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ROLLER-REISE

DIE SCHÖNSTEN BADEPLÄTZE IM OSTEN ÖSTERREICHS


Text: Redaktion
Fotos: Michael Bernleitner
 
 

KÄSTCHEN, KABINEN UND KABANEN

Wir zahlen laut Tarifordnung keinen Eintritt, sondern eine „Gebühr“ und halten uns jederzeit an die Kleidervorschrift und an die Badeordnung


049 Seebad Lunz kl
 
 

Kaum eine Hitzewelle vergeht
ohne das obligate Ranking der beliebtesten Freibäder, ohne eine Aufzählung der geheimsten Waldbäder und der hipsten Ziegelteiche. Weil der Sommer 2015 ein besonders denkwürdiger Sommer ist, will die „motomobil“-Redaktion in einer kompakten Überschau die „geheimsten der Geheimtipps“ anbieten, damit keine sonnige Mußestunde in diesem Jahr mehr verloren geht. Wir tauschen den Computerbildschirm gegen Vogelgezwitscher, Büroschlaf gegen Tiroler Nussöl und bringen ganz zuerst einen wunderbaren Badeplatz in die Diskussion, der zwar einigermaßen gut erreichbar ist, den aber trotzdem kaum jemand kennt.

Schwimmen wir im Strudengau – aber nicht in der Donau. Sondern mit herrlichem Blick auf die Donau. Am bewaldeten hügeligen Ufer, wo mitten durch die Liegewiese ein bezauberndes klares Gebirgsbächlein am Edelstahlschwimmbecken vorbei in den Donaustrom plätschert. Die 800-Seelen-Ortschaft Sankt Nikola liegt kurz nach der Grenze von Niederösterreich nach Oberösterreich, also schon im Mühlviertel, und die Gemeindeväter haben den (hoffentlich dankbaren!) Bürgern ein Freibad spendiert, das seinesgleichen sucht.

Sankt Nikola im Strudengau
Sankt Nikola im Strudengau: Baden mit
herrschaftlichem Ausblick auf den Donaustrom
Kristalltherme Thermalbad Fischau
Das Thermalbad Fischau („Kristalltherme“) weckt
die Lebensgeister mit 19 Grad Wassertemperatur
 

Noch geheimer als geheim und so verschwiegen, dass es nur im Juli und August schon am Vormittag geöffnet hat. Außerhalb der Hochsaison geht’s erst um 12 Uhr los. Das Entgelt für die Freibadeanlage, also die Tagesgebühr, beträgt lachhafte 2,80 Euro. Den halben Euro Mehrpreis für einen Kästchenschlüssel bezahlt man nicht einmal dann, wenn einen der Herr Badewart – der am anderen Kioskfenster auch das Buffet bewirtschaftet – zum erstenmal begrüßt. Das Buffet gibt einen Sommerg’spritzten um 1,50 Euro aus, bei den Snacks stehen auch die politisch nicht mehr korrekten Zigeunerräder von Kellys um 1,90 Euro auf der Liste, ein Wiener Städtisches Sommerbad könnte sich das ohne Shitstorm nicht leisten.

Die Sonnenschirme sind zur freien Entnahme. Trotz des großzügigen Beckens gibt es eine Gegenstromanlage, außerdem eine Nackenmassagedusche und dann noch Warmwasserduschen im Umkleidebereich – man fährt blitzsauber und ohne Sonnenmilch auf der Haut nach Hause. Ein weiterer schöner Aspekt: Bei einer Tagesrandreise vom Tullner Becken oder von Wien aus kann man Sankt Nikola mit einem kleinen Wachaubesuch und der entsprechenden Stärkung in einer der vielen feinen Gaststätten elegant verbinden. So angenehm kann ein öffentliches Freibad sein.

Thermalbad Vöslau
Thermalbad Vöslau
Das nächste „motomobil“-Badebeispiel soll zeigen, dass man seine heilige Ruh’ nicht nur in einem entlegenen Dorfplanschbecken finden kann, sondern auch in einem berühmten Klassiker. Das riesige Thermalbad Vöslau ist ein terrassenförmig angelegtes architektonisches Juwel der Jahrhundertwende und ist stilgetreu erhalten geblieben. Unten gibt es Kabinen und Kabanen und ein meistens voll belegtes, beheiztes Tausend-Quadratmeter-Becken. Nach der erfrischenden Schwedendusche kommt man zum „Grünen Becken“, wo die Ursprungsquelle ständig 21 Grad kühles frisches Vöslauer Mineralwasser nachschenkt. Beim oberen kleinen Waldbecken (die historisch wertvollen Duschventile stammen sichtlich noch aus k.-u.-k.-Zeiten) schließlich ist man schon ziemlich allein und kann von der Milchbar in den schattenspendenden Föhrenwald lustwandeln.

