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E-BIKE-REISE

ZAKYNTHOS PER ELMOTO HR-2


Text: Uli Brée
Fotos: Petra Benovsky, Christian Dunkl, Sommerakademie

GRIECHISCHER STROM

„Und wenn ich dann glücklich werde, liegt es daran, dass ich vergesse auf daheim, du musst verzeih'n ..."

                                                                                                                           (frei nach Udo J.)


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zum Autor

ULI BRÉE ist als Drehbuchautor, Schauspieler und Regisseur für unzählige erfolgreiche TV- und Kinofilme, für Theater- und Kabarettaufführungen verantwortlich. Seit den 1980ern ist er passionierter Motorradfahrer, gleichzeitig ist er einer der österreichischen „Elektro-Vorreiter" – vor sieben Jahren erwarb er das erste E-Bike, die Blei-Akkus hielten damals gerade 20 Minuten durch
Verrückt. Um dich herum schwirren dröhnende 125er-Viertakt-Scooter
mit offenen Töpfen, Zweitaktroller, deren Ölfahnen noch Minuten nachwirken und alles um dich herum in den zweifelhaften Duft deiner Jugend tauchen. Und du mitten drin – mittlerweile 46 Jahre alt. Auf einem Elektromoped. Leise, aber definitiv nicht rauschfrei. Im Gegenteil – inmitten dieses lärmenden Getümmels hier auf Zakynthos schauen alle nur dir und deinem Elmoto nach. Obwohl du keinen Lärm machst. Oder vielleicht gerade weil du keinen Lärm machst.
Du kommst dir ein wenig vor wie der Papst. Weil da freuen sich auch alle, ihn zu sehen. Also, zumindest in Rom. Aber hier in Griechenland, wo es nur so wimmelt vor lauter Scooter-Verleihern, ist der Lärmlose König.

Die Menschen stehen am Straßenrand und jubeln dir zu.
Alte Mütter reißen kreischend die Hände zum Himmel und danken dem Herrgott für dieses himmlische Geschenk. Die ersten Politikerstimmen werden laut, die Ankunft des heiligen Elmoto zum offiziellen griechischen Feiertag zu ernennen. Raus aus der Krise – ran an die Steckdose. Und das nicht nur, weil hier gerade die Tankstellen streiken.

Zugegeben, bei dieser Schilderung ist der Drehbuchautor mit mir durchgegangen
– aber ganz so übertrieben ist es auch wieder nicht. Obwohl bei uns in Österreich strombetriebene Fahrzeuge auch nicht gerade an jeder Ecke stehen und man immer wieder interessierten Passanten die fahrende Stille erläutern muss, ist hier alles noch einmal viel extremer. In den südlichen Urlaubsländern befindet sich ein riesiger Markt für Elektrobikes, der nur darauf wartet, erobert zu werden. Durch die Bank reagieren die Menschen positiv darauf und wären sicher bereit, mehr Miete für ein E-Bike zu zahlen, bevor sie sich auf einen alten Stinker setzen. Und wer sind diese Leute? Urlauber aus Österreich zum Beispiel. Menschen mit einem etwas deutlicher ausgeprägten Umweltbewusstsein als so mancher Grieche. Um es einmal dezent zu formulieren.
Also, wer damit spekuliert auszuwandern – hier ist die Idee der Zukunft. Besonders dort, wo ich gerade unterwegs bin. ATV würde wahrscheinlich sofort eine Doku darüber machen: „Auswanderer unter Strom – auf der Suche nach neuen Steckdosen!"

Ich leite gerade einen Drehbuchworkshop in der Sommerakademie auf Zakynthos.
Und ein Motorradfreak wie ich hält es natürlich nicht aus, drei Wochen ohne Motorrad zu sein. Aber was fängt man mit einem richtigen Motorrad in Griechenland an, wenn der Asphalt wie Schmierseife ist und man doch nur vom Strand zur Bar oder vom Hotel zum Strand fährt? Nicht viel. Also habe ich kurzerhand den Hänger ausschließlich mit Elektrobikes vollgeladen und bin mitsamt der unter Strom stehenden Familie nach Griechenland gerauscht. Bernd Sterzinger von S-Tuning in Tirol war so freundlich, mir ein Elmoto mit auf die Reise zu schicken. Fahrgestellnummer: 001! Mehr braucht man hier nicht. Definitiv.

Seit 1993 leitet Wolfgang Löhnert bereits die Sommerakademie.
Als wäre es nie anders gewesen, passen die Akademie und das Elmoto auf Anhieb zusammen. Sanfter Tourismus in perfekter Synthese. Löhnert hat nicht etwa einen ganzen Landstrich aufgekauft und reservatähnlich eine weitere Österreicherkolonie mit unerbittlich gut gelaunten Animateuren aufgebaut – im Gegenteil: Hier werden die Unterkünfte direkt von den Griechen angemietet, man ist ein Teil des Ganzen, niemand wird über den Tisch gezogen oder ausgebeutet. Es ist ein wunderbares Miteinander. Nikos, der dich am Morgen im Coffee House bedient, trinkt am Abend mit dir in der Logos Bar ein Mythos-Bier.

