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E-BIKE-FEATURE

MIT DEM PEDELEC AUF EIS UND SCHNEE


Text: Uli Brée
Fotos: Lukas Ennemoser/Ötztal Marketing

HOLIDAY ON ICE

Über das Leben in den Bergen. Wir nehmen zwei in Tirol erzeugte EH-Line-Bikes und statten sie mit verschiedenen Garnituren Winterschuhen aus


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Uli_Bree_klDer Winter kann hart, kalt und lang sein.
Und unerbittlich anstrengend. Über die Skipisten drängen sich Deutsche, Russen und Holländer als gäbe es keine Krisen und kein Pardon. Individualisten und Einheimische stöhnen unter der Skitouristen-Kamikaze-Flut. Man sehnt sich nach Ruhe, nach Einkehr und Einsamkeit. Die wahren Kenner begeben sich auf Skitouren und Langlaufloipen.

Aber was tun die Radfahrer? Verzweifeln? Auf den Frühling warten? In den Flieger steigen und im Süden ihr kurzes Glück auf Rädern suchen? Oder Spikes montieren? Oder vielleicht sogar einen Raupenantrieb, der sich wie ein Pistenbulli über die Loipe schiebt? Geht das überhaupt? Gut, wir kennen das vom Endurofahren: Spikes drauf und schon geht es über den vereisten See oder schnell mal die Skipiste nach Liftschluss rauf. Aber mit einem Mountainbike? Macht das überhaupt Sinn? Das kann ja bei dem geringen Gewicht wahrscheinlich überhaupt keinen Grip aufziehen.

Die Leute von EH-Line im Tiroler Oberland wollten es wissen. Echte Pioniere in Sachen Elektromobilität. Diese Leute kleckern nicht. Die stoppeln nicht einfach nur irgendein Mountainbike mit Nabenmotor in irgendeinem Bastelkeller zusammen, nein, die stellen gleich einmal eine Entwicklungsabteilung, eine Werkstatt und einen Schauraum auf, dass es nur so kracht. Von Elektrorollern über E-Bikes bis hin zu E-Autos reicht die Palette. Immerhin steht hinter diesem innovativen und mutigen Projekt die Firma MS Design, die sich als Autozulieferer und Autoveredler einen grenzüberschreitenden Namen gemacht hat.

Mit vollen Hosen ist gut entwickeln. Trotzdem ein sehr mutiges Unterfangen, sind doch gerade im Bereich der E-Mobilität zahlreiche Trendsetter schon wieder auf der alternativen Strecke geblieben. Denn nur weil die Welt nach neuen Antriebskonzepten schreit, heißt es noch lange nicht, dass der konservative und vorsichtige Kunde auch den Mut aufbringt, umzusteigen. Umso bemerkenswerter der Enthusiasmus der Macher von EH-Line. Erst wenn die Akkus konkurrenzfähige Leistungen bieten und die Benzinpreise sich verdoppelt haben, wird man wohl auch die breite unbewegliche Masse dazu bewegen können, sich alternativ zu bewegen (man gestatte dem Autor dieses alberne Wortspiel).

Es ist also einer dieser kalten und unerbittlichen Wintertage, an denen sich die Urlauber Schulter an Schulter den Berg hinunter drängen, als wir das schwarze Mountainbike mit seinen genagelten Schuhen und das einspurige Raupenfahrzeug in den Transporter stellen und uns auf den Weg in Richtung Skipiste machen. Bevor wir unser Ziel erreichen und die beiden Geräte dem „harten und unerbittlichen“ Test unterziehen, der Mann und Mountainbike bis an die Grenzen des Machbaren bringen wird, erzählen wir dem geneigten Leser inzwischen ein paar Details über unsere Testobjekte. Unsere schwarze Kanone mit dem leicht zu merkenden und wohlklingenden Namen EF01C F250 – andere sagen einfach Premiumbike dazu – hat sogar schon den Ex-Ferrari-Boss und jetzigen FIA-Chef Jean Todt begeistert. Kein Wunder, das Gerät schaut wirklich toll aus und die Verarbeitung würde sogar dem deutschesten und penibelsten Fachmagazintester jenseits des Inns Genüge tragen. Die Macher der schwarzen Premium-Schönheit versprechen gar bis zu 140 Kilometer Reichweite bei vollem Akku, angenehmer Außentemperatur und mittlerer Nutzung (das ist ein bisschen so wie bei den Verbrauchsangaben der Autoindustrie: Man kann immer einen Liter dazurechnen. Erst recht in der Elektromobilität, für die Minustemperaturen der natürlich Feinde sind). Trotzdem sind 140 Kilometer im Optimalfall schon eine echte Kampfansage. Die Konkurrenz spricht in der Regel von 70 Kilometer Reichweite. Und auch dort kann man „einen Liter“ dazurechnen. Unser Premium-Killer verfügt natürlich über einen Alurahmen und ist voll gefedert. Den 250-Watt-Hinterradnabenantrieb steuert BionX bei. Lithium-Mangan-Akkus mit 48 Volt Spannung und 422 Wattstunden Energieinhalt spenden die notwendige Kraft. Qualität hat bekanntlich ihren Preis: Mit 4590 Euro ist man dabei. Für Jean Todt ein Klacks.

