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E-BIKE-TEST

ERSTE AUSFAHRT: ZERO DSR BLACK FOREST


Text: Alan Cathcart
Fotos: Phil Hawkins
 

WEITER, STÄRKER, SCHNELLER

Der kalifornische E-Bike-Marktführer bringt ein voll ausgestattetes und reichweitenstarkes Elektromotorrad, das speziell für Europa zugeschnitten wurde


Zero DSR Black Forest
 


Springt der Funke bei den E-Motorrädern endlich über? Sowohl in Nordamerika als auch in Europa steigen die Verkaufszahlen derzeit kräftig an. Nicht zuletzt deswegen, weil sich die Rahmenbedingungen endlich bessern: Die Reichweiten steigen an, die Ladezeiten werden kürzer. Die US-Giganten Harley-Davidson und Indian haben beide angekündigt, in naher Zukunft ein serienreifes E-Bike ins Angebot aufzunehmen – es ist somit eine Frage der Zeit, bis aus einem Nischenprogramm ein Mainstream-Segment wird.

Andere Marken werden folgen, oder sind bereits in der E-Mobilität: Ducati-Chef Claudio Domenicali hat bestätigt, dass die Sportmarke sehr aktiv an E-Modellen arbeitet; BMW hat den kräftigen Maxiroller C evolution bereits seit 2014 im Markt (auch wenn sich neue elektrische Modelle derzeit nicht abzeichnen); KTM ist mit der Freeride E-XC E-Pionier im Offroadbereich und hat mit dem neuen 2018er-Modell sein bis jetzt erfolgreichstes E-Bike-Verkaufsjahr; und Honda sammelt mit Partner Mugen und dem E-Racer „Shinden“ ständig wichtige Erfahrungen im Hochleistungssport.

Der weltgrößte und – mit einem kompletten Modellprogramm – erfolgreichste Erzeuger von Elektromotorrädern sind nach wie vor die im Jahr 2006 durch den früheren NASA-Techniker Neal Saiki im kalifornischen Santa Cruz (südlich von San Francisco) gegründeten Zero Motorcycles. Die Produktionsfläche ist mittlerweile 6400 Quadratmeter groß; jährlich wird bei Stückzahl und Umsatz eine Steigerung von 40 Prozent vermeldet.

Mit einer interessanten Wendung, wie uns Zero-CEO Sam Paschel beim Test der neuen Zero DSR Black Forest mitteilt: „2017 war unser erstes Verkaufsjahr, in dem die Wachstumsraten in Europa die Vereinigten Staaten überholt haben. Im bisherigen 2018 wachsen beide Regionen wiederum sehr stark, mit einem deutlicheren Plus in Europa. Der Markt ist mittlerweile immens wichtig für uns, und es wird ein Photofinish, ob wir zu Ende des Jahres mehr Zeros in Europa oder in Amerika verkauft haben werden.“

Zero DSR Black Forest
Das stabile Adventure-Alukoffersystem
kommt vom italienischen
Zubehörspezialist Givi
Zero DSR Black Forest
Tourenscheibe und -sitzbank, Handprotektoren,
LED-Strahler, Scheinwerferschutz und Schutzbügel
sind weitere Reise-Accessoires
 

Genau unter diesem Aspekt muss die Entwicklung der Zero DSR Black Forest betrachtet werden. Die mit sinnvollem Tourenzubehör aufgewertete Version der DSR ZF14.4 entstand auf spezielle Nachfrage aus Europa, und zwar durch Zero-Europa-Chef Umberto Uccelli (früher Verkaufsleiter bei MV Agusta): „Seit einigen Jahren gibt es starke Nachfrage unserer Kunden nach einem Tourenbike. Und die Fahrt mit einer Zero ist die unmittelbarste und direkteste Möglichkeit, die Natur zu genießen. Dazu noch lautlos, und außerdem werden durch die gestiegene Reichweite ausgedehnte Ausflüge immer unkomplizierter.“

So darf man die Black Forest als elektrische Alternative zu renommierten Adventure-Tourern wie etwa der BMW F 800 GS oder der R 1200 GS verstehen. Die Zero kostet 21.980 Euro. Naturgemäß gibt’s beim E-Bike einen weitgehend wartungsfreien Antrieb und damit geringere Betriebskosten – die Lebensdauer des Hinterrad-Zahnriemens beträgt nun 40.000 Kilometer, außer zum Bremsbelag- und Reifentausch muss die Maschine sonst nicht in die Werkstatt.

