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E-BIKE-TEST

GRACE ONE & GRACE PRO

Text: Uli Brée
Fotos: Frank Praxmarer

DESIGN ODER NICHT DESIGN

E steht in diesem Fall für Edel-Bike, made in Germany: Wir haben es hier mit echter Fahr-Lässigkeit zu tun



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Fangen wir einfach einmal bei dem Problem an.
Reden wir nicht drumherum, sondern bringen die ganze Sache direkt auf den Punkt. Das Grace ist das absolute Designerstück. Das ist der Bang & Olufsen der Fahrradgarage. Das ist ein Faktum. Und das ist auch gleichzeitig das Problem. Das gute Stück ist fürs Gelände einfach viel zu schade. Abgesehen davon, dass es das Grace gar nicht voll gefedert gibt und es auch viel zu schwer für den Dreck da draußen wäre. Also: Gelände nix!

In der Stadt wiederum ist das Grace an und für sich zuhause. Nur, wie lange ist es zuhause? Hart gesagt: Wenn ich diesen „fahrbaren Bang & Olufsen“ in Wien, Berlin oder wo auch immer an eine Straßenecke stelle, dann ist er nach zehn Minuten woanders zuhause. Egal wie gut ich ihn absperre. Das ist leider auch ein Faktum. Dieses Rad (ein beinahe zu simples Wort für dieses Museum-of-Modern-Art-Kunstwerk) ist einfach derartig schön gemacht, dass es schlichtweg zu schade zum fahren ist.

Womit wir bei einem weiteren Nachteil wären: Ich kann nämlich nicht einfach den Akku am Abend rausnehmen und mit in die Wohnung zum Aufladen nehmen. Der Akku ist nämlich – eleganter geht’s nicht – im Rahmen untergebracht. Schön, aber nur bedingt sinnvoll.
Okay, wir fassen nochmal zusammen: Das Grace ist für keinen der möglichen Einsatzzwecke ideal und auch nicht wirklich praktisch. Das hätten wir geklärt. Aber! Und jetzt sind wir endlich beim Aber! Aber es ist unglaublich schön. Und man sollte sich im Leben möglichst mit vielen schönen Dingen umgeben. Finde ich zumindest und halte mich dabei an die leicht abgewandelte Philosophie meines entfernten Kollegen Goethe: Das Leben ist zu kurz, um langweilige Elektroräder zu fahren. Ich persönlich halte gewisse Fraktionen nämlich nur bedingt aus: Die Klapphelmfahrer und „freiwillig Warnwestenträger“ der Motorradszene oder die bunt gekleideten Funktionswäscheträger mitsamt Sponsoraufnähern auf ihren Mountainbikes, die sich jedes Wochenende mitsamt ihren kleinen Bäuchen durch unsere Wälder schwitzend hindurch treten und unsagbar bemitleidenswert wirken. Ich persönlich bin da mehr im Design zuhause und verzichte dafür gern auf praktische Dinge.

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Das sozusagen „massentaugliche“ Grace One gibt
es nur in Weiß, aber dafür zum Freundschaftspreis

Wenn ich mir nur anschaue, wie edel das Grace Pro Race
gemacht ist. Das ist einfach ein Genuss. Alles handgemacht. Die Liebe zum Detail strotzt aus jeder Alu-Pore. Gebaut für Individualisten! Und genau in diesem Punkt ist das Grace wieder absolut konsequent. Besser geht’s nicht. Wer auf sowas abfährt, fährt Grace. Der Kunde kann aus drei verschiedenen Rahmengrößen wählen und hat 64 verschiedene Farben zur Auswahl. Der Nabenmotor leistet entweder 250, 500 oder 1300 Watt, in eineinhalb Stunden ist der Akku (mit dem Schnell-ladegerät) voll aufgeladen, der Topspeed  beträgt echte 45 Stundenkilometer und man kommt 50 Kilometer weit damit. Verschiedene Akkupack-Größen (Lithium-Ionen) kann man auch noch aussuchen. Und zwischen Pedelec, S-Pedelec und E-Motorbike muss man sich auch noch entscheiden. Die Armatureneinheit ist beim Topmodell tatsächlich aus dem vollen Alublock gefräst! Allerdings wiegt das fahrende Kunst- werk auch 30 Kilo samt Akkus. Und Zubehör gibt es natürlich auch noch reichlich. Sogar eine Upside-down-Telegabel. Das klingt nach vielen schlaflosen Nächten. Das Leben ist hart, wenn man genügend Geld für Entscheidungen hat.

