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ROLLER-DAUERTEST

HONDA SH125i eSP (KILOMETERSTAND: 6227)



Text: Peter Schönlaub 
Fotos: Kurt Pinter (9), Michael Bernleitner (2)
 

DIENST AM MENSCHEN

Braucht ein Achtelliter ABS? Nervt das Start-Stopp-System? Und können die versprochenen Verbrauchsrekorde eingelöst werden? Die Bilanz nach einer Saison mit dem Megaseller gibt Antworten


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schönlaub braunSchreiben wir die langweilige Tatsache gleich an den Anfang: Es gab keine außergewöhnlichen Vorkommnisse. So. Das klingt zwar nicht besonders spannend, ist aber das größte Kompliment, das man einem Fahrzeug dieser Gattung machen kann. Hier geht es schließlich um Dienstleistung, um Fronarbeit im Alltag, um Funktion und Pragmatik. Man kommt im frostigen Morgengrauen zum Roller, und nach getanem Tagwerk soll einen der Gute wieder nach Hause bringen: ohne Murren, ohne Zicken, ohne Allüren.

Diese Kunst der gehobenen Dienstbarkeit beherrscht der Honda SH125i wie kaum ein anderer Roller seines Segments. Und in der Neuauflage, die seit Ende 2012 am Markt ist, noch um ein ganzes Stück besser.

Dabei hilft ein neues Hightech-Paket, das man dem optisch nur dezent weiterentwickelten SH125i nicht sofort zutrauen würde. Und doch sticht er damit aus der Masse hervor: Kein anderes motorisiertes Zweirad am Markt besitzt die Kombination aus ABS und Start-Stopp-System. Der kleine SH bringt beides sogar serienmäßig.

Im Lauf des Tests ergaben sich aber genau daraus immer wieder Einwände: Wozu braucht ein 8,7 kW (11,8 PS) starker Roller, dessen Habitat zweifelsfrei die City ist, unbedingt ein ABS? Zumal der SH mit seinen 16-Zoll-Rädern ohnehin eine vertrauenerweckende Stabilität bietet und mit vorderer und hinterer Scheibenbremse blitzsaubere Verzögerungsleistungen abliefert. Die Antwort ist klar: Wer schon einmal auf Kopfsteinpflaster oder auf Straßenbahnschienen, vielleicht sogar noch im Regen, eine Notbremsung absolvieren musste, der wird sich kein zweites Mal vom Asphalt rappeln wollen. Hier ist das ABS ein echter Segen und sollte am kleinen Roller genauso wenig hinterfragt werden wie an einer Staatslimousine.

Während das ABS als Sicherheitspaket bei Alltagseinsätzen üblicherweise im Hintergrund bleibt, ist die zweite Leuchtturm-Technologie des SH stets präsent: das Start-Stopp-System. Auch diese Sparform zählt in der Automobilwelt längst zum Standard, ist bei den Rollern jedoch noch eine krasse Ausnahmeerscheinung. Nur der eng verwandte Honda PCX und der ganz neue SH Mode, ebenfalls mit dem reibungsarmen eSP-Motor, bieten die automatische Motorabschaltung.

Wer zum ersten Mal mit diesem System fährt, ist naturgemäß irritiert. Schon nach wenigen Fahrminuten ist die Start-Stopp-Automatik aktiv und stellt an der nächsten roten Ampel den Motor ab. Meist bricht dann unter Gelegenheits-Testfahrern Hektik aus, und es wird eilig versucht, den Motor über den Startknopf neu zu zünden. Es geht auch leichter: ein minimaler Dreh am Gasgriff reicht, der Motor springt in Sekundenbruchteilen an, und schon geht’s munter weiter.

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Auch im Fußraum kann viel
transportiert werden
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Sehr individuelles, aber
übersichtliches Cockpit-Layout
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Der Sitzbank-Stauraum
ist jetzt sehr brauchbar
 

Die technische Eleganz dieses Systems und der mühelose Neustart sind auch die Gründe, warum das Start-Stopp-System – das übrigens deaktivierbar ist – niemals nervt. Man sieht’s stattdessen als weiteren Puzzlestein zum Benzinsparen und adelt sich damit selbst ein bisschen zum Kreuzritter für ein grüneres Dasein; muss auch einmal sein.

Der größte Puzzlestein in diesem Sinn ist freilich der Motor selbst. Das feine Motörchen der neuen eSP-Generation ist ja ein kleines Kunstwerk, was die Minimierung von Reibungsverlusten und die Steigerung der Effizienz betrifft; „motomobil“ hat die technischen Eigenschaften des Achtelliters ja schon mehrfach genau unter die Lupe genommen, nachzulesen auf www.motomobil.at. Was sich nach einer Saison im Alltagseinsatz bestätigen lässt, ist die punktgenaue Abstimmung des Motors und die große Harmonie mit der Keilriemenautomatik, die für den SH von Honda ebenfalls neu konstruiert worden ist.