Ausstattungsmäßig ist die Black Forest ein Full Dresser: Die Topbox des hochwertigen Aluminium-Koffersets von Givi fasst zwei Integralhelme; das Windschild (ebenfalls von Givi) sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch leise und gibt hervorragenden Windschutz; der neue Sattel bietet sowohl für Fahrer und Sozius mehr Platz; am komfortabel ausgelegten Lenker gibt es Handprotektoren; die LED-Zusatzscheinwerfer sind effektiv; der Hauptscheinwerfer hat ein Schutzgitter. An den Dual-Purpose-Reifen MT60 von Pirelli fällt angenehm auf, dass sie sowohl auf Asphalt als auch auf Feldwegen sehr guten Griff haben und bis zur Höchstgeschwindigkeit von 165 km/h nahezu lautlos abrollen.

In den letzten Jahren gab es von nahezu jeder Iteration der E-Bikes von Zero einen ausführlichen „motomobil“-Test, von Saikis Ur-Zero in Folge 001 (Sommer 2010) bis zur starken SR, alle nachzulesen auf www.motomobil.at. Vor zwei Jahren gab es einen weiteren großen Fortschritt mit der Einführung des luftgekühlten Motors, der nun auch mit 52 kW (69 PS) Leistung in der DSR Black Forest verbaut wird, gemeinsam mit den direkt im kalifornischen Werk gepackten Akkus.

Zero DSR Black Forest
Mit ihren 52 kW (69 PS) und massenhaft Drehmoment
macht die Zero DSR den Performance-Eindruck
einer sportlichen Benzin-500er
Zero DSR Black Forest
Mit den Pirelli MT-60 gibt’s guten
Grip auf der Straße, aber auch
Geländeausflüge sind möglich
 

Beim Motor sind die Permanentmagneten innerhalb des Rotors platziert, dadurch wird der thermische Haushalt positiv beeinflusst und geringere Massenträgheit ermöglicht. Bei den Batterien (die Rundzellen werden natürlich zugekauft) gibt Zero an, dass sie die höchste Energiedichte von allen EV-Herstellern aufweisen – das inkludiert auch die gerade einmal 40 Meilen nördlich entfernte Tesla-Fabrik. Das Drehmoment von 157 Newtonmeter – mehr als zum Beispiel in einer Kawasaki H2 – fällt ab der ersten Motorumdrehung an.

Mit den 14.400 Wattstunden Energieinhalt der Black-Forest-Standardversion, der durch den (um 3495 Euro optionell erhältlichen) „PowerTank“ auf 18 kWh erweiter werden kann, ist sie das Elektromotorrad mit der größten Reichweite am Markt: MIt den 14,4 kWh kommt man in der Stadt 262 Kilometer weit, auf der Autobahn heißt das bei einem Dauertempo von 112 km/h 126 Kilometer. Im gemischten Landstraßenbetrieb irgendwo dazwischen – die Erfahrung zeigt, dass bislang die Zero-Reichweitenangaben immer verlässlich waren. Die Werksgarantie auf die wartungsfreien Akkus beträgt fünf Jahre ohne Kilometerbeschränkung.

Will man kürzere Ladezeiten als die, die an einer 110- oder 220-Volt-Haushaltssteckdose möglich sind, dann gibt es nun um 2690 Euro die Option des „ChargeTanks“, der an Typ-2-Zapfsäulen die Ladedauer auf ein Sechstel verringert. In Zahlen: Die Komplettaufladung dauert zwei Stunden; in einer Stunde bekommt man bis zu 150 Kilometer Landstraßenreichweite. Bei einer Kaffeepause kann man also zirka 50 Kilometer „tanken“, bei einem Mittagessen ist das E-Bike wieder voll – diese kurzen Intervalle werden wohl die Nutzung von Elektromotorädern im Alltag stark verändern.

Mit den vollen 18.000 Wattstunden kommt man in der Stadt 328 Kilometer weit, auf der Autobahn 156 Kilometer. Derzeit ist es jedoch nicht möglich, sowohl PowerTank als auch ChargeTank im selben Motorrad zu installieren – man muss sich für eine der beiden Annehmlichkeiten entscheiden..
 
Zero DSR Black Forest
Bosch-ABS der neunten Generation. Die
Bremswirkung durch Energie-Rekuperation
kann individuell gewählt werden
Zero DSR Black Forest
Geschmeidig wie der E-Motor:
Die Lebensdauer des wartungsfreien
Zahnriemens beträgt 40.000 Kilometer
 

Die drei wählbaren Fahrmodi der Black Forest sind charakteristisch programmiert: In Eco ist die Höchstgeschwindigkeit auf 112 km/h begrenzt, die Beschleunigug ist sanft und die Motorbremswirkung durch die Energierückgewinnung beim Gaswegnehmen sehr stark (über die Zero-Smartphone-App kann das beeinflusst werden). „Sport“ entspricht seinem Namen, mit lebhafter Beschleunigung und keiner Rekuperation. Bei „Custom“ schließlich kann das Motorverhalten gänzlich durch den Benutzer individualisiert werden.

