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PEDELEC-TEST

ALU-REX 28" VON INTERSPAR

Text: Robert Langzauner,
Michael Bernleitner
Fotos: Leibrentner
ALU-REX 28

TU’S NICHT, TU’S NICHT?

Die „motomobil“-Redaktion wagt das Unsägliche: Wir kaufen ein Billigsdorfer-Elektrofahrrad im Supermarkt! Werden wir schon sehen, wie weit wir damit kommen. Tagebuch eines Selbstversuchs …

Die Winter-Aktion im Penny Markt haben wir verpasst: Postwurf im Briefkasten, Gratishaus und „Dranbleiben mit einem Elektrofahrrad“ ab 699 Euro. Wir holen das Spezial-Flugblatt aus der Filiale, nach wenigen Tagen ein Bestellversuch – ausverkauft!

Das Geld sitzt locker, so ein modernes Elektrofahrrad muss endlich her. Möglichst günstig, ohne Auswahlschmerzen und ohne sich von einem Bike-Verkäufer die von ihm vertretene Fahrradmarke schönschwatzen zu lassen. Manche Experten und Zukunftsforscher prophezeien ja, dass Mobilität zukünftig von Supermärkten, McDonalds-Filialen oder vom Bäcker ums Eck „mitverkauft“ wird. Da fangen wir doch gleich damit an.

Bei Interspar, ein paar Wochen später, kostet das gleiche 28-zöllige Alu-Rex mit Dreigang-Nabenschaltung dann nur mehr 599 Euro. Der Internet-Bestellvorgang funktioniert flüssig. Drei bis vier Arbeitstage Lieferzeit werden versprochen und wir geben per E-Mail die Handynummer bekannt, damit die Spedition den genauen Liefertermin vereinbaren kann.

Dann reißt der geschmeidige Ablauf vorerst einmal ab. Nach fünf Tagen? Nix. Mehrmalige Anrufe bei den sehr freundlichen und hilfsbereiten Mitarbeitern der Salzburger Interspar-Service-Hotline. Trotzdem nix. Aus unerfindlichen Gründen kursiert statt der Handynummer eine uralte Fixnetznummer. Nach zehn Tagen kommt per Snail Mail ein Brief mit der Mitteilung, dass das Fahrrad jetzt den Weg vom deutschen Auslieferungslager ins österreichische Auslieferungslager gefunden hat. Der Disponent erzählt am Telefon, dass die Situation ein Wahnsinn sei, man komme mit dem Liefern kaum nach. „Elektrofahrräder?“ „Lauter Elektrofahrräder.“

Nach einigen Anrufen bei der Bestell-Hotline: Das Fahrrad ist da, das Fahrrad ist da!
Nach einigen Anrufen bei der Bestell-Hotline:
Das Fahrrad ist da, das Fahrrad ist da!
Schließlich der erlösende Anruf: „Wirr liefan jätzd diesä Farrad!“ „Sehr gut! Wie lang brauchen Sie noch?“ „Zän Minutän!“ Der Fahrer der Guntramsdorfer Spedition scheint eines der verlässlichen Glieder in der Lieferkette zu sein, was selbstverständlich ein schönes Trinkgeld einbringt. Immerhin ist das Supermarkt-Pedelec endlich da! „motomobil“-Fahrradspezialist Robert Langzauner steht parat – mit genau den Profi-Tools in der Werkzeugbox, die nicht nur den ordentlichen Zusammenbau, sondern auch eine sorgfältige Auslieferungsinspektion ermöglichen. Was ja bei einem „motorbetriebenen“ Verkehrsteilnehmer alleweil nicht die schlechteste Idee ist. Und außerdem möchten wir dem Supermarkt-Pedelec eine schöne Heimat bereiten. Wenn es denn auch entspricht …
Bike-Spezialist Langzauner bei der peniblen Endkontrolle
Bike-Spezialist Langzauner bei der peniblen Endkontrolle

