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E-BIKE-TOURING

MIT DEM SMART EBIKE AUF DIE SILVRETTA


Text: Michael Bernleitner
Fotos: Konstantin Tschovikov, M. Bernleitner
 
 

RUF DES GLETSCHERS

Mit den Bergen die Kräfte zu messen, allein dies zählt wirklich …


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Noch immer ist die Bezwingung
der Silvretta Hochalpenstraße eine der verlockendsten Herausforderungen für den Motoralpinisten. Die Aufgabe, die ich mir gestellt hatte, war schwer: Nicht mit Pkw, Motorroller oder Motorrad, sondern mit einem Fahrrad mit Hilfsmotor würde der Anstieg erfolgen. Auf die Bieler Höhe per Pedal, das ist für mich so wie der Nanga Parbat ohne Sauerstoff. Es geht auf über 2000 Höhenmeter; 34 Kehren warten auf ihre Meisterung; das Wetter kann unerwartet und schnell umschlagen und hat schon viele mangelhaft vorbereitete Tourenfahrer böse überrascht.

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Das Vorhaben soll im klassischen Expeditionsstil durchgeführt werden, mit Extrawurstbrot, Kraftriegel, Energiegetränk und Windjacke im Rucksack. Ein Team mußte rasch zusammengestellt sein, denn die klimatischen Verhältnisse der Silvretta lassen eine Aussicht auf Erfolg nur während der wenigen Sommermonate von Juni bis Oktober zu. Nicht umsonst erzählt man sich hinter vorgehaltener Hand, dass hier die Bewohner der entlegenen Bergtäler die im Winter Verstorbenen einfach auf den Dächern der Hütten tiefgefroren ruhen lassen, um sie erst nach Frühlingsanbruch hinunterzubringen und zu beerdigen.

Mit von der Partie
ist Tilo, eine junger Wissenschafter, der am Vermunter Stausee die Fahrt unter elektrotechnischen Aspekten untersuchen will sowie später, in noch größerer Höhe, sich mit der Thematik der Bremsenergierückgewinnung befassen möchte. Konstantin, der expeditionserprobte Kameramann, hält sich in einem Begleitfahrzeug mit dunkler Verglasung dezent im Hintergrund.

Das Basislager ist Tschagguns, denn wir wollen über die klassische Montafoner Südroute nach Partenen, wo wir erst auf die Fahrräder umsatteln. Um vier Uhr früh brechen wir noch vor dem Morgengrauen auf. Die Fahrt bis zum Mauthäuschen und zu den ersten Kehren der Silvretta Hochalpenstraße verläuft wie erwartet problemlos; spätestens ab hier ist man von mächtigen Dreitausendern umzingelt.

Im Montafon kann man mittlerweile in fast jeder Unterkunft und an jeder Liftstation ein elektrisches Fahrrad mieten. Meistens E-Mountainbikes, oft sogar mit Full Suspension vorne und hinten, üppigen Akku-Kapazitäten, manchmal mit Mittelmotor und manchmal mit bis zu 30 Gangstufen. Haben wir mit dem Smart ebike die richtige Ausrüstung gewählt? Einem Designerstück, das mit sanftem Zahnriemenantrieb und BionX-Hinterradnabenmotor mit integriertem Dreiganggetriebe vor allem für den unkomplizierten Einsatz in der City konzipiert wurde? Oder werden wir vor den Streckenabschnitten mit 17 Prozent Steigung kapitulieren müssen? Die Silvretta wird es uns zeigen.

Der Energieinhalt des Smart ist mit 423 Wattstunden keineswegs knapp bemessen. Es ist mit 26,1 Kilo Eigengewicht aber auch nicht gerade leicht. Aus Sicherheitsgründen unterstützt der E-Motor beim Wegfahren erst ab einem Tempo von 2,5 Stundenkilometern, und stärkerer Schub kommt dann, wenn auch auf das zweite Pedal ein Fuß gesetzt wird. An die Anfahrtechnik auf stärkeren Steigungen gewöhnt man sich jedoch rasch. Mein Bergkamerad Tilo rät mir, von den vier möglichen Unterstützungsgraden vor allem die Stufen Zwei und Drei zu wählen, um die Bieler Höhe auch wirklich erreichen zu können.

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Daran halte ich mich
und trete ohne ohne übermäßige Pulserhöhung zielstrebig vor mich hin. Alleine mit meinen Gedanken und der atemberaubenden Landschaftskulisse krame ich mein angelesenes Wissen über das Vorarlberger Montafon hervor: „Wir verbringen eine schöne Zeit und sparen Geld“, so schrieb einer der berühmtesten Gäste des Tals in einem seiner Briefe aus dem Urlaub. Der spätere Literaturnobelpreisträger Ernest Hemingway erlebte hier die Winter 1924/25 und 1925/26. Die Hemingway-Rechnung war einfach: Während sich die Reichen seiner Epoche in den noblen Wintersportorten Frankreichs und der Schweiz tummelten, herrschte in Österreich galoppierende Inflation. Der junge Journalist kam mit einem Betrag in Fremdwährung an und der wurde im Lauf der Zeit kaum geringer. Kindermädchen aus Schruns, privater Schilehrer aus Lech, Pokerrunden und Zechgelage auf den Berghütten, für die Hemingway-Familie kein Problem.

