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E-CAR-TEST

NISSAN e-NV200  –  ERSTE AUSFAHRT MIT DEM ELEKTRO-VAN


Text: Michael Bernleitner
Fotos: Nissan, M. Bernleitner (3)
 

LEISE LIEFERung

Eine erste Ausfahrt soll klären, ob das Crossover des meistverkauften Elektro-Pkw mit dem pfiffigen Nissan-Kastenwagen eine elegante Angelegenheit ist


024 Nissan e-NV200 kl

 

Dass die vielerorts besprochene, aber dennoch säumige Elektromobilität am ehesten noch im städtischen Cargo-Bereich – und ganz besonders im Flottenbetrieb – anspringen wird, erscheint immer plausibler. Und es versammeln sich nun auch marktgerechte Fahrzeuge. Wie darf man sich ungefähr die Größenordnung vorstellen? 35 Prozent aller Lieferautos in der Dimension des Nissan NV200 („Van des Jahres 2010“) legen im gesamten Verlauf ihrer Nutzungsdauer nie mehr als 120 Kilometer pro Tag zurück – das ist ein Potenzial von 200.000 Kunden in Europa. Pro Jahr.

Nissan gibt bei einem elektrischen Nutzfahrzeug die Einsparung bei den Wartungskosten gegenüber einem Benziner/Diesel mit 40 Prozent an. Bei den Treibstoffkosten ist ein Kleintransporter mit Dieselmotor ungefähr doppelt so teuer wie ein elektrischer Van. Je mehr gefahren wird, desto eher geht die Wirtschaftlichkeitsrechnung auf. Wählt man zum Beispiel nicht die Variante mit Batteriekauf, sondern mit -miete, dann sollte der Betrag für das Batterieleasing durch die Ersparnis wieder hereingespült werden. Für visionäre Flottenbetreiber, die eine firmeninterne CHAdeMO-Schnellladestation aufstellen wollen, kommt noch ein happiger Betrag dazu, der aber nur einmalig anfällt: Die gesamte CHAdeMO-Hardware kostet 18.000 Euro, zuzüglich örtlicher Installationskosten. Jede weitere Station kostet dann 10.000 Euro. Bei einem Beispiel von zehn Lieferautos, die sich gerechnet auf zehn Jahre zwei oder drei Zapfsäulen teilen, ist der monatliche Betrag kein riesiger, aber eine schöne Rechenaufgabe.

Weitere Fakten im Schnelldurchlauf: Die maximale Reichweite des Nissan e-NV200 beträgt nach NEFZ („Neuer europäischer Fahrzyklus“) 170 Kilometer; der Energieinhalt der insgesamt 48 Akku-Module à fünf Zellen beträgt 24.000 Wattstunden. Ein kurzer Ausflug zu den Einspurigen zeigt uns, dass das derzeit „gehaltvollste“ Serien-Elektromotorrad, die Zero SR, immerhin bis zu 14.200 Wattstunden mit sich herumführen kann; der bärenstarke C-evolution-Roller von BMW hat alleweil 8000 Wattstunden. Und, ja, die Höchstgeschwindigkeit des Nissan e-NV ist auf 120 Stundenkilometer begrenzt – was freilich in der Stadt und auf Stadtautobahnen wurst ist.

025 Nissan e-NV200 kl
Extrem niedrige Ladekante; 4,2 Kubikmeter Ladevolumen
beim Kastenwagen und 2,3 Kubikmeter beim Kombi
026 Nissan e-NV200 kl
Je nach Ausführung ist die Ausstattung
des e-NV200 von zweckmäßig bis luxuriös
 

Bei den „motomobil“-Testfahrten in Barcelona (der spanischen Elektro-Metropole und dem Produktionsort des Nissan e-NV200) ergