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ROLLER-TEST
PIAGGIO TYPHOON 125

PIAGGIO TYPHOON 125 SPORT

Text: Dr. Foonkenfloog
Fotos: Leibrentner

MALAGA MIT SCHLAG

Über den Versuch, mit 6,8 Kilowatt der Welt einen Haxen auszureißen


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Seit der Vorstellung in den frühen 1990ern wurden vom ersten Modell des Piaggio Typhoon über eine halbe Million Exemplare hergestellt. Damit ist die Baureihe mittlerweile – natürlich neben der Vespa – die langlebigste im Piaggio-Konzern. Mit seinen kleinen Wutzelreifen im 10-Zoll-Format und Offroad-Profil sympathisch, superhandlich und wendig, außerdem kostengünstig. Und mit dem – damals – unverwechselbaren G’schau im Haifisch-Look dynamisch und jung im Auftritt. In Österreich wurde der Piaggio TPH ein paar Jahre lang auch als Puch Typhoon verkauft und war somit das letzte Auflodern der legendären Marke, bevor Piaggio mit dem fremden Namen endgültig nichts mehr anzufangen wusste. Ein durchaus respektables Aufflackern, mit Fangemeinde – so hat etwa ein Typhoon mit sorgfältig gemachtem 180er-Malossi-Kit in vielen Einsatzbereichen auch heute noch kaum Widersacher.

Der Piaggio Typhoon 2011 kommt mit erwachseneren, aber immer noch superhandlichen 12-Zoll-Ballonreifen und unvermeidlich mit 125er-Viertaktmotor statt Zweitakter. Dabei aber ohne jede übertriebene Technik: SOHC-Zweiventiler, Luftkühlung und Gemischaufbereitung per unelektronischem Vergaser sind heute auch in der 125er-Kategorie einer fast schon elitären Vergangenheitsliebe zuzuordnen. In Österreich trägt der neue Typhoon aus nicht näher genannten Gründen die Zusatzbezeichnung „Sport“ – die Vermutung liegt nahe, dass man bei lediglich 6,8 kW (9,3 PS) Leistung durchaus eine sportliche Grundeinstellung mitbringen sollte, um eilig vorwärts zu kommen.

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Wohin führt man seinen neuen, schicken, pfiffigen Untersatz am besten aus, um ihn in geeigneter Weise dem gewünschten sozialen Umfeld zu präsentieren? Der gute, klassische Eissalon ist wieder in aller Munde, nicht erst seit den im Frühsommer ruchbar gewordenen Beton-Umbauarbeiten einer Meidlinger Eisdiele. Der bekannte Salon Ruckenbauer in Wien-Döbling ist gerade eine Viertelstunde von der Redaktionskemenate entfernt, eine beschwingte Fahrt über den „falschen Semmering“ zwischen Weidlingbachtal und Sievering mit dem neuen Typhoon ist eines der kleinen Vergnügen der leichten zweirädrigen Mobilität. Bereits bei der Ankunft unstandesgemäßer Aufruhr und Gegröle aus dem Gastgarten. Mit dem optionalen Typhoon-Design im Military-Look und dem Hubschrauberhelm muss ich wohl daherkommen wie der berufsjugendliche Spätrevoluzzer. Schade, dass ich das rote Guevara-T-Shirt nicht anhabe, das ich beim Parteitag der südafrikanischen Kommunisten in Johannesburg als Souvenir erstanden habe. Es ist normaler Wochentag, der Eissalon ist bevorzugter Hang-out von arbeitsfernen Elementen und routinierten Tagedieben. Im gegenständlichen Fall versuchen Redaktionskollege Amoser („motomobil“-Kalifornien-Korrespondent auf Heimaturlaub) und Doktor G. („G.“ steht für „Goldzahn“, langjähriger Zahnarzt des Roller-Reporters) ihrem Alltag einen Anflug von Sinn zu verleihen. Den geparkten Burgman und den neuen SH300i des Doktors hätte ich bereits aus der Weite als Gefahr für nachmittäglichen Frieden deuten müssen.

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Die Diskussion ist bereits lautstark in Gang. Die Gemüter entzünden sich an der Verkehrslage und am immer brutaler werdenden Straßenrückbau in der Wienerstadt: „Hast du schon das neue Donaukanalufer gesehen? Da fehlt plötzlich eine ganze Fahrspur! Jetzt ist Stau auch am Wochenende und in der Nacht!“ „Es ist unfassbar, wie hier das Volksvermögen bewusst vernichtet wird!“ Ich versuche zu beruhigen: „Die Stadtmütter und Stadtväter werden sich schon etwas denken dabei, wenn dem bösen Individualverkehr der Garaus gemacht wird. Ich vermute ein Danaergeschenk des amtierenden Bürgermeisters.“

„Wenn alles steht, ist kein Platz. Man kommt auch mit einem Roller nirgends mehr durch. Ich versteh’ das nicht.“ „Das ist ganz klar: Die Fahrspuren werden immer weniger und auch immer schmäler. Gleichzeitig werden die Autos immer breiter. Schau dir einen Polo von jetzt und aus 1975 an – der alte passt in das neue Modell komplett hinein!“ „Es müssten also die Lenker von Stadtrollern noch schmäler werden. Im Stau geht sonst gar nichts mehr.“ „Genau – sobald sich die Kolonne bewegt, bist du mit dem Roller sowieso wie ein Fisch im Wasser!“ „Außerdem bin ich dringend für den Ausbau der Fahrradwege: Jeder Mensch mehr auf dem Fahrrad ist ein Mensch weniger im normalen Verkehr!“

Die Stimmung der Roller-Freaks erhitzt sich zusehends. „Es müsste doch endlich einen kleinen, ernsten Roller geben, der kurz ist und trotzdem 200 geht! Warum baut denn das keiner?“ „Warten wir einmal den KTM-Sportroller ab. Der kommende BMW-Zweizylinder erscheint als doch etwas voluminös.“ Amoser: „Sobald das neue Honda-Scooterkonzept mit dem Doppelkupplungsgetriebe endlich da ist, wird das mein Fahrzeug. Sofort.“ Dr. G.: „Mit dem SH300i bin ich hochzufrieden. Ich sage nur: Schottenhof 160 bergab. Unlängst war ich damit auf der Dopplerhütte – zwei Motorradfahrer auf der Außenlinie überholt!“ „Recht so. Es gibt keiner mehr Gas.“

Goldzahn ereifert sich über die Maßen. „Nächste Woche kommt der SH auf Kur. Nur ein bisschen, Auspuff, Zylinderkopf … der Poljanc hat schon einen Powercommander bestellt, 43 PS sollen bei dem Modell drin sein … Außerdem versteh’ ich überhaupt nicht, warum Honda keine HRC-Version davon anbietet? Das müsste doch in Ländern wie Spanien und Italien ein Riesengeschäft sein!“ „Leute, das ist nicht einmal spätpubertär. Das ist greises Wunschgeschwätz“, versuche ich kalmierend in die ausufernde Debatte einzugreifen. Das sind die falschen Worte. Plötzlich, ohne jede Vorwarnung, überwältigen mich die beiden Nichtsnutze und entwenden mir den Zündschlüssel zum Typhoon. „Schauen wir uns doch einmal an, mit welchem Roller der Herr Chefreporter so seine Zeit umbringt …“