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ROLLER-TEST

PIAGGIO MP3 350 UND 500 HPE SPORT/BUSINESS


Text: Redaktion
Fotos: Fabrice Berry, Gwendal Salaun,
Yud Pourdieu Le Coz, Piaggio, Motomobil
 

DIE RICHTIGE SPUR

Mit jeder Modellpflege wird das Piaggio-Trike immer mehr zur fixen und wichtigen Bereicherung der Rollerszene


Piaggio MP3 Scott Redding
 


Der 2006 als 125er und 250er erstmals vorgestellte Piaggio MP3 geht zum Teil auf eine von Italjet-Gründer Leopoldo Tartarini entwickelte Konstruktion (Italjet Scooop) zurück und ist der weltweit erste Dreirad-Schwenker in Großserie. Seither gibt es benzinelektrische Hybridversionen und diverse Hubraumerweiterungen auf 300, 400 und 500 Kubik; nach der Vergrößerung der vorderen Raddimension im Jahr 2014 geht der MP3 jetzt mit dem neuen 350er- und den beiden 500er-Modellen (Variante HPE Business und Variante HPE Sport) in die dritte Generation. Durch konstruktive Anpassungen und ein zusätzliches Fußbremspedal (das alle drei Bremsscheiben kombiniert betätigt) kann er seit 2009 sowohl mit dem A- als auch dem B-Führerschein chauffiert werden.

Im Weichbild österreichischer Städte noch immer ein Exot, ist der MP3 durch sein massives Auftreten in Roller-Hochburgen wie Mailand oder Paris – aber auch manchen deutschen Cities – eine beachtliche europäische Erfolgsgeschichte. Besonders Pendler und Ganzjahresfahrer schätzen die MP3-Vorteile wie das Sicherheitsplus und den Komfortgewinn auf wechselnden und kritischen Fahrbahnoberflächen; das konstruktiv bedingte hohe Gewicht ist für souveränes Vorwärtskommen im Großstadtdschungel erstaunlicherweise kein Manko.

Der 350-Kubik-SOHC-Vierventiler (er kommt aus dem Piaggio Beverly 350 Sport) mit 22,5 kW (30,6 PS) ist neu im MP3, er ist mit seinen Rollenkipphebeln die modernere Konstruktion. Der ebenfalls vierventilige 500er ist ursprünglich ein Euro-2-Triebwerk, wurde stark überarbeitet und heißt jetzt HPE („High Performance Engine“): Weniger innere Reibung, höhere Verdichtung, neue Steuerzeiten und andere Gemischoptimierungen ergeben tüchtige 14 Prozent Mehrleistung und somit 32,5 kW (44,2 PS). Das macht ihn sehr gut touren- und zweipersonentauglich.

Beim ersten Umrunden des neuen MP3 freut man sich an solider Verarbeitung und gediegenen Oberflächen – eigentlich ganz wie bisher. Die große, für Fahrer und Sozius perfekt konturierte Sitzbank ist zwiefach genäht, er ist quasi die Oberklasselimousine auf drei Rädern. Ohne viel Puzzlespiel und Schlichterei passen in den Sitzbankstauraum zwei ausgewachsene Integralhelme. Der über einen Teleskopdämpfer stabil abgestützte Sattel kann sogar auf drei Arten entsperrt werden, entweder elektrisch über den mehrfunktionellen Schlüsselanhänger sowie einen Druckknopf in der Armaturenleiste, oder mechanisch vom Zündschloss aus.

Piaggio MP3 500
Die Variante 500 HPE Sport ist optisch
und technisch die dynamischste Version
der überarbeiteten MP3-Baureihe
Piaggio MP3 500 HPE
Alle drei Modelle haben
das neue Windschild mit dem
stark verbesserten Handschutz
 

Mit 48 Litern ist das (weitgehend rechteckige und schön befüllbare) Gepäckvolumen in der Dimension eines aktuellen Suzuki Burgman 400 und sogar ein bisschen größer als die Fächer der neuen – als Gepäckschlucker beliebten – Yamaha T-Max 300 und Honda Forza 300. Das mit USB-Buchse ausgestattete aufklappbare Fach über dem MP3-Cockpit ist bequem und praktisch – Telefonino, Sommerhandschuhe oder diverses Zettelwerk verschwindet darin elegant und unkompliziert.

