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E-BIKE-REISE

MIT STROM DURCHS ELSASS


Text: Ekatharina Bernleitner
Fotos: Michael Bernleitner
 
 

BUTZENSCHEIBEN, EDELZWICKER UND SAUERKRAUT

Genüsse sollen wieder abgestrampelt werden. Beim Strampeln hilft das E-Bike, bei den Genüssen das Elsass


Bergheim im Elsass
 
 
 
Das oberösterreichische Welterbe Hallstatt wurde in China nachgebaut und ist dort jetzt eine Touristenattraktion; von Venedig, New York, Paris, Hawaii und dem Comer See gibt es Imitate in Las Vegas, die nicht weniger beliebt sind.
Für die unvergleichliche Märchenwelt des Elsass muss man nach wie vor ins Elsass reisen, und das ist schön so. Man spricht von elsässischer Gemütlichkeit, französischem Savoir-vivre und von deutscher Verlässlichkeit – und genau hier findet man diese wunderbare Mischung, die dem Österreicher auf Anhieb vertraut vorkommt und wo er sich wohl fühlt. Noch dazu, wenn er dabei schön essen und schön trinken kann.

Dabei haben es die Elsässer in den langen Jahren des deutsch-französischen Gezerres um diese Region nicht immer leicht gehabt. Alleine innerhalb von 75 Jahren im 19. und 20. Jahrhundert mussten die Elsässer vier Mal die Nationalität wechseln, das ist für Außenstehende eigentlich ziemlich unvorstellbar und in Europa nur mit dem oftmaligen Nationalitätenwechsel im Istrien des 20. Jahrhunderts vergleichbar. Wenn nicht wieder was schiefgeht, erscheint dafür die elsässische Zukunft mit dem Besten aus beiden Regionen umso schöner und freundlicher.

Bergheim im Elsass
Auf der Fahrt zum alten
Stadttor in Bergheim
Weinstraße Elsass
Typisches Bild der
Elsässer Weinstraße



Markthalle in Colmar
Markthalle in Colmar: frisches
Gemüse und gereifter Käse
Hunawihr
Blick von Hunawihr
Richtung Ribeauvillé
 
Riquewihr im Elsass
Das Dörfchen Riquewihr zeitig in
der Früh vor dem Besucheransturm
Blumenschmuck im Elsass
Erste Vorbereitungen für den
sommerlichen Blumenschmuck
 

Das Gute und Schöne liegt viel näher als man denkt. Aus dem Westen Österreichs sowieso, und aus Wien ist man mit dem Flugzeug in eineinhalb Stunden in Basel (mit einem Flughafenausgang direkt nach Frankreich). Und mit dem Mietauto eine halbe Stunde später auf der Route des Vins, der elsässischen Weinstraße. Vorher gäbe es in Mulhouse noch die unglaublichste Autoschau der Welt, die Cité de l’Automobile, zu inspizieren und bewundern.

Sie wurde in den 1970ern schlagartig als die „Schlumpf-Sammlung“ bekannt und berühmt – und zwar genau in jenem Moment, als die Brüder Fritz und Hans Schlumpf durch den Niedergang der Textilindustrie und durch Steuerschwierigkeiten ihrer teuren Spielzeuge verlustig wurden. Die ihrer Löhne harrenden Arbeiter der Schlumpf-Fabriken staunten nicht schlecht, als sie die Größe und die Pracht der Sammlung in den Hallen entdeckten und sie besetzten die weißen Kieswege unter den historischen Kandelabern sicherheitshalber gleich zwei Monate lang. Aus den beiden französischen Unternehmern wurden Schweizer, die dort in größerer Nähe zu ihrem verbliebenen Vermögen waren. Jedenfalls: Wenn man bis jetzt fix geglaubt hat, dass es so etwas wie „Schönheit der Technik“ nicht gibt, dann geht man erneuert aus diesem Automuseum wieder hinaus.

Fahrrad, Roller oder Motorrad? Das vielfältige Elsass hat für alle zweirädrigen Fortbewegungsarten eine besonders geeignete Region zu bieten. Mit dem Motorrad oder Maxiscooter ist man am besten im Nord-Süd-Gebirgszug der Vogesen aufgehoben: Die kurvenreiche Kammstraße mit ihren herrlichen Panoramen ist ein magnetischer Anziehungspunkt. Auf dem Weg liegen gastfreundliche Bauernhöfe und kulinarische Köstlichkeiten wie die regionaltypische üppige Melkerjause, das Menu Marcaire, das bis jetzt noch jeden Wanderer und Mountainbiker schnellstens wieder gestärkt hat.

Ein gutes Elektrofahrrad ist auch irgendwie so etwas wie ein Motorrad, ein kleines halt. Und das ist hier am besten in der Gegend der elsässischen Weinstraße aufgehoben. Fast im Viertelstundentakt kommt man auf aussichtsreichen Fahrradstrecken durch die bezauberndsten Dörfer und Städte und kann dort pausieren, sich aufpäppeln oder Besichtigungen machen. 2500 Kilometer Radwege gibt es im Elsass und dutzende Tourenvorschläge. Alleine der E-Bike-Verleih Movelo betreibt 36 Verleih- und 45 Ladestationen. Man kommt mit dem E-Bike an wunderbare Plätze, die man sonst mit einem motorisierten Fahrzeuge nie erreichen könnte.

