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NEUE KONZEPTE

WASSER-PEDELEC: BIONX SEASCAPE 12’


Text & Fotos: Redaktion

PACK DIE BADEHOSE EIN

Eine kanadisch-österreichische Erfindung könnte die Koordinaten der christlichen Seefahrt neu festlegen


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Auf den ersten schnellen Blick wirkt die nautische Innovation aus dem steirischen Weiz, als ob Meistererfinder Daniel Düsentrieb zu lange in der prallen Sonne gebrütet hätte. Doch schon bald offenbart sich das gigantische, weltumspannende Potenzial des elektrisch unterstützten Tretboots: Das (oder die?) BionX Seascape 12’ wird wahrscheinlich auf den Tourismus in Seengebieten und am Meer einen ähnlichen Impact haben wie momentan die Segnungen des Elektrofahrrads auf den Binnenfremdenverkehr – kaum noch eine Region, die nicht mit dem Verleih von komfortablen wie umweltfreundlichen Pedelecs wirbt. Die – nicht gerade kleine – Zielgruppe des SeaScapes sind Verleihe, Hotels und private Seegrundstücksbesitzer, Camper, vielleicht auch Yachteigentümer mit Lust auf lautloses Gleiten.

12’ steht für 12 Fuß Länge – dass sich daraus wunderbarerweise die Zahl von 365 Zentimetern ergibt und somit die der jährlichen Kalendertage, ist mysteriös wie die Rätsel der Cheopspyramide. Mit der konkreten Planung wurde Ende 2009 begonnen. Der geistige Vater des SeaScapes ist (wie schon beim feinen Styriette-Elektrofahrrad, „motomobil“ Folge 003) Austrokanadier Fred Gingl, BionX-Chef und rechte Hand von Magna-Gründer Frank Stronach. Der E-Antrieb wurde im kanadischen Aurora aus dem bekannten BionX-250-Watt-Fahrradmotor weiterentwickelt; der Katamaran-Rumpf kommt von einem spezialisierten slowenischen Bootsbau-Unternehmen; der fünfblättrige, durch einen Außenring geschützte Propeller mit 5,75 Zoll Steigung wurde durch ein deutsches Fachinstitut strömungsoptimiert. Getestet wurde (und wird) in Kanada, in Florida (Salzwasser) und auf steirischen Seen; assembliert werden die Komponenten ab Oktober 2011 in Weiz bei Gleisdorf. Ahoi.

Die „motomobil“-Redaktion hatte am Grundlsee die exklusive Gelegenheit, einen voll funktionsfähigen SeaScape-Prototyp am Vortag des Bootskorsos zum Ausseerland-Narzissenfest ausgiebig zu testen. Ungleich zu Sportbooten der Vergnügungsschifffahrt ist der unsinkbare, innen geschäumte Doppelrumpf nicht aus sprödem Glasfaser-Laminat gefertigt, sondern aus schlag- und bruchfestem Kunststoffmaterial mit einer gewissen Nachgiebigkeit – was natürlich bei grobem Umgang oder unbedachten Anlegemanövern die Gefahr von Beschädigungen auf ein Minimum reduziert. Vier solide Belegklampen und Staufächer für Sicherheitswesten oder Anker sind maritime Grundausstattung. Zahlreiches Zubehör ist in Vorbereitung: Kühlbox; Ausstattung für Angler; Cabrioverdeck; kleine Wasserrutsche; auch ein spritzwassergeschütztes Dock für Smartphones mit BionX-App wird kommen.

Dank der Katamaran-Bauweise kann man das stabile Boot problemlos von der Seite betreten, ohne jegliche Kentergefahr hervorzurufen. Die erlaubte Zuladung beträgt 310 Kilo, die zwei Kindersitzplätze am Vordeck vertragen insgesamt 60 Kilo. Per Schienenbefestigung und Schnellverschluss kann der Sitzabstand zu den beiden Tretkurbeln optimal eingestellt werden, unkompliziert wie bei einem Autositz. Die Batterien hocken achtern in den Rümpfen in zwei wasserdichten Kompartments – es geht los mit zwei Akkus zu je 12 Volt/33 Amperestunden (Energieinhalt knapp 800 Wattstunden, was für fünf Stunden Betrieb ausreichen sollte), bei Bedarf kann aber bis zu sechs oder gar acht Batterien hochgerüstet werden. Weil das Gewicht kein sehr relevantes Kriterium ist, verwendet das SeaScape preiswürdige Blei-Gel-Akkus anstelle von Lithium-Ionen-Technik.

