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E-ROLLER-TEST

SCHACHNER DT800

Text & Fotos: M. Bernleitner
 

KLEIN.KRAFT.WERK.

Mit einer cleveren Idee und einem Minimum an Motor können erstaunliche Fahrleistungen ans Tageslicht gefördert werden


002 SchachnerDT800 kl
 
 

Die Vorstellung des innovativen
Zweigangautomatik-Elektrorollers Schachner DT800 in Folge 011 und auf www.motomobil.at löste sofort eine eifrige Diskussion im deutschen Elektroroller-Forum.de über die Glaubhaftigkeit der Herstellerangaben des niederösterreichischen Elektro-Pioniers aus: 30 Prozent Steigfähigkeit aus einem kleinen, etwas mehr als faustgroßem Motörchen mit nur 0,8 kW Leistung, also gerade einmal 1,1 PS? Und 60 Kilometer Reichweite aus einem nicht gerade übermächtigen Akku mit 1200 Wattstunden Inhalt? Das kann nicht sein, das war noch nie da.

Den Skeptikern muss durchaus Fachwissen und genügend Lebenserfahrung zugute gehalten werden – denn einige Anbieter der Elektromobilität sind mit ihren Leistungs- und Reichweitenangaben ja nicht gerade bescheiden. Die Praxis schaut so aus: Wer je mit einem Electric Vehicle nicht mehr nach Haus gekommen und ohne Strom liegengeblieben ist, der weiß ganz genau, dass er den restlichen Tag komplett abschreiben kann. Die vielzitierte Range Anxiety kommt nicht von ungefähr.

007 SchachnerDT800 kl
Geschafft. Wenn wir die neue E-Tankstelle am
Tulbingerkogel erreichen können, heißt das,
dass wir auch wieder gut zurück kommen
Es hilft nur die Probe aufs Exempel, sozusagen das „Auslitern“ des elektrischen Tankinhalts. Im Alltag eines E-Mobils ist der so harmlos wirkende Wienerwald so ziemlich der härteste Prüfstein, der ihm passieren kann. Viele Steigungen sind lang und höchst gehaltvoll – am 20-prozentigen Anstieg zwischen Marienhof in Unterkirchbach und Gasthaus Bonka in Oberkirchbach haben wir schon manchen Elektroscooter zum Aufgeben gezwungen. Der DT800 muss dorthin.

Und er kommt auch oben wieder raus. Die Beschleunigung ist bei 0,8 kW Motorleistung erwartungsgemäß alle andere als rabiat, aber er schwingt sich zu 56 km/h am Tacho auf, das sind GPS-gemessene 44,8 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit. Und er ist zäh, sehr zäh. Die Schaltvorgänge im automatischen Zweiganggetriebe werden durch Fliehgewichte festgelegt und machen sich weder akustisch noch durch Ruckeln bemerkbar. Am ärgsten Teil der Steigung fällt die Geschwindigkeit auf 17 Stundenkilometer ab und bleibt stabil. Test bestanden – und das alles andere als schlecht oder mit Bauchweh.

Dafür darf der DT800 dann sicherheitshalber auch gleich zur Ende 2012 in Betrieb genommenen Elektrotankstelle beim Berghotel Restaurant Tulbingerkogel. Was sogar gar nicht einmal notwendig gewesen wäre – bei wiederholten Testrunden können wir bei ständigem Auf und Ab im Wienerwald eine Reichweite zwischen 33 und 38 Kilometer bis zum „Saft aus“ ermitteln, bei Außentemperaturen um die 20 Grad. Die Schachnersche Reichweitenangabe von 60 Kilometern in der Ebene bei einer ökonomischen Geschwindigkeit von 35 km/h ist keine Utopie.

Der 60-Volt-Gleichstrommotor ist im selben Gehäuse mit der Zweigangautomatik am linken Ausleger der Zweiarm-Hinterradschwinge platziert. Mit Lithium-Akku (wie im „motomobil“-Test, Ladezeit zirka sechs Stunden) kostet der DT800 2990 Euro, mit Blei-Akku gleicher Kapazität um 2490 Euro soll dieselbe Reichweite drin sein. Bei genügend Nachfrage will Schachner in Zukunft auch Akkus mit größerem Energieinhalt anbieten. Dass der Akku unter dem – dadurch recht hohen – Trittbrett eingebaut ist, hat einen eher spitzen Kniewinkel zur Folge, und Fahrer über 1,80 Meter können die Beine auch nicht wettergeschützt innerhalb der Frontschürze platzieren, ohne in Kurven mit dem Lenker (beziehungsweise den Blinkern) in Berührung zu kommen.

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Hotelier Frank Bläuel bewirtschaftet seinen
Betrieb am Tulbingerkogel nachhaltig und
will sogar energieautark werden.
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Enorme Steigfähigkeit mit dem kleinen
800-Watt-Motor. Im stark hügeligen Gelände
gibt’s immerhin 35 Kilometer Reichweite
 

Die Vorteile wiederum
sind der vollkommen freie und ebene Durchstieg sowie der für Elektroroller unüblich große Gepäckraum unter der komfortablen Zweiersitzbank. Zusammen mit dem serienmäßigen, in Karosseriefarbe lackierten Topcase und dem Gepäckhaken im freien Durchstieg können mit dem Schachner DT800 Einkäufe und Ausrüstungsgegenstände transportiert werden, vor denen sonst die meisten E-Bikes kapitulieren.

Mit sowohl Seitenständer als auch Hauptständer ist die Ausstattung angenehm komplett. Und dass sich die seilzugbetätigte hintere Trommelbremse zu keinen Großtaten aufschwingt, aber die vordere Scheibe sehr kräftig und gut dosierbar verzögert, soll nicht unerwähnt bleiben. Bei makelloser Lackierungsqualität wirkt das Finish der Komponenten nicht luxuriös, aber angesichts der erschwinglichen Preisregion des E-Rollers kompetent und erfreulich.


TECHNISCHE DATEN: SCHACHNER DT800
MOTOR bürstenl. Gleichstrommotor 60 V, Zweigang-Automatik
LEISTUNG 0,8 kW (1,1 PS) 
DREHMOMENT n. a. 
FAHRWERK Stahlrohrrahmen, Zweiarm-Hinterradschwinge 
AUFHÄNGUNG vo/hi Telegabel/Stereofederbeine 
FEDERWEG vo/hi n. a. 
RADSTAND 1330 mm 
BEREIFUNG vo/hi 120/70-12, 120/70-12 
BREMSEN vo/hi Scheibe/Trommel 
SITZHÖHE 780 mm 
AKKU 1200 Wh, Blei-Silizium oder Lithium-Ionen 
LADEZEIT 6 h 
REICHWEITE (stark hügeliges Gelände) ca. 35 km 
GEWICHT (inkl. Akku) 110 kg 
SPITZE 45 km/h 
PREIS € 2490,– (mit Blei-Akku), € 2990,– (mit Li-Akku) 
VERTRIEB/INFO www.elektrobikes.com 




































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