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PEDELEC-TEST

SCOTT E-SPORTSTER MIT BOSCH-ANTRIEB


Text & Fotos: Master Blaster

FRÜHLINGSBOTE

Gerade noch rechtzeitig: Erster Fahrbericht mit dem neuen Mittelmotor-Elektrofahrrad-Antrieb


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Nur wenige Stunden vor Redaktionsschluss
zur vierten „motomobil“-Printausgabe trifft das erste Test-Pedelec mit dem lang erwarteten neuen Bosch-E-Antrieb in der Schreibstube ein. Ein prächtig aussehendes schwarzes Scott E-Sportster. Der allererste Fahreindruck muss frisch ins Heft, ultraknapp. Rasche Einweisung durch Gerhard Niedermayer vulgo „Radl-Gerhard" vom Scott Reference Center in Wien-Nussdorf. Der Akku ist bereits randvoll, gleich geht's in den Wald. Denn das E-Sportster ist ein robustes Trekking-Bike, das „normale" Forststraßen und -wege anstandslos verdauen muss.
 
Die Lage der „motomobil"-Redaktionskemenate ist mit den denkbar besten – also härtesten – Testbedingungen für die Elektromobilität gesegnet: an einem langen Bergauf-Stück ungefähr in Kahlenberg-Höhe. Runter kommt man immer, aber rauf? Das Scott-Pedelec muss genau dort anfahren, wo im Vorjahr das im Supermarkt gekaufte Prophete Alu-Rex ungeniert den Löffel abgegeben und beleidigt den Elektrobetrieb eingestellt hat. Das Bosch-System offeriert im E-Sportster vier vorwählbare Unterstützungs-Modi: „Eco" mit bis zu 90 Prozent Unterstützungsgrad (also fast doppelte Muskelkraft); „Tour" (bis zu 160 Prozent); „Sport" (bis zu 200 Prozent); und „Speed" mit bis zu 250 Prozent Zusatz-Schub. Wir wählen die Stufe Drei, „Sport", nur so halt einmal, und bringen das Gerät bergauf in Position. Beim bloßen Druck aufs Pedal tut sich noch nichts, so wie wir das beim Flyer mit Panasonic-Motor festgestellt haben („motomobil"-Folge 002), der Pedelec-Sensor hält sich noch zurück. Sobald man aber die Kurbel auch nur ein paar Millimeter bewegt, springt das System unmittelbar an und die Unterstützung ist da. Toll. Bergauf-Anfahren an argen Steigungen ist mit dem E-Sportster auch für den Ungeübten ein Kinderspiel und es kommt keinerlei Unsicherheit auf.

Innerhalb der vier Modi gibt es je drei weitere Unterstützungsstufen – so kann man zum Beispiel 60 Prozent Unterstützungsgrad sowohl in „Eco" als auch in „Speed" aktivieren. Zu viel des Guten? Verwirrend? Am Anfang ja. Warum es aber letztlich hilfreich ist, werden wir bald sehen. In den beiden starken Modi bei höchster Unterstützungsstufe fällt sofort auf, dass der Motor zu einem Alles-oder-Nichts-Verhalten neigt. Das führt zu einer leicht ruckeligen Fahrt, wenn man sich zum Beispiel an das niedrige Tempo eines Mitfahrenden anpassen muss. Hier hilft nur: Entweder im Modus oder in der Unterstützungsstufe runter, dann lässt sich die gewünschte Geschwindigkeit per Muskelkraft perfekt regulieren. Hierzu braucht man am Bedienteil die beiden großen Tasten dieser Zusatz-Justierung – denn die Betätigung der in der Hierarchie übergeordneten Mode-Taste ist etwas unglücklich konstruiert: Man muss die linke Hand vom Lenker nehmen und mit dem Zeigefinger den kleinen Mode-Knopf mehrmals gegen die Fahrtrichtung fest pressen, was natürlich im Gelände ein Unfug ist. Auch das mittlerweile zweite Bedienteil von Bosch verursacht keine großen Freudensprünge. Man könnte es dann näher beim Handgriff anbringen, wenn man es gegen die Betätigung der Lock-out-Funktion der Suntour-Federgabel vertauscht.

