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LANDPARTIE 14

ROLLER-REISE: AM NORDUFER DURCH DIE WACHAU


Text und Fotos: Michael Bernleitner
 
 
 

DIE BEZAUBERNDE WELT DER SMARAGDEIDECHSE

Die Wachau ist das perfekte Roller-Reiseziel: auch mit kleinen Hubräumen zügig zu erreichen – aber trotzdem eine eigene Wunderwelt


001 Wachau Landpartie kl
 
 

Eine Smaragdeidechse
möchte man sein, und dann am besten eine Smaragdeidechse in der Wachau. Man ist Wappentier einer sehr honorigen Winzervereinigung; die gehaltvollsten Weißweine Österreichs sind nach dir benannt, sowie auch manche Zimmer in den feinsten Hotels der Gegend; man kann Winterschlaf halten; und man wohnt in einem berühmten, durch die UNESCO geschützten Welterbe, genauer gesagt in den in mühevoll in Handarbeit errichteten und instand gehaltenen Trockensteinmauern, die für die Kultivierung der Weinterrassen so wichtig sind. Das Klima ist gut: Trockensteinmauern geben die tagsüber gespeicherte Wärme in der Nacht wieder ab, und überhaupt wird es hier in der Wachau um einen Monat eher Frühling als im gleich benachbarten Waldviertel. Das prächtige Schauspiel der vollen Marillenblüte findet hier schon um den 10. April statt. Obwohl geologisch gesehen die Wachau ein Teil des Waldviertels ist.

Vom in schöner Unregelmäßigkeit immer wieder kommenden Donauhochwasser bin ich genügend weit weg. Als Smaragdeidechse hast du natürlich ein paar Fressfeinde, aber du findest selber immer genug gute Käfer und Insekten zu essen. Auch die anderen Bewohner und die Besucher der Wachau legen sehr großen Wert darauf, köstlich zu essen und verpflegt zu werden. Von den vielen zahlungskräftigen und zahlungswilligen Gästen der Region wirst du geachtet und geschätzt, und sie freuen sich über eine Begegnung.

008 Wachau Landpartie kl
Das Kellerschlössel in Dürnstein
mit seinem mächtigen Weinkeller
010 Wachau Landpartie kl
Anfahrt vom Seiberer
nach Weißenkirchen
 





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Das bizarre Raiffeisen-
Denkmal in Mühldorf
022 Wachau Landpartie kl
Das erstaunlich nahe und gleichzeitig
so abgeschiedene Bergdorf Köfering
 

Große Hektik und übermäßige Gier
gibt’s hier nicht wirklich. Die Winzer pflücken die Trauben schonend mit der Hand, sie tragen eigentümliche karierte Flanelljanker und wenn sie einander begegnen, dann grüßen sie sich mit dem seltsamen Gruß „Steinfeder!“, was ein hier wachsendes Bodenkraut oder -gras bezeichnet. Die auf der ganzen Welt begehrten weißen Weine unterteilen sie in die Kategorien „Steinfeder“, „Federspiel“ und – wie gesagt – „Smaragd“, das hat etwas mit dem Preis und mit dem Alkoholgehalt zu tun. Ihre Frauen sind so wohlhabend, dass fast jede von Ihnen eine Goldhaubensammlung zuhause hat, die sie mindestens einmal im Jahr herzeigt. Andauernd wird irgendetwas gefeiert, ob es jetzt der Erntebeginn ist, ein Erntedank, frische Marillen oder ein neuer Wein, fast immer ist was los, dafür ist dann der Winter sehr ruhig. Es ist eine sehr gute und sehr schöne Gegend.

Hat man’s nicht ganz so gut erwischt und ist keine Wachauer Smaragdeidechse, sondern ein gemeiner Bürger und Steuerzahler, dann soll man trotzdem hinfahren. Einmal oder besser mehrmals im Jahr. Was bei genauer Betrachtung wenig überraschend ist: Auch – oder sogar besonders – mit einem sparsamen 125er-Motorroller ist die Wachau das perfekte Reiseziel. Aus Linz ist man ganz ohne Autobahn in knapp eineinhalb Stunden in der Wachau. Von Wien-West sind es auf Bundesstraßen nicht einmal fünf Viertelstunden. Beim Ende April jährlich stattfindenden Seiberer Bergpreis nehmen unzählige veteranöse Motorroller der Nachkriegszeit teil (darunter die schönsten und teuersten Klassik-Vespas), die fast alle auf eigener Achse an- und abreisen und nicht auf Transportern herangekarrt werden. Ein komfortabler Tourenroller wie der Honda Integra ist ebenfalls gut. Mit allem anderen ist man in der Wachau schon regelrecht übermotorisiert.

059 Wachau Landpartie kl
Bäckereimuseum der Familie
Stummvoll in Mühldorf
065 Wachau Landpartie kl
Wachauer Eselabenteuer in
Rantenberg bei Emmersdorf
 
072 Wachau Landpartie kl
Typischer Wachauer
Lesehof bei Loiben
099 Wachau Landpartie kl
Herbst am Wachauer
Welterbesteig
 
 

„Die schönste Gegend ist ein gedeckter Tisch“. Das sinnige Sprüchlein wird dem großen Lustspieldichter Johann Nepomuk Nestroy zugeschrieben. Eine Sichtweise, der man unter gewissen Umständen sich gerne anzuschließen geneigt ist. Eine schöne Landschaft fördert friedliche Stimmung und Entspannung, erst recht eine gute Mahlzeit. Die ganze Wachau ist ein gedeckter Tisch. Zur schönen Landschaft im 30 Kilometer langen Donautal zwischen Melk und Krems kommen malerische Städtchen und Dörfer, die in ihrer stimmigen Architektur einzigartig und unnachahmbar sind.