichischen Grenze Spielfeld mit einem kräftigen Tourenroller nur eineinhalb Stunden. Dazwischen liegt so einiges, das wir aber nicht so einfach „links liegen“ lassen wollen. Das prächtige Schloss Trakošćan samt seiner Parkanlage knapp an der slowenischen Grenze, zum Beispiel. Das ganz neue, international prämierte Neanderthal Museum in Krapina ist eine gute Adresse für jene wenigen unter uns, die aus der Evolution etwas lernen wollen. In eine viel jüngere Geschichte geraten wir, wenn wir dem „Tito Trail“ ins Freilicht-Museumsdorf Kumrovec folgen: Alt-Partisan Marschall Josip Broz Tito wuchs hier auf. Das Geburtshaus des blockfreien Ex-Jugoslawien-Präsidenten ist zu bestaunen, ebenso das bäuerliche Leben im vergangenen Königreich Jugoslawien. Im Kumrovec-Souvenirshop kann man sich mit T-Shirts und anderen Devotionalien zum möglicherweise weitsichtigsten Politikers des vergangenen Jahrhunderts eindecken. Do videnja!

Auf der nächsten Seite: Tipps zur Slowenien-Kroatien-Tour und das MUZEJ MOTOCIKLOV im slowenischen Vransko