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E-BIKE-TEST

 

KTM FREERIDE E-SX UND KTM FREERIDE E-XC


Text: Herbert Bonka
Fotos: Marco Campelli, Sebas Romero
 

ALLES FLIESST

Das ist alles andere als Kriechstrom – nach Jahren der sorgfältigen Vorbereitung bringt KTM das Geländemotorradfahren in die Zukunft


009 KTM FreerideE kl
 
 

bonka grunGut Ding braucht Weile – und gut war’s, dass sich KTM nicht von der ersten Welle des neuzeitlichen E-Hypes mitreißen hat lassen und die elektrische Zero-Emission-Enduro vorschnell und marktschreierisch in den Handel gebracht hat, sondern das Bike über einige Jahre kontinuierlich entwickelt und verbessert hat. Um nicht zu sagen: perfektioniert.

Wir erinnern uns: Die Mission begann bereits 2007, damals noch mit Anschub durch österreichische Förderungsfonds. Im Oktober 2008 wurde in Zusammenarbeit mit dem AIT, dem Austrian Institute of Technology, der erste fahrfähige Prototyp vorgestellt. Im Cover-Interview der ersten „motomobil“-Folge im Juni 2010 und auf www.motomobil.at outete sich KTM-Chef Stefan Pierer als großer Fan der Elektromobilität und bestätigte, dass man in Oberösterreich die Entwicklung neuer Antriebstechnologien sehr geplant und gezielt vorantreibt. Im November 2011 wird die KTM Freeride E dann mit dem österreichischen „Staatspreis Mobilität 2011“ ausgezeichnet, die KTM-Bemühungen um E-Mobility sind nun amtlich. Seit 2012 kann die Freeride in mehreren europäischen E-Parks von interessierten Bikern auf Herz und Nieren getestet werden. Im Mai 2013 findet im belgischen Zolder mit der Freeride das erste europäische E-Motocross-Rennen der FIM statt („motomobil“ berichtete in Folge 013 und auf www.motomobil.at). Und seit Oktober 2014 kann die KTM Freeride E von jedermann bei ausgewählten und speziell für den E-Antrieb geschulten Händlern gekauft werden.

Im Lauf der Entwicklung wurde der von der deutschen Firma Perm speziell für KTM konstruierte Permanentmagnet-Synchronmotor von Luftkühlung auf Flüssigkühlung umgestellt, auch die im selben Gehäuse befindliche Leistungselektronik ist teilweise flüssiggekühlt. Angesichts der Tatsache, dass die Freeride neben dem neuen BMW-E-Roller das einzige E-Bike mit „richtiger“, sonst nur aus dem Automobilbau bekannter Hochvolt-Technologie ist, lässt die KTM-Sorgfalt in der Testphase umso vernünftiger erscheinen. Die Maschine ist jetzt IP67-schutzklassenzertifiziert – das heißt, sie kann mindestens eine halbe Stunde lang in einem Meter tiefen Wasser liegen, ohne dass auch nur irgendetwas passiert, nachher beutelt sie sich ab und fährt weiter.

Der Ausdruck „perfektioniert“ kommt der Wahrheit einigermaßen nahe, denn die von der „motomobil“-Redaktion getestete endgültige Kundenversion der Freeride E ist tatsächlich knapp an der Perfektion. Der gelernte E-Mobilist weiß freilich, dass ein E-Vehicle nie wirklich perfekt sein kann – da sprechen alleine schon die Reichweite und die Autarkie dagegen. Aber auch hier hat das Akkupack der Freeride die Entwicklungen der letzten Jahre mitgemacht: Ursprünglich für einen Energieinhalt von 2100 oder 2200 Wattstunden konzipiert, fassen die insgesamt 360 Stück 18650er-Zellen von Samsung in der KTM-Batterie jetzt 2600 Wattstunden. Das reicht für eine knappe Stunde bei motocross-ähnlicher Fahrweise oder für an die zwei Stunden moderate Fahrt auf Waldwegen. Spätestens dann will man sowieso vom Motorrad runter.