Shipwreck Bay. Fast schon kitschig, oder?
Shipwreck Bay. Fast
schon kitschig, oder?
Mit Strom über Stock und Stein auf der Suche nach dem schönsten Inselstrand
Mit Strom über Stock und Stein auf der
Suche nach dem schönsten Inselstrand
Maler Roseneder unter Strom
Maler Roseneder
unter Strom
Die Welt steht Kopf
Die Welt
steht Kopf

Ein buntes Panoptikum an Kursteilnehmern. Alle Generationen, alle Farben, alle Variationen von Leidenschaften. Und es funktioniert ganz wunderbar. Ein Paradebeispiel dafür, wie problemlos das Leben eigentlich sein könnte. Lebendig und positiv. Und danach rauschst du – ganz leicht berauscht – geräuschlos heim. Frei von Promillegrenzen und Helmpflicht.
Das gesamte Kursprogramm ist locker gehalten. Wenn du es besuchen willst, besuchst du es, wenn nicht, dann nicht. Tanzen, Tauchen, Malen, Trommeln, Bildhauern, Kinderzirkus, Schreiben, Theater und, und, und. Ständig werden über 15 verschiedene Kurse angeboten. Und das für gerade einmal 120 Teilnehmer, insgesamt.
Auf einmal sitzt du im Bildhauerkurs und bearbeitest einen Speckstein und schnitzt – wie könnte es anders sein – an einem Motorradmodell! Wolfgang Löhnert versteht sich darauf, die Seele der Sommerakademie seit über 17 Jahren zu bewahren. Alles hier ist familiär ohne jeglichen Gruppenzwang, und wenn einmal ein Aktmodell für den Zeichenkurs ausfällt, dann kann es schon sein, dass sich der Chef selber nackt auf den Esel setzt ...

Ein energetischer Kraftplatz. Hier tankst du Energie genau wie dein Elmoto
– nur nicht aus der Steckdose. Traumhafte Buchten, die alle in perfekter Akku-Reichweite auf dich warten. Zakynthos ist die Heimat der Meeresschildkröte, der Caretta caretta. Überall an den Stränden werden von Tierschützern kleine Holzgestelle aufgebaut, um die Nester der Meeresschildkröten zu schützen. Trotzdem überlebt im Schnitt gerade einmal eines von zirka 80 Schildkröteneiern. Zu groß sind die Gefahren auf dem Weg zur wahren Größe. Zakynthos, die südlichste Insel im Ionischen Meer, ist eine Reise wert. Hier – zumindest in Vasilikos – ist der Tourismus noch halbwegs ursprünglich. Und wenn wir uns ehrlich sind: Wir sind ja selber auch ein Teil der Touristeninvasion.

Das Elmoto muss ich maximal einmal in der Woche aufladen.
Die Reichweite ist – hier bei genügend Plusgraden – ganz hervorragend. Der Durchzug ist für ein Moped (das Elmoto braucht „nur" ein rotes Nummerntaferl) überraschend gut, und wenn man vorausschauend und mit Schwung die nächste Bergkuppe nimmt, dann steht dem Glück nichts im Weg. Im Gegensatz zu meinem ersten Elektromotorrad, bei dem man einfach die Stecker zusammenstecken muss, damit es fährt, ist das Elmoto das reinste Luxusgerät: Am Display wird man durch eine bunte Skala perfekt über den Ladezustand informiert, Tageskilometerzähler und Tacho sind sowieso keine Frage. Sogar einen Zündschlüssel gibt es – obwohl hier nicht wirklich was zündet. Und das Design schließt nahtlos ans Raumschiff Enterprise an.

Am besten, man beginnt den Tag geräuschfrei.
Ich sitze in Vasilikos im Coffee House, das von einem Griechen, der lange in England gelebt hat, betrieben wird. Bei English Breakfast und gutem Kaffee unterhältst du dich hier mit einem echten Sir. Das Leben meint es gut mit mir. Heute werde ich wohl wieder einmal mit dem Elmoto zur Mella-Strandbar am Dafni-Beach rübergleiten und dann am Nachmittag meinen Workshop leiten. Wer weiß, vielleicht sollte ich mal einen Film machen über einen Typen, der mit einem E-Bike geräuschfrei um die Welt reist ... Aber das ist eine andere Geschichte.


