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E-BIKE-NEWS

„DER STEYRER“ – DAS ÖSTERREICHISCHE E-BIKE KOMMT 2013


Text: Michael Bernleitner
Fotos: Automotive Solutions, M. Bernleitner

Ö-BIKE FÜR DIE WELT

Das „Elektromotorrad zum Selberbauen“ aus der Manufaktur der Zukunft. Wir haben die ersten Fotos und die ersten technischen Daten


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Am Wirtschaftskongress „Drehmomente“ wurde Anfang Mai 2012
ein neues, modular aufgebautes E-Bike vorgestellt, das in Steyr – und auch an anderen Produktionsstandorten – erzeugt werden soll. Es heißt „der Steyrer“ und ist das „E-Motorrad zum Selberbauen“, so die oberösterreichische Firma Automotive Solutions, die das rot-weiß-rote E-Bike-Projekt ins Leben gerufen hat. Es soll eine wirtschaftlich günstige und saubere Transportlösung für urbane Menschen anbieten, es soll aber auch robust genug für entlegene Alpenregionen und afrikanische Pisten sein. Durch die Konzeption und die besondere Art der Herstellung können alle Teile so geliefert werden, dass das E-Bike wie ein Bausatz selbst zusammengebaut werden kann. Durch diese Bausatzteile sind auch einige Reparaturen durch eigene Hand möglich. Und auf Wunsch kann der Steyrer-Kunde Teile selbst gestalten und erhält so ein sehr individuelles Fahrzeug.

Mit 10 kW (13,6 PS) Leistung beträgt die Höchstgeschwindigkeit 110 bis 115 Stundenkilometer und die Reichweite von 50 Kilometern ist keine Angabe für den Idealfall bei idealer Außentemperatur, sondern soll sich im Normalbetrieb mit Stop-and-go realistisch erzielen lassen. Der Radnabenmotor ist kein üblicher „Felgenmotor“, sondern besitzt eine zusätzliche Übersetzung zum Laufrad, er hat daher höheres Drehzahlniveau als sonst bei E-Bikes beziehungsweise bei E-Scootern üblich. Er fährt mit 60 Volt Spannung und Lithium-Eisen-Phosphat-Akku mit 3000 Wattstunden Energieinhalt. Somit ist der Steyrer nicht auf E-Zapfsäulen oder Ladeinfrastruktur angewiesen, sondern kann über sein eingebautes, sehr leistungsfähiges Ladegerät an einer mit 16 Ampere abgesicherten 230-Volt-Haushaltssteckdose in nur einer Stunde wieder „voll“ gemacht werden. Sollte sich das Elektromotorrad nicht zu einer Steckdose bringen lassen, so wird der Steyrer in einer späteren Version mit einem herausnehmbaren Akku erhältlich sein, der dann in der Wohnung, im Hotelzimmer oder im Büro geladen werden kann.

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Gerald Hackl, Bürgermeister von Steyr (links) und Wolfgang Bittner enthüllen den elektrischen Steyrer-Prototyp
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Arbeitsforscher Frithjof H. Bergmann (rechts) erläutert
die Philosophie der miniaturisierten Produktion
 
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Der LiFePO4-Akku für den Steyrer wurde von
Lightweight Energy in Oberösterreich entwickelt
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Über die zentrale Bedieneinheit (Prototyp) können
Motorleistung und damit die Reichweite beeinflusst werden


 .

Wir treffen Mag. Wolfgang Bittner, den Initiator des Steyrers, zum Interview, um mehr über die Hintergründe und die Details des innovativen Projektes zu erfahren.

