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125er-TEST
    SUZUKI RV 125 VANVAN       Text: Matthias Hauptmann Fotos: Suzuki, Hauptmann
 

SELBSTZITAT

Mit der VanVan greift Suzuki auf die eigene Geschichte zurück: Die von 1972 bis 1982 gebauten RV 50, RV 90 und RV 125 waren die herzige Ballonreifen-Alternative zu Vespa, Zündapp, Fantic und Co

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Und die Neuauflage sieht auch ein wenig retro aus und hat ebenfalls Ballonreifen. Damit enden aber bereits die Gemeinsamkeiten: vier statt zwei Takte beim Antrieb; deutlich größere Räder und Reifen; auch der Tank findet sich nun klassisch zwischen den Knien des Fahrers statt unter der Sitzbank. Allzu weit gehen die Parallelen also nicht – was auch sein Gutes hat: Die Straßenlage der VanVan ist rundum weitaus erwachsener als ihr historisches Vorbild. Geradeauslauf und Kurvenlage sind dank langem Radstand und großer Abrollumfänge ernsthaft motorradmäßig und satt. Als kleiner Nachteil des Erwachsenwerdens ist sie nicht die Leichteste und auch in den Abmessungen ein Motorrad.

Suzuki RV 125 VanVan
Suzuki RV 125 VanVan

Dicke Reifen, breite Kotschützer.
Eine rundliche Sitzbank mit einem verspielten Zierband, das sich schön vom Schwarz des Bezuges abhebt und den Retrocharakter weiter fördert. Dazu ein Rundscheinwerfer sowie ein klassischer Analogtacho – natürlich auch rund. Sogar einen serienmäßigen Gepäckträger hat man ihr gegönnt. Insgesamt ist die VanVan eine sympathische Erscheinung und optisch wie praktisch ein Funbike. Nur bei den Rückspiegeln haben die Designer in Hamamatsu ins falsche Regal gegriffen: Wer, bitteschön, hat diesem Barockengel die viereckigen Spiegel verpasst?

Der Motor der VanVan ist ein recht alter Bekannter. Schon die GN- und DR-Modelle wurden von diesem kleinen luftgekühlten Viertakter befeuert. Ein ehrliches und haltbares Aggregat. Nun wird als Tribut an zeitgemäße Emissionswerte per Einspritzung beatmet, am Grundpaket wurde aber nicht viel geändert. Wozu auch – die kleine Suzuki schiebt auch so recht ordentlich an: Alle 20 Stundenkilometer den Gang wechseln, dann geht zügig was weiter. Der Sechste wäre so für rechnerische 120 gut, dafür reichen aber die 12 PS naturgemäß nicht aus. Bis 80 km/h beschleunigt die VanVan aber ordentlich, Neunzig gehen mit ein wenig Anlauf. Für den Hunderter darf der Anlauf dann schon erheblich sein – dafür ist es der kleinen Suzi aber auch egal, ob man sitzt oder unwürdig auf ihr flach liegt. Tapfer.

Weniger brav ist der recht spürbare Lastwechselruck,
der sich beim harten Beschleunigen kaum vermeiden lässt. Und hart muss auch die Suzuki gedreht werden, wenn man es mit dem Ankommen eilig hat.

Diese Sitzbank der RV ist ein Gedicht! Unendlich lang, dick gepolstert und für den Sozius fast schon von Clubfauteuil-Format. Der Beifahrer hält auf diesem Sofa locker länger durch als der Tankinhalt, der Fahrer sitzt ebenfalls sehr entspannt. Easy going, wie von der knubbeligen Optik versprochen. Dazu passend ein hoher und breiter Lenker mit angenehmer Kröpfung.

Einen 180er-Hinterradreifen findet man an keiner anderen 125er – fett!
Einen 180er-Hinterradreifen findet man an
keiner anderen 125er – fett!