Weil die große MP3-Modellpflege mit völlig neuem Rahmen und von 12 auf 13 Zoll vergrößerten Voderrädern erst 2014 stattfand, sind die optischen Änderungen beim 2018er-Jahrgang dezent: Am auffälligsten ist die neue Windschutzscheibe, die überhaupt nicht klobig wirkt, aber trotzdem Wind und Wetter deutlich besser von den Händen des Fahrers ableitet als bisher. Das wird uns in den kühlen Übergangszeiten sicher gut gefallen, für Winterfahrer gibt es wieder Heizgriffe im Zubehörangebot.

Den 500er gibt es zum gleichen Preis (in Österreich 9799 Euro) als Business- und als Sport-Ausführung, beide in zahlreichen matten und hochglänzenden Farbvarianten: Der Business kommt serienmäßig mit einem TomTom Vio als Navigation, während der Sport mit hübschen Karbonsimulierungen und mit Alu-Trittbrettflächen verziert ist, weiters hat er Wave-Bremsscheiben und hochwertige Gasdruckstoßdämpfer von Kayaba mit roten Federn hinten. Die Wave-Scheiben und die roten Federn besitzt auch der 350er, der um 8199 Euro angeboten wird.

Die überarbeitete automatische Kupplung des HPE-Motors lässt den Maxi geschmeidiger anfahren als bisher. Trotz neuem, optisch ansprechendem Split-Exhaust-Endtopf ist der Klang noch immer ein bisschen blechern. Gleich nach dem Piaggio-Parkplatz kommt eine ganz enge 180-Grad-Kehre, und sicherheithalber will man die Beine zum Austarieren über die Fahrbahn halten – aber solche Vorsichtsmaßnahmen sind beim MP3 nicht im mindesten notwendig. Am besten, man denkt sich das dritte Rad völlig weg, und dann fährt er sich auch so wie ein „normaler“ Scooter.

Bei vergleichbarem Gewicht mindestens ebenso handlich, vielleicht sogar besser: In Schräglage baut man als Fahrer rasch großes Vertrauen und Kurvensicherheit auf. Dabei werden Unebenheiten über die Parallelogramm-Vorderradaufhängung komfortabel weggefiltert, wobei die Vorgänge im Vorbau aber transparent und nicht schwammig wirken. Hinten ist der MP3 keinesfalls hart, doch die konstruktionsbedingten fahrdynamischen Merkmale einer schweren Triebsatzschwinge bleiben natürlich. Mit den Kayaba-Dämpfern will Piaggio verbessertes Traktionsverhalten festgestellt haben.
 
Piaggio MP3 350
350er und 500er kommen in zahlreichen
matten und glänzenden Farben, sowohl
zurückhaltend als auch kräftig
Piaggio MP3 350
Großzügige First Class: Viel,
viel Platz auf der Riesensitzbank
und im Kniebereich
 
Piaggio MP3 500 HPE
Das Querfach mit USB im Cockpit
ist nicht riesig, aber superpraktisch.
Einzigartig im Rollerbau!
Piaggio MP3 500 HPE
Zwei große Helme passen bequem
unter die per Fernsteuerung
entriegelbare Sitzbank
 

Das „Roll-Lock“ ist in vielen Lebenslagen – auch beim Rangieren oder Rückwärts-Einparken – enorm praktisch, dabei wird per Knopfdruck die Neigung fixiert. Zum Beispiel können an der Ampel die Füße am Trittbrett gelassen werden, das sorgfältig gepflegte Schuhwerk des Businessman bleibt dann auch im Winter sauber. Beim Wegfahren wird Roll-Lock automatisch deaktiviert.