„motomobil“: Wie kam es zur Idee des Elektromotorrads, wer steht dahinter?
Mag. Wolfgang Bittner: Die von mir geleitete Firma Automotive Solutions ist eine Projektentwicklungsagentur, die in Zusammenarbeit mit Partnerfirmen Entwicklungen für den Automobilbereich koordiniert. Ungefähr im Jahre 2007 entschieden wir uns dafür, ein eigenes Produkt vorzubereiten. Es sollte in ein neuartiges Gesamtkonzept eingebunden sein, es sollte überschaubar sein und es soll die Kompetenz der Region Steyr widerspiegeln. In Steyr ist nun einmal der Motorenbereich sehr stark. So sind wir auf ein E-Bike gekommen. Ursprünglich dachten wir an einen Roller, aber bald war uns aus vielerlei Gründen klar, dass es ein „richtiges“ Motorrad sein sollte, ein lifestyliges Zweitfahrzeug mit Spaßfaktor.

Ein E-Bike ist sicher überschaubar, die Technik und das Energiemanagement stellen aber trotzdem enorme Entwicklungsanforderungen und somit ist die Angelegenheit auch kostspielig. Wie kann so ein Projekt finanziert werden, überhaupt wenn die zukünftigen Marktchancen von Elektromotorrädern völlig in den Sternen liegen?
Die Finanzierung geschieht durch Eigenleistung und durch Kooperation mit Partnerunternehmen, die frühzeitig inkludiert werden. Das betrifft den Antrieb, das Design, die Verpackung und auch die Planung für die Produktion. Aus der Automobilindustrie haben wir vor allem die Konzentration auf die eigenen Stärken gelernt – und mit den Kooperationen werden die jeweiligen Stärken mit ins Boot geholt. Der Steyrer ist momentan ein kleiner Teil unserer Geschäftstätigkeit, er wird aber bald ein sehr bestimmender werden.

Was sind nun konkret die neuen Errungenschaften des Steyrers?
Antrieb, Batteriepackage und Regelelektronik sind auf dem neuesten technischen Stand. Vor allem ist es aber die Produktions- und Vermarktungsphilosophie, die mit dem Bike einhergeht. Gemeinsam mit Professor Frithjof Bergmann in den Vereinigten Staaten beschäftigen wir uns seit längerer Zeit mit Fabriken der Zukunft. In einer späteren Ausbaustufe soll der Steyrer weltweit in Manufakturen produziert werden, die pro Unternehmen zwei Fahrzeuge pro Tag erzeugen, also zirka 700 im Jahr. Dabei passiert in den Manufakturen nicht nur das bloße Assembling, sondern am Ort der Produktion soll auch der größte Wertschöpfungsanteil stattfinden. Nur ein Beispiel: Natürlich wird man nicht in jeder Manufaktur die eigenen Bremsscheiben und Bremssättel herstellen, aber der Gussrahmen ist einer der Bestandteile, die dann im jeweiligen Land produziert werden. Sozusagen eine Marke, aber verschiedene Hersteller. Die Platzierung der Modellmanufaktur geschieht in Steyr, Automotive leistet dann Unterstützung bei der Implementierung am jeweiligen Entstehungsort. Die Manufakturen werden durch eine Art Franchise-System zusammenhängen, wobei sich natürlich auch Stützpunkthändler in Richtung Manufaktur entwickeln können.

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Reverenz vor der Region: Das „Y“ im
Gussrahmen symbolisiert den Zusammenfluss
zwischen Enns und Steyr
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Andreas Schenner (links) leitet die
technische Entwicklung des Steyrer-E-Bikes
und plant die Modellmanufaktur in Steyr

Das klingt genauso utopisch wie interessant. Wie kann man sich denn so eine Manufaktur überhaupt vorstellen? Geht sich das wirtschaftlich überhaupt aus?
Ja, das geht sich wirtschaftlich aus. Der Platzbedarf für eine Manufaktur ist summa summarum etwa 800 Quadratmeter, also kein großes Werksgelände. Samt Administration hat die Manufaktur einen Personalbedarf von etwa 25 Mitarbeitern. Eine wichtige Besonderheit des Konzeptes ist, dass die Weiterentwicklungsstufen des Motorrads durch die Manufakturen gesetzt werden können. Die Weiterentwicklung wird über verschiedene Plattformen dann anderen Manufakturen zur Verfügung gestellt. Das soll auch etwas kosten, wenn Verbesserungen gemacht werden: Das Geschäftsmodell ist nicht nur „Motorrad herstellen und verkaufen“, sondern bezieht verschiedene Gesichtspunkte mit ein. Auch ein gewisses Umdenken bezüglich Eigentümerschaft und Selbstständigkeit. Mit so einer Manufaktur mit Hi-tech-Anwendungen befinden wir uns am Übergang vom Handwerk zur industriellen Fertigung. Natürlich sollen die Manufakturen auch regional typisches und bevorzugtes Zubehör anbieten, die Erfordernisse in den verschiedenen Weltgegenden sind da ja unterschiedlich.

