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ROLLER-TEST

PEUGEOT DJANGO 125 SPORT


Text: Michael Bernleitner
Fotos: Peugeot, Redaktion
 
 

SEPIA-STIL & FRANZÖSISCH-BLAU

Wie aus einer Sammlung von Zitaten der Vergangenheit ein moderner Roller gemacht werden kann


001 PeugeotDjango125Sport kl
 
 
 
Stellen wir die angenehme Überraschung gleich an den Anfang. Man muss keinesfalls ein erklärter Fan von Vintage-Bikes und Retro-Scootern sein, um mit dem Peugeot Django eine große Freude zu haben. Aus einem ganz einfachen Grund: Das Ding sieht zwar ein bisschen (im wohl gewünschten Ausmaß) ältlich und traditionsverliebt aus, aber es fährt genauso gut und ist mindestens so praktisch wie die meisten anderen Roller, die in den letzten Jahren so auf den Markt gekommen sind. Man bekommt um einen überschaubaren Betrag einen fahrbaren Untersatz, der die Blicke auf sich zieht und muss beim Gebrauchswert keinerlei Abstriche machen.

Da braucht man gar nicht erst mühsam einen – im österreichischen Stadtverkehr sowieso gar nicht vorhandenen – „Lifestyle“ beschwören. Wie sehr oft könnte die Wahrheit nämlich einfach sein. Ich stelle folgende Theorie in den Raum: Der allseits unübersehbare Erfolg der Vespa-GTS-Serie kommt eher nicht daher, weil sich die Besitzer ins römische Dolce Vita der 1950er versetzt fühlen oder sich wie Mastroianni vorkommen. Sondern viel wahrscheinlicher, weil die Vespa GTS eben ein sehr schöner, sehr gut funktionierender und sehr praktischer Motorroller ist. Dass zusätzlich ein bisschen Gefühl und ein bisschen Sonne verkauft – und natürlich auch verrechnet – werden, das ist dann die Besonderheit von Markenware.

Peugeot Django
Digital-analoges Cockpit
nach Auto-Vorbild
Peugeot Django
Rückspiegel im
Stromliniendesign
 

Peugeot als ältester noch produzierender Motorradhersteller überhaupt (Roller wurden dann seit 1954 gebaut) hat natürlich einen großen Fundus, aus dem geschöpft werden kann. Der auf der Mailänder EICMA 2013 als 50er, 125er und 150er vorgestellte Django orientiert sich bei einigen Designelementen an den Klassikmodellen S55 und S57C (die Zahlen in den Typenbezeichnungen benennen das jeweils erste Verkaufsjahr; der 55er war vor allem mit dem außergewöhnlichen Gepäckfach auffällig; der S57 nahm erfolgreich an der legendären Fahrt von Saigon nach Paris teil).

Aber auch aus Peugeot-Automobilen finden finden sich Versatzstücke: Vom Peugeot 203 kommt die Styling-Vorlage zum Django-Cockpit, vom Peugeot 402 die markante blaue Farbe der Version Django Sport. Das „Django“ selbst bezieht sich übrigens nicht auf Clint Eastwood oder gar auf den derzeitigen österreichischen Vizekanzler, sondern will eine musikalische Assoziation zur Stimmung in Paris zur Zeit des als Gitarrengott verehrten Gipsy-Swingers Django Reinhardt schaffen. Was irgendwie mit den Rollermodellen S55 und S57 so gut wie gar nichts zu tun hat – aber auch eine Hommage ist. Soll recht sein.

