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ROLLER-TEST

PIAGGIO MP3 500 ie LT ABS


Text: Redaktion
Fotos: Milagro
 
 

DER GUTE RADGEBER

Die neue Version des Piaggio-Threewheelers verfeinert die Stärken des Avantgarde-Konzepts. Was haben wir davon?

Aktueller Link (Sommer 2017): Mit dem MP3 eine Reise nach Paris gewinnen. Ab sofort 4 Jahre Garantie

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Als 2006 der erste MP3 auf den Markt kam, galt der Dreirad-Schwenker als experimenteller Exote, als frisch gelandeter Alien. Niemand wollte genaue Prognosen abgeben oder gar sein Geld auf die Zukunft des ungewöhnlichen Verkehrsteilnehmers verwetten. Acht Jahre und über 150.000 gebaute Exemplare später ist der Duofront-Piaggio eine Erfolgsgeschichte, die nicht aufzuhalten ist. Mittlerweile haben sich auch Mitbewerber wie Peugeot, Quadro und Yamaha der Idee bemächtigt. In drei europäischen Ländern – nämlich in Deutschland, England und Frankreich – ist der MP3 bei den Gran-Turismo-Rollern über 125 Kubik das meistverkaufte Fahrzeug, in Frankreich deckt er das GT-Segment sogar zu fast einem Drittel ab.

Ein Revier, das es zu verteidigen gilt. Der 2014er MP3 500 ist mehr als ein Facelift, das man im Produktlebenszyklus halt nach einigen Jahren durchführt: Das jetzt mit ABS/ASR ausgestattete Modell ist nach Piaggio-Angaben zu 80 Prozent neu. Optisch bleibt sich der MP3 treu – die Erscheinung wirkt vertraut, wenn man das bei einem Threewheeler überhaupt so sagen darf. Im direkten Vergleich wirkt er aber straffer, eleganter und dynamischer, besonders das Heck (mit den wie beim Piaggio X10 zweigeteilten LED-Lichtern) ist jetzt nicht mehr so knollig und kartoffelig wie beim Vormodell. Dafür muss man auf die bisherige Heckklappe verzichten und kommt ausschließlich über die Sitzbank in den 50 Liter fassenden Stauraum. Damit kann man gut leben, denn durch dessen rechteckige beziehungsweise quaderähnliche Form ist er wirklich ideal zu befüllen. Zusätzlich zu zwei Vollvisierhelmen passt noch ein Kleidungsstück oder ein kleiner Einkauf hinein. Eine 12-Volt-Steckdose findet man hier ebenfalls.

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Die Platzverhältnisse
sind „Erste Klasse“
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Hoher Komfort auf Kopfsteinpflaster; müheloses
Fahren wie bei einem „normalen“ Roller
 
Durch einen Stoßdämpfermechanismus bleibt die elektromagnetisch fernentriegelbare Sitzbank selbsttätig hochgeklappt, was angesichts ihrer schieren Größe praktisch ist. Sie wurde im Vergleich zum alten Sattel um beträchtliche 25 Prozent verlängert, in Zahlen heißt das weiters: Fahrer und Sozius können sich jetzt auf 79 Zentimeter Länge tummeln anstatt auf bisher 63. Insgesamt wurde die Ergonomie so abgeändert, dass das Raumgefühl noch kompletter wirkt. Aus den Beifahrer-Trittflächen wurden ausklappbare Fußrasten; das getönte Windschild ist per Bordwerkzeug in drei Stellungen über einen Bereich von zirka sieben Zentimeter verstellbar – die mittlere Position ist so gewählt, dass eine Einmeterachtzig-Person bequem über die Verkleidungsoberkante auf die Straße sehen kann. Sehr angenehm ist auch der vollständige Knie- und Beinschutz durch den geräumigen Vorbau. Somit ist erklärbar, dass gerade in den eingangs erwähnten MP3-Hochburgen der Großroller immer mehr als Ganzjahresfahrzeug verwendet wird.

Um bei den prozentuellen Vergleichen zu bleiben: Die Steifigkeit des Stahlrahmens will Piaggio um 35 Prozent verbessert haben, der vergrößerte Sitzbank-Gepäckraum ist ein willkommener Nebeneffekt des geänderten Chassis. Eine sichtbare Veränderung ist auch die Vergrößerung der beiden Vorderradfelgen von 12 auf 13 Zoll Durchmesser. Auch eine spürbare Veränderung? Nach den Gesetzen der Physik sollte sich das zum Beispiel auf Kopfsteinpflaster durch etwas höheren Fahrkomfort bemerkbar machen.

