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ROLLER-REISE

ISTRIEN

Text: Michael Bernleitner
Fotos: Uwe Krauss (3), M. Bernleitner

NUR KURZ WEG

Fürs lange Wochenende oder für den großen Urlaub – der schönste Garten liegt vor der Haustür


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Dass mit einem guten Roller jeder Platz in Europa
komfortabel und im Handumdrehen zu erreichen ist, haben wir mit dem weiten Ausflug nach Dubrovnik mehr als bewiesen. Mit einem Suzuki Burgman nach Sizilien, nach Barcelona oder gar nach Athen? Kinderspiel, und man kommt so frisch an wie ein neugeborenes Baby. Doch umso mehr locken da die rasch erreichbaren nachbarschaftlichen Highlights am Mittelmeer – Istrien, Nordkroatien, wie geschaffen für ein perfektes verlängertes Rollerwochenende.

Aus welcher Richtung man auch kommt, alle Wege in Istrien führen über Motovun. Oder sollten es zumindest, denn Motovun ist Fixpunkt einer ordentlichen Istrienreise. Wie ein Adlerhorst thront Motovun auf seinem mächtigen Stadtfelsen über dem fruchtbaren Mirnatal, geschützt von doppelten Stadtmauern. Die Aussicht auf Felder, Eichenwälder und Weinberge ist eine Augenweide. Das Mirnatal ist eine Speisekammer, eine istrische Lebensader – und weil es auch das „Tal der Trüffel“ ist, liegt der Abstecher ins Dorf Livade nahe, entweder ins vornehmste Trüffelwirtshaus Istriens oder zumindest in den angeschlossenen Zigante-Shop, wo die tolle Knolle in den verschiedensten Formen verkauft wird. Entlang des Flusses Mirna kommt man nach Buzet und weiter in die „kleinste Stadt der Welt“ Hum, dessen historisches Zentrum 100 mal 35 Meter misst. Hum ist aber nicht allein als Kuriosum wichtig, sondern als Zentrum und Gedenkstätte für das bedeutendste kroatische Kulturgut, die glagolitische Schrift.

Das nördliche Drittel Istriens ist im Landesinneren der mit schönen Strecken für Rollerfahrer am meisten gesegnete Teil. Für ein oder mehrere Tagestouren empfiehlt sich das Quartier entweder im romantischen Hotel Kaštel in Motovun oder im Trüffelhotel San Rocco im Städtchen Brtonigla. Kurvig geht es hügelauf und hügelab, manchmal fährt man auch über eine Kammstraße wie in der Südsteiermark und hat Aussicht in alle Richtungen. Das Bergdorf Oprtalj beherbergt ein berühmtes Lapidarium mit venezianischen Löwen; besonders reizvoll ist die Fahrt auf Nebenstraßen und durch entlegene Gehöfte ins Örtchen Momjan, das dem beliebten istrischen Muskatwein seinen Namen gibt. Supertourismus hat noch nicht Einzug gehalten – wir finden in Momjan ein verfallenes Kastell, von dem fast nur noch der Turm übrig ist und entzückende, unrestaurierte Steinhäuser. Streckenweise befahren wir hier Abschnitte der istrischen Wein- und Olivenöl-Straßen. Die istrische rote Erde bringt die besten Früchte hervor – und weil man oft auch gleich bei den Erzeugern einkaufen kann, sind Roller mit großen Gepäckräumen wie ein Burgman natürlich stark im Vorteil.

Ausfahrt durch die Stadtmauern von Motovunt
Ausfahrt durch die Stadtmauern
von Motovun
Hier der Motovun-Blick von den Weingärten aus
Hier der Motovun-Blick von
den Weingärten aus

Abendliche Ruhe im Inneren des Bergdorfs
Abendliche Ruhe im Inneren
der Bergstadt Motovun
Wie ein landgräflicher Herrschaftssitz wirkt das Weingut Kabola
Wie ein landgräflicher
Herrschaftssitz: Weingut Kabola

Rund um Motovun finden wir ein Knäuel von Wegen,
auf denen man tagelang herumfahren könnte. Einer davon führt ins beschaulich-pittoreske Künstlerdorf Grožnjan, das mit seiner entrückten Schönheit immer wieder bezaubern kann. Das blumengeschmückte mittelalterliche Dorf (es war um 1950 vom Aussterben bedroht und wurde von Künstlern wiederbelebt) besteht vor allem aus Galerien und Werkstätten, im Sommer gibt es abendliche Konzerte von Schülern und Lehrern der „Jeunesse Musicale“.

