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E-BIKE-FEATURE

WIR FAHREN DEN JETFLYER


Text: Uli Brée
Fotos: Jörn Zastera
 
 

FLY LIKE AN ANGEL

Mit dem E-Quad aus dem steirischen Technologiepark Stainz sind wir der elektrische Mittelpunkt der Tridays 2015


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UliBree grun neuNein, das ist kein klassischer Testbericht. Mehr ein Erfahrungsbericht. Und auch der ist wohl eher untypisch, weil ich kaum zum Fahren gekommen bin. Aber nicht, weil ich keine Zeit hatte, oder weil der Jetflyer dauernd kaputt oder leer war. Ich bin nicht zum Fahren gekommen, weil ständig andere Leute damit fahren wollten.

Das ist durchaus interessant. Ich war nämlich zu Beginn nicht wirklich von der Idee begeistert, als mir der „motomobil“-Herausgeber vorschlug, ein Elektro-Quad als Dienstfahrzeug für die heurigen Tridays zu verwenden (nur zur Info: Seit zehn Jahren veranstalte ich die Tridays, das weltgrößte Triumph-Treffen. Mehr als 30.000 Menschen pilgern jedes Jahr Ende Juni nach Neukirchen am Großvenediger). Und da soll ich mich mit einem breitspurigen Quad durch die Menschenmassen zwängen? Naja, „motomobil“ organisiert, und zu Beginn der Triweek liefert mir der überaus sympathische Jetflyer-Geschäftsführer Michael Ritt höchstpersönlich und direkt aus der Steiermark dieses weiße abgespacte Ding, das ein klein wenig wie ein Gefährt aus einem Science-Fiction-Film anmutet.

Das, was er da rückwärts aus dem Transporter rollt, wirkt ganz anders als das, was ich bereits vorher im Internet betrachtet habe: Auf den Bildern erschien mir der Jetflyer zu breit und zu lang und der Sitz zu niedrig. Aber in natura bekommt das alles seinen Sinn. Der Schwerpunkt ist extrem niedrig, sodass nicht einmal der größte Volltrottel oder der beste Stuntman – je nach Sichtweise – das Gefährt zum Kippen bringen kann. Michael Ritt erklärt mir die überschaubare Technik: Ein Gasgriff oder besser gesagt Potenziometer, eine Hinterradbremse, eine Integralbremse, ein Display mit den üblichen Anzeigen über Energiehaushalt bis hin zum Tacho. Der Rest ist genauso schnell zu verstehen: R steht für Rückwärts, N für Neutral und F für Vorwärts mit F geschrieben. Oder meinen die vielleicht FAHREN? Egal (Anm. d. Red. für den Autor: F steht ganz höchstwahrscheinlich für FORWARD, lieber Uli!).

Ich komme sowieso nicht dazu, weil mir die Triumph-Marketingmanagerin zwei Minuten später das Gerät völlig euphorisiert abspenstig macht und davondüst. Toll. So habe ich mir das vorgestellt. Naja, denke ich, es ist sowieso schon Abend und morgen früh hole ich ihn mir dann zum Arbeiten, und das passt dann schon. Kein Problem. Ich verstehe die Frau ja. Arbeitet für eine Motorradfirma und hat nicht einmal einen Motorradführerschein – da muss man ja jede Gelegenheit nutzen: Der Jetflyer ist als führerscheinfreies Moped angemeldet und darf maximal 45 km/h fahren.

Jetflyer
Michael Ritt bleibt noch auf einen Kaffee, und ich habe Zeit, ihn ein wenig auszufragen, wer denn so seine üblichen Kunden sind, und wie überhaupt alles entstanden ist. Tatsächlich wurde der Jetflyer komplett in der Steiermark entwickelt, dort wird er auch hergestellt. Es gibt unglaublich viel Zubehör, vom Handyhalter über eine Anhängerkupplung bis hin zum Golfbag oder Topcase. Die Hauptkundschaft ist gewerblich. Und schon fügt sich das alles sinnvoll zusammen: Mit einer Reichweite von bis zu 80 Kilometern ist der Jetflyer zum Beispiel perfekt für die Postzustellung. Aber auch für Notärzte oder Rettungsdienste, die schnell vor Ort sein müssen (es gibt sogar eine Feuerwehr-Variante), ist das sehr hochwertig produzierte E-Quad eine echte Offenbarung. Nicht zuletzt, weil seine Handhabung simpel und intuitiv ist.

