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ROLLER-TEST

VESPA-CUSTOMIZING: GTS 300 „BELLEZZA VERDE“


Text: Michael Bernleitner
Fotos: Laura Marko
 

GREEN POWER

Die Vespa-Schönheit ist Traumscooter und gleichzeitig der blechgewordene Alptraum jedes Sportmotorradfahrers


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Dreht man beim Wegfahren entschlossen am Gasgriff, soll man aufpassen, dass man nicht versehentlich ein bisschen zu weit hinten auf der edlen Custom-Sitzbank des in Wien arbeitenden Kärntner Sattlermeisters und Möbeldesigners Harald Krassnig – auch unter „Ledernardo“ bekannt – Platz genommen hat. Das 12-Zoll-Vorderrad wird hübsch leicht. Bei entsprechender Gewichtsverteilung ist die GTS 300 jederzeit für ein unbeabsichtigtes Kraftwheelie gut.

Das Zeug marschiert wirklich. Die „Bellezza Verde“ sieht nicht nur nobel aus, sondern ist höchst durchtrainiert. Null bis 100 in zirka sechs Sekunden; über dem Hunderter gibt’s zudem weiter deutliche Beschleunigung; Höchstgeschwindigkeit? Gemessene 135 km/h, am Tacho weit über 140. Alles mit erprobten Teilen aus dem Zubehörregal – man muss aber zu den richtigen greifen. Dabei ist bereits die serienmäßige GTS alles andere als brustschwach und zählt zu den Favoriten beim Ampelstart – nicht umsonst ist die 300er-Klasse die wohl effektivste Roller-Hubraumkategorie.

Auf dem Dynojet-Leistungsprüfstand bleiben vor dem Tuning von den 15,8 kW (21,5 PS) an der Kurbelwelle noch 12,5 kW (17 PS) am GTS-Hinterrad übrig. In der Piaggio-Keilriemenautomatik verlustieren sich zirka 20 Prozent und somit etwas weniger, als in dieser konstruktiven Roller-Achillesferse oft vermutet oder befürchtet wird. Machen wir gleich den Kassasturz und die Endabrechnung: Mit Akrapovič-Auspuffanlage, Dynojet Fuel Controller und 282-Kubik-Kit von Malossi schauen 16,5 kW (22,4 PS) am Hinterrad raus. Im Umkehrschluss sind das wiederum gut 20 kW (27,3 PS) an der Kurbelwelle. Vergleichen wir die Leistungskurven vor und nach dem schrittweisen Einbau der Teile, hat der Malossi-Zylinderkit den mit Abstand größten Anteil am zirka 30-prozentigen Leistungsplus.

Er vergrößert den GTS-Hubraum von 278 auf 282 Kubik zwar mikroskopisch, aber er kommt mit Alu-Zylinderkopf, Leichtlauf-Schmiedekolben und vergrößerten Ventilen – das macht auch unter Verwendung der Original-Nockenwelle das Kraut echt fett. Bereits bei geringen Drehzahlen setzt es spürbaren Leistungszuwachs. Zusammen mit dem einfach zu installierenden Dynojet Fuel Controller und dem Akrapovič gibt’s dazu noch wunderschönen Leerlauf und feine Gasannahme. Der Sportschalldämpfer ist vernehmbar und sonor, er krawalliert aber nicht. Man muss keine Befürchtungen haben, dass man in den heimatlichen Häuserzeilen die Blumentöpfe aus den Fenstern nachgeschmissen bekommt. Insgesamt ein wirksames und stimmiges Customizing-Set.

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Auch nach dem erfolgreichen Besuch in der Kraftkammer bleibt die GTS eine seriöse, höchst elegante Erscheinung
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Rizoma-Rückspiegel und Ledernardo-Sitzbank, feiner geht’s nicht. Das matte Metallic-Grün verleitet zum Drüberstreicheln
 

Klarerweise wird man von 20 kW (27,3 PS) als Zweiradfan nicht gleich blind vor lauter Beschleunigung. Der trotzdem enorm muskulöse, fast sogar süchtig machende Charakter der GTS Bellezza Verde kommt nicht zuletzt durch den Einbau einer Malossi Multivar samt Kevlar-Keilriemen und Delta-Kupplung, ebenfalls von Malossi. Diese Operation ist kostengünstig (sozusagen das Öko-Tuning für Preisbewusste), und hier wird dann tatsächlich keinerlei Beschleunigung mehr verschenkt. Das Drehzahlniveau ist leicht erhöht, aber nicht nervig. Wie wir in einem redaktionellen Selbstversuch mit Remus und Multivar an einer GTS 300 bereits festgestellt haben, liegt alleine durch eine optimierte Variomatik das subjektive, gefühlte Beschleunigungsplus bei ung’schauter vier bis fünf PS.

