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E-ROLLER-TEST

BIMIE GRAZIE WR2


Text: Michael Praschl
Fotos: www.mipra.at
 

BITTE MIT ELEKTRISCH

Erfreulicherweise wird das Angebot an kräftigen E-Scootern, die versicherungs- und leistungsmäßig der 125-Kubik-Hubraumklasse entsprechen, immer größer. Wir testen ein sehr brauchbares 90-km/h-Exemplar


Bimie E-Scooter
 


Der ab 3999 Euro erhältliche Bimie Grazie WR2 wird in China speziell für den europäischen Markt hergestellt und hebt sich wohltuend von manchen früheren China-Importen ab. Bimie ist eine Eigenmarke des Österreich-Importeurs „Bike mit E“. Die Verarbeitungsqualität – auch im Detail – macht einen soliden Eindruck: stabile „Gas“- und Bremsgriffe; kein Scheppern und Wackeln; hochwertige Kunststoffe; sauber verarbeiteter Sitz; stabile Scharniere, Schlösser, Spiegel, Ständer und Haltegriffe. Das Handschuhfach in der Rollerschürze wirkt vielleicht ein bisschen „plastikmäßig“.

Bisher gab es nur sehr wenige erschwingliche elektrische Alternativen zur 125er-Roller-/Motorradklasse, in  Österreich fahrbar mit dem Führerschein A1 oder dem B-Schein mit Code 111. Unsere Befragungen – ich bin Mobilitätsforscher – zeigten, dass dennoch der Wunsch besteht, zumindest mit soliden 80 km/h auf Stadtautobahnen und Landstraßen unterwegs sein zu können. Der Bimie erfüllt diese Anforderung, und die (von mir geprüfte) 90-Kilometer-Reichweite macht den Roller für viele Rollerfreunde alltagstauglich.

Laden kann man – zwischendurch oder über Nacht – an jeder normalen Steckdose. Die knapp 700 Watt Ladeleistung mit dem Schnelllader (Standardlader: 400 Watt) würde sogar das gleichzeitige Laden von drei bis vier Rollern an einer mit den üblichen 16 Ampere abgesicherten Schukosteckdose erlauben. Die Stromkosten sind minimal, und es ist zu hoffen, dass der Akku so wie versprochen eine lange Lebensdauer hat. Die Erneuerung der Akkus machte bei Elektrozweirädern bisher den größten Anteil an den Betriebskosten aus. Was bei früheren E-Rollern oft nicht zufriedenstellend war.

Bimie E-Scooter
Bimie E-Scooter
 

Was vielen Interessenten nicht bewusst ist: Für den Betrieb eines E-Rollers braucht man keine spezielle Ladeinfrastruktur. Entweder man hat eine Steckdose in der Nähe des Abstellplatzes (zu Hause, im Büro, bei Freizeiteinrichtungen), oder man verwendet entnehmbare Akkus, die man in die Wohnung, ins Büro oder auch ins Lokal zum Zwischenladen mitnehmen kann. Den Bimie gab es (wie mein Testmodell) mit fest eingebautem Akku, für die Saison 2019 ist er mit entnehmbarem Akku ausgestattet: Als Modell W2 mit 4 kW (5,4 PS) Spitzenleistung fährt er maximal 70 km/h, er kostet 3499 Euro und hat mit einem 2900-Wattstunden-Akku eine offizielle Reichweite von 65 Kilometern; der aktuelle WR2 kostet 3999 Euro und ist mit 7 kW (9,5 PS) gut 90 km/h schnell; als WR3 um 4299 Euro hat er einen erweiterten Energieinhalt von 3400 Wattstunden.

Die WR2-Testfahrten erstreckten sich auf das Wiener Stadtgebiet inklusive Stadtautobahn, die Autobahn bis Korneuburg und retour, die steilsten Straßen von Wien sowie eine knapp hundert Kilometer lange Rundfahrt über Tulbingerkogel, die Dopplerhütte, Tulln, St. Andrä-Wördern, den Riederberg, bis nach Rudolfsheim-Fünfhaus. Nach diesen 97 Kilometern blinkte der rote Signalbalken („Batterie fast leer“) – die drei Kilometer bis zum Hunderter hätte ich wohl noch geschafft. Der neue Wechselakku hat im Vergleich zum fix eingebauten Akku laut Importeur Arno Mairitsch etwas weniger reale Reichweite (gute 70 Kilometer).

Das Resümee: Das Fahren mit dem Bimie macht wirklich Spaß und ist einfach (ich hatte bisher zwar reichlich Motorrad-, aber kaum Rollererfahrung). Die Bedienung ist simpel: Schlüssel drehen und wegfahren. Auch die Bedienungsknöpfe und Anzeigen sind auf das Nötigste reduziert. Der Ladezustand der Batterie wird durch grüne, gelbe und einen roten Balken gut ersichtlich angezeigt.