Eine Vollladung kostet 77 Eurocent. Bei 13 Ampere Ladestrom dauert eine 80-prozentige Aufladung 50 Minuten, 100 Prozent dauern 80 Minuten. An 10 Ampere verlängert sich das um zirka ein Viertel. Und damit gleich alles gesagt ist: Das Ladegerät ist nicht im Motorrad eingebaut, und weil es nicht gerade zart und am Bike transportabel ist, muss die Freeride zum Wiederaufladen zurück zur Heimatstation. Das Laden kann bei eingebautem Akku geschehen, oder der Akku kann rasch getauscht werden – er wiegt 28 Kilo, nach dem Aufschrauben von vier Bolzen mit einem Sechskant-Steckschlüssel schafft das jeder Mensch mit zwei gesunden Händen.

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In der E-XC-Version kann die KTM für die
Straße zugelassen werden
044 KTM FreerideE kl
Die „pure“ Freeride E-SX ist mit
federleichten 106 kg um vier Kilo leichter
 


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Neue Wegbegleiter bei einem
KTM-Offroader: Batterie …
054 KTM FreerideE kl
… und Ladegerät für den
schnell wechselbaren Akku
 

Kupplung gibt’s klarerweise keine, auch ein Schaltgetriebe fehlt, so wie bei fast allen E-Bikes. Weil das Drehmoment von 42 Newtonmetern ab der ersten Motorumdrehung nachdrücklich anschiebt, geht die Schaltung auch niemandem ab, und man kann sich wunderbar auf die Fahrsituation konzentrieren. Es gibt ein kleines Primärgetriebe, das den E-Motor drehzahlmäßig im günstigen Wirkungsbereich hält. Das Achterl Getriebeöl sollte alle 50 Betriebsstunden ausgetauscht werden, das ist dann auch schon – außer dem Nachspannen der Hinterradkette – der komplette Wartungsaufwand für den gesamten Antriebsstrang.

Einen konventionellen Fußbremshebel gibt es ebenfalls nicht. Die Betätigung der Hinterradbremse geschieht – wie bei Rollern – durch einen an der linken Lenkerhälfte angebrachten Handbremshebel; die Bremsdosierung kann dadurch sehr feinfühlig durchgeführt werden. Überhaupt gewöhnt man sich als Endurist schnell innerhalb einer Akkufüllung an die neuartige Bedienung und lernt sie zu schätzen. Als Offroad-Neuling wird man sich auf der Freeride E auf Anhieb leichter tun als auf einem Benzinbike.

065 MacAskill kl
Der schottische Fahrradprofi Danny MacAskill
ist begeisterter Freeride- E-Ambassador und
beherrscht das Gerät in künstlerischer Vollendung
013 KTM FreerideE kl
Auch wenn man sie versenkt:
Die Freeride E ist wasserfest
und fährt weiter
 

Es gibt drei direkt anwählbare Leistungsstufen: Der Modus „Economy“ ist vor allem ein Stromsparmodus; die Leistungsstufe „Standard“ eignet sich für Trialpassagen und es können nicht allzu arge Steigungen und Hindernisse damit angegangen werden; „Advanced“ ist für den vollen Spaß auf einer Offroadpiste. Hier ist auch die Peak Power von 16 kW (22 PS) kurzfristig abrufbar, mit einer Dauerleistung von 11 kW (15 PS) kann die straßenzulassungsfähige E-XC-Version der Freeride unter den günstigen Rahmenbedingungen der 125er-Klasse versichert und gefahren werden.

Für den Fahrspaß ist aber vor allem das ständig zur Verfügung stehende Drehmoment wesentlich, das ungefähr dem Maximaldrehmoment einer modernen 250er-Enduro entspricht. Weil bei E-Motoren aber alles ein bisschen anders ist, ist das subjektive Fahrgefühl eher so, als ob man auf einer 350er/400er sitzt. Großes Lob muss man KTM für die Programmierung des Controllers zollen, die Dosierbarkeit der Motorkraft lässt keine Wünsche offen. Nach kurzer Eingewöhnung gelingt auch ordentliches Wheelisieren, statt mit der Fußbremse muss man eben mit dem Handbremshebel arbeiten.