Die spanische Bremsanlage von J. Juan ist im Solobetrieb sehr in Ordnung. Wenn man viel zu zweit und mit voller Beladung fährt, dann könnte eine wahlweise zweite Vorderradbremsscheibe sinnvoll sein. Das Bosch 9 ABS ist jedenfalls hervorragend abgestimmt, man kann bedenkenlos voll in den Vorderradbremshebel greifen. Über die Zero-App (für Android und Apple) kann man die zusätzliche Rekuperationsbremswirkung am Hinterrad, sobald man Hand- oder Fußbremshebel betätigt, exakt nach Wunsch einstellen.

Während die 41-Millimeter-USD-Vorderradgabel von Showa alle Fahrbahnunebenheiten sensibel und fein wegfedert, wirkt das hintere Zentralfederbein vergleichsweise ein bisschen steif – das ist wahrscheinlich auf eine kompromisshafte Grundabstimmung zurückzuführen, um sowohl Solobetrieb als auch das Fahren zu zweit und mit voller Beladung zu ermöglichen. Vielleicht sollte man in der nächsten Version jenes Showa-Federbein einbauen, dessen Vorspannung über einen außen liegenden Drehknopf verstellbar ist.

Zero gibt für die Standard-DSR ein Fahrzeuggewicht von 210 Kilo an, für das zusätzliche Touren-Equipment muss man wohl mit ungefähr zehn bis zwölf Kilo Mehrgewicht rechnen. Der etwas zu kurze Seitenständer, der die Maschine bei beladener Topbox labil werden lässt, ist dann auch schon der größte Kritikpunkt am Umgang mit der Zero DSR Black Forest. Im Cockpit könnte man sich noch eine Außentemperaturanzeige wünschen, eventuell auch noch eine Cuise Control für den längeren Tourenbetrieb.

Zero DSR Black Forest
Das Informationsangebot
ist sehr umfangreich und
übersichtlich sortiert
Zero DSR Black Forest
Die optionelle Typ-2-Lademöglichkeit
verkürzt die Dauer im Vergleich zu einer
Schuko-Steckdose auf ein Sechstel
 

Das absolute Fehlen von Lärm, Vibrationen und Hitzeentwicklung lässt einen jedenfalls nach einer Tagestour sehr entspannt aus dem Sattel einer Zero absteigen, wie ich vor zwei Jahren auf meiner E-Bike-Reise durch Kalifornien erfreut feststellen konnte (nachzulesen in „motomobil“-Folge 025 bzw. weiter unten als E-Paper-Gratisdownload).

Die Entwicklung von E-Motorrädern macht Riesenschritte. Das verwundert überhaupt nicht, wenn man sich zum Beispiel sein Smartphone ansieht und dann an die Zeiten vor 4G oder 3G zurückdenkt – oder gar an die klobigen Ziegel, die wir vor 25 Jahren mit uns herumtrugen. Die voll alltagstauglichen Zero-Bikes sind zweifellos der Maßstab, an dem der Stand der Dinge am besten erkenntlich ist. Mit der DSR Black Forest jetzt auch für längere Tourenausflüge.


TECHNISCHE DATEN: ZERO DSR BLACK FOREST
MOTOR bürstenl. Permanentmagnetmotor 102 V, luftgekühlt
LEISTUNG (Peak Power)  52kW (69 PS) 
DREHMOMENT 146 Nm 
FAHRWERK  Alu-Twinspar-Rahmen AL 6061, Motor mittragend
AUFHÄNGUNG vo/hi Showa USD 41 mm/Showa Gasdruck-Monoshock 
FEDERWEG vo/hi 178/179 mm 
RADSTAND 1427 mm 
LENKKOPFWINKEL 63,5° 
NACHLAUF 117 mm 
BEREIFUNG vo/hi Pirelli MT-60 100/90-19, 130/80-17 
BREMSEN vo/hi J.Juan-Zange + Scheibe 320 mm/Scheibe 240 mm 
AKKU Lithium-Ionen 14.400 Wh (wahlweise 18.000 Wh)
LADEZEIT 9,8 bzw. 12,1 h (95 %), Schnellladung 2,8 (3,3 h) 
MAX. REICHWEITE (SAE J2982) 262 km bzw. 328 km 
GEWICHT (inkl. Akkus) 190 kg (210 kg), jeweils exkl. Zubehör
SPITZE 158 km/h 
PREIS (2018) ab € 22.165,– (mit Schnellladegerät € 24.875,–) 
HERSTELLER/INFO www.zeromotorcycles.com/de 



























E-Paper-Download:
Reisebericht 2016 – Alan Cathcart fährt elektrisch durch Kalifornien pdf
 


E-Bike-Tour California Alan Cathcart


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