Das Individualistenprogramm hat natürlich seinen Preis. In Österreich beginnt er bei 7200 Euro. Da wäre es schon gut, wenn man eine abschließbare Garage daheim hat. Wer es günstiger haben möchte, kann auch schon um 3990 Euro auf dem Grace One (als Pedelec) losfahren. Das gibt es dann nur in Weiß, die Gabel ist ungefedert und so manches Detail ist nicht ganz so detailliert wie beim Nobelmodell. Aber die Wirkung ist nicht minder stark als bei der teureren Version. Fast jedes Grace muss als Moped zugelassen werden. Kein Wunder, bei 45 km/h. Ausnahme: Das Neun-Gang-Pedelec in der Version, bei der der Motor bis 25 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit unterstützend antreibt.

Bei meiner ersten Tour war ich schon schwer angetan. Ich hab für zehn Kilometer gerade einmal eine Viertelstunde gebraucht. Richtig bewusst wird man sich der Geschwindigkeit erst, wenn man andere Radfahrer überholt. Hart gesagt: Man hat das Gefühl, an stehenden Objekten vorbeizugleiten. Sehr cool. Sehr lässig. Was für die Damenwelt die Manolos und die diversen anderen Mode-Must-Haves sind, das ist in der Männerwelt das Grace. Seien wir uns ehrlich: Vor dem Szene-Café finden wir sowieso keinen Parkplatz mehr mit unserem mattschwarzen Murcielago. Also rauf aufs mattschwarze Grace und frei vom unangenehmen und peinlichen City-Biker-Schweiß direkt vor der Bar parken und einen Aperol-Spritz schlürfen. Das hat schon was. Und wenn man dann noch ein Technik-Freak ist, dann ist sowieso alles perfekt: Die Armaturen einfach nur schnöde Armaturen zu nennen, kommt einem Frevel gleich. Das ist Infotainment pur! Man(n) sollte allein schon einen ganzen Tag dafür einplanen, die Gebrauchsanleitung zu studieren! Auf dem Display kann man quasi alles ablesen, von der Voltzahl bis zum aktuellen Facebook-Status.

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Die gefrästen feinen Teile im Vorbau. Unendliche
Farbkombinationen sind beim Grace Pro möglich!
Als „echtes“ Pedelec oder auch als E-Moped (mit Nummerntaferl) erhältlich
Als „echtes“ 25-km/h-Pedelec oder auch als
E-Moped (mit Nummerntaferl, 45 km/h) erhältlich



Mein Fazit:
Wer das Besondere liebt, wer auf tolles Design steht und sich gar nicht satt sehen kann an den vielen Details, ist der richtige Grace-Fahrer. Abgesehen davon, dass es wirklich toll zu fahren ist, kann man es sich im Winter auch noch ins Büro stellen und in Arbeitspausen die Gedanken übers Grace schweifen lassen. Das Grace ist mit Abstand das eleganteste E-Bike am Markt. Es ist wie bereits erwähnt nicht wirklich für den Alltag gemacht, aber was solls. Dafür gibt es dir jeden Tag etwas, was dir all die praktischen Räder nie geben werden: Freude am Betrachten und erhöhten Pulsschlag. Und das, noch bevor man zu treten
beginnt …


TECHNISCHE DATEN: GRACE ONE (GRACE PRO)
RAHMEN Nicolai Aluminium
GABEL Grace Alugabel (Federgabel German Answer flame)
BEREIFUNG Schwalbe Crazy Bob 26“
LAUFRÄDER                  
Rigida Big Bull (Schürmann)
BREMSEN Magura Julie 203 mm (Magura Louise)
SCHALTUNG SRAM X-7 (SRAM X-9)
BELEUCHTUNG Halogen 2 x 55 W
MOTOR Hinterradnabenmotor 250/500/1300 W
AKKU Lithium-Ionen 48 V 10,4 Ah/13 Ah/15,6 Ah
LADEZEIT 4,5-6 h (Schnellladegerät 1,5 h)
MAX. REICHWEITE 15-60 km
GEWICHT OHNE AKKU 28 kg
SPITZE 25 km/h bzw. 45 km/h
EXTRAS Rock-Shox-Gabel, Zusatz-Akku, Schutzbleche,Gepäckträger, Schnellladegerät, USD-Telegabel
PREIS ab € 3999,– (ab € 7199,–)
VERTRIEB/INFO www-s-tuning.at, www.grace.de






































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