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LANDPARTIE 17

MIT DEM E-BIKE AM TRAUNSEE


Text & Fotos: M. Bernleitner
 

UNTERM TRAUNSTEIN

Mit dem elektrischen Bergrad lassen sich fast alle Gipfel im schönsten Seengebiet Österreichs erklimmen. Nur mit dem Downhill hapert’s noch ein bisschen


001 Traunsee E-Bike kl
 
 


Der Herr an der Kassa
der Talstation der Feuerkogelseilbahn schaut zuerst mich an, dann das Fahrrad. Er bekommt plötzlich einen mitleidigen Blick. Dabei habe ich nur gefragt, ob ich das Elektro-Mountainbike in der Gondel mit hinaufnehmen kann. Ja, mitnehmen schon, aber oben auf den Panorama-Fußwegen darf man nicht fahren, und somit hätte ich dann nichts vom schönen E-Bike …

Aber, was ist denn mit der berühmten Feuerkogel-MTB-Strecke? Der Feuerkogel-Downhill sei eine der schwierigsten Downhill-Strecken Österreichs. Also wirklich sehr schwierig, und somit keinesfalls ein empfehlenswerter Ausflug für jedermann. Jedermann scheine genau ich zu sein. Offensichtlich kann man mit einem E-Bike doch nicht dasselbe wie mit einem hilfsmotorlosen, um zehn Kilo leichteren Muskelmountainbike, denke ich mir zuerst. Oder eben ich kann es nicht, wie nach dem mitleidigen Blick und der milden Stimme des Herrn an der Feuerkogelseilbahnkassa eigentlich unschwer zu urteilen ist.

012 Traunsee E-Bike kl
Ausblick vom Gmundnerberg
auf Traunsee und Traunstein
010 Traunsee E-Bike kl
Die ewig lange Bergaufstrecke
entlang des Rindbachs
 
016 Traunsee E-Bike kl
Pfarrkirche Traunkirchen,
dahinter wieder der Traunstein
022 Traunsee E-Bike kl
Seeschloss Ort, bekannt
aus Funk und Fernsehen
 

Soll mich der Feuerkogel doch gern haben, Geschäft macht er jedenfalls keines mit mir. Es gibt genügend Offroad-Routen in der südlichen Traunsee-Gegend, die deutlich kundenfreundlicher und entspannender sind als die Knochenbrecherstrecke, zu der mir die Auffahrt verwehrt wird. Zum Beispiel zum Vorderen und Hinteren Langbathsee – eine Tour, die hohen Naturgenuss bei gleichzeitig stetigem Anstieg verspricht. Kommt man von der idyllischen Halbinsel Traunkirchen, dann fährt man zuerst auf der alten Uferbundesstraße, die wegen des 2007 eröffneten Geißwandtunnels jetzt hauptsächlich als Fahrradweg benutzt werden kann und den entlang des Traunsees Radelnden in Sommerfrischestimmung versetzt.

024 Traunsee E-Bike kl
Das historische Zentrum
in Gmunden
Die Feuerkogel-Seilbahnstation lassen wir aus verständlichen Gründen links liegen. Zur rechten Hand plätschert der Langbathbach über kleine Kaskaden und verschafft sogar bei brütender Sommerhitze angenehme Abkühlung. Obwohl man in kürzester Zeit auf dem markierten Mountainbikeweg beachtliche Höhenmeter überwindet, ist die Route trotzdem als gemütlich einzustufen. Man hat sogar das Gefühl, über längere Zeit eben dahinzufahren, und das nicht nur wegen der E-Unterstützung.

Am Vorderen Langbathsee ist man schon auf 664 Meter Seehöhe; der Hintere Langbathsee liegt, noch einen Stock höher, auf 732 Meter mitten in einem grandiosen Kessel aus steil aufragenden Felswänden an den Ostabbrüchen des Brunnkogels. An vielen Stellen reicht der Wald bis direkt ans naturbelassenene Ufer. Von hier führen weitere Mountainbikerouten ab, die fast die ganze Gegend zwischen Traunsee und Attersee erschließen.

Zurück in Traunkirchen fehlen nach 30 Kilometern nur zwei Teilstriche der Ladestandsanzeige von insgesamt sechs am Panasonic-Display. Die GPS-Aufzeichnung im Hosensack verrät, dass zwischen Traunkirchen und Hinterem Langbathsee doch immerhin 390 Meter Höhenunterschied liegen. Mit den 624 Wattstunden des Akkus im EH-Line-Bike käme man sogar bequem rund um den Traunsee, wenn es eine befahrbare Bergstrecke gäbe.