Peugeot Django
Sport-Flair der 1950er und Retro-Style, 
aber Technik der Jetztzeit
Durch die Übernahme der Peugeot-Rollersparte durch Mahindra verzögerte sich die Auslieferung ein bisschen, jetzt wird der Django endlich flächendeckend ausgerollt – mit sehr guter Resonanz, wie man so hört. Es gibt vier Grundversionen: „Heritage“ ist die Basisreihe und beschwört den Sepia-Style ganz generell. „Evasion“ soll mit fröhlichen Zweifarbenlackierungen und Frontgepäckträger Urlaubsstimmung hervorrufen, und „Allure“ ist die luxuriöse Premiumserie, die mit eleganter Mehrfarbenlackierung, Flyscreen, Weißwandreifen und 34-Liter-Topcase auch ein bisschen teurer ist. Das zum „motomobil“-Test erscheinende, sehr individuell wirkende Modell „Sport“ will das Klassik-Rennflair der 1950er herbeizaubern und auf das ruhmreiche Mitwirken von Peugeot im Motorsport hinweisen, mit zahlreichen Geschwindigkeitsweltrekorden und Siegen beim Bol d’Or und in Le Mans. Samt allen Motor-, Farb- und Ausstattungsvarianten gibt es theoretisch über 110.000 Möglichkeiten, sich seinen persönlichen Django zusammenzustellen.

Wie sportlich kann der Django Sport mit 7,5 kW (10,2 PS) überhaupt sein? Wenn ein Roller so weit vom gesetzlichen 15-PS-Limit weg ist, war bis jetzt meistens eine gehörige Portion Skepsis angebracht. Hier kommt die nächste angenehme Überraschung: Der Django ist kein Kraftprotz, aber er ist alles andere als fad. Der einfach aufgebaute luftgekühlte Zweiventiler wirkt in keiner Phase gequält, und die Variomatik samt automatischer Fliehkraftkupplung ist so gut abgestimmt, dass man sich an der Ampel vorne anstellt ohne Angst, von der Verkehrslawine überrollt zu werden. Auch die Spitze ist mit 97 km/h beachtlich, dabei zeigt der Tacho 103 Stundenkilometer an. Mit seinem Testverbrauch von 3,1 Litern auf hundert Kilometer ist der Django im Mittelfeld unter den aktuellen Achtelliter-Rollern. Was mittlerweile äußerst selten ist, fast schon mehr als retro: Er ist einer der wenigen, die zusätzlich zum E-Starter noch einen Kickstarter mit sich spazierenführen.

Die recht ansprechenden Fahrleistungen werden durch das akzeptable Trockengewicht von 129 Kilo begünstigt. Die ordentlich dosierbare und wirkungsvolle Kombi-Bremsanlage (der linke Handhebel betätigt sowohl die hintere als auch die vordere Scheibenbremse) erledigt ihre Aufgabe tadellos. Trotz der kleinen 12-Zoll-Bereifung scheint die Fahrwerksgeometrie eher auf guten Geradeauslauf als auf übertriebene Handlichkeit ausgelegt. Lediglich die Erstbereifung mit Cheng Shin Tires lässt zu wünschen übrig: Obwohl anfänglich sehr kurvenstabil, neigt der Roller ab einer gewissen Schräglage dazu, weiter nachzukippen – es wird wohl kaum einen Django-Besitzer geben, der beim Reifentausch diese Garnitur noch einmal nachbestellt. Ein Achtelliter-Roller, dessen Preis je nach Version zwischen 3500 und 4000 Euro liegt, sollte von vornherein mit Markenreifen ausgestattet sein. Aber man kennt es zum Beispiel auch von Vespa, dass sich immer wieder ein Sava-Reifen in die Erstausstattung verirrt.

