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LANDPARTIE 9

AM SÜDUFER DURCH DIE WACHAU


Text: Michael Bernleitner
Fotos: Michael Filippovits, Michael Bernleitner

DAS RUHIGE UFER

Scooter-Entdeckungsfahrt in den etwas stilleren Teil des UNESCO-Welterbes


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Man kriegt’s nicht raus aus dem Kopf.
„Wachau“ sagen, das heißt Mariandl und Hofrat Geiger, Spitz und Dünstein. Man kennt die Venus von Willendorf, die Vier Mädels aus der Wachau, die Lindenwirtin vom Donaustrand, den Jamek, den Holzapfel und die Sandgrube 13, weinsame Klasse. Sogar der reiselustige Sonderling Joseph Kyselak hinterließ anfangs des 19. Jahrhunderts eine seiner berühmten Felskritzeleien am nördlichen Donauufer der Wachau – und nicht am Südufer, obwohl er auch dieses durchstreift hat.

Es ist hier nicht ganz so quirlig wie am Nordufer, hier strömt – außer zur Marillenblüte – kein Massentourismus durch, keine Radfahrerkolonnen fahren Rad an Rad. Auch die Ausflugs- und Donaukreuzfahrtschiffe bleiben am Nordrand stehen, in Dürnstein, Krems oder Spitz. Eigentlich ist der Grund ja völlig logisch: Die Dichte an landschaftlichen, kulturellen und kulinarischen Höhepunkten zwischen Krems und Emmersdorf ist unübertroffen. Hier ist die Wachau ein Ausnahmezustand, im Vergleich dazu kann sich jede andere Region nur im Leisetreten üben. Wenn man aber anerkennt, dass die prächtigen Benediktinerklöster Stift Melk und Stift Göttweig aus den jeweiligen Richtungen quasi die Eingangsportale zur Wachau bilden, dann hat wiederum das Südufer die Nase voran.

Blick von der Ferdinandswarte stromaufwärts
Blick von der Ferdinands-
warte stromaufwärts
Orientierungshilfe im Blumendorf Nesselstauden
Orientierungshilfe im
Blumendorf Nesselstauden
Im Weiler Hub, mit ungewohnter Perspektive auf Schloss Schönbühel
Im Weiler Hub, mit ungewohnter
Perspektive auf Schloss Schönbühel
Stift Melk mit seinen 365 Fenstern
Stift Melk mit seinen
365 Fenstern

Ich möchte den aufmerksamen „motomobil“-Leser
nur ungern mit einem immer wieder aufgewärmten Schmäh strapazieren und tue es trotzdem: Dass das Südufer die bessere Seite der Wachau ist. Deswegen, weil man von hier aus den besten Blick auf das schöne Nordufer hat! Haha. Alt, aber gut. Da ist wirklich was dran. Die 30 Kilometer lange Strecke von Mautern bis zur Melker Donaubrücke ist tatsächlich viel mehr Panoramastraße als die Norduferstrecke: Stift Dürnstein, Ruine Dürnstein, Weißenkirchen, Spitz mit Tausendeimerberg, Pfarrkirche und Rotem Tor präsentieren sich in herrlichen Postkartenansichten, die man natürlich nur von hier aus hat.

Wallfahrtskirche Maria Langegg im Dunkelsteinerwald
Wallfahrtskirche Maria Langegg
im Dunkelsteinerwald
Marienkirche in Mauer bei Melk
Marienkirche in
Mauer bei Melk
Gotische Pfarrkirche St. Katharina in Mitterarnsdorf
Gotische Pfarrkirche
St. Katharina in Mitterarnsdorf




 .
Und der Blick von oben ist fast noch besser.
Wir rolle(r)n das Südufer von Mautern, also vom Osten her auf. Und verlassen es auch gleich wieder, bergauf über Mauternbach und das Dörfchen Unterbergern kommen wir zum Abschnitt des Jakobswegs zwischen Göttweig und Melk, wo gleich daneben in einem Wäldchen auf einem steil abfallenden Felsen die 1890 erbaute Ferdinandswarte liegt. Obwohl die Aussicht aus 370 Meter Höhe grandios ist, ist die Ferdinandswarte touristisch nicht über die Maßen bekannt – sogar am Wochende hat man gute Chancen, den atemberaubenden Blick in Ruhe zu genießen und Augen und Gedanken in die Ferne schweifen zu lassen. Viele der Wachauer Juwelen liegen da, aufgereiht wie die Perlen: Dürnstein samt Stift und Ruine; das Napoleondenkmal; das frisch renovierte barocke Kellerschlössel; das neue Weingut von Winzerberühmtheit F. X. Pichler, Ober- und Unterloiben; der Pichlhof; aus der Kremser Richtung kann man klar und deutlich die Piaristenkirche erkennen.