Motovun thront über dem Mirnatal
Motovun thront
über dem Mirnatal
Machen wir die istrische Runde
gegen den Uhrzeigersinn. Novigrad, Porec und Vrsar sind zu Recht die meistbesuchten Orte in der nördlichen Hälfte der istrischen Westküste, jeder davon hat sein unverwechselbares Flair. Liebstes Ziel der Urlauber ist Porec, da tanzt der Bär. Die Stadt ist eine erstaunliche Mischung aus beeindruckenden Kulturdenkmälern und Rummelplatz. Die Hauptflaniermeile heißt wie zu Römerzeiten Decumanus und ist höchst elegant, weniger elegant ist die Ware in den unzähligen Souvenirshops und es ist mir immer wieder ein Rätsel, wer die Sachen kauft. Die Shops wechseln sich mit Eisdielen ab, in denen die Verkäufer mit kühlen Eiskugeln artistische Jonglier-Kunststücke vollführen, bevor sie im Stanitzel und in der Hand des wartenden Schleckermauls landen. Die Show gehört hier zum Geschäft. Plötzlich stehen wir vor der gewaltigen Euphrasius-Basilika, die auf ihre einzigartige Weise römische, byzantinische und venezianische Sakralbaukunst verbindet. Allein die mit Goldmosaiken geschmückte Kuppel ist die Fahrt nach Porec wert.

Ein paar Kilometer südlich von Vrsar
schneidet der Limski-Fjord tief ins Land. Von oben gibt es schöne Aussichten, unten gibt es für Austernliebhaber eine begehrte Adresse: Die Muschel wird im Limski-Fjord seit mehr als zweitausend Jahren gezüchtet, einige Restaurants am Ufer kümmern sich gleich um den Verkauf.

Mit Mangel an Bekanntheit
muss sich die zauberhafte Stadt Rovinj ebenfalls nicht herumschlagen. Denn es ist „die Perle der Adria“. Der vielstrapazierte Vergleich kommt nicht von ungefähr – wir sind hier an einem der unumstritten schönsten Plätze der Welt. Die traumhafte Lage der muschelförmig ins Meer ragenden Altstadt mit ihrem romantischen Gassengewirr ist unvergleichlich. Eine Istrienreise ohne zumindest ein-, zwei- oder dreitägigem Rovinj-Aufenthalt ist nichts anderes als ein schwerer Fehler, außerdem kann ein Rovinj-Besuch zu jeder Jahreszeit angeraten werden. Flächenmäßig ist das historische Rovinj überschaubar – doch in den kleinen Gassen mit ihren uralten Pflastersteinen, die von Millionen Schuhsohlen blank geschliffen wurden, gibt es immer wieder neue und unerwartete Einblicke. Alles atmet istrisch-venezianischen Charme; zu Österreich-Ungarn gehörte Rovinj bis 1918. Keramiker, Maler und andere Künstler präsentieren ihre Werke in ihren Ateliers; es gibt Bars, Weinlokale, feine Restaurants und bodenständige Gasthäuser – und natürlich auch Eisbuden; weiters einen Bauernmarkt und eine kleine Fischhalle. Und nicht zu vergessen das feine, mehrfach haubengekrönte Restaurant Monte oben bei der Basilika. An der Hafenpromenade lässt es sich gut in den Kaffeehäusern sitzen, die beiden Molen sind der Salon von Rovinj. Es wird als die „italienischste Stadt Istriens“ beschrieben. Betuchte Zweitwohnsitzer bezahlen für eine renovierte Altstadtwohnung einen Quadratmeterpreis von 6000 Euro, mehr müssen wir gar nicht wissen.

Beschaulichkeit im istrischen Hinterland
Beschaulichkeit im
istrischen Hinterland
Die Geisterstadt Piemonte
Die Geisterstadt
Piemonte