Bei zügiger Fahrt unterstützt der BionX-Antrieb spürbar freudvoller, und um nicht weinerlich zu werden, drücke ich nach dem Vermunt Stausee die Stufe Vier rein. Das hilft. Nur an den zwei ärgsten Steilstücken gibt es etwas brennende Oberschenkel, aber ganz ohne Atemnot – wir sind ja doch ohne Sauerstoffmasken unterwegs. Wie weit ist es noch bis zur Bieler Höhe? Stunden oder Tage? Ich habe kein Verhältnis zur Zeit mehr, habe aufgehört, sie zu messen, einzuteilen.

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Die Freude über die Ankunft
auf der Bieler Höhe ist riesig
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Langsam wieder zu
Kräften kommen …
 

Schließlich sind wir da. Es gibt das Gipfelfoto, die üblichen Gratulationen und einen – trotz der kühlen Witterung notwendigen – Schluck, um innerlich nicht auszutrocknen. In aufgekratzter Stimmung erfolgt eine beeindruckende Abfahrt über das Zeinisjoch, den Stausee Kops und einen schmalen Güterweg, auf dessen 23-prozentigem Gefälle sogar die Rekuperationsstufe Vier gewählt werden kann. Durch die Energierückgewinnung haben wir zurück in Partenen wieder zwei Teilstriche mehr in der Ladestandsanzeige am BionX-Display, das entspricht in der Ebene einer Reichweite von 20 Kilometern und kommt mir fast so wie geschenktes Geld vor. Immer mehr verstehe ich, warum es Mister Hemingway im Montafon so gefallen hat. Und wir nehmen die Erkenntnis mit, dass heutzutage ein gut gemachtes elektrisches Citybike um knapp dreitausend Euro völlig ausreichend ist, um komfortabel auf die Silvretta zu fahren.


Auto Rallye




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ANREISE & ALLGEMEINES
Aus Ostösterreich kommt man am raschesten über den Arlberg und die Arlbergschnellstraße S16 Richtung Bludenz ins Montafon. Will man schon die Anfahrt genussvoll und kurvig gestalten, so bietet sich das Tiroler Paznauntal und die Silvretta Hochalpenstraße an – man kommt sozusagen „von oben“ herein. Aus der Schweiz gibt es Anfahrtsmöglichkeiten über Chur oder über Sankt Gallen; deutsche Tourenfreunde nehmen den Pfändertunnel, die Rheintalautobahn und dann die Abfahrt Bludenz.
Das knapp 40 Kilometer lange Montafon ist entlang der oberen Ill das südlichste Vorarlberger Tal. Der Name kommt von den rätoromanischen Wörtern mont (Berg) und tavon (Tobel). Es wird von drei mächtigen Gebirgszügen begleitet: im Nordwesten vom Rätikon, im Süden von der teilweise vergletscherten Silvretta und im Nordosten von der Verwall-Gruppe. Der Bergblick wird von gewaltigen Dreitausendern dominiert, höchste Erhebung ist der Piz Buin mit 3312 Metern. Im hochalpinen Tal dauern die Winter lange, die Sommer haben angenehmes Klima. Die wirtschaftliche Struktur wird von Viehzucht, Forstwirtschaft und Femdenverkehr geprägt. In 11 Ortschaften leben zirka 18.000 Bewohner.

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ATTRAKTIONEN & AKTIVITÄTEN
036 Montafonhaus klDurch seine Lage ist das Montafon eine Hochburg des Wintersports, aber auch im Sommer gibt es pralles Programm: Mountainbiken; Paragliden; Tennisplätze; Schwimmbäder; Golfplätze; Kletter-, Angel- und Reitmöglichkeiten. Der Wasserpark Mountain Beach in Gaschurn mit riesigen, in die Bergwelt integrierten Badeteichen ist mittlerweile ein europäisches Paradebeispiel für naturverträgliche Freizeitanlagen; www.mountainbeach.at. Im Schaustollen des historischen Bergwerks Bartholomäberg kann man die kargen und harten Arbeitsbedingungen einstiger Bergknappen bestaunen; http://kristberg.at/Bergwerkstollen.html. Im nahen, romantischen Silbertal sieht man zum gleichen Thema ein Bergbaumuseum; www.silbertal.at. Fröhlichere Exponate besichtigen wir im liebevoll gestalteten Tourismusmuseum in Gaschurn, das einem 051 TIPPSMontafonmuseum klHotel um 1900 nachempfunden wurde; Infos unter Tel.: 05556/747 23; www.montafoner-museen.at. Die Europatreppe in Partenen mit ihren 4000 Stufen und 700 Metern Höhenunterschied ist die längste gerade Treppe in Europa, der „Treppenrekord“ liegt bei 20:28 Minuten; www.vermuntbahn.at. Die Silvretta Classic ist eine der hochkarätigsten Veranstaltungen für historische Automobile im Alpenraum, sie findet 2014 von 3. bis 6. Juli statt; in ihrem Rahmen findet auch die 5. Silvretta E-Auto Rallye Montafon statt; Infos unter Tel.: 0049/711/182-1837 und www.silvretta-classic.de. Die Maut auf der von Juni bis Oktober geöffneten Silvretta Hochalpenstraße beträgt für Pkw 14 Euro, für Motorräder 11 Euro, Gäste im Montafon zahlen 12,50 Euro beziehungsweise 10 Euro; Tel.: 05556/701/831 67, www.silvretta-bielerhoehe.at. Auch ein Besuch der Bezirkshauptstadt Bludenz mit ihrer historischen Altstadt und vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten ist lohnend; www.bludenz.at

