Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner

ROLLER-TEST

LML STAR 200 4T


Text & Fotos: M. Bernleitner

KRAFT DES TURBANS

Blechroller. Schaltroller. Warum nicht auch mit 200-Kubik-Viertaktmotor aus Indien?


Aufmacher_LML_Star_200_4T_kl

Gar nicht wenige Vespa-Fans sind der Meinung, dass das eigentlich der Klassikroller ist, der von Piaggio in Pontedera erzeugt werden sollte. Eine selbsttragende Blechkarosserie wie in alten Zeiten, Drehgriff-Handschaltung wie schon bei der Ur-Vespa aus 1946. Aber nicht mit tuk-tuk-Zweitakter (auch wenn er so zivilisiert auftritt wie in den neuen PX), sondern mit flüsterndem und zukunftsorientiertem Viertaktmotor, der auf absehbare Zeit mit den Euro-Abgasnormen mithalten kann. Und tatsächlich machten kurz vor der Mailänder EICMA 2011 wieder einmal Gerüchte die Runde, dass Piaggio eine neue Viertakt-PX mit 125 und 150 Kubik aus dem Zylinder ziehen will – vorerst ohne Realisierung …

Seit Jahrzehnten ein vertrautes Bild – jetzt mit neuem Antrieb
Seit Jahrzehnten ein vertrautes Bild
– jetzt mit neuem Antrieb

Die in Nordindien vom ehemaligen Piaggio-Lizenznehmer
LML gebaute Star 200 mit luftgekühltem Zweiventil-Viertakter ist jedenfalls schon da – und gleich eines der ersten in Österreich eintreffenden Exemplare findet den Weg in die „motomobil“-Redaktion zur herbstlichen Probefahrt. Die 8,6 kW (11,7 PS) starke LML 200 4T wird um 3090 Euro angeboten – und beim indischen Klassik-Vespa-Klon wird natürlich immer wieder die Frage gestellt, wie denn die Verarbeitung im Vergleich zum Italo-Original aussieht. Die Viertakt-LML muss sich nicht genieren und präsentiert sich mit sehr schöner Lackierung (die schwarze Version offenbart im direkten Sonnenlicht sogar ein nobles Goldflitter-Finish); allein der Blechfalz an der Kante des Vorderradschutzblechs, die Passgenauigkeit der Blinker-Chromeinfassungen zur Karosserieform und die elektrische Verkabelung im Motorraum unter der rechten Seitenbacke sind bei der „richtigen“ PX feiner ausgeführt. Unter der linken Backe sitzt traditionsgemäß das Reserverad und die Batterie (hier eine kräftig wirkende indische Exide).

Sowohl mit Kickstarter als auch per Knopfdruck springt mit Choke der Motor unmittelbar an und läuft rund. Jawohl, Choke – der Motor, der mit Beteiligung des taiwanesischen Zweiraderzeugers PGO (ebenfalls früher ein Piaggio-Lizenznehmer) entwickelt wurde, hat einen klassischen 20er-Vergaser von Keihin; und wie schon damals kann der Choke-Stipfel im Fußraum nach wenigen Minuten zurückgeschoben werden. Für die nächste LML-Entwicklungsstufe ist eine Einspritzung aber bereits angekündigt. Der kleine, fast vibrationsfreie Motor stellt sich rasch als großer Sympathieträger heraus: Er ist laufruhig, ohne mechanische Geräusche und klingt schön dumpf bis sonor-kräftig. Im Vergleich zur seit dem Vorjahr bekannten 125er-Viertakt-LML ist er sogar ein Muskelprotz und enorm durchzugsstark: Man muss auch in kleineren Kurvenradien keineswegs immer in den zweiten Gang zurück, der dritte und auch der vierte ziehen ohne Verhungern immer schön durch. Dreht man den Motor aus, ist man richtig flott unterwegs – und insgesamt kann man die 117 Kilo leichte LML äußerst entspannt und schaltfaul bewegen. Wie nicht anders gewohnt, trifft man mit der Drehgriffschaltung die vier Gänge – fast – immer; in der 4T gibt’s im Cockpit sogar ein Leerlauflämpchen. Unsere beiden noch nicht eingefahrenen Exemplare haben wir mit 93 km/h gestoppt; der Hunderter als Werksangabe ist also nicht weit weg.

Dafür sind die in einem indischen Dunlop-Werk produzierten Reifen des Typs Maxi-Life eine bodenlose Gemeinheit. Das Austrinken eines Doppelliters kann man sich getrost ersparen: Sowohl in der Kurve als auch auf der Geraden fährt die Schlangenlinie serienmäßig mit, weit über das normale PX-Maß oder die bei 10-Zöllern übliche Sensibilität hinaus. Das Aufrüsten mit Qualitätspneus sollte mit einkalkuliert werden. Gute Nachrichten wiederum gibt’s über die vordere Scheibenbremse und die Hinterrad-Trommelbremse, die beide wirksam und dosierbar sind, aber im Sinn der Fahrsicherheit nicht übermäßig bissig.

Man sollte sozusagen „punktgenau“ schalten
Man sollte sozusagen
„punktgenau“ schalten
Scheinwerferund E-Starter-Bedienung
Scheinwerfer- und E-Starter-
Bedienung

Mit Leerlauflämpchen als LML-4T-Spezialität
Mit Leerlauflämpchen
als LML-4T-Spezialität
Riesiges Handschuhfach im Fußraum
Riesiges Handschuhfach
im Fußraum

Wer einen Schalt-Blech-Klassik-Roller will, der weiß, dass man unter der Zweiersitzbank nicht nach Gepäckraum suchen muss – dafür hat man in der Vorderschürze ein riesiges Handschuhfach, dessen Volumen unübertroffen ist. Der erste Eindruck der großen Viertakt-LML? Die Reifenfrage ist ein leicht reparabler Schönheitsfehler, der um einen überschaubaren Betrag mit einem Satz Heidenau behoben ist – den Rest des Rollerlebens hat man dann drei Reservereifen … Sonst scheppert nix und passt alles. Die LML Star 200 4T ist für 2012 zweifellos eine sympathische Schaltroller-Bereicherung.


TECHNISCHE DATEN: LML STAR 200 4T
MOTOR 1-Zyl.-4-Takt, SOHC, 2 Ventile, gebläsegekühlt
HUBRAUM 199,9 ccm
LEISTUNG 8,6 kW (11,7 PS) bei 6250/min
DREHMOMENT 14,5 Nm bei 4250/min
GETRIEBE Viergang-Handschaltung
FAHRWERK selbsttragende Stahlblechkarosserie
AUFHÄNGUNG vo/hi gez. Einarmschwinge/Triebsatzschwinge
RADSTAND 1235 mm
FEDERWEG vo/hi 90/90 mm
BEREIFUNG vo/hi Dunlop Maxi-Life 3,5-10/3,5-10
BREMSEN vo/hi Scheibe 200 mm, Trommel 150 mm
SITZHÖHE 820 mm
TANKINHALT 5,5 l
TROCKENGEWICHT 117 kg
HÖCHSTGESCHWINDIGKEIT 94 km/h
VERBRAUCH n. A.
PREIS € 3090,–
VERTRIEB/INFO  www.rollerkabinett.com, www.lml-scooter.eu





Diesen Bericht als E-Paper downloaden pdf





FINDE ICH GUT
Facebook! Mister-Wong! Twitter! Del.icio.us! StumbleUpon! Netscape! Google! Furl! Yahoo! Diigo! Technorati! Smarking! Netvouz! MySpace! Live! Joomla Free PHP