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In flachem Wasser kann der strömungsoptimierte
Propeller angehoben werden
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Alle Bestandteile des BionX SeaScapes sind
korrosionsfest und somit salzwassertauglich

Beim Antreten fällt sofort auf, dass das Boot – noch ohne jede Elektrounterstützung! – sehr mühelos in Fahrt kommt. Der Wirkungsgrad des sorgfältig abgestimmten Propellers ist um Eckhäuser besser als der von Tretboot-üblichen Schaufelrädern, die aufs Wasser patschen und es dann in die Luft schleudern. Der Boost kommt dann, sobald man über das zentral auf der Mittelkonsole platzierte BionX-Display (es ist gleichzeitig der abnehmbare Diebstahlschutz) den Strom loslässt: In vier Unterstützungsstufen kommt man ohne Keuchen oder Megapulsfrequenz auf bis zu 4,5 Knoten (8,3 Stundenkilometer) Fahrt – lautlos, ohne den Stress und die Kraftvergeudung, die herkömmliche Schaufelrad-Tretboote zu einer eher fragwürdigen Erscheinung am Wasser machen. Ein integrierter GPS-Sensor zeigt die Geschwindigkeit zehntelgenau am Display an.

Im Getriebe des SeaScape-E-Motors steckt einiges an Automobil-Erfahrung des Magna-Konzerns, und auch die Regelelektronik ist höchst gefinkelt: Jeder der beiden Pedalisten im Boot hat einen eigenen Pedelec-Sensor in seiner eigenen Tretkurbel. Der Vorteil dabei ist, dass auch nur einer beiden „Kapitäne“ aktiv sein kann, während der andere sich ausruht oder dass man – je nach Kondition – unterschiedliche Trittstärke mit einbringt. Der Tretboot-übliche Zwist über die Faulheit des Begleiters ist beim Wasser-Pedelec somit abgehakt! Das SeaScape 12’ sorgt für rundum freundliche Fortbewegung. Das per Handhebel gelenkte Ruder erlaubt bei Tempo unmittelbare und auch präzise Richtungsänderungen, lediglich bei kleiner Geschwindigkeit müssen die Manöver vorausschauender geplant werden. In Flachwasser kann die Propellereinheit angehoben werden, der Tiefgang beträgt dann nur zirka 22 Zentimeter. Sogar wirksame Bremsungen sind möglich: Legt man den zentral angebrachten Modus-Hebel um, kann man – sozusagen als „Manöver des letzten Augenblicks“ – sofort rückwärts treten und kommt in zwei, drei Sekunden zum Stillstand.

BionX betont, dass alle Komponenten des SeaScape 12’ salzwasserfest sind – was nicht mehr und nicht weniger bedeutet, dass der Einsatz des kleinen Bootes im Süßwasserbetrieb absolut bombensicher sein sollte. Sogar die Auswahl der erhältlichen Farben ist durchdacht, beziehungsweise genau oberflächentemperaturgemessen – es wird nur solche Farben geben, die den Rumpf bei intensiver Sonneneinstrahlung kühl lassen. Mit etwa 220 Kilo Eigengewicht (inklusive zwei Akkus) braucht man entweder einen kleinen Davit, eine Sliprampe oder zumindest einen flachen Strand, um das SeaScape vom Anhänger ins Wasser gleiten zu lassen. Der von der „motomobil“-Redaktion „getretene“ SeaScape-Prototyp hinterließ einen sehr fertigen, handfesten Eindruck – sobald von BionX die genauen technischen Daten da sind, werden wir sie an dieser Stelle veröffentlichen. Der Preis des SeaScape 12’ wird Ende Juli 2011 bekanntgegeben, er soll jedenfalls deutlich unter der fünfstelligen Euro-Grenze bleiben; www.bionxseascape.com

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Über das Ruder in der Mittelkonsole kann das
SeaScape präzis gesteuert werden
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Frau Petra Pieber von BionX Europe und Herr Karl Pieber
(Geschäftsführer) im elektrischen Gleichklang
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FINDE ICH GUT
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