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GUT SCHLAFEN & GUT ESSEN
045 TIPPSPosthotelRossle klIm feinfühlig auf den Fremdenverkehr eingestellten Hochgebirgstal Montafon findet der Reisende Unterkünfte für jeden Geschmack und jede Brieftasche. Blitzsaubere (und zuweilen sehr stimmungsvolle) Frühstückspensionen gibt es bereits ab zirka 25 Euro pro Person. Wir empfehlen zwei feine Herbergen der gehobenen Kategorie: Im seit 200 Jahren bestehenden Posthotel Rössle in Gaschurn ist man in guter Gesellschaft – es war zwar nicht Ernest Hemingways Haupthotel, aber auf seinen Touren in die Silvretta logierte er hier immer wieder. Die Hotelierfamilie Keßler verbindet seit fünf Generationen traditionelles Ambiente mit zeitgemäßem Komfort, sehenswert sind die heimeligen Speiseräume mit den fürs Montafon so typischen Holzvertäfelungen. Übernachtungspreise 2014 ab 62 Euro pro Person inklusive 5-Gang-Halbpension; 6793 Gaschurn, Tel.: 05558/83 33–0, www.posthotel-roessle.at. 043 TIPPSMontafonerhof kl

Erste Adresse in Tschagguns ist der Montafoner Hof. Alle großzügigen Zimmer haben Sonnenbalkon und sind mit naturbelassenem Holz liebevoll eingerichtet; zum Entspannen gibt es neben der Sauna ein Hallenbad mit 28 Grad Wassertemperatur und Durchschwimmtor ins Freibecken; das Restaurant Montafoner Stube ist von Gault Millau mit zwei Hauben ausgezeichent. Inklusive Halbpension kostet die Übernachtung im Doppelzimmer ab 102 Euro; 6774 Tschagguns, Tel.: 05556/710 00, www.montafonerhof.com

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LITERATUR & KARTENBuch
Nicht so aktuell wie ein Reiseführer, aber es hat mindestens den gleichen Informationswert: Der Vorarlberger Journalist Günther J. Wolf brachte im Jahr 2000 das Büchlein „Paradies ohne Wiederkehr – Hemingway im Montafon“ heraus, das leicht konsumiert werden kann und mit vielen zeitgenössischen Schwarz-Weiß-Fotos eine stimmige Lektüre ist. Etliche Hotels, Wirtshäuser und Almhütten bestehen noch immer, was einen interessanten Zeitvergleich ermöglicht. Ebenso interessant ist auch, dass sich die Urlaubsgewohnheiten, der Zeitvertreibe und die Wünsche früherer Reisender gar nicht sehr von unseren unterscheiden. Das Taschenbuch (ISBN 3-9501274-0-2) kann mit etwas Glück antiquarisch oder über den Montafon Tourismus besorgt werden; Tel. 05556/722 530, www.montafon.at
Gut gerüstet ist man mit der großen Vorarlberg-Straßenkarte von Freytag & Berndt im Maßstab 1:100.000, in der auch kleine Nebenstraßen gut verzeichnet sind; ISBN 3707904458, 9,99 Euro. Noch viel detailreicher im Maßstab 1:50.000 ist die 2013 neu erschienene Wanderkarte 374 Montafon aus dem gleichen Verlag (mit Radwander- und Mountainbike-Routen), ISBN 9783707910841, 8,99 Euro; www.freytagberndt.at

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INFO & WWW
Der Montafon Tourismus in 6780 Schruns, Montafonerstraße 21, ist bei Prospektversand, Zimmernachweis und Auskünften gerne behilflich; Tel.: 05556/722 530, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. , Homepage www.montafon.at. Hier gibt’s auch alle regionalen Veranstaltungen und direkte Links zu den 11 Dörfern im Tal. Nützliche Infos findet man auch auf www.tiscover.at/montafon




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