Kaiserlich erleben wir auch das nur 17 Kilometer entfernte, denkmalgeschützte Thermalbad Fischau, das früher unter „Kristalltherme“ geläufig war. Die gelb-grünen Holzkabinen sind seit über hundert Jahren unverändert; bis 1992 war die Anlage im Besitz der Familie Habsburg. Knapp an den Bergen und nur wenig von Wiener Neustadt entfernt, spürt man hier nichts mehr von der drückenden und sonst allgegenwärtigen Tristesse des Wiener Beckens, die bei 36 Krügel noch drückender wirkt. Wir wissen nun, dass Therme nichts mit Wärme zu tun hat – Bad Fischau ist nichts für Warmduscher und Nichtschwimmer: Vom 19 Grad kalten Wasser fließen täglich 40 Millionen Liter nach und erneuern den Beckeninhalt vier Mal am Tag; die Bassins sind so tief, dass auch einigermaßen solid gewachsene Menschen gerade mit den Zehenspitzen den Kiesboden berühren können. Hier wird man richtig munter. Sensationelles Besucherservice: Bleibt man kürzer als zwei Stunden und hat den Bon noch, bekommt man einen Teil des Eintrittspreises rückerstattet.

So gut wie immer kühlend, also mit Wassertemperaturen nur in Hitzeperioden über 20 Grad, ist das traumhaft schön gelegene Seebad in Lunz im Mostviertel. Allein die Anreise über das Pielachtal oder über Sonntagberg ist für Roller- und Motorradfahrer ein ganz besonderer Tagesausflug. Die perfekte Ausrüstung für den Lunzer See ist eine stabile Luftmatratze sowie die unschlagbare Wurstsemmel mit eingebautem Gurkerl und kühle Buttermilch mit Erdbeergeschmack. Der erfahrene Badeprofi besorgt sich das am besten kurz vorher im Spar-Supermarkt in Gaming, knapp vor der Kartause Gaming: Die freundlichen Feinkostverkäuferinnen hier sind nämlich ebenfalls Profis und ordnen die Fächergurke so in die Wurstblätter ein, dass die Frische drin bleibt und nicht das Gebäck letschert macht. So gehört das. Und noch eine gute Nachricht: Die Tageskarte mit Kästchen im Seebad Lunz kostet vernachlässigbare drei Euro, das sind Preise fast wie zu Raab und Figls Zeiten.
 

Thermalbad Vöslau
Zufriedene Dauergäste
im Thermalbad Vöslau
Lunz am See Strandbad
Lunz hat das wahrscheinlich schönste
Strandbad an einem österreichischen See
 
Neuwaldegger Bad
Das Neuwaldegger Bad wurde seit 1925
immer nur behutsam renoviert
Neuwaldegger Bad
Für das Buffet kocht die Chefin
tagesfrische Hausmannskost

034 Ottensteiner Stausee kl
Das Waldviertel zeigt sich von
der angenehmsten Seite
Neuwaldegger Bad
Wahrscheinlich die „nachhaltigsten“ Umkleide-
kästchen, die man sich vorstellen kann
 

So ein bisschen ein stimmungsvolles Pendant zu Sankt Nikola oder Lunz wäre in der Bundeshauptstadt das privat geführte Neuwaldegger Bad im 17. Wiener Bezirk, Endstation 43er. Nicht wegen der Preise, die Tageskarte saugt immerhin 15 Euro aus dem Börsel. Die ruhesuchenden Gäste – es gibt hier auch einen gewissen Promifaktor – zahlen die Tarife gerne und bedanken sich dafür, es ist zweifellos das öffentliche Freibad mit den besten Umgangsformen. Nur einen Steinwurf von der multikulturellen Lautstärke der Hernalser Hauptstraße entfernt, fühlt man sich in eine Wienerwald-Oase versetzt, in der die Zeit langsamer vergeht.