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Ganz oben am Bedienteil (nicht sichtbar) der
kleine Knopf für die Modus-Umschaltung
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Unübersehbar: Es ist Bärlauchsaison.
Erste Ausfahrt Windischhütte

Große Freude macht aber die ganz enorme Bergfähigkeit des 250-Watt-Bosch-Antriebs. Zwischen Klosterneuburg, Windischhütte und Hadersfeld finden wir auf Anhieb kein MTB-Stück, das für das Scott E-Sportster zu steil wäre. Dabei ist der Antrieb konstruktionsbedingt nicht völlig lautlos wie ein BionX, aber sehr dezent und schon in ein paar Metern Entfernung kaum mehr hörbar. Der Energieinhalt des 288-Wattstunden-Original-Akkus ist nicht richtig fett, doch im Wienerwald-Bergauf-Bergab ist eine Autonomie von zufriedenstellenden 40 Kilometern realistisch; auf ebenem Asphalt mit Zutreten glauben wir die Herstellerangabeabe von über 100 Kilometern gerne. Etwa 2,5 Stunden Ladezeit ist für diese Batteriegröße Standard – interessant ist die Wahlmöglichkeit, den Akku in acht Stunden ohne Lüftergeräusch des Ladegeräts laden zu können. Friedlich im Hotelzimmer über Nacht, zum Beispiel.

Erwartungsgemäß können die Komponenten, Ausstattung und Machart des ersten Scott-Pedelecs gut gefallen, der Preis von 2699 Euro passt: Die 9-Gang-Shimano-XT-Deore ist superpräzis; die kräftigen Wave-Design-Scheibenbremsen geben vorne und hinten sogar auf zügigen Bergab-Schotterstrecken ein ganz sicheres, dosierbares und souveränes Bremsgefühl. Dass sich das E-Sportster-Pedelec schließlich am Asphalt wohliger fühlt als im Gelände, liegt auch an der Kompromissbereifung: Federung/Dämpfung der Pneus ist bei richtigen Mountainbike-Reifen spürbar besser, vor allem rippige Passagen sind mit einem Trekking-Rad nicht sehr gemütlich. Der (in der Men-Version) schwarze Rahmen des Scott harmoniert gut mit dem E-Modul, das bei anderen Rahmenfarben ein bisschen als Fremdkörper wirkt und von manchen Bike-Marken mittlerweile auch schräg eingebaut wird. Auch wenn Pedelec-Newcomer Bosch das junge System sicher weiter verbessern wird: Fans der legendären Marke Scott greifen mit dem E-Sportster keinesfalls daneben.


TECHNISCHE DATEN: SCOTT E-SPORTSTER
RAHMEN Aluminium AL 6061
GABEL  Suntour NCX-D 700c, Lock-out, 63 mm
LAUFRÄDER  Alex XC-44 Disc, 32H
BEREIFUNG  Schwalbe Marathon Supreme 700x40C
RADSTAND  1077 mm (Rahmengröße L)
BREMSEN  Scheibenbremsen Avid Elixir 3
SCHALTUNG  Shimano XT (RD-M772 SGS) 9-Gang
BELEUCHTUNG  Busch + Müller
MOTOR  Bosch 250 Watt Mechatronic
AKKU  Lithium-Ionen 36 V 8 Ah, 288 Wh
LADEZEIT  2,5 h (Lautlos-Ladung 8 h)
MAX. REICHWEITE  40 bis 145 km
GEWICHT INKL. AKKU  20,4 kg (Rahmengröße L)
SPITZE  25 km/h mit Tretunterstützung
EXTRAS  Urban Kit (Gepäckträger, Ständer, Kotflügel)
PREIS  € 2699,-
VERTRIEB/INFO  www.scottsports-wien.at






































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