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rollerreise

INSELSPRINGEN IN DALMATIEN

Text: Michael Bernleitner
Fotos: Uwe Krauss, Michael Bernleitner

ES WAR IN HVAR …

… und auf den anderen dalmatinischen Inseln. An Deck und am Roller durch die südliche Adria



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Das Modewort und gleichzeitig das Unwort der Saison 2010?
Eindeutig, mit großem Vorsprung: „Starkregen"! Von Montag bis Sonntag und wieder von vorn. Vor so viel Starkregen hilft nur die Flucht in den Süden. Er hört in Graz nicht auf, nicht in Spielfeld, nicht in Marburg und auch nicht in Laibach.

Bei so viel Starkregen beginnen wir, den dicken Suzuki Burgman 650 aus ganzem Herzen zu lieben,
tief und innig. Diesen umfassenden Wind- und Wasserschutz gibt's sonst auf keinem Großroller und auch keinem Motorrad, samt Gold Wing und GTS. Man braucht nur ein halbwegs gutes Gewand und sitzt die 500 Kilometer bis Opatija ab wie im Wohnzimmer, bei jedem Wetter.

Fast schade sogar, dass sich der Starkregen kurz vor Abbazia vertschüst
– plötzlich breitet sich das prächtige Panorama der Kvarner Inseln aus. Eine Übernachtung und ein Tag im milden Klima von Opatija tun Lunge und Seele immer gut, bis nach Split und dem Eintritt in die dalmatinische Inselwelt sind's dann nur noch ein paar Stunden. Wenn man sich nicht von der rund um Rijeka völlig durchgeknallten Navigation führen lässt, sondern schön brav eine althergebrachte Straßenkarte mit hat ...

Im lebendigen, lebensfroh sprudelnden Split
fällt natürlich das Weltkulturerbe des mächtigen Diokletianspalasts auf – und dass Split Scooter-City ist. Hier rollert's noch mehr als in Rom oder Mailand, wo die Dichte schon extrem hoch ist. Es scheint zum guten Ton zu gehören, einen funkelnigelnagelneuen Roller zu fahren, einen geputzten, und zwar einen von den guten, teuren Marken, keinesfalls tiefchinesisches Zeug. So fallen wir auch nicht im mindesten auf, als wir mit dem Burgman – Stichwort „ein Schiff am Schiff" – auf die Fähre der Jadrolinja rollen. Bei dieser und allen folgenden Inselfahrten ist uns Sauberkeit, Pünktlichkeit und Berechenbarkeit der kroatischen Reederei aufgefallen, allfällige Berichte über Chaos, Schreierei und Verzögerungen können wir – zumindest im Reisemonat Juni – nicht bestätigen.

Die Passage zur Insel Brac dauert eine knappe Stunde
und schon ist man in einem der klassischen Urlaubsparadiese. Was auf Brac vor allem Badeparadies bedeutet, nicht zu Unrecht: Zlatni rat, das sandige Goldene Horn an der Südseite, wird als der schönste Strand in Kroatien gepriesen. Er ist Postkartenmotiv und gehört vielleicht sogar zu den zehn schönsten Stränden der Welt. Am besten zu bewundern vom szenischen Aussichtspunkt am 778 Meter hohen Vidova Gora, dem höchsten Berg auf den kroatischen Inseln. Es gibt auch lauschige, schattige Badeplätze, und manchmal reichen sogar die Weinstöcke bis direkt an eine Bucht mit schmalem Kieselstrand heran. Wein, Fischfang, Olivenöl – die Bewohner von Brac werden uralt und die Überlieferung will es, dass besonders das gute Essen und Trinken daran schuld sein soll. Das kann bei einem lukullisch unvergesslichen Besuch im Agrotourismus der Familie Ranjak bei Supetar trefflich erforscht werden.

