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E-BIKE-TEST

ERSTER FAHRBERICHT: KTM FREERIDE E-SM


Text: Alan Cathcart
Fotos: Heiko Mandl
 

ORANGE SCHALE, GRÜNER KERN

Oder umgekehrt? Orange fun goes green. Die „motomobil“-Redaktion hatte die Gelegenheit zum exklusiven Vorab-Test des ersten Straßen-E-Bikes, das von einem namhaften Motorradhersteller auf den Markt gebracht wird


026 KTM Freeride E-SM kl



cathcartDer KTM-Zugang zur E-Mobilität ist knapp und präzis: Grüntechnologie mag ökologisch und politisch korrekt sein – aber sie muss auch Spaß machen! Nach der erfolgreichen Präsentation der elektrischen Offroader Freeride E-SX und E-XC im vergangenen Herbst geht nun die E-SM ab April 2015 in die Mattighofener Serienproduktion. Ab Juni ist sie bei den KTM-Händlern, voraussichtlich zum Preis von 11.500 Euro.

Mit 17-Zoll-Felgen und Straßenbereifung wird aus dem Dirtbike der ultimative Stadtguerilla: Mit 110 Kilo ist die SM federleicht; bei 870 Millimeter Sitzhöhe (vier Zentimeter niedriger als beim Offroader) hat man souveränen Überblick; und außerdem ist die Elektro-KTM so schlank, dass sie zähen Verkehrsstau durchschneidet wie das Messer die weiche Butter. Keine Kupplung, kein Schaltgetriebe: Man kann sich voll und ganz aufs Fahren konzentrieren – und das macht tatsächlich Freude.

Das Drehmoment beträgt 42 Newtonmeter. Es ist also doppelt so hoch wie bei einem 125er-Sport-Zweitakter und außerdem ist es unmittelbar voll da, nämlich ab der ersten Motorumdrehung. Spektakuläre Wheelies aus dem Stand sind kein großes Kunststück. Von Schrittgeschwindigkeit bis zur (am Tacho angezeigten) Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h lässt sich der von der deutschen Firma Perm speziell für KTM hergestellte wassergekühlte E-Motor extrem sensibel dosieren; das Ansprechverhalten ist ohne jede Verzögerung.

Noch ein erfreuliches Detail spricht für grün-orange E-Power: Mit der Dauerleistung von 11 kW (15 PS) fällt die KTM Freeride E zulassungs- und versicherungstechnisch in die 125-Kubik-Klasse. Ist im Verkehrsgeschehen Durchsetzungsvermögen gefragt, dann kann aber jederzeit die Peak Power von 16 kW (22 PS) abgerufen werden. Das klingt jetzt nicht gerade brachial, doch gemeinsam mit dem druckvollen Drehmoment ist man – ganz ohne Kupplungszauberei und Motorgekreisch – von der Ampel weg nicht zu halten. Das heißt außerdem nicht mehr und nicht weniger, dass die KTM Freeride E-SM mit Abstand das Stärkste ist, was man ab 16 Jahren oder mit dem österreichischen B111-Führerscheinzusatz fahren darf. Obendrein noch mit extrem geringen Versicherungs- und laufenden Betriebskosten.

Anstelle des Kupplungshebels ist am linken Lenkerende der Handhebel für die Hinterradbremse platziert. Daran gewöhnt man sich genauso schnell wie man sich ans Fahren mit einem Automatikroller gewöhnt. Drei Fahrstufen können über ein Display am Lenkkopf direkt angewählt werden: Modus 3 als Anfängerstufe ist ein reines Energiesparprogramm mit 50 km/h Höchstgeschwindigkeit; Modus 2 eignet sich mit reduziertem Drehmoment vor allem für rutschige und nasse Fahrbahnoberfächen; Modus 3 schöpft das Potenzial des elektrischen Drivetrains ganz aus.

Die kostspielige Hochvolt-Technologie mit 300 Volt Spannung wurde von den KTM-Entwicklern deswegen gewählt, weil dadurch der Antriebsstrang samt dem (ebenfalls flüssig gekühlten) Controller kompakter und leichter konstruiert werden konnte als mit niedrigerer Spannung. Das System ist komplett staub- und wasserdicht. Der austauschbare, 28 Kilo schwere Akku ist aus 18650er-Samsung-Lithiumzellen aufgebaut. Mit 2600 Wattstunden ist der Energieinhalt überschaubar, das hat zwangsläufig Vor- und Nachteile: Zum einen bleibt das Fahrzeuggewicht gering, was vor allem für den Offroader wichtig ist. Zum anderen bleibt für das Straßenbike eine moderate Reichweite. Ein detaillierter „motomobil“-Test im Frühjahr soll das noch exakt klären – nach bisherigen Erfahrungen (und ein bisschen über den Daumen gepeilt) könnten mit der Freeride E-SM 50 oder höchstens 60 Stadt-Kilometer machbar sein.