Traumhaft schön – eine Rundreise um die Insel. Hier zu den Blauen Grotten
Traumhaft schön – eine
Rundreise um die Insel. Hier
zu den Blauen Grotten
Kunst kommt von Können, nicht von Wollen, sonst hieße sie Wunst
Kunst kommt von Können,
nicht von Wollen, sonst
hieße sie Wunst



MOTOMOBIL TRIPTIPP


ZAKYNTHOS & DER PERFEKTE TAG
  
In der Früh auf eine Melange und English Breakfast ins Vassilikos Coffee House. Direkt an der Straße, die durch den Ort führt. Yannis Tsakos hat hier nach vielen Jahren, die er in London verbrachte, ein griechisch-unorthodoxes Coffee House eröffnet. Sein Sohn lebt in Wien, daher die Melange! Hier trifft sich die „SoAk-Szene" am Morgen zum Frühstück. Ein- bis zweimal in der Woche finden in der Nacht Livekonzerte der Sommerakademie-Kursleiter statt.
Tagsüber mit dem Elmoto über teilweise unbefestigte Wege zum Dafni-Beach. Noch einen Tick entspannter und ruhiger als der Strand in Vasilikos. Immer den grünen Schildern folgen: „Caretta-Caretta". Unbedingt die Mella-Strandbar aufsuchen: Die Bar bietet nicht nur Sonnenliegen, sondern auch wunderbares Essen, allein die Vorspeisen sind eine Reise wert. Und wenn sie dich besonders gern haben, dann geben sie dir noch selbstgemachtes Brot mit auf den Rückweg.
Am Abend in die Taverna Grill Bar Galini! Einfach Richtung Jerakas fahren und bei der einzigen Kreuzung, die es dort gibt, rechts abbiegen und nach hundert Metern ist man auch schon dort. Bestens geeignet auch für Familien mit Kindern: riesiger Spielplatz und ein Speiseplan, der sich stark vom üblichen griechischen Einheitsessen abhebt.
Wird nach einem Konzert im Coffee House weitergezogen, soll man in die Logos Bar übersiedeln:
Hier wird – nur 500 Meter vom Coffee House entfernt – zu Songs aus den 1980ern getanzt und gefeiert.  

ULI BRÉE & DIE SOMMERAKADEMIE
Der „motomobil"-Elektroreporter und dekorierte Drehbuch- und Kabarettautor leitet 2011 auf Zakynthos von 26. Juli bis 9. August den Workshop „Kreatives Schreiben" und freut sich natürlich besonders über teilnehmende Motorrad- und E-Bike-Fans. Die Kosten für eine Woche Sommerakademie gehen ab zirka 900 Euro inklusive Flug und Unterkunft los, dabei können die Teilnehmer alle Workshops besuchen, die in diesem Zeitraum stattfinden. Mehr Infos über Kursprogramm, Flugzeiten und Preise unter www.sommerakademie.at oder bei Verkehrsbüro-Ruefa Reisen, Tel.: 01/588 00-500.

ANREISE & ALLGEMEINES
Die Anreise mit dem Auto oder Motorrad erfolgt am besten mit der Fähre aus Italien. Ausgehend von Venedig, Ancona oder Bari gelangt man nach Patras am Peloponnes, von Kilini braucht die lokale Autofähre dann noch eine Stunde nach Zakynthos. Direktflüge von Österreich nach Zakynthos werden von fast allen Reiseveranstaltern angeboten, Hin- und Rückflug kann man bereits ab 252 Euro finden (Neckermann/Fly Niki). Von Athen fliegt zweimal täglich eine Linienmaschine nach Zakynthos (Olympic Air). Auf Zakynthos gibt es in den größeren Ortschaften viele Möglichkeiten, Roller bis 250 Kubik und kleine Motorräder zu mieten.
Nach Korfu ist Zakynthos das wichtigste Reiseziel im Ionischen Meer an der Westseite des griechischen Festlands. Zirka 40.000 Einwohner leben auf etwa 400 Quadratkilometern; Zakynthos ist 40 Kilometer lang und 20 Kilometer breit. Im Lauf der Geschichte unterstand Zakynthos römischer, byzantinischer, französischer, osmanischer und britischer Herrschaft, den wichtigsten kulturellen Einfluss übte die Regentschaft der Republik Venedig aus. Zu den Sehenswürdigkeiten der Insel gehören die Shipwreck Bay (seit 1980), die Blauen Grotten bei Kap Skinari und der Schildkrötenstrand auf der vorgelagerten Insel Marathonisi. Zum Schutz der Nistplätze der Meeresschildkröte Caretta caretta wurde die Region in den 1990ern zum Meeresnationalpark erklärt.

INFOS & WWW
Informationsbroschüren, Pläne, Hotel- und Ausflugstipps gibt es bei der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr, Opernring 8, 1010 Wien, Tel.: 01/512 53 17; www.visitgreece.gr. Nützliche Webseiten vor einer Zakynthos-Reise sind www.zakynthosonline.com und www.zakynthos.net.gr.


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