Der Zusammenbau des vormontierten Bikes verläuft problemlos, mit der peniblen Kontrolle von Seilzügen, Kabeln, Kette und Speichen benötigt aber auch ein versierter Experte wie Langzauner eine gute halbe Stunde. Die Schalteinstellung der SRAM-Dreigangnabe ist im Auslieferungszustand völlig unkorrekt, für einen Laien wäre die sorgfältige Justierung eine pitzelige bis unlösbare Aufgabe. Bei genauem Augenschein offenbaren sich – wie erwartet – etliche sparsame und preisgünstige Detaillösungen, allerdings jedoch auch einige positive Überraschungen. Ohne Elektroantrieb würden Qualität und Ausstattung zirka einem Fahrrad der Preisklasse um 250 Euro entsprechen. Somit liegt der 350-Euro-Mehrpreis für die elektrischen und elektronischen Komponenten im günstigen Bereich, jedenfalls deutlich unter dem Rahmen, den man von Pedelecs der 2000-Euro-Preisklasse kennt. Wo wird gespart? Die Rücktrittnabe des US-Herstellers SRAM mit Drehgriff-Dreigangschaltung geht auf die betage Fichtel-&-Sachs-Konstruktion zurück und ist kostengünstig, jedoch bewährt; Kotflügel aus Blech, schwere Stahlkurbel, beschränkt stabile Kastenfelgen, Basta-Seitenläuferdynamo fürs Licht und V-Brakes sind ebenfalls alles andere als teure Teile; die Speichen sind nicht aus Nirosta, sondern nur verzinkt und damit nicht so wit-
terungsbeständig. Und was gefällt gut am Supermarkt-Pedelec?

250-Watt-Vorderradnabenmotor von Bafang
250-Watt-Vorderradnabenmotor
von Bafang

Sinnvollerweise sind die Speichen im Vorderrad, wo auch der 250-Watt-Elektromotor antreibt, verstärkt; die Lichtanlage ist doppelt verkabelt, was in unteren Preisregionen eher selten ist; die abgedichtete Steckverbindung mit Verriegelungsschutz zum Vorderradmotor macht einen guten Eindruck; erfreulich ist auch die tadellos gestaltete Bedienungsanleitung in einwandfreiem Deutsch; und die positive Überraschung des Tages ist der 24-Volt-Lithium-Ionen-Akku mit 10 Amperestunden – eher hätten wir deutlich günstigere Nickel-Metallhydrid-Technologie erwartet.

Erster Roll-out mit Alu-Rex. Die „motomobil“-Redaktionskemenate befindet sich an einem Bergauf-Stück im Wienerwald – nicht extrem steil, aber eindeutig mittelsteil. Und das ist eindeutig Pech für die Redaktionsstube und Pech für Alu-Rex. Der mountainbike- und rennradtrainierte Bike-Spezialist Langzauner rapportiert über enormen Körpereinsatz beim Anstieg vom Tanzcafé Christine; der „motomobil“-Herausgeber kommt mit 160 Puls bei der Windischhütte an und wiederholt das Training sofort ein paarmal – mit immer wieder gleichem Ergebnis: Einige Stücke mit unmerklichen 0,5 Prozent steilerem Anstieg und der E-Motor stellt beleidigt seine Unterstützung ein. An die anspruchsvolle Passage zwischen Unterkirchbach und Oberkirchbach wagen wir uns gar nicht erst heran.
Als Ursache für den Unmut des Alu-Rex orten wir nicht den Bafang-Vorderradmotor (der grundsätzlich keine schlechte Reputation hat) und auch nicht in der 250-Watt-Leistung, sondern in der Regelelektronik, die unter dem Qalitätsdurchschnitt des Gesamtpakets liegt. Zudem sitzt der Controller in einer mehrteilig ausgeführten Plastikbox direkt unter der Tretkurbel, mitten im Spritzwasser des Vorderrads.

 Das Alu-Rex kommt vormontiert, einige wenige Bestandteile sind zu montieren
Das Alu-Rex kommt vormontiert, einige wenige Bestandteile sind zu montieren
Roll-out im hügeligen Wienerwald
Roll-out im hügeligen Wienerwald
Längerer Schlechtwettereinsatz wäre eine interessante Herausforderung. Dann erinnern wir uns, dass wir dem – quasi aus dem Sparschwein gekauften – Supermarkt-Pedelec nicht die übelsten Torturen, sondern ein anständiges Dasein bieten wollten. Das Alu-Rex darf huckepack auf dem Transporter mit in die Wachau fahren. Es darf im neu gestalteten Gartenhotel Pfeffel elegant wohnen, wo es über die schläfrigen Mietfahrräder nur so lachen kann; es kommt vorbei am Kellerschlössel nach Stein und weit in die Gegenrichtung bis nach Spitz; es darf sogar im ehrwürdigen Prandtauerhof rasten und feine Einkäufe bei der Familie Holzapfel am Gepäckträger abtransportieren. Wahrscheinlich ist es bis jetzt noch keinem Supermarkt-Pedelec in Österreich so gut ergangen.
Winzer Holzapfel beäugt den neuen Wachauer Elektrotourismus
Winzer Holzapfel beäugt den neuen Wachauer Elektrotourismus
Auf einem Pedelec lässt sich doch so einiges transportieren
Auf einem Pedelec lässt sich doch so einiges transportieren
Hinterradnabenschaltung, Rücktrittbremse
Hinterradnabenschaltung, Rücktrittbremse