Dank dicker Reifen ist Dämpfung keine ausschließliche Frage der Federelemente:
Soviel Luft führt zwangsläufig zu schönem Komfort. Wobei die Kombination aus dickem, grob profiliertem Hinterrad und Monofederbein nicht nur zum Einsatz auf unbefestigtem Geläuf animiert, sondern dort sogar Spaß macht. Ganz der Opa also – die frühen RV-Modelle (für Recreational Vehicle) wurden ja ebenfalls als Spaßmobile beworben. Auch die simple Gabel der VanVan hält im einfachen Gelände mit, solange die überfahrenen Kanten nicht zu eckig und die Löcher nicht zu groß werden. Dann schlägt sie nämlich durch. Auf der Straße passt die Fahrwerksabstimmung der einfachen Telegabel aber ebenso einwandfrei wie das Schluckvermögen des Monofederbeins. Die vordere Scheibenbremse hat mit den 128 Kilo plus Fahrer leichtes Spiel, die kleine Trommelbremse hinten ist hingegen ein wenig zahnlos.

Mit dem Wendekreis eines Kinderfahrrads lassen sich andere Verkehrsteilnehmer wie Slalomstangen umcarven. Kein Roller kann da mithalten. Im innerstädtischen Geläuf reicht auch der Druck des kleinen Viertakters, um vor allen Autos zu bleiben und als Erster recht respektlos ums Eck zu flitzen. Der Fun-Charakter der VanVan färbt eben auf ihren Fahrer ab und macht ihn zum fröhlichen Innenstadt-Anarchisten. Wer sagt denn, dass die Fahrt ins Büro keinen Spaß machen darf?

Mit ihrer Perlmutt-Lackierung und dem neckischen Zierstreifen in Pink ist die VanVan ein klein wenig eitel. Als würde sie verschämt verheimlichen wollen, dass sie eigentlich ein braves Arbeitstier ist. Für die tägliche Fahrt in die Arbeit, für Schotterstraßen und den Spaß am Sandstrand (falls man dort noch darf). Gerne auch zu zweit und über längere Strecken, solange die Steigungen in erträglichem Rahmen bleiben. Die Optik ist Geschmacksache, hebt sich aber definitiv vom Einheitsbrei ab. Und angesichts des offiziellen Aktionspreises fällt die Entscheidung für die VanVan jetzt noch leichter.

Luftgekühlt, zuverlässig, sparsam. Offensichtlich die funktionierende Zauberformel für diese Hubraumklasse
Luftgekühlt, zuverlässig, sparsam. Offensichtlich die
funktionierende Zauberformel für diese Hubraumklasse
Gabel wie Bremse sind günstig, aber ausreichend in Dimension und Wirkung
Gabel wie Bremse sind günstig, aber ausreichend in Dimension und Wirkung
 

TECHNISCHE DATEN: SUZUKI RV 125 VANVAN
MOTOR 1-Zyl.-4-Takt, luftgekühlt, SOHC, 2 Ventile, EFI
HUBRAUM 125 ccm 
LEISTUNG 8,7 kW (12 PS) bei 8250/min  
DREHMOMENT 9,8 Nm bei 7700/min 
GETRIEBE Sechsgang 
FAHRWERK Stahlrahmen, Stahlschwinge 
AUFHÄNGUNG vo/hi Telegabel 33 mm, Zentralfederbein 
RADSTAND 1385 mm 
FEDERWEG vo/hi 110/136 mm 
BEREIFUNG vo/hi Dunlop 130/80-18, 180/80-14 
BREMSEN vo/hi Scheibe 220 mm 2-Kolben/Trommel 
SITZHÖHE 770 mm 
TANKINHALT 6,5 l 
GEWICHT (vollgetankt) 128 kg 
SPITZE 102 km/h 
TESTVERBRAUCH 2,8 bis 3,1 l/100 km 
PREIS € 3690,– (Aktion € 3390,–)
VERTRIEB/INFO www.suzuki.at

 
 
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