In das schöne große Edelstahlschwimmbecken wurde zwar schon vor über 30 Jahren investiert, aber sonst wurde das Neuwaldegger Bad seit 1925 immer nur behutsam renoviert. Es gibt viel gut riechendes Holz, aus den Old-style-Kästchen-Umkleideräumen ist zwar die selige Piz-Buin-Reklame von früher verschwunden, es hängt aber noch ein historischer Zeozon-Schminkspiegel an der Wand. Die so gut wie nie überfüllte Badeanstalt ist nicht explizit kinderfreundlich, aber auch nicht kinderunfreundlich – auch wenn manche nicht mehr wiederkehrende Besucher diverse Internet-Bewertungsportale damit anfüllen, dass sich der wehleidige Sproß auf der Liegepritsche einen Schiefer eingezogen hat.

schilder

Für das Buffet kocht die Chefin, Frau Eva Dolezel, tagesfrische Speisen – und zwar Hausmannskost, die man besser nicht machen kann. Die Gefüllten Paprika mit Kartoffeln haben mit 11,50 Euro zwar selbstbewussten Preis, aber andererseits ist ein Tafelspitz mit Rahmfisolen um 12,50 Euro nicht gerade überteuert. Schnittlauchbrot und Buttermilch mit Soda sind eine Kombination, die man ein Leben lang mit dem Neuwaldegger Bad in Verbindung bringt. So soll der Sommer sein.

Abschließend ganz etwas anderes. Der Ottensteiner Stausee im Waldviertel ist so, wie man sich Kanada vorstellen könnte, wenn man noch nie dort gewesen ist. In der neuen touristischen Sprachregelung heißt er nun Kampsee Ottenstein, und an der zig Kilometer langen Küstenlinie muss man sich die Wildbadeplätze richtig erarbeiten, wenn man nicht unbedingt die Highlights Deckerspitz oder Fürnkranzmühle frequentieren will. Am besten, man fragt die mit profunder Ortskenntnis ausgestattete Frau Hubaczek im Infozentrum beim Seerestaurant Ottenstein um aktuelle Tagestipps. In den Rückweg lässt sich auch hier wieder ganz wunderbar ein abendlicher Imbiss in der Wachau integrieren. Was damit bewiesen wäre: In einer ordentlichen Hitzewelle geht’s sogar am besten ganz ohne Kästchenmiete oder Tagesgebühr!


tripipp braun


010 St.Nikola klFREIBAD SANKT NIKOLA AN DER DONAU
Geöffnet im Juli und August von 09.00 bis 19.00 Uhr, außerhalb der Hochsaison von 12.00 bis 18.00 Uhr, Kästchen-Tageskarte 2,80 plus 0,50 Euro, Abendkarte 1,50 Euro. Marktplatz 1, 4381 Sankt Nikola, Tel.: 07268/815 518; www.st-nikola.at; www.oberoesterreich.at/freibaeder



THERMALBAD VÖSLAU
004 Thermalbad Voeslau kl
Geöffnet von Ende April bis Ende September von 08.00 bis 19.30 Uhr, Kästchen-Tageskarte ab 7,80 Euro, Spätbesucherkarte ab 3,50 Euro. Maital 2, 2540 Bad Vöslau, Tel.: 02252/762 66-0; www.thermalbad-voeslau.at



019 Fischauer Thermalbad klFISCHAUER THERMALBAD (KRISTALLTHERME)

Geöffnet von Ende April bis Ende September von 09.00 bis 19.30 Uhr, Kästchen-Tageskarte ab 7 Euro, Abendkarte 2 Euro. Hauptstraße 10, 2721 Bad Fischau, Tel.: 02639/22 22; www.fischauer-thermalbad.at




023 Seebad Lunz klSEEBAD AM LUNZER SEE

Geöffnet in der Badesaison von 09.00 bis 19.00 Uhr, Kästchen-Tageskarte 3 Euro, 3293 Lunz am See, Tel.: 07486/87 30 oder 80 81; www.schwimmbadcheck.at; www.lunz.at



028 Neuwaldeggerbad klNEUWALDEGGER BAD

Geöffnet von Anfang Mai bis 15. September von 09.00 bis 18.30 Uhr, Kästchen-Tageskarte 15 Euro, Spätbesucherkarte 8 Euro. Promenadegasse 58, 1170 Wien, Tel.: 01/486 24 52; www.facebook.com/neuwaldeggerbad



041 Ottensteiner Stausee klOTTENSTEINER STAUSEE (KAMPSEE OTTENSTEIN)

Infozentrum Region Kampseen, Frau Nina Hubaczek, Peygarten-Ottenstein 215, 3532 Rastenfeld, Tel.: 0664/494 08 14; www.kampseen.at






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