Im flachen Gebiet ist das Alu-Rex ein recht problemloser Gefährte. In manchen Tests und in Internetforen vernimmt man Klagen über die per „Gasdrehgriff“ unsensibel zu dosierende Elektrounterstützung, das stimmt nur bedingt: Im Economy-Modus (E) gibt es „Alles oder Nichts“, aber im Maximalmodus (M) lässt sich mit wenig Geschick die E-Power sehr wohl über den Drehgriff modulieren. Wahr ist auch, dass Pedelecsensor und Hallsensor träge auf das Pedalieren reagieren, dass dadurch die Elektrounterstützung spät aktiviert wird und somit besonders das Anfahren am Berg keine leichte Übung ist. Weiters läuft der Motor nach Beenden des Tretens ein bis zwei Sekunden nach – aber das ist halb so schlimm, weil beim Betätigen der Bremsen der Elektrovortrieb unmittelbar unterbrochen wird. Ein Sicherheitsfeature, das wir in dieser Preisklasse nicht unbedingt erwartet hätten.
Im E-Fahrrad-Test des ÖAMTC wird die mangelnde Bremsleistung moniert. Auch das scheint eine Frage des Standpunkts zu sein: Die Vorderradbremse rubbelt ein wenig, ist aber giftig; die Hinterrad-V-Brake ist wegen des enorm langen Seilzugs und der damit verbundenen Längung tatsächlich wenig wertvoll, aber immerhin hat man die zusätzliche Rücktrittsbremse. Die österreichische Fahrradverordnung schreibt auf trockener Fahrbahn eine mittlere Bremsverzögerung von vier Metern pro Quadratsekunde vor. Mit den Gyrosensoren im iPhone und entsprechender Software messen wir (ohne Rücktrittbremse) wiederholt Werte um 0,66 g, also 6,5 Meter pro Quadratsekunde – das Alu-Rex bremst im grünen Bereich.

Der Drehgriff der SRAM-Dreigangschaltung
Der Drehgriff der SRAM-Dreigangschaltung

Die Herstellerangabe zur Annäherung an die maximale Reichweite ist mit 40 Kilometern in der Ebene dank des Lithium-Ionen-Akkus durchaus ehrlich. Setzt man die E-Unterstützung nur bei Gegenwind oder leichten Steigungen ein, wird man sogar weit höhere Reichweiten erzielen. Auf die Linearität der Ladestandanzeige am Akku soll man sich nicht verlassen – leuchtet nur mehr eine der vier grünen LED’s am Akku, sollte die Basisstation schon in Sichtweite sein. Fein ist auch die überehrliche Angabe beim Fahrzeuggewicht: Die 29,5 Kilo im Handbuch sind viel zu hochgegriffen, beim Nachmessen haben sich 26,9 Kilo herausgestellt.

Das Fazit über den Ausflug in den Supermarkt? Kein sehr überraschendes: Wie so oft bekommt man genau das, wofür man bezahlt. Für den Einsatz in Gegenden mit geringen Steigungen und überwiegend schönem/trockenem Wetter gibt es keine schweren Argumente gegen das Alu-Rex, der geringe Preis rückt es sogar in die Nähe einer Empfehlung. Für harte Inanspruchnahme und für hügelige Gegenden ist es jedoch unausweichlich, weit tiefer in die Tasche zu greifen. Das Supermarkt-Pedelec ist kein Schnäppchen. Aber ein reelles Geschäft.


Verzögerungsmessung: Auch ohne Einsatz der Rücktrittbremse sind die Bremswerte nicht übel
Verzögerungsmessung: Auch ohne
Einsatz der Rücktrittbremse sind
die Bremswerte nicht übel
PEDELEC-DATEN
INTERSPAR ALU-REX 28"
RAHMEN Alu-Einrohr 28“
GABEL Federgabel
LAUFRÄDER Alu-Kastenfelgen, verstärkte Speichen vo
BEREIFUNG 28 x 1,75“, Duro Cordoba 47-622
RADSTAND 1205 mm
BREMSEN V-Brakes vo/hi, plus Rücktrittbremse
SCHALTUNG SRAM 3-Gangnabe, Drehgriff
BELEUCHTUNG Halogen/LED, Basta Seitenläuferdynamo
MOTOR Bafang Vorderradnaben-Getriebemotor 250 W
AKKU 24V 10Ah Lithium-Ionen
LADEZEIT max. 8 h
MAX. REICHWEITE 30-40 km (Eco-Modus)
GEWICHT INKL. AKKU 26,9 kg
SPITZE 25 km/h mit E-Unterstützung
EXTRAS Gepäckträger, Doppelständer, verst. Vorbau
PREIS € 599,–

VERTRIEB/INFO: www.interspar.at, www.prophete.net

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