Was allerdings auch dazu führt, dass ich zwar am nächsten Morgen den Jetflyer von einer traurig dreinschauenden Triumph-Mitarbeiterin zurückbekomme – er mir aber gleich wieder von einer meiner Mitarbeiterinnen entrissen wird, die nur kurz, aber ganz dringend etwas am anderen Ende des Ortes erledigen muss. Stunden später sehe ich den Jetflyer dann wieder. Allerdings diesmal mit jemand anderem aus dem Team. Marco winkt mir freudig zu, während er an mir vorüberdüst. Ich höre nur noch so was wie „Bin gleich wieder da, muss nur schnell noch was erledigen, kriegst ihn dann!“ Die geneigten Leser erahnen bereits mein Schicksal … Auch im Wettbewerb mit meiner Tochter und ihrer Freundin um den Jetflyer ziehe ich ständig den kürzeren, was sonst.

Stunden später erblicke ich das E-Quad direkt vor unserem Organisationsbüro. Und es hängt am Strom. Super, denke ich, jetzt gehört es endlich mir. Ich will die Stromkapazität checken, aber nichts regt sich. Irgendein Fachmann hat in seiner Unwissenheit zwar das mitgelieferte Ladekabel angehängt, aber gleichzeitig auch die Hauptsicherung rausgedreht. Na gut, denke ich, schalte die Hauptsicherung ein und schaue, dass der Flyer in zirka 90 Minuten weitgehend aufgeladen ist. Als ich nach eineinhalb Stunden wieder pünktlich ins Büro komme, um den Flyer ENDLICH auch einmal zu fahren, ist er bereits wieder unterwegs. Nur noch ein trauriges und einsames Verlängerungskabel zeugt von seiner Existenz. Wahrscheinlich hat ihn die nette Person, die ihn falsch – oder besser gesagt, gar nicht – aufgeladen hat, wieder geholt. In der Annahme, eh alles richtig gemacht zu haben. Toll. Wieder nix. Ich mache mich erneut zu Fuß auf den Weg durch Newchurch.

Aber irgendwann hat sogar der netteste und toleranteste Chef Glück. Gerade als ich den Dealers Boulevard hinaufgehe, sehe ich, wie Marco vom Jetflyer absteigt und leichtfertig den Schlüssel stecken lässt. Ich nutze meine Chance, springe auf das Gerät und rufe breit grinsend dem verdutzten Marco zu: „Bin gleich wieder da, kriegst ihn dann wieder..!“ In seinen Augen spiegelt sich – auf für mich sehr befriedigende Art und Weise – sein ganzer Ärger darüber wieder, dass ich ihn reingelegt habe.

Jetflyer
Jetflyer


So geht es das ganze Wochenende. Kaum lässt einer von uns beiden den Flyer auch nur kurz irgendwo stehen, hat ihn sich auch schon wieder der andere voller Schadenfreude gekrallt. Das Resümée der Geschichte? Wir brauchen im nächsten Jahr mindestes zwei davon. Der Jetflyer hat nicht nur einen für verschiedenste Einsatzzwecke abstimmbaren Gebrauchsnutzen, sondern er macht auch unglaublich viel Spaß. Er ist vielseitiger, als er zunächst anmutet, und mit einem Preis von knapp 8000 Euro ist er zwar alles andere als eine Okkasion, bietet aber einen durchdachten und gut funktionierenden Gegenwert.


TECHNISCHE DATEN: JETFLYER
MOTOR 2 Hinterradnabenmotoren 48 V
LEISTUNG 4,0 kW (5,4 PS) 
LEISTUNG einstellbar von 25 bis 60 Nm 
FAHRWERK Stahl-Zentralrohrrahmen 
AUFHÄNGUNG vo/hi  McPherson, Alu geschmiedet
FEDERWEG vo/hi 110 mm (einstellbar) 
LÄNGE/BREITE/HÖHE 1909/1150/1064 mm 
BEREIFUNG 135/50-13, wahlweise 145/60-13 
BREMSEN Zweikreisbremse, 4 x Scheibe 220 mm 
SITZHÖHE 650 mm 
AKKU 16 x LiFePO4, insgesamt 3000 Wh 
LADEZEIT 90 min für 70 %, 3 h für 100 % 
MAX. REICHWEITE (Rekuperation einstellbar) 80 km 
GEWICHT/ZULADUNG 222 kg 
HÖCHSTGESCHWINDIGKEIT 45 km/h 
EXTRAS u. a. USB, Topcase, Anhängerkupplung, Golfbaghalterung,
Smartphone-Cradle, Sonderaufbauten
PREIS ab € 7.990,– zuzügl. USt. 
VERTRIEB/INFO www.evolution-gmbh.com 





































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