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E-ROLLER-TEST

BMW C EVOLUTION IM ROLLERALLTAG

Text & Fotos: Redaktion
 

HÖRT, HÖRT

Nach 35 „Tankfüllungen“ weiß die „motomobil“-Redaktion einigermaßen darüber Bescheid, wie sich das elektrische BMW-Meisterstück in der Praxis bewährt


0006 BMW C evolution Praxistest kl
 
 
 
Die vielen umfangreichen Berichte über Technik, Prototypen und Serienausführung des BMW C evolution bitte entweder auf www.motomobil.at nachlesen oder die entsprechende Back Issue im Verlag nachbestellen, wir liefern gerne und legen einen bescheidenen Zahlschein bei. Hier geht’s ausschließlich um den Praxistest, um das möglichst angenehme Zusammenleben mit dem BMW C evolution im Alltag.

In Zeiten wie diesigen ist es fast schon eine entschleunigende Wohltat, man freut sich richtig, wenn man ein potentes Hi-tech-Fahrzeug in der Garage hat und es gibt keine hysterische Inszenierung mit W-LAN oder Bluetooth-Anbindung an eine halblustige Smartphone-App, die einem letztlich die Zeit stiehlt. BMW hat sich vor allem um die perfekte Bedienbarkeit des Rollers direkt am Roller selbst gekümmert. Und das ist ganz hervorragend gelungen, wenn man den Bayern das separate Sitzbankschloss in der 15.000-Euro-Premiumklasse einmal verzeiht.

Beim Anstecken des Ladekabels sieht man am exzellenten tageslichttauglichen Display sofort den Ladezustand des Akkus und die verbleibende Zeit bis zur Vollladung, die im schlimmsten Fall vier Stunden beträgt. Mehr Connectivity wollen wir nicht, pfeif’ auf eine App – den feinen „E-Tankstellenfinder“ einmal ausgenommen. Die Stromrekuperation (und damit die Motorbremswirkung) lässt sich über die vier am Lenker wählbaren Leistungsmodi an den persönlichen Fahrstil anpassen, auch hier brauchen wir kein Handy.

Den Modus „Road“ mit voller Leistungsfähigkeit und mittlerer Rekuperation haben wir als universell und als den angenehmsten empfunden: Mit bärigem Drehmoment und 35 kW (47,6 PS) E-Spitzenleistung werden Überholvorgänge auf Landstraßen fast so ultrakurz wie in einem BMW i3. Es reißt einen förmlich vorbei, auch an Lkw-Zügen, im Rollerbereich ist das jedenfalls unerreicht. In der Stadt wird man bei einigermaßen vorausblickender Fahrweise – auch bei nur mittlerer Rekuperation – die regulären Scheibenbremsen kaum noch benutzen, ohne sich einer warmen Fahrweise oder gar als Verkehrshindernis zeihen lassen zu müssen.

Grandios ist BMW die aufwändige Regelelektronik mit dem sanften Ansprechverhalten und der tollen Dosierbarkeit der Motorleistung gelungen. Auch die Abstimmung des ABS und der Traktionskontrolle ist kaum verbesserungsfähig. Sowohl wegen der muskulösen Motorcharakteristik als auch wegen der Rekuperation ist eine Schlupfregelung alles andere als Luxus, besonders auf nassem Kopfsteinpflaster. Außerdem reagiert das ASR sogar so schnell und sensibel, dass es uns kurvenausgangs ein wegen zuviel Stromeinschenken ausbrechendes Hinterrad sicher wieder eingefangen hat. Toll, mindestens so unmittelbar wie beim besten Einspritz-ASR. Hohe Kunst der Abstimmung ist schließlich die zusätzliche Rekuperation beim leichten Ziehen der Handbremshebel, noch bevor die (ebenfalls bestens dosierbaren und kräftigen) Bremszangen aktiviert werden. Man kennt das von E-Autos und manchen Pedelecs, doch bei Elektromotorrädern (außer Zero ab 2015) oder -rollern war das in dieser gelungenen Form noch nie da.