Bimie E-Scooter
Bimie E-Scooter
 

Der Fahrkomfort ist passabel. Von einem leichten Kleinradroller mit zirka 100 Kilo Gewicht kann man auf holprigen Straßen natürlich nicht erwarten, dass alle Unebenheiten geschluckt werden. Nach meiner 97-Kilometer-Rundfahrt fühlte ich mich jedenfalls noch sehr wohl. Mit 184 Zentimetern Körpergröße sitze ich schon fast in der Mitte der Sitzbank, aber immer noch bequem – viel größer sollte man allerdings nicht sein. Der Bimie ist sehr wendig und kurvenfreundlich, auch bei Schräglage schleift nichts am Boden (wobei ich kein allzu sportlicher Fahrer bin). Auch der Geradeauslauf ist gut. Auf der holprigen Wiener Höhenstraße mit ihrem Kopfsteinpflaster fühlt man sich mit dem Kleinradroller nicht übermäßig wohl, aber die Kurven durchfährt er stabil und sicher. Es ist zu hoffen, dass die Stoßdämpfer langlebig sind und nicht nachlassen.

Das Fahren mit Sozius geht von der Motorleistung her gut. Sitzen kann man zu zweit auch noch passabel, aber entweder Chauffeur oder Beifahrer – oder beide – sollten eher schlank sein, falls eine längere Ausfahrt geplant ist. Das gilt freilich auch für vergleichbare Benzinroller. Die Bremsen sind kräftig und dosierbar. Der linke Bremsgriff wirkt auf Vorder- und Hinterrad – woran man sich als ehemaliger Motorradfahrer ein bisschen gewöhnen muss, weil dort eigentlich die Kupplung erwartet wird. Der rechte Bremsgriff wirkt nur aufs Vorderrad. ABS gibt’s einstweilen keines. Bei der kombinierten Bremse blockiert im Interesse der Sicherheit zuerst das Hinterrad.

Die Beschleunigung ist erwartungsgemäß gut, wobei das Anfahren sanft und problemlos machbar ist. Bis zirka 60 Stundenkilometer fährt man den meisten Verkehrsteilnehmern davon, bis etwa 85 km/h geht es mühelos, und den 90er erreicht man mit etwas Geduld. Auf der Autobahn Richtung Korneuburg schaffte ich gemessene 93, auf der Rückfahrt sogar 97 km/h. Die Maximalgeschwindigkeit hängt auch etwas vom Ladezustand des Akkus ab. Der Tacho zeigt übrigens ganz genau an (plus/minus 1 km/h). Mit der Steigfähigkeit gibt’s keinerlei Probleme: Ich schaffte sogar die steilsten Straßen von Wien – die Balsaminengasse im 14. Bezirk und den Dinsfüßlweg in Ottakring, der im Maximum immerhin 22 bis 25 Prozent Steigung hat.
 
Bimie E-Scooter
Bimie E-Scooter
 

Die angegebene Alltagsreichweite von 90 Kilometern ist realistisch. Ich gehe daher davon aus, dass auch die 70 Kilometer des neueren Modells mit Wechselakku stimmen. In der ersten Testphase mit Autobahn, Steigfähigkeitstests und insgesamt eher starker Beanspruchung schaffte ich 81 Kilometer, mit einer Restspannung von 70,4 Volt – das heißt, etwa zehn Kilometer wären noch gegangen,  hochgerechnet somit etwas über 90 Kilometer. In der zweiten Testphase schaffte ich 97 Kilometer– eine Tour „am Stück“ mit Restspannung 64,4 Volt. Wobei einige Berge wie Exelberg und Riederberg sowie zwei Höchstgeschwindigkeitstests enthalten waren, aber ansonst gemäßigt gefahren wurde (nicht über 70 km Stundenkilometer und Bergaufstrecken mit zirka 45 bis 50 km/h). Bergab wird vom Hinterradnabenmotor natürlich rekuperiert und somit Energie rückgewonnen. Mit zurückhaltender Fahrweise und nicht zu vielen Hügeln wird man die 100 Kilometer überschreiten können. Es ist zu hoffen, dass der Akku diese Kapazität möglichst lange hält (das heißt fünf bis zehn Jahre mit zumindest 80 Prozent Restkapazität). Der Hersteller gibt 1000 Ladezyklen beziehungsweise 50.000 Kilometer Haltbarkeit an; es gibt zwei Jahre Garantie; ein Ersatzakku kostet 1190 Euro.

Das Laden (von 64,4 Volt auf 84,4 Volt) dauert mit dem Schnelllader sechs bis sieben Stunden, wobei man nach einer Stunde Laden schon wieder rund 20 Kilometer fahren könnte. Der Lüfter des Ladegeräts ist vernehmbar, das Laden über Nacht im Schlafzimmer ist daher nicht zu empfehlen. Das Geräusch lässt sich dämpfen, wenn das Ladegerät unterm Sitz verbleibt und dieser bis auf einen Spalt geschlossen wird (die Belüftung ist dann ausreichend). Laut Importeur Mairitsch ist das Normalladegerät (400 Watt) deutlich leiser, ebenso der seit Ende 2018 erhältliche Schnelllader.

Unterm Sitz lässt sich ein mittelgroßer Jethelm gut unterbringen, sofern das Ladegerät nicht dort mittransportiert wird. Eine größere Einkaufstasche kann man vorne im Fußbereich mitführen, was ein großer Vorteil der klassischen Roller im Vespa-Stil ist. Wer also ein bißchen Pioniergeist hat und eine gut brauchbaren Elektro-Alternative zu einem 125er-Benzinroller sucht, ist mit dem Bimie Grazie WR2 fein bedient und wird auch Spaß damit haben. Vertrieb in Österreich: www.bikemite.at

Bimie E-Scooter
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Bimie E-Scooter


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FINDE ICH GUT
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