So gelingt das Kunststück, dass trotz der im Vergleich zum Vorgänger leicht gesunkenen Spitzenleistung ein Plus an Fahrfreude herauskommt: Der SH beschleunigt mit Bestimmtheit von der Ampel und lässt sogar in Vollbesetzung mit zwei Personen die meisten Autos rasch hinter sich. Der Topspeed liegt gemessen bei 97 Stundenkilometer, am Tacho übersteigt man bisweilen die 110-km/h-Schwelle. Für ein engagiertes Mitschwimmen auf der Südost-Tangente oder gelegentliche Etappen auf der Autobahn reicht die Performance allemal.

Wichtiger als neue Rekordwerte im Speedbereich ist uns aber die Laufruhe, die im SH mehr als vorbildlich ist. Sogar bei Vollgas schnurrt der Roller angenehm dahin, und beim Beschleunigen in der Stadt ist er weitaus sanfter und angenehmer als viele seiner Konkurrenten. Apropos: Ein großes Plus bekommt der Honda auch für seinen stabilen Rahmen. Preislich attraktive Roller mit flachem Durchstieg sind ja bekanntlich für Verwindungen anfällig, man merkt’s am Zittern des Lenkers bei höheren Geschwindigkeiten oder schlechtem Fahrbahnbelag; der SH 125i strahlt hier eine stoische Solidität aus, und so lassen sich auch sehr schnelle Kurven ohne Transpiration erobern.

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Die Abschalt-Automatik
kann deaktiviert werden
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Die kräftige Bremsanlage
passt ins solide Gesamtkonzept
 
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Der SHi zeigt keine Scheu
vor Chrom-Applikationen
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Schon nach kurzer Zeit will
man das Topcase nicht mehr missen
 

Noch einmal zurück zur modernen Motorkonstruktion: Der Grund für die Liebe zum Detail und dem Feilen an der Reibung ist natürlich der Verbrauch. Honda rechnet damit, dass im Zuge der kommenden, schärferen Abgasnormen auch der Normverbrauch und die damit verbundenen CO2-Werte eine stärkere Rolle spielen werden; einerseits als Verkaufsargumente, andererseits auch als Grundlagen für neue Besteuerungsmodelle.

Der SH wurde quasi in vorauseilendem Gehorsam schon in diesen Disziplinen optimiert, und Honda weist auch stolz einen spektakulären Normverbrauch aus: 2,1 Liter auf 100 Kilometer. Diesen fabelhaften Wert haben wir bei unseren Testfahrten zwar nicht erreicht, das Bemühen um knausrige Konsumation war aber trotzdem spürbar. Bei Etappen, in denen wir großteils im höheren Geschwindigkeitsbereich unterwegs waren (mit markantem Vollgasanteil) genehmigte sich der SH rund drei Liter; im hurtigen Stadtverkehr pendelten sich die Werte zwischen 2,5 und 2,8 Liter je hundert Kilometer ein – überaus respektable Werte, die bei noch respektvollerer Fahrweise sicher noch zu unterbieten sind.

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Optische, technische und funktionelle Eleganz
serienmäßig: Topcase, ABS und Start-Stopp-Automatik
sind um 3290 Euro mit dabei
Kaum zu toppen ist hingegen die Dienstbarkeit des SH125i im Hürdenlauf des Alltags. Der flache Durchstieg ist an sich schon eine Freude: So wird der Roller zum schnellen Hop-on-/Hop-off-Gerät. Außerdem kann hier eine Tasche oder ein Einkaufssackerl erstaunlich sicher abgestellt werden.

Die Unkompliziertheit
in der Bedienung vermehrt die freie Wahl beim Parken: Seiten- oder Hauptständer passen für jede Gelegenheit. Und dann natürlich der Stauraum: Unter den Sitz passt nun ein Vollvisierhelm, und das serienmäßige (in Karosseriefarbe lackierte) Topcase fasst 35 Liter oder einen weiteren Integralhelm. Solcherart kann man zu zweit in die Innenstadt schippern, dort beide Helme im Roller verstauen und flanieren gehen – ein echter Bonus.