Von den „motomobil“-Testfahrten bringen wir den Eindruck mit, dass der neue MP3 federungsmäßig sehr sensibel anspricht, und dass das Fahrverhalten so unkompliziert und selbstverständlich ist wie bei einem „normalen“ Zweirad, ob geradeaus oder in Kurven. Trotz des satten Fahrzeuggewichts von 280 Kilo ist Kraftaufwand bei Schräglagenwechseln überhaupt kein Thema. Übrigens muss man auch beim Rangieren keine Angst vor Übergewicht haben: Durch den elektrohydraulischen Sperrmechanismus der Schwenker-Kinematik kann man den großen Bock gelassen und entspannt fast mit den Fingerspitzen in die Parklücke bugsieren, und durch ebendieses „Roll-Lock“ kann man sich auch das Hinaufhieven auf den Hauptständer ersparen. Die Feststellbremse ist bestens bedienbar, der MP3 ist dann sicher fixiert.

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Die solidesten Piaggio-Schalter
gibt’s in der MP3-Baureihe
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Hier kann im Stillstand der
Schwenkmechanismus gesperrt werden
 
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Neue ausklappbare
Beifahrerfußrasten
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Der riesige Kofferraum
verdient seinen Namen
 
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Piaggio Multimedia Platform
für iOS und Android
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Hier das neue praktische
Handschuhfach
 

Den OHC-Halbliter-Vierventilmotor mit Doppelzündung kennt man seit dem Piaggio-X9-Roller vor mehr als einem Jahrzehnt. Er war nie das kultivierteste Piaggio-Triebwerk, sondern eher ein polternder Geselle. Mit der Einführung der neuen Motoraufhängung im Piaggio X10 500 im Jahr 2012 begann sich das Blatt zu wenden, und durch die zielstrebige Überarbeitung für den neuen MP3 wirkt der größte Piaggio-Einzylinder jetzt fast wie wiedergeboren: Die Vibrationen sind so gut wie weg, besonders im ganz niedrigen Drehzahlbereich gibt’s kein Schütteln mehr. Durch reibungsmindernde Maßnahmen wie rollengelagerte Kipphebel sind die Laufgeräusche leiser, bei verbessertem Füllungsgrad im Zylinderkopf wurde auch der Treibstoffkonsum mäßiger: nach Piaggio-Angaben um 15 Prozent, der WMTC-Zyklus soll mit exakt vier Liter pro hundert Kilometer geschafft werden. Mit der neuen Auspuffanlage ist die Vorbeifahrt des MP3 500 bei voller Beschleunigung jetzt um drei db(A) leiser. Ein Motor mit Manieren, sozusagen.

Wir drehen voll auf und stellen erfreut fest, dass die neue Variomatik-Abstimmung ebenfalls passt und dass der MP3 ohne Gedenkpause unmittelbar loslegt. Nicht, dass die 29,5 kW (40,1 PS) mit den 280 Kilo ein kinderleichtes Spiel hätten – aber die gewisse Leichtfüßigkeit der Beschleunigung ist den jetzt sehr kultivierten Laufeigenschaften als auch der leichten Drehmomenterhöhung im unteren Drehzahlbereich zuzuschreiben. Durch die neue Fly-by-wire-Gasgriffbetätigung konnte außerdem ein extra aktivierbarer Eco-Modus realisiert werden, Piaggio verspricht dabei um zehn Prozent geringeren Verbrauch als im Standard-Mapping. In der Praxis ist der Performance-Verlust zwar spürbar, aber sehr erträglich, und im Stadtverkehr bleibt immer noch genug übrig, um sich im Bedarfsfall durchzusetzen.

Nach Aprilia SRV 850, Piaggio Beverly 350, der X10-Baureihe und den 2014er-Vespas bekommt nun auch der MP3 seine ABS/ASR-Ausstattung. Die Traktionskontrolle ist als Nebenprodukt der umfangreichen ABS- und Motorsensorik vor allem eine softwaremäßige Fingerübung – aber gerade bei einem Fahrzeug mit so überschaubarer Motorleistung wie beim Motorroller stimmt bei der Schlupfregelung der Merksatz: Nutzt’s nix, dann schadet‘s auch nicht.