Die Vorderradbremsen packen jetzt erfreulicherweise deutlich kräftiger zu als beim 2014er-Modell. Piaggio gibt dabei zu Protokoll, nicht die interne Hydraulikübersetzung geändert zu haben, sondern lediglich andere Bremsbeläge zu verwenden. Für die Hinterradbremse ist nach wie vor hohe Handkraft nötig. Von den neuen Belägen profitiert aber auch die über das Fußpedal betätigte Kombibremse – sie kann nun wahlweise als alleinige Bemse vewendet oder in Notsituationen wirksam betätigt werden. Das ABS ist in allen Konstellationen unauffällig und hilfreich zur Stelle.

Wie macht sich das leichtere und modernere 350er-Triebwerk (realiter hat es 330 Kubik) in der großen Karosserie? Überraschend gut, die Hoffnungen werden nicht enttäuscht, und mit seinem Preisvorteil empfiehlt es sich als überlegenswerte Alternative. Das Minus an Hubraum und Drehmoment kann  durch größere Drehfreudigkeit nahezu wettgemacht werden, außerdem ist das Verhalten noch ein bisschen kultivierter. Dass man bei beiden Versionen nicht blind vor lauter Beschleunigung wird, das gehört auch nicht zum MP3-Konzept – die Leistung reicht aus, um sich vorne einzureihen.

Durch seine andere Motorelektronik zeigt der umfangreiche Bordcomputer beim 350er sogar noch einige Informationen mehr an als beim 500er. Bleibt man vorwiegend in der City oder auf der Kurzstrecke und legt keinen übermäßigen Wert auf 145 statt 130 km/h Höchstgeschwindigkeit, dann kann man sich mit dem 350er ebensolche Freude wie mit dem Halbliter-Modell bereiten. Die Auffrischung der MP3-Baureihe mit sinnvollen Detailänderungen ist gelungen – das Threewheeler-Konzept lebt besser als je zuvor!
 
Piaggio MP3 500 HPE
Die MP3-Kinematik: Viel Komfort und
keine Stöße im Lenker, aber dennoch
Transparenz und guter Kontakt zur Fahrbahn
Piaggio MP3 500 HPE Accessories
Wetterfeste Vollausstattung im Zubehör:
Tourenscheibe; Heizgriffe; Winterdecke;
Seitentasche; Topbox
 


TECHNISCHE DATEN: PIAGGIO MP3 350 (500 HPE)
MOTOR 1-Zyl.-4-Takt, flüssig gekühlt, SOHC, 4 Ventile, EFI
HUBRAUM 330 ccm (493 ccm)
LEISTUNG 22,5 kW/30,6 PS (32,5 kW/44,2 PS)
DREHMOMENT 29 Nm 6250/min (47,5 Nm 5500/min)
GETRIEBE automat. Kupplung, stufenlose Variomatik
FAHRWERK Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen
AUFHÄNGUNG vo/hi Alu-Achsschenkel/Stereofederbeine
RADSTAND 1545 mm (1540 mm)
FEDERWEG vo/hi 85/102 mm (85/108 mm)
BEREIFUNG vo/hi 110/70-13, 140/70-14
BREMSEN vo/hi 2 x Scheibe 258 mm/Scheibe 240 mm, ABS
SITZHÖHE 790 mm
TANKINHALT 12 l
GEWICHT (trocken) 240 kg (260 kg)
SPITZE (Werksangabe)
130 km/h (145 km/h)
VERBRAUCH (lt. WMTC)
3,9 l/100 km (4 l/100 km)
PREIS (2018)
€ 8199,– (€ 9799,)
VERTRIEB/INFO www.piaggio.at




























YouTube-Video:
Scott Redding mit dem Piaggio MP3 350 in Mugello





Piaggio MP3 Scott Redding


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