Raum gibt’s aber nicht nur für Transportgüter, auch von den Fahrern und  den Passagieren gab’s in all den Monaten keine Klagen. Selbst der sehr groß geratene Fotograf dieser Fotos hatte keine Mühen, das üppige Beinwerk hinter die Verkleidung zu schlichten. Und als Beifahrer findet man zwischen Pilot und Topcase ein gemütliches Plätzchen vor, samt ordentlichen Fußrastern, die man sich auf manchen Reisemotorrädern wünschen würde.

Zu all den Vorzügen kommt letztlich noch eine Verarbeitung, die keinen Spielraum für Interpretationen lässt: ordentliche Materialien, saubere Passungen, enge Fugen – da weht ein Lüftchen, das den SH125i zum Premium-Roller adelt. Dass der Preis weiterhin volksnah bleibt, ist der letzte Baustein zum Erfolgskonzept: Mit einem Aktionspreis von 3290 Euro inklusive Start-Stopp, ABS und Topcase ist der SH125i eine der günstigeren Möglichkeiten, sich das Leben ganz entscheidend zu erleichtern.


TECHNISCHE DATEN: HONDA SH125i eSP
MOTOR 1-Zyl.-4-Takt, flüssig gekühlt, SOHC, 2 Ventile, EFI
HUBRAUM 125 ccm 
LEISTUNG 8,7 kW (11,8 PS) bei 8500/min
DREHMOMENT 11 Nm bei 6500/min 
GETRIEBE autom. Kupplung, stufenlose Variomatik
FAHRWERK Stahlrohrrahmen, Triebsatzschwinge 
AUFHÄNGUNG vo/hi Telegabel 33 mm, Stereofederbeine
RADSTAND 1340 mm
FEDERWEG vo/hi 89/83 mm 
BEREIFUNG vo/hi 100/80-16, 120/80-16
BREMSEN vo/hi Scheibe 240 mm/Scheibe 240 mm, ABS
SITZHÖHE 799 mm
TANKINHALT 7,5 l
GEWICHT (vollgetankt) 135 kg inkl. ABS 
HÖCHSTGESCHWINDIGKEIT 97 km/h
TESTVERBRAUCH 2,5 bis 2,8 l/100 km
PREIS (Aktionspreis 2014) € 3290,–
VERTRIEB/INFO www.honda.at



































AUSPROBIERT: HONDA SH150i

STARKE ALTERNATIVE?

025 HondaSH150i klWenn man nicht aus jugendlichen oder aus Gründen der Führerscheinklasse B 111 am Achtelliter-Hubraum klebt, dann kann die Entscheidung zu einem Stamperl mehr sehr verlockend sein: Um mehr oder weniger geringen Aufpreis bekommt man bei manchen Rollermodellen (zum Beispiel Honda SHi oder Yamaha Xenter) auch eine – aus italienischer Gesetzgebung hervorgegangene – 150-Kubik-Variante.

Das sind immerhin 20 Prozent mehr Hubraum und auch mindestens aliquot höhere Leistungs- und Drehmomentwerte: Der Honda SH150i leistet 11 kW (15 PS) und stemmt 14 Newtonmeter. Das sollte man doch gut gebrauchen können. In der Praxis zeigt sich bei den neuen eSP-Modellen subjektiv der dynamische Mehrwert aber nicht so deutlich spürbar, wie wir es noch 2011 beim Vergleich der vorigen Motorgeneration von SH125i/SH150i erlebt haben. Ein Grund dafür mag sein, dass die eSP-Motoren einen außerordentlich geschmeidigen Eindruck machen und daher bereits der 125er mit seiner gelungenen Kupplungs- und Variomatik-Abstimmung sehr lebendig ist.

Lassen wir aber die Fakten sprechen: Die Spitze steigt auf gemessene 106 km/h (bei Tacho 116), das ist dann doch recht deutlich. An der Zapfsäule genehmigt sich unser Test-150er 2,75 Liter pro hundert Kilometer und bleibt damit erfreulicherweise auf Augenhöhe mit der spritbewussten 125er-Variante.
Ob man sich jetzt für die saftigeren 150 Kubik entscheidet, hängt sicher von der Markt- und Angebotslage ab: Der geringe Unterschied von 3290 Euro (Aktionspreis 2013 SH125i, inklusive Topcase und ABS) zu 3390 Euro (Aktionspreis SH150i, inklusive Topcase und ABS) ist durch das Bemühen von Honda Österreich, eine zusätzliche Bereicherung ins Roller-Angebot zu bringen, einigermaßen leicht darstellbar. Tatsächlich sind dann auch die Zulassungszahlen des SH150i recht beträchtlich. Und durch das offensichtlich vorhandenene Interesse an der „schrägen“ Hubraumklasse dürfte auch der Wiederverkaufswert des 150ers gesichert sein.





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