Bedrohung von oben: Burgruine Aggstein
Bedrohung von oben:
Burgruine Aggstein
Stift Göttweig vom Jakobsweg aus betrachtet
Stift Göttweig vom Jakobsweg
aus betrachtet
Die Barockorgel in Maria Langegg
Die Barockorgel in
Maria Langegg
Marillenspezialist Harald Aufreiter verarbeitet die Wachauer Paradefrucht in allen Variationen
Marillenspezialist Harald Aufreiter verarbeitet die
Wachauer Paradefrucht in allen Variationen

Vom Dunkelsteinerwald gibt es immer wieder gute Möglichkeiten,
rasch zurück auf die Uferstraße zu kommen. Vom Blumendorf Nesselstauden aus kann man sogar eine wascheche Offroadpiste unter die Räder nehmen. Wir nehmen von Oberbergern eine lauschige sechs Kilometer lange Straße durch einen Märchenwald und kommen unten in Rossatz wieder raus. Abseits der im Zentrum schmalen Hauptstraße erfreut das Dörfchen durch die so typische historische Wachau-Architektur: Schiffsmeisterhäuser, Lesehöfe, Wehrkirchen – auch das Südufer ist gut gefüllt mit Kostbarkeiten. Bald kommen die vier Arnsdörfer: Bacharnsdorf, Mitterarnsdorf, Hofarnsdorf und Oberarnsdorf – es steht sich dafür, den Scooter abzustellen und eine oder mehrere der friedlichen und ruhigen Ortschaften zu Fuß zu erkunden. Zum Schloss Hofarnsdorf führen stille kleine Gassen, an der Donaulände gibt’s dann als Dreingabe einen wunderbaren Blick auf Spitz.

Fingerzeig auf der Göttweiger Kaiserstiege
Fingerzeig auf der
Göttweiger Kaiserstiege
Die hoch thronende Burgruine Aggstein mit ihrer Raubrittervergangenheit und dem grausamen „Rosengärtlein“ muss als eine der bekanntesten Wachauer Attraktionen kaum näher erklärt werden. In Aggsbach-Dorf bekommen wir die Gelegenheit, wieder abzubiegen und etwas Kurvenschwingen im Dunkelsteinerwald zu genießen: entweder auf der elf Kilometer langen Strecke von der Kartause Aggsbach über Wolfstein und Kochholz nach Mauer bei Melk, mit flotten und zügigen Biegungen; oder – ebenso gut ausgebaut – nach Maria Langegg, wo die Besichtigung der barocken Wallfahrtskirche am Programm steht. Die ist deswegen interessant, weil ihre Erbauer (aus welchen Gründen auch immer) finanziell sehr haushalten mussten und es daher im Inneren keine prunkvollen Skulpturen und Reliefs gibt, sondern farblich intensive Malereien, die eine Dreidimensionalität sehr gekonnt vortäuschen – ähnlich der vor allem auf Tirolerhäusern bekannten „Lüftlmalerei“. Mehrmals jährlich finden in Maria Langegg bei freiem Eintritt hochkarätige Orgelkonzerte auf der restaurierten Barockorgel statt (Tipps im Infokasten).

Lassen wir uns weiter bis nach Gansbach und Oberwölbling/Unterwölbling treiben, dann wird der Dunkelsteinerwald immer dunkler. Er wandelt sich von einem Märchenwald in einen Wald, wo Gedanken an ernsthafte mystische Erzählungen aufkommen und auch an gefährliche Räuber und Wegelagerer. Das Gedenkkreuz „Beim Toten Mann“ wird Grund und Ursache haben. Auch die Gedenkstelle „Tote Frau“ neben einer kleinen Kapelle bezeugt  eine schauerliche Geschichte. Haben wir aber den Weg nach Mauer bei Melk gefunden, bekommen wir auch hier die Möglichkeit, eine interessante sakrale Sehenswürdigkeit zu besichtigen: In der Marienkirche gibt es den großen gotischen Schnitzaltar aus 1510, der weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt ist, wie man aus den vielen Besuchern schließen kann.

Das mächtige, imposante Schloss Schönbühel schließt das Wachau-Südufer kurz vor Melk ab. Befährt man die Sackstraße beim Weiler Hub und hinter dem Ort noch einige hundert Meter eine kleine Schotterstraße, gibt’s als Geschenk einen Eindruck, wie er in keinem der vielen Wachaureiseführer vermerkt ist: Der Blick schweift über das Stift Melk, Maria Taferl und Ybbs-Persenbeug bis ganz tief hinein in den Nibelungengau; in der anderen Richtung hat man eine seltene Ansicht von Schloss Schönbühel und Kloster Schönbühel. Obacht bei einem eventuellen Besuch dieses Servitenklosters: Der fleißige „motomobil“-Reporter wurde hier vor wenigen Jahren bei der Klosterpforte von einem (unter Naturschutz stehenden) Hornissenschwarm attackiert und konnte sich mit einigen „Streifstichen“ gerade noch in Sicherheit bringen … Besser, wir gehen ins Wirtshaus. Dafür ist Schönbühel ein guter Ort: Der Gasthof Stumpfer liegt unspektakulär neben einem Campingplatz und ist eine der wichtigsten kulinarischen Adressen am Südufer. Die Top-Adressen sind bei weitem nicht so dicht gestreut wie am berühmten Nordrand – aber es gibt sie. Und schöne Aussichten noch dazu.