031 KTM FreerideE kl
Das schlanke Display zeigt alles über die
verschiedenen Fahr- und Batteriezustände
Das Fahrwerk der E mit Perimeter-Alu-Stahlrahmen entspricht weitgehend dem der KTM-Modelle mit Benzinmotor. Die WP-Federkomponenten mit viertelmeterlangen Federwegen stecken auch anspruchsvolles Terrain anstandslos weg, so wie man es von einer KTM erwartet. Keine Sorgen muss man sich auch über einen eventuell zu hohen Schwerpunkt wegen der Platzierung des 28-Kilo-Akkus machen: Die Gewichtsverteilung der Freeride E ist wunderbar ausgewogen, und auf der Sitzbank hat man nahezu unendlich Platz für die jeweils optimale Fahrerposition.

Bis jetzt hat die KTM Freeride E noch so gut wie jedem Piloten ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert. Die pure Geländeversion Freeride E-SX kostet 11.098 Euro, für die mit 110 Kilo nur vier Kilo schwerere zulassungsfähige Freeride E-MX verlangt KTM 11.398 Euro. Die Betriebskosten sind dann fast Null. Willkommen in der neuen E-Offroadwelt.
 
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Die drei verschiedenen Fahrstufen
können hier rasch angewählt werden
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Der 28-Kilo-Akku kann mit kleinem
Werkzeug sehr rasch entnommen werden
 



TECHNISCHE DATEN: KTM Freeride E-SX (E-XC)
MOTOR Permanentmagnet-Synchronmotor 300 V, flüssiggekühlt
LEISTUNG 11kW/15 PS (Peak Power 16 kW/22 PS) 
DREHMOMENT 42 Nm 
FAHRWERK Perimeter-Stahl-Alu-Verbundrahmen 
AUFHÄNGUNG vo/hi WP USD 43 mm/WP Monoshock 
FEDERWEG vo/hi 250/260 mm 
RADSTAND 1418 mm 
LENKKOPFWINKEL 67° 
NACHLAUF n. a. 
BEREIFUNG vo/hi Trialmaxx 2,75-21, MaxxEnduro 120/90-18 
BREMSEN vo/hi Scheibe 260 mm/Scheibe 230 mm 
AKKU Lithium-Ionen 2600 Wh, 28 kg 
LADEZEIT 50 min (80 %), 80 min (100 %) 
MAX. REICHWEITE Fahrzeit ca. 1 h 
GEWICHT (inkl. Akku) 106 kg (110 kg) 
SPITZE 75 km/h 
PREIS € 11.098,– (€ 11.398,–) 
HERSTELLER/INFO www.ktmfreeride-e.com 




































E-BIKE-NEWS: KTM FREERIDE E-SM AB FRÜHJAHR 2015

URBAN SM


067 KTM Freeride E-SM klLaut- und geruchlos, mit superhaftfähigen 17-Zoll-Semi-Slicks und nur 110 Kilo Gewicht durchdringt die elektrische KTM-Supermoto den City-Dschungel wie das Lichtschwert von Luke Skywalker. Auf der Kölner Intermot im Herbst wurde die Stadtversion des oberösterreichischen Elektrowunders vorgestellt. Mit einer Dauerleistung von 11 kW (15 PS) darf die Elektro-KTM ab dem Alter von 16 Jahren in der 125er-Versicherungsklasse gefahren werden; die kurzfristig abrufbare Peak Power von 16 kW (22 PS) sorgt dafür, dass man sich an der Ampel vorne anstellt und sich von der Autokolonne und von Benzin-125ern per Handgruß gönnerhaft verabschiedet

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