Peugeot Django
Für die Blinkerbetätigung braucht
man einen eher langen Daumen
Peugeot Django
Die LED-Lichter fügen
sich stimmig ein
 
Peugeot Django
Die beiden Klappdeckel werden
vom Zündschloss geöffnet
Peugeot Django
Der Gepäckhaken kann nach
oben eingeklappt werden
 
Peugeot Django
Sehr wirkungsvolle Kombibremse,
die Reifen sind aus dem günstigen Regal
Peugeot Django
Ebenfalls retro:
der zusätzliche Kickstarter
 

Sonst gibt sich der Peugeot Django keine Blößen, alle eventuellen Vorbehalte gegen chinesische Fertigung werden eines Besseren belehrt: Die Verarbeitung ist gut und handfest, die Oberflächen sogar sehr schön, in der Sportversion gibt es an vielen Stellen imitiertes gebürstetes Aluminium. Ebenso wie die Lichtausstattung ist das digital-analoge Cockpit eine sympathische Mischung aus Klassik und Moderne, bis hin zur Außentemperaturanzeige mangelt es nicht an Informationen. Bei der Beleuchtung gibt es vorne und hinten zahlreiche LED-Elemente, die sich nahtlos in die Django-Optik einfügen; als Kontrast dazu findet man Katzenaugen als Rück- und Seitenstrahler.

Die gefälligen seitlichen Lufteinlässe in der Karosserie kommen von den historischen Vorbildern, in Ansätzen auch das Daisy-Duck-Heck. Designerisch am wenigsten inspiriert wirkt eindeutig die Linienführung der Auspuffanlage. Die Gepäckplatte am Bürzel der Sportversion kann gegen ein zusätzliches Sitzkissen ausgetauscht werden. Unter dem großen Fahrersattel gibt es den quaderförmigen Gepäckraum, der für einen Integralhelm nicht breit genug, aber trotzdem sehr brauchbar ist.
Hier findet man auch eine 12-Volt-Steckdose. Im Rollervorbau einen elegant einklappbaren Gepäckhaken sowie zwei per Zündschlüssel zu öffende Klappen, wobei hinter der linken der Tankverschluss ist und noch Platz für einen Putzlappen wäre; ins rechte Fach passen die Fahrzeugdokumente und ein Mini-Erste-Hilfe-Set. Der freie Durchstieg ist vollkommen eben, der großzügige Fußraum passt außerdem bestens mit der insgesamt sehr geräumigen und entspannten Sitzposition zusammen. Was man dem Django jedenfalls lassen muss: Die Mischung aus Tradition und Aufbruch funktioniert und ist stimmig.



DIE GEBURTSTUNDE DER PEUGEOT-ROLLER
031 PeugeotDjango PeugeotS55 kl
Der Django Sport zitiert gekonnt seine Vorfahren, so erkennt man zum Beispiel den auffälligen Gepäckträger des S55 aus 1957 in der Django-Heck-Gepäckplatte (die durch einen Soziussitz ersetzt werden kann) wieder. Der S57 spendiert seine seitlichen Lüftungsschlitze, er nahm erfolgreich an der legendären Fahrt von Saigon nach Paris teil





TECHNISCHE DATEN: PEUGEOT DJANGO 125 SPORT
MOTOR 1-Zyl.-4-Takt, luftgekühlt, SOHC, 2 Ventile
HUBRAUM 124,6 ccm 
LEISTUNG 7,5 kW (10,2 PS) bei 8500/min 
DREHMOMENT 8,9 Nm bei 6000/min 
GETRIEBE autom. Kupplung, stufenlose Variomatik 
FAHRWERK Stahlrohrrahmen, Triebsatzschwinge 
AUFHÄNGUNG vo/hi Telegabel, Monofederbein 
RADSTAND 1350 mm 
FEDERWEG vo/hi 85/80 mm 
BEREIFUNG vo/hi CST 120/70-12, 120/70-12 
BREMSEN vo/hi Scheibe 200 mm/Scheibe 190 mm, SBC 
SITZHÖHE 770 mm 
TANKINHALT 8,5 l 
TROCKENGEWICHT 129 kg 
HÖCHSTGESCHWINDIGKEIT 97 km/h 
TESTVERBRAUCH 3,1 l/100 km 
PREIS (Aktionspreis) € 3499,–
VERTRIEB/INFO www.peugeot-scooter.at 










































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