Eguisheim
Spargel-Quiche-Einkaufen
in Eguisheim
Colmar
Klein-Venedig
in Colmar
 
Eguisheim
Die mittelalterlichen Gassen in Eguisheim sind
kreisförmig rund um den Hauptplatz angelegt
Riquewihr
Auch Elektrofahrradfahren
macht durstig
 
Andlau im Elsass
In Andlau: Was sollte der Bär
anderes fressen als Weintrauben?
Obernai im Elsass
Gute Aussicht auf das
Städtchen Obernai
 

Bald nach der Mülhausener Schlumpf-Sammlung ist man in Eguisheim, einer der stimmungsvollsten Ortschaften im Elsass. Die Altstadt ist kreisrund, die Straßen sind in konzentrischen Ringen rund um den Hauptplatz angelegt. Liebevoll gepflegte Fachwerkhäuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, wohin das Auge blickt. Zeitig im Frühjahr sind sie noch ohne üppigen Blumenschmuck, wodurch sie in ihrer Farbenpracht fast noch besser zur Geltung kommen. Will man sich über diese transportablen Häuser (die früher wegen ihrer Bauweise nicht als Immobilien galten) näher informieren, kann man später in Andlau eine ständige Ausstellung über elsässische Handwerkstechniken besuchen.

Nächste Station ist Colmar, die Hauptstadt der Weinstraße. Gleichzeitig Kulturzentrum – bekanntestes Kulturdenkmal ist der Isenheimer Altar, der neben seiner religiösen Bedeutung zugleich eines der Hauptwerke deutscher Malerei ist. Man flaniert durch Klein-Venedig (Petite Venise) mit seinen schmalen Kanälen oder durch das Gerberviertel bis zur Ringstraße, und es gibt zahlreiche Museen, die mehr als ein Schlechtwetterprogramm sind.

Ab Kaysersberg, von wo aus man einen Abstecher in die Vogesen unternehmen kann, kommt man auf schönen Strecken mit dem E-Bike durch einige sehr kleine Ortschaften, die umso idyllischer sind und daher nicht nur in der Hochsaison von Besuchern regelrecht gestürmt werden: Kientzheim, Riquewihr, Hunawihr, Ribeauvillé, Bergheim. Die Monate April, Mai oder Oktober sind für eine genussreiche Elsassreise sicherlich den Sommermonaten vorzuziehen. Dass man mit den Gästen hier aber zu jeder Zeit gut und sorgsam umgehen kann, merkt man an vielen Details: Kommt man zum Beispiel mit dem Auto in eines der Weindörfer, ist man über die bestens organisierten Parkmöglichkeiten angenehm überrascht. Noch mehr über die unglaublichen Parkgebühren: Wochentags zwei Euro für den ganzen Tag und am Wochenende kolossale drei Euro, das ist für den parkraumbewirtschafteten Österreicher wie aus einem anderen Universum.

Überhaupt: Dass eine gehaltvolle Elsass-Erkundung eine kostspielige Angelegenheit sein muss, ist ein altes Vorurteil, das absolut nicht stimmt. Zum Beispiel in der Gastronomie. Besonders aus dem Wiener Raum ist man mittlerweile an ein Preisniveau gewohnt, sodass man auch in Feinschmeckerlokalen im Elsass nicht über die Rechnung erschrickt – sofern man nicht gerade eine Lokalität mit zwei Michelinsternen aufsucht.

Ribeauvillé im Elsass
Einmal im Jahr fießt in Ribeauvillé beim
Narrenfest guter Wein aus dem Brunnen
Ribeauvillé im Elsass
Aber auch Edelbrände werden
in Ribeauvillé destilliert
 
Sauerkraut mit Kartoffeln und dreierlei Fisch
Feines Sauerkraut mit Kartoffeln und dreierlei Fisch ist eine beliebte Hauptmahlzeit in der gehobenen Gastronomie
Obernai im Elsass
Beschauliche Rundfahrt auf
den Stadtmauern von Obernai
 
Straßburg
Bei der Illrundfahrt zieht Straßburg
wie in einem Werbefilm vorüber
Europäisches Parlament in Straßburg
Manche Bootstouristen bekommen beim Anblick des Europäischen Parlaments einen ganz dicken Hals ...
 

Die Preise der vollmundigen elsässischen Weine – die gerne aus langstieligen Gläsern getrunken werden, wobei der Stiel immer grün sein muss – sind so, wie es auch in der Wachau normal ist. Hier gibt es noch eine Parallele: Wo die Weine angenehm und gut sind, sind meistens auch die Menschen angenehm und nicht gierig, sondern entspannt. Neben den klassischen Sorten wie Sylvaner, Weiß- und Grauburgunder oder Riesling ist der Edelzwicker, eine Weißwein-Cuvée, eine regionale Spezialität. Kommt als Mitbringsel für uns selbst mit ins Reisegepäck. Ribeauvillé ist die Ortschaft, wo einmal im Jahr beim Narrenfest Wein aus dem Dorfbrunnen fließt.