Rollercoaster: traumhafte Küstenstraße auf der Halbinsel Peljesac
Rollercoaster: traumhafte
Küstenstraße auf der Halbinsel Peljesac
Beschaulicher Tourismus in Milna auf Brac
Beschaulicher Tourismus
in Milna auf Brac
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Abstecher auf die Insel Pag – eindeutig das trockenste
Eiland. Dafür Hotspot im dalmatinischen Nachtleben
Die abendliche Überfahrt von Orebic nach Korcula
Abendliche Überfahrt
von Orebic nach Korcula
 

Den weißen Marmor
, aus dem der Diokletianspalast, das Weiße Haus in Washington und Teile von Parlament und Wiener Hofburg gemacht wurden, lassen wir dort – für den Roller- und Motorradtourist bietet Brac die Küstenstrecke Postira-Splitska-Supetar, die kurvig und griffig wie in den Alpen ist.

Nächster Stopp Insel Hvar.
Obwohl man vom Goldenen Horn ein kleines Marmorsteinchen rüberschmeißen könnte, kommt man nicht direkt hin, sondern muss zuerst zurück nach Split und dort auf die nächste Fähre. Was wie eine Operation klingt, ist in Wahrheit eine Bereicherung: Nimmt man in Brac das Frühschiff um 6 Uhr 30, ist man noch vor 11 in Stari Grad auf Hvar. Besonders durch die Meerenge bei Milna ist es bei gutem Wetter ein wunderschöner Schiffsausflug durch die Inselwelt. Bei einer Führung durch Stari Grad, entlang schöner Bürgerhäuser, lernen wir in der alten Burg eine besonders perfide Variante des Fischfangs kennen: Die Meeresbewohner wurden früher mit Futter durch einen schmalen Kanal in ein Bassin im Innenhof gelockt, wo sie solange gemästet wurden, bis sie nicht mehr durch den Rückweg passten und einfach abgeschöpft wurden. Außerdem konnte das Verhalten der Fischpopulation im Innenhof auch als verlässliche Wettervorhersage ausgewertet werden. Alljährlich findet in Stari Grad am dritten Septemberwochenende ein Treffen mit über 1200 teilnehmenden Motorrädern statt, das von Soulbiker Tonci Surjak, dem Direktor des örtlichen Tourist Boards, höchstpersönlich organisiert wird.

Die Ortschaft Hvar auf Hvar zählt mittlerweile zu den teuren Gewässern im Mittelmeer.
Im schönen Dorf, das sich die Hügel rund um das kleine Hafenbecken hochzieht, hat sich in den letzten Jahren wiederholt internationale Prominenz blicken lassen – vor allem aber ist die Marina, in die bevorzugt sehr kostspielige Privatschiffe ausgeführt werden, für das gewisse exklusive Flair zuständig. Ein bisschen wirkt Hvar wie die griechische Insel Hydra in ihren früheren Jet-Set-Tagen. Aber wir finden auch Denkmäler aus der Jugoslawien-Ära: Das große – immer noch in Betrieb stehende – Hotel Arkada in Stari Grad ist seit Josip Broz Tito vollkommen unverändert. Der Besuch ist eine Zeitreise, sogar die Uniformen der in Würde gealterten Rezeptionistinnen haben bis jetzt durchgehalten. Oder die historische Hotelruine auf der holprigen Straße nach Sucuraj mit ihrem olympischen Schwimmbecken, die wie eine Pyramide der Azteken über der Bucht steht. Es wird die Zeit kommen, in der die Architektur mancher kommunistischer Großbauten anerkannt und gerecht gewürdigt wird.

Ruhige Spaziergänge in den Seitengassen von Stari Grad
Ruhige Spaziergänge in den
Seitengassen von Stari Grad
Rollerparade in Trogir, 20 Kilometer nördlich von Split
Rollerparade in Trogir,
20 Kilometer nördlich von Split
Das ist der Teil der Marina Hvar mit den kleineren Ankerplätzen
Hier der Teil der Marina Hvar
mit den kleineren Ankerplätzen
Das reizende Städtchen Korcula auf gleichnamiger Insel
Das reizende Städtchen
Korcula auf gleichnamiger Insel