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Man stellt sich die Frage, ob das Ladekabel
wirklich so unflexibel sein muss
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Stecker so groß wie ein Küchenpürierstab, aber ohne Diebstahlssicherung (so wie zum Beispiel beim BMW i3)
 
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Der stabile „Zündschlüssel“
musste sich als Gepäckhaken
missbrauchen lassen
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Der Soziussitz klappt gerne von selbst zu, und auch beim Aufsperren braucht man beide Hände, aber sonst ist der Gepäckraum überraschend brauchbar
 

Natürlich muss auch – oder gerade – ein E-Scooter die begehrten Rollertugenden beherrschen: Das ist vor allem Wetterschutz – und Gepäckraum, Gepäckraum, Gepäckraum. Für Elektroroller ist das vor allem wegen der voluminösen Akkus ein systembedingt kritisches Thema. Unter den Sozius des C evolution passt immerhin ein Vollvisierhelm, alternativ kann man ein erstaunlich gut gefülltes Einkaufssackerl und die Jause transportieren. Zusätzlich würden wir uns einen praktischen Helmhaken (zum Beispiel wie beim Suzuki Burgman 650) wünschen. Auch ein Gepäckhaken ist an einem Roller nie falsch, man könnte damit immerhin eine Kleinigkeit am batteriebedingt recht hohen Mitteltunnel abstellen.

Mit dem nötigen Gewusst-wie lässt sich das Ladekabel so falten, dass es ins Handschuhfach im Vorbau hineinpasst – bei Dunkelheit oder in Eile ist die Prozedur ein unwürdiges Gefummel. Auch die weiche Aufhängung der unnötig breit bauenden Rückspiegel könnte nachgebessert werden, schon bei kleinen Bodenunebenheiten liefern sie ein Wackelbild. Dafür ist der Wetterschutz des nicht allzu hohen Windschilds überraschend fein.

Die 265 Kilo des großen Kraftrollers lassen sich nicht wegdividieren. In einigen Situationen ist man für den elektrischen Retourgang dankbar, auch die mit dem Ausklappen des Seitenständers automatisch aktivierte Parkbremse ist eine sinnvolle Dreingabe. Auch wenn superschnelle Linienkorrekturen nicht die Domäne des C evolution sind, gibt es Höchstnoten für das unkomplizierte, harmonische und präzise Kurvenverhalten.

Man wird mit dem C evolution nicht immer auf hundert Kilometer Reichweite kommen. Fährt man auf typischen engen und mittelengen Kurvenverläufen so schnell man es sich zutraut, so wird man je nach Topographie mit einem Riesenspaß auf 70, 80 oder 90 Kilometer kommen. Beim verkehrsberuhigten Pendeln zwischen Wien und Speckgürtel samt notorischer Übertretung des Feinstaub-50ers um zehn km/h sind es 110 Kilometer, in der Stadt können es noch mehr sein. Auf die Faustregel, dass jedes Prozent der Ladezustandsanzeige einen Kilometer Restreichweite bedeutet, kann man sich in der Praxis gut verlassen. Fünf Kilometer vor der Nullanzeige werden Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit eingeschränkt, bei Erreichen der Nullanzeige kommt man immer noch mindestens fünf Kilometer weit – wir haben’s ausprobiert. Wiederholte GPS-Überpüfung der Genauigkeit des BMW-Kilometerzählers ergibt eine nahezu 100-prozentige Übereinstimmung: Es wird hier nicht im mindesten geflunkert, im Sinne einer „verbesserten“ Reichweite …

Beim Einkaufen oder beim Essengehen eine Stromtankstelle anzusteuern, ist immer eine gute Idee. Das tut vor allem dem Nervenkostüm und der Range Anxiety gut. Lesen Sie bitte unsere Erfahrungen mit dem Kelag-E-Tankstellenfinder in „motomobil“-Folge 019 auf Seite 52! Fazit: Es gibt nichts, was man mit dem famosen BMW C evolution nicht tun könnte, außer schnell auf Urlaub zu fahren. Wir gratulieren jedem, der ihn sich nach Hause holt. Passt!


TECHNISCHE DATEN: BMW C evolution
MOTOR flüssig gekühlter Elektro-Mittelmotor 133 V
LEISTUNG 11kW (15PS), Peak Power35 kW (47,5 PS)
DREHMOMENT 72 Nm 
FAHRWERK tragendes Akku-Alu-Druckgussgehäuse 
AUFHÄNGUNG vo/hi USD-Gabel 40 mm, Einarmschwinge 
FEDERWEG vo/hi 120 mm/115 mm 
RADSTAND 1594 mm
BEREIFUNG vo/hi 120/70-15, 160/60-15 
BREMSEN vo/hi 2 x Scheibe 270mm/Scheibe 270mm, ABS 
SITZHÖHE 780 mm 
AKKU Lithium-Ionen 8000 Wh 
LADEZEIT ca. 4 h bei 220 V/12 A 
MAX. REICHWEITE ca. 100 km 
GEWICHT (inkl. Akkus) 265 kg 
SPITZE 120 km/h 
PREIS € 15.400,– 
VERTRIEB/INFO www.bmw-motorrad.at 




































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