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GUT ESSEN & GUT TRINKEN
Die allerbesten Adressen am Südufer der Wachau konzentrieren sich in und um Mautern. Allen voran natürlich das Genießerhotel Landhaus Bacher der Familie Wagner Bacher, das zu den drei besten Restaurants Österreichs und auch zu den Top-Adressen der europäischen Spitzengastronomie gehört: drei Hauben Gault Millau, zwei Michelin-Sterne und 99 von 100 Punkten im aktuellen Falstaff-Restaurantguide sind die Belohnung für die andauernde Höchstleistung des Familienbetriebes. Südtiroler Platz 2, 3512 Mautern, Tel.: 02732/829 37; www.landhaus-bacher.at. Ebenfalls in Mautern befindet sich der renommierte Nikolaihof der Familie Saahs, wo regionale Küche hauptsächlich mit Bio-Lebensmitteln aus der nahen Umgebung angeboten wird. Auch die eigenen Weine des Nikolaihofs werden biodynamisch nach dem Demeter-Prinzip hergestellt. Auf römischen Grundmauern errichtet, ist der Nikolaihof das älteste Weingut Österreichs. Nikolaigasse 3, 3512 Mautern, Tel.: 02732/829 01; www.nikolaihof.at. Längst kein Geheimtipp mehr ist der Landgasthof Schickh in Klein-Wien bei Furth/Göttweig: ein legendäres Ausflugslokal auf hohem Niveau, gutbürgerliche Küche mit saisonalen Gerichten, Avastraße 2, 3511 Klein-Wien, Tel.: 02736/72 18; www.schickh.at. Am Melker Ende des Wachau-Südufers wird man in Schönbühel im Gasthof Stumpfer hervorragend verköstigt. Herzhafte Hausmannskost und verfeinerte regionale Küche gibt’s hier zu sehr plausiblen Preisen, 3392 Schönbühel 7, Tel.: 02752/85 10; www.stumpfer.com.

Wer feine Produkte aus der berühmten Wachauer Marille mit heimnehmen möchte, ist beim Weinhof Aufreiter im südlich der Donau gelegenen Krems-Angern genau richtig: Marillennektar, Marmelade, Frizzante, Edelbrände und Likör wird von Harald Aufreiter und Familie hergestellt und ab Hof verkauft. Dorfstraße 34, 3506 Krems-Angern, Tel.: 02739/22 05; www.weinhof.at. Hier noch zwei sehr empfehlenswerte Buschenschank-Adressen: Den Heurigen von Karl Supperer findet man in 3602 Rossatz 51, Tel.: 02714/63 96; www.supperer.at. Und in Rührsdorf ist man im Weingut Polz ganz besonders gut aufgehoben und bekommt edle Kreszenzen serviert, 3602 Rossatz, Rührsdorf 22, Tel.: 02714/63 26; www.polzwachau.at


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GUT WOHNEN & GUT SCHLAFEN
In vielen der in der Essensrubrik angeführten Häusern kann man auch gepflegt wohnen, zum Beispiel im Genießerhotel Landhaus Bacher, im Nikolaihof oder im Weinhof Aufreiter. Eine sehr verlässliche und qualitätvolle Vereinigung ist die der „Genießerzimmer Niederösterreich“: Alle Mitgliedsbetriebe vermieten Zimmer in besonders schönem Ambiente. So kann man zum Beispiel seit kurzer Zeit sogar direkt im Stift Göttweig vornehm absteigen; www.geniesserzimmer.at


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INFOS & WWW
Wachau, Wald- und WeinviertelViele nützliche Infos, Pläne, Broschüren und Zimmernachweis erhält man vom Tourismusverband Donau Niederösterreich, der sein Büro in 3620 Spitz, Schlossgasse 3 hat, Tel.: 02713/300 60-0, www.wachau.at oder www.donau.com
Als Reiseführer ist „Wachau, Wald- und Weinviertel“ von Barbara Reiter und Michael Wistuba aus dem Michael Müller Verlag höchst empfehlenswert, weil er handlich und kompakt ist und dabei in übersichtlicher Form alle aktuellen Informationen zum Nord und Südufer der Wachau bietet. ISBN 9783899536522, 16,90 Euro, www.michael-mueller-verlag.de

Wachau-MagazinTollen Lesestoff, die aktuellsten Empfehlungen und die schönsten Wachaufotos gibt’s im jährlich neu erscheinenden „Wachau-Magazin“, das man in vielen Hotels, Restaurants und Heurigenbetrieben in der Wachaus kostenlos bekommt; es kann auch unter Tel.: 0662/822 127 bestellt werden.

Die Termine der im „motomobil“-Bericht erwähnten Orgelkonzerte in der Barockkirche Maria Langegg kann man auf der Webseite www.maria-langegg.kirche.at oder unter Tel.: 0664/374 19 17 erfahren. Und auf der Webseite www.dunkelsteinerwald.net gibt’s aktuelle Infos, aber auch viel Mystisches, Sagen, Märchen und Brauchtum zur Region.





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