Die Vespa GTS Bellezza Verde entstand als Fingerübung für spezielle Einsatz- und Showzwecke in den Hallen des österreichischen Vespa-Generalimporteurs. Daher musste – neben der erwähnten besitzenswerten Ledernardo-Sitzbank – mit optischen und fahrwerkstechnischen Feinheiten nicht gespart werden. Alles aber nachvollziehbar – also im Geschäft käuflich und entweder über eine Werkstätte oder mit einigem Geschick selber zum Einbauen: qualitätvolle Rizoma-Rückspiegel, die auch gut zum Anschauen sind; verstellbare Alu-Bremshebel, die es entweder mit Vespa-Logo oder färbig eloxiert von Remus gibt; verchromte Nummerntafelhalterung und brüniertes Vespa-Logo am Hinterteil; schön schimmernde Lackierung in mattem Grün mit Metallic-Effekt.

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Die Malossi-Stoßdämpfer mit weiß beschichteten Federn sind eine hervorragende Investition ins Vespa-Fahrwerk
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Hier findet der erstaunliche Malossi-282er-Kit seinen Weg in den Piaggio-Quasar-Motor
 

Die Wave-Bremsscheibe an der Vorderradschwinge sieht sehr ernsthaft aus, leitet die Wärme besser ab und verringert das ungefederte Gewicht im Vergleich zum etwas plumperen Originalteil. Für große Überraschung sorgen die Malossi-Stoßdämpfer vorne und hinten, die gegenüber dem Originalfahrwerk eine deutliche Verbesserung bewirken, fast sogar einen Quantensprung durch simplen Teiletausch. Während die Serien-GTS im Bereich der Höchstgeschwindigkeit nicht immer völlig unbeirrbar ihre Spur zieht, fährt die customisierte GTS ihre 135 km/h mit fast unglaublicher Stabilität; auch Autobahnfugen oder Fahrbahnwellen verbreiten keinen Schrecken. Dabei erkaufen sich die Malossi-Dämpfer die Stabilität nicht durch übertriebene Härte, ganz im Gegenteil: Der Fahrkomfort bleibt dem des Werkszustandes mindestens ebenbürtig.

So gediegen und qualitätvoll die Bellezza Verde aussieht – sie ist sportlich genug, dass man im richtigen Moment jeden T-Max und andere renommierte Sportroller düpieren kann. Das hat natürlich einen Preis: Alleine für die Teile und die Lackierung legt man knapp viereinhalb Tausender auf den Tisch. Damit ist das herrliche Einzelstück insgesamt immer noch günstiger als ein serienmäßiger Maxiroller. Als Profi-Arbeitszeit sollte man mit zirka 15 Stunden rechnen. Will man lediglich die Performance samt Sportfahrwerk und verzichtet auf Custom-Optik, kommt man (ohne Schalldämpfer) mit etwas über 2000 Euro durch. Der Spaß mit der „optimierten“ GTS ist jedenfalls immens und schwer in Zahlen zu beschreiben.

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Die Dynojet-Leistungskurve zeigt 30 Prozent plus. Das Mapping des Fuel Controller ist individuell einstellbar
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Falls noch etwas Budget bleibt, könnte man sich ein Ziffernblatt bis 200 km/h zeichnen lassen, nur so zum Angeben …
 

PREIS-INFOS ZUR VESPA GTS 300 „BELLEZZA VERDE“
(ÖSTERREICH-PREISE, STAND HERBST 2013)


Kupplung Malossi Delta € 154,–
Keilriemen Malossi X-Kevlar € 82,–
Variomatik-Kit Malossi Multivar € 153,–
Stoßdämpfer vorne Malossi € 239,–
Stoßdämpfer hinten Malossi € 299,–
Zylinder/Kolben/Kopf Malossi 282 ccm € 879,–
Bremsscheibe Malossi Wave € 109,–
Schalldämpfer Akrapovič € 515,–
Rückspiegel Rizoma Spirit € 139,–
Sitzbank Ledernardo € 550,–
Alu-Bremshebel Vespa € 174,–
Dynojet Fuel Controller € 299,–
Lackierung Grün Metallic Matt 850,–

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