Der magische Augenblick ist da, wenn einem am Höhepunkt der sommerlichen Hitzeperiode nach einer Bike-Runde das erste Mal das Seewasser mit unerwartet samtener Weichheit umschmeichelt und bei diesen Temperaturen mit einer angenehmen Frischheit überrascht – und nicht wie sonst des Öfteren mit seiner kühlen Traunseefrische erschreckt. Ein nächtliches Gewitter lässt die Temperatur dann wieder auf angenehme Sommertemperaturen sinken, wie das im Salzkammergut halt so ist. Am schönsten zu erleben auf der Bootshausterrasse des Seehotels „Das Traunsee“, wo der gegenüberliegende Traunstein vom Sonnenuntergang in ein dramatisches Farbspiel getaucht wird.

023 Traunsee E-Bike kl
Villa Toscana auf der gleichnamigen
Halbinsel bei Gmunden
015 Traunsee E-Bike kl
Johannesbergkapelle auf der
Halbinsel Traunkirchen
 
003 Traunsee E-Bike kl
Fahrt auf der alten
Ufer-Bundesstraße
029 Traunsee E-Bike kl
Gmunden hat die kleinste
Straßenbahnlinie der Welt
 

Möglicherweise eine der schönsten Mountainbikestrecken in Österreich überhaupt ist die Route von der Gemeinde Ebensee über die Fahrnau zum versteckt liegenden Offensee. Eine Tour, die sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene Höhepunkte liefert. Es geht los mit der – für Nicht-Elektriker – äußerst schweißtreibenden Umfahrung des Rindbachwasserfalls. Die Zeit für die Besichtigung des Naturschauspiels Rindbachwasserfall, der in mehreren Stufen fotogen in die Tiefe fällt, soll man sich in jedem Fall nehmen. Für die folgende acht Kilometer lange Bergaufstrecke auf einer für Biker freigegebenen Makadam-Forststraße muss man schon gestählte Muskeln haben, um ohne Tretunterstützung Freude daran zu haben. Dafür wird man mit beeindruckenden Ausblicken auf den in einer tiefen Klamm herabrauschenden Rindbach belohnt.
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Die Gmundner Keramik ist eine der
bekanntesten Attraktionen der Region

Die Abfahrt zum Offensee wird noch steiler, und ich komme endlich zum spektakulären Downhill-Erlebnis. Aber anders als gedacht. Der Routenbeschreibung auf der Tourismus-Webseite von Ebensee habe ich bereits entnommen, dass von einer überhasteten Abfahrt vom Steineck auf einem Wandersteig (200 Höhenmeter) sehr abzuraten ist: „Der verantwortungsvolle Biker steigt vom Rad und führt es seitlich den Weg hinunter.“ Rasch merke ich, dass es sowieso gar nicht anders geht. Das kleinweise Bergab-Bugsieren des Pedelecs auf dem gerölligen und wurzeligen Saumpfad ist anstrengend genug.

Oder doch? Ein paar mechanische Geräusche, die immer vernehmlicher werden. Dann höre ich laut von hinten: „Weg!“ Beim Umdrehen sehe ich gerade noch einen Freerider mit vollem Geschäft auf mich zukommen. Das Fahrrad verschlägt es links und rechts, die Gabel bis zum Anschlag eingefedert, trotzdem lässt er nicht nach. Muss eindeutig einer von den streckenkundigen Locals sein. In dem Moment, in dem er an mir vorbeibrettert, gibt er sich freundlich und höchst entspannt: „Ah, da wird’s a bissel rumplert.“ Echt cool. Ob er rechtzeitig hätte bremsen können, wenn ich den knapp meterbreiten Trail nicht blitzartig mit einer Rückwärtsrolle gegen den Steilhang geräumt hätte, samt E-Bike? Ich weiß es nicht. Ich glaube, ihn aus dem Augenwinkel erkannt zu haben. Es muss der Herr von der Feuerkogel-Liftkassa gewesen sein, so sieht man sich wieder.

Ein gemütlicher Seeufer-Spaziergang auf der mediterranen Gmundner Esplanade bringt den Puls wieder runter. Oder ein Besuch in der berühmten Gmundner Keramik. Auch eine Traunseeschifffahrt auf dem ehrwürdigen Raddampfer Gisela tut gut. Ebenso ein, zwei Stationen in den extrem schön gepflegten Triebwagen der elektrischen Tramway – die Gmundner Tram ist immerhin die kleinste ununterbrochen bewirtschaftete Straßenbahnstrecke der Welt. Und mit zehn Prozent Steigung im steilsten Abschnitt ist sie eine der weltweit steilsten Adhäsionsstrecken im Schienenverkehr. Mit dem E-Bike komme ich da locker mit.