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Größenvergleich mit
dem alten Modell
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Der 500er-Single wurde
gründlich überarbeitet
 

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Der MP3-Stahlrahmen
ist völlig neu
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Kipphebel mit reibungs-
armen Rollenlagern
 


Das neue MP3-Antiblockiersystem ist – nicht nur wegen der bald in Kraft tretenden EU-Zweiradgesetzgebung – viel bedeutsamer. Gleichzeitig wurde der vordere Bremsscheibendurchmesser von 240 auf 258 Millimeter vergrößert. Das Steuergerät des Dreikanal-ABS kommt vom Hersteller Continental. Das Kombibremssystem ist so definiert, dass die Handbremshebel jeweils separat auf Vorder- und Hinterradbremse wirken; mit dem Fußbremspedal werden sowohl Vorder- als auch Hinterradbremse aktiviert. Den MP3 gibt es ausschließlich in der LT-Version mit Fußbremspedal, deswegen kann er ohne Zusatzprüfungen mit dem Autoführerschein chauffiert werden.

Die beiden Handbremshebel erfordern tüchtiges Zupacken, um die Räder an die Blockiergrenze zu bringen. Noch viel mehr Druck verlangt der Fußbremshebel, ein Überbremsen ist hier kaum möglich. Genau genommen wäre das ABS schon durch die hohe Bedienungskraft automatisch eingebaut. Die Piaggio-Argumentation für die überraschende und nicht sehr schlüssige Grundabstimmung der Bremsanlage ist der Wunsch, Neueinsteiger und eben die anvisierten B-Führerscheinbesitzer nicht durch giftige Wirkung zu überfordern.

Das üppig ausgestattete Cockpit wurde noch mehr Richtung Luxuslimousine gestaltet, samt dessen langen Reihen an Kontrollleuchten leidet der MP3-Fahrer keinerlei Informationsmangel. Ganz neu ist ein nicht versperrbares, aber trotzdem praktisches und willkommenes Handschuhfach oberhalb der Instrumente – freundlicherweise gibt es hier auch einen serienmäßigen USB-Anschluss. So wie beim X10 und den neuen Vespa-Modellen kann man auch beim MP3 als Zubehör die Piaggio Multimedia Platform installieren, hier in der Version 2.0 mit neuem Interface. Mit Android- und iOS-Handys lassen sich dann Informationen abrufen und verwalten (von Navigation bis Schräglagewinkel), deren Aufzählung hier jeden Rahmen sprengen würde – alles über die PMP lässt sich aber auf www.motomobil.at nachlesen.

Vom schön und satt einschnappenden Sitzbankverschluss bis zu soliden Materialien und Oberflächen kann man über das Finish der neuen MP3-Reihe gute Dinge berichten. Wie beim kürzlich erfolgten Relaunch der Vespa-Modelle scheint Piaggio auch beim MP3-Update eine sichere Hand zu haben, man darf auf den weiteren Erfolgsweg der Serie gespannt sein. Die beiden Baureihen „Business“ und „Sport“ unterscheiden sich vor allem durch Karosserie- sowie Felgenfarbe und einige Oberflächendetails; der Österreich-Einführungspreis für beide Versionen ist 9999 Euro.

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Sieht wuchtig aus – und ist es auch.
Aber das Fahren ist mühelos
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Größere Vorderräder,
leiserer Auspuff
 



TECHNISCHE DATEN: PIAGGIO MP3 500 ie LT ABS
MOTOR 1-Zyl.-4-Takt, flüssig gekühlt, SOHC, 4 Ventile, EFI
HUBRAUM 493 ccm 
LEISTUNG 29,5 kW (40,1 PS) bei 7250/min 
DREHMOMENT 46,5 Nm bei 5250/min 
GETRIEBE automat. Kupplung, stufenlose Variomatik 
FAHRWERK Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen 
AUFHÄNGUNG vo/hi Alu-Achsschenkel/Stereofederbeine 
RADSTAND 1540 mm 
FEDERWEG vo/hi 85/110 mm 
BEREIFUNG vo/hi 2 x 110/70-13, 140/70-14 
BREMSEN vo/hi 2 x Scheibe 258 mm/Scheibe 240 mm 
SITZHÖHE 790 mm 
TANKINHALT 12 l 
GEWICHT (fahrfertig) 280 kg 
SPITZE ca. 140 km/h 
VERBRAUCH (Werksangabe WMTC) 4,0 l/100 km 
PREIS Aktionspreis € 9999,– 
VERTRIEB/INFO www.piaggio.at 




































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