027 KTM Freeride E-SM kl
Die schlanke Erscheinung täuscht nicht: Die
Freeride E-SM wiegt samt Akku nur 110 Kilo
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Auf innerstädtischen Kurzstrecken
wird die E-SM unschlagbar sein
 

Das Ladegerät ist gewichtssparend nicht ins Bike eingebaut, das hat freilich ebenfalls Vor- und Nachteile. Für das Mitführen im Rucksack ist es zu groß und zu schwer, daher muss die Maschine zum „Auftanken“ zurück zum Basislager. Ein zweites Ladegerät (zum Beispiel fürs Büro) kostet 798 Euro; für einen zweiten Akku muss man 3303 Euro lockermachen. Je nach Absicherung ist dafür die KTM an einer Schukosteckdose nach 50 bis 80 Minuten entweder zu 80 Prozent oder zu 100 Prozent wieder voll – auch das ist überschaubar, im positiven Sinn.

Bei einer KTM setzt man es fast automatisch voraus, doch es soll erwähnt sein: Die robuste und gleichzeitig agile Fahrpräzision des Chrommoly-Alu-Verbundchassis ist makellos, ganz einfach premium. Das gilt auch für die voll abstimmbaren WP-Federkomponenten, die mit ihren langen Federwegen jede Fahrbahngemeinheit bestens gedämpft wegstecken. In der kalten Jahreszeit könnte die notwendige Aufwärmzeit der Michelin Pilot Sport etwas kürzer sein, weil mit einem E-Bike kann man ja ab dem Einschalten sofort voll losdüsen. Die – auch gewichtsmäßig etwas leichteren – Sportreifen von Metzeler oder Pirelli sind in dieser Disziplin besser.

Den Hersteller der Formula-Bremszangen kennt man sonst aus der Mountainbike-Szene, mit der E-KTM ist der Einstand bei den Motorrädern bestens gelungen: Gemeinsam mit den Straßenreifen und dem kleinen Gewicht der E-SM ist die Bremswirkung phänomenal. Kurz zusammengefasst: Wer die elektrischen Rahmenbedingungen des ersten Straßen-E-Bikes von KTM in seine Anforderungen beziehungsweise seinen Alltag integrieren kann, wird einen Riesenspaß damit haben.

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Extrem wirksame Bremsanlage;
beide Bremshebel sind am Lenker
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Hier sieht man den Ladestand
und den gewählten Fahrmodus
 
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Der Akku ist mit einem Steckschlüssel schnell
herauszunehmen; im Vordergrund das Ladegerät
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Mit Ladezeiten rund um eine Stunde ist
die Freeride E-SM rasch wieder startklar
 



TECHNISCHE DATEN: KTM FREERIDE E-SM
MOTOR Permanentmagnet-Synchronmotor 300 V, flüssig gekühlt
LEISTUNG 11kW/15 PS (Peak Power 16 kW/22 PS) 
DREHMOMENT 42 Nm 
FAHRWERK Perimeter-Stahl-Alu-Verbundrahmen 
AUFHÄNGUNG vo/hi WP USD 43 mm/WP Monoshock 
FEDERWEG vo/hi 250/260 mm 
RADSTAND 1418 mm 
LENKKOPFWINKEL 67° 
NACHLAUF n. a. 
BEREIFUNG vo/hi Michelin Pilot Sport 100/80-17, 120/70-17 
BREMSEN vo/hi Scheibe 260 mm/Scheibe 230 mm 
AKKU Lithium-Ionen 2600 Wh, 28 kg 
LADEZEIT 50 min (80 %), 80 min (100 %) 
MAX. REICHWEITE („motomobil“-Schätzung) ca. 50 bis 60 km
GEWICHT (inkl. Akku) 110 kg
HÖCHSTGESCHWINDIGKEIT (Tachoanzeige) 90 km/h 
PREIS (voraussichtlich ab Juni 2015) € 11.500,–
HERSTELLER/INFO www.ktmfreeride-e.com 
 

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