Was soll der Steyrer kosten und wie sieht der Zeitplan aus?
Der Zielpreis ist 8500 Euro inklusive 3000-Wattstunden-Akku. Der Prototyp fährt; nach der Vorstellung in Steyr am Wirtschaftskongress „Drehmomente“ erfolgt die Serienüberleitung bis Ende 2012, dabei wird es etliche Fahrzeuge mit vollem Funktionsumfang geben. Die ersten verkaufsfähigen Bikes planen wir für das Frühjahr 2013. Der erste Produktionsstandort wird in Steyr sein, wobei wir im ersten Jahr nur eine Stückzahl von 50 Fahrzeugen vorsehen. Und die ersten Produktionspartner für kommende Manufakturen haben wir in Deutschland und in den Vereinigen Staaten.

Was hat es mit der Idee des „Selberbauens“ auf sich?
Der Steyrer kommt in einer handlichen Box. Weil das Bike ein sehr robustes und leicht servicierbares Fahrzeug ist, ist auch der abschließende Zusammenbau der Komponenten eine einfache Sache. Dadurch sollte man sich aber über die dahinterstehende Technologie nicht täuschen lassen: Zum Zeitpunkt des Erscheinens wird der Chemie-Mix in der Akku-Entwicklung schon wieder so weit sein, dass die Batterie etwa 20 Prozent mehr Energieinhalt haben wird. Als Zubehör wird es auch eine kabellose Lademöglichkeit geben, die unter 1000 Euro kosten wird: Das induktive Laden wird durch eine Matte möglich sein, die man in der Garage unter das E-Bike legen kann; man kann die Matte aber auch unsichtbar unter dem Boden verlegen. Und etwas später wird es eine Variante mit einem kleineren, herausnehmbaren Batteriepaket geben. Das wird nur etwa 16 Kilo statt 30 Kilo wiegen, man kann es also auch in der Wohnung oder im Büro aufladen. Zubehör planen wir natürlich ebenfalls, auch der Gepäcktransport wird möglich sein.

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Die letzten Handgriffe werden selbst angelegt.
Klein verpackt kommt das E-Bike ins Haus
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So soll der Steyrer aus der Kiste hüpfen. Laut
Planung schon im Lauf des Jahres 2013


ZUR PERSON
Mag. Wolfgang Bittner, MBA, geb. 1967 in Steyr. Der gelernte Mechaniker war als Produktionsforscher für namhaften Unternehmen der Fahrzeugindustrie tätig. Er entwickelte und brachte den Automobil-Cluster, den Cluster Drive Technology und die  AAA (Austrian Automotive Association) in deren jetzige Position. Den seit 2000 jährlich stattfindenden Wirtschaftskongress „Drehmomente“ entwickelte er als Kooperationsplattform insbesondere für den Mittelstand, er gilt heute als Trendbarometer für innovative Unternehmen.


DIE KOOPERATIONSPARTNER BEI DER ENTWICKLUNG DES STEYRER E-BIKES
Gesamtprojektkoordination & Engineering: Automotive Solutions GmbH; www.automotive-solutions.at
Projektpartner 2: Kerbl Modellbau GmbH (Designprototyp); www.kerbl-modellbau.at
Projektpartner 3: Hammerschmid GmbH (Antriebsstrang); www.hammerschmid-mb.com
Projektpartner 4: Buffalo American Motorcycles GmbH (Konsolidierung); www.buffalo.at




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