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ROLLER-REISE

DIE SLOWENIEN-KROATIEN-TOUR


Text: Michael Bernleitner
Fotos: Uwe Krauss, Michael Bernleitner

SCOOT-A-ROUND

Feine Gegend, feine Fahrzeuge. Mit dem Roller auf Nachbarschaftsbesuch


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Von der slowenischen Hauptstadt Laibach
in die kroatische Haupstadt Zagreb sind es gerade 140 Kilometer und ein bisschen mehr als eineinhalb Stunden. Doch nicht für uns. Wir gönnen dem Suzuki Burgman etwas Bewegung, nehmen uns ein paar Tage Zeit und wählen die landschaftlich und fahrerisch wertvolle Route über den beeindruckenden Logartal-Naturpark, über Bled, den geschichtsträchtigen Vršič-Pass, das kurvige Isonzotal, Görtz, Rijeka und Karlovac wieder bis hinauf nach Zagreb. Eine mehrfach grenzüberschreitende Runde. Von Krapina bei Zagreb zur steirischen Grenze sind es dann nicht mehr als 70 Kilometer.

Die 2000 Jahre alte Stadt Ljubljana – oder Laibach, was nichts anderes als „warmes Wasser“ heißt, kann ihrem Gast Kultur, Kulinarik und Sehenswürdigkeit für viele Tage bieten. Zahlreiche Plätze in der Altstadt wurden in den letzten Jahren neu gestaltet; es gibt Parks und schöne enge Gassen, prächtige Barockbauten wechseln sich mit Jugendstilhäusern ab. Entlang der Wasserzeile an der Ljubljanica finden wir reges Nachtleben: Cafés und Restaurants reihen sich aneinander, auf über einem Dutzend Brücken kann man schnell von einer Uferpromenade auf die gegenüberliegende wechseln.

Trotz bester Amüsiermöglichkeiten lohnt es sich, die erste Tagesetappe früh anzugehen. Weil auf dem Weg ins Logarska dolina Frau Martina Breznik im Restaurant der Penzion Raduha in Luče wartet. Immerhin Sloweniens Köchin des Jahres 2005. Noch vorher, in Vransko, ist Sloweniens einziges Zweiradmuseum zu besichtigen. Es zeigt wertvolle Exponate aller Stilrichtungen und Baujahre, darunter auch wichtige Vertreter der Rollerspezies. Wer länger verweilen will, der findet Bed & Breakfast und ein nettes Museumspub.

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Gute Laune in Sloweniens
Hauptstadt Laibach
Entlang der Wasserzeile an der Ljubljanica findet man reges Nachtleben
Entlang der Wasserzeile an der Ljubljanica
findet man reges Nachtleben
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Laibach präsentiert sich mit vielen
schön restaurierten Plätzen
Es ist nur 250 Meter breit, sozusagen eine übersichtliche Augenweide
Das Logartal ist nur 250 Meter breit, sozusagen
eine übersichtliche Augenweide

Schon die Anfahrt über schmale Straßen und steile Hügel
hebt die Stimmung – das Logartal in den Sanntaler Alpen auf 700 Meter Höhe ist eins der schönsten Gletschertäler Europas und sicher auch einer der schönsten Plätze in Slowenien. Sieben Kilometer lang und nur 250 Meter breit, ist das Logarska dolina eine Welt für sich. Am hinteren Ende der tosende Rinka-Wasserfall. Die Bauernhöfe sehen aus wie vor 200 Jahren, falls man dabei gewesen wäre. Das Abendbrot nehmen wir in einer urigen Blockhütte ein, die mit ausgestopften Tieren vollgestopft ist und die auch in Twin Peaks mitspielen könnte. Das ohrenbetäubende Jahrhundertgewitter mit grandiosen Blitzformationen und herabstürzenden Wassermassen, mit dem wir vor dem Schlafengehen verwöhnt werden, ist gratis und passt perfekt zur Stimmung und zur Landschaft. So perfekt, wie am nächsten Morgen beim Schritt auf den Zimmerbalkon der Hahn kräht. Die würzige Luft glasklar und kalt ist und sich beim Blick auf den darunter in der Sonne parkenden Suzuki Burgman herausstellt, dass er nicht mehr gewaschen werden muss, das Ungewitter hat seine Dienste geleistet.

Die entrückte Schönheit des Logarska dolina ist gutes Basislager, um die umliegenden slowenischen Höhenpanoramastraßen zu erfahren, die zum Teil noch unbefestigt sind. Wir nehmen ein kleines Zipfel Österreich unter die Burgman-Räder, und zwar geht’s über den 1338 Meter hohen Paulitsch-Sattel (Pavličevo sedlo) ins Vellachtal. Duftende märchenhafte Nadelwälder, in der Kühle des Vormittags verfliegt jede Müdigkeit und auf der schmalen, steil bergab fallenden Passstraße muss ein Burgman 400 zeigen, dass er ordentliche Bremsen hat. Sofort ist der nächste Sattel in Griffweite, und zwar die wesentlich stärker frequentierte Grenzpassage von Slowenien nach Österreich: Der gut ausgebaute Seebergsattel ist mit seinen zahllosen Kehren eine geniale Rennpiste. Für viele Zweiradfahrer ist der Seebergsattel ein Prüfstein und so etwas wie ein Gesellenstück unter den Alpenüberquerungen.

Bis zum Touristenmagnet Bled ist die Route nicht allzu ereignisreich. Man könnte durchaus 20 Kilometer Autobahn einbauen, ohne allzuviel zu versäumen. Der Luftkurort Bled am Bleder See offeriert touristische Angebote einer Wander- und Baderegion und ist dementsprechend gut besucht, ohne für weitere Überraschungen zu sorgen. Die über dem See thronende Burg von Bled bietet sich zur Besichtigung an, ebenso die Marienkirche, die im See auf der einzigen Insel Sloweniens per Boot erreicht werden kann. Besonders sympathisch ist uns Bled aber als Ausgangspunkt für die Fahrt durch den Triglav Nationalpark, wo wir uns Straßenstücke mit bis zu 18 Prozent Steigung vorknöpfen dürfen. Zügig geht es in das besonders als Wintersportort bekannte Kranjska Gora, das seinerseits der Startort für die Befahrung des berühmten Vršič-Passes ist. Außerhalb des Winters wirkt Kranjska Gora ein bisschen desperat und derangiert, einen geschmeidigen Übergang zum Sommertourismus scheint man hier nicht gefunden zu haben.

Ganz eindeutig gehört der 1611 Meter hohe Vršič in die Sammlung jedes sorgfältigen Tourenfahrers. Außerdem ist der schmale Bergweg die höchste Passstraße Sloweniens. Die mitten im Ersten Weltkrieg von russischen Kriegsgefangenen erbaute Straße atmet pure Geschichte. Noch immer sind die meisten der über 50 Spitzkehren kopfsteingepflastert. Spätestens bei der Russenkapelle kann man sich die Qualen der Straßenarbeiter ausmalen, von denen während der Bauzeit hunderte ihr Leben aushauchten. Auch landschaftlich ist der Vršič-Pass denkwürdig, an einigen Stellen wähnt man sich wie in den Dolomiten.

Weiter geht’s zu Teil 2 der Slowenien-Kroatien-Rollertour