Fortbewegung auf Kufen ist im Winter eine feine Sache
Fortbewegung auf Kufen ist
im Winter eine feine Sache
Ein bisserl darf man sich ruhig anstrengen
Ein bisserl darf man
sich ruhig anstrengen
Sensationeller Grip der Schwalbe-Spikereifen
Sensationeller Grip der
Schwalbe-Spikereifen
Das Absteigen ist gefährlicher als das Fahren
Das Absteigen ist
gefährlicher als das Fahren
Inzwischen haben wir unser Ziel erreicht.
Bevor wir uns den Details des Raupenfahrzeugs widmen, steigen wir erst einmal auf den schwarzen Blitz. Die Testbedingungen könnten nicht besser sein. Auch wenn uns die Sonne im Stich lässt, der Untergrund ist perfekt: Der gesamte Weg ist komplett vereist und wir können uns kaum auf den Füßen halten, so rutschig ist der Untergrund. EH-Line verwendet für solche Bedingungen den Ice Spiker Pro von Schwalbe: Exakt je 361 Spikes zieren zweimal 26 Zoll. Trotzdem schenkt man den kleinen Metallnägeln nur wenig Vertrauen. Das Eis glänzt gemein und ich steige eher zaghaft und verhalten auf. Was heißt verhalten, ich kann kaum stehen, ständig rutsche ich weg.

Aber kaum habe ich es geschafft, einen Meter zu fahren, geschieht das völlig Unerwartete. Das Ding geht ab wie Sau. Nicht nur die BionX-Elektrounterstützung ist der Hammer, auch die Spikes krallen sich ins Eis wie Raubkatzen in ihre Beute. Es geht dahin, als gäbe es keinen Winter, kein Eis und keinen Schnee. Wer noch nie Spikes auf einem Mountainbike ausprobiert hat, kann nicht verstehen, was da passiert. Das ist richtig cool. Und in der Kombination mit dem Elektroantrieb ist es überhaupt perfekt: Die Akkus kompensieren auf ideale Art und Weise den schneebedingten Rollwiderstand. Das macht einfach nur Spaß. Ein echtes Schneevergnügen. Bis zu dem Moment, an dem man wieder absteigt – dann haut es einen nämlich ganz gehörig auf den Hintern, weil man völlig vergessen hat, wie rutschig es in Wirklichkeit ist.

Aber jetzt will der harte und unerbittliche Tester natürlich wissen, wie sich so ein einspuriges Raupenfahrzeug bewegt. Ein paar Fakten zum Einstimmen: Auch hier wieder ein Name für Menschen mit fotografischem Gedächtnis – das EF02B trägt in seinem Alurahmen Lithium-Mangan-Akkus mit 26 Volt/18 Amperestunden und einen Panasonic-Mittelmotor mit 250 Watt Leistung. Das von EH-Line verbaute und verfeinerte Raupensystem Ktrack hebt den Basispreis von 2998 Euro auf 3750 Euro an, inklusive Einbau. Weil man das Bike natürlich im Sommer auch nutzen möchte, erklären die netten Leute bei EH-Line dem Kunden gerne, wie es geht. Aber selbst der ungeübte Bastler hat den Umbau in kurzer Zeit erledigt. Und wer bereits ein E-Bike mit Mittelmotor besitzt, kann auch gerne bei EH-Line den reinen Raupensatz ordern.

Die Ktrack-Raupe erfreut mit unkomplizierter Montage
Die Ktrack-Raupe erfreut mit
unkomplizierter Montage
Wie fährt sich denn nun so ein Mountain-Crawler?
Wäre übrigens ein netter Name – und auch leichter zu merken … Zunächst einmal genauso überraschend wie das Bike mit den Spikes, aber doch um einiges gewöhnungsbedürftiger. Das Lenkverhalten ist eher eigenwillig. Wenn vorne ein Rad in der Gabel wäre, würde ich sagen, es schiebt übers Vorderrad. Hier schiebt es eben über die Kufe. Aber innerhalb kürzester Zeit hat sich der unerbittliche und harte Tester daran gewöhnt und fährt fleißig bergauf. Die Schaltung bedarf ob der erforderlichen Kraft noch ein wenig Abstimmung und die Kettenräder sind vielleicht auch noch etwas überfordert, aber das ist nun mal so bei innovativen und ungewöhnlichen Konzepten. Immer noch besser als auf der Skipiste mit den Massen unterwegs zu sein. Ohne Elektromotor würde ich so ein Fahrzeug allerdings nur den absoluten Top-Profis empfehlen: Man ist doch eher froh, dass man ein kleines Kraftwerk unterm Hintern hat, wenn es durch den Schnee bergauf geht.

468 Wattstunden geben eine beruhigende Reichweite
468 Wattstunden geben
eine beruhigende Reichweite
Hochwertige Federungskomponenten
Hochwertige Federungskomponenten
Auch der Panasonic-Mittelmotor ist ein sehr bewährter Pedelec-Antrieb
Auch der Panasonic-Mittelmotor ist ein
sehr bewährter Pedelec-Antrieb
BionX-Antrieb im Premium-E-Bike
BionX-Antrieb im Premium-E-Bike

Aber grundsätzlich hat das etwas.
Mit dem Mountain-Crawler die Rodelpisten hinauf auf die Hütte und nach dem Glaserl Enzian mutig wieder die Piste runter … Für alle jene, die im Winter nicht auf ihren geliebten Radsport verzichten wollen, sind beide Ideen und Konzepte eine echte Alternative und Bereicherung. Noch dazu eine, die sehr, sehr viel Spaß macht. Und darauf kommt es doch schließlich an.

TECHNISCHE DATEN: EH-LINE EF01C
RAHMEN AL 6061 FLS triple butted
GABEL Fox 32 Talas, Lock-out, FW 110-150 mm
LAUFRÄDER DT Swiss X 1900
BEREIFUNG Schwalbe Ice Spiker Pro 26“
BREMSEN  Scheibenbremsen Tektro Auriga Comp 185 mm
SCHALTUNG Shimano Deore XT M773 30-Gang
MOTOR  BionX PL250HT SL XL 250 Watt
AKKU Lithium-Mangan 48 V 8,8 Ah, 422 Wh
LADEZEIT 5-6 h
MAX. REICHWEITE 100-140 km
GEWICHT INKL. AKKU 21 kg
SPITZE 25 km/h mit Tretunterstützung
PREIS ab € 4590,–
VERTRIEB/INFO www.ehline.com



































TECHNISCHE DATEN: EH-LINE EF02B mit Raupe
RAHMEN AL 6061 double butted
GABEL RST F1, Lock-out, FW 100 mm
LAUFRÄDER Ktrack Frontski, Ktrack Raupenantrieb
BEREIFUNG siehe Laufräder
BREMSEN Scheibenbremse Shimano Deore XT
SCHALTUNG Shimano Deore XT RD-M663 21-Gang
MOTOR Panasonic Mittelmotor 250 Watt
AKKU  Lithium-Mangan 26 V 18 Ah, 468 Wh
LADEZEIT 5-6 h
MAX. REICHWEITE 140 km
GEWICHT INKL. AKKU 25 kg (mit Radsatz 23 kg)
SPITZE  25 km/h mit Tretunterstützung
PREIS € 3750,– (Normalräder € 2998,–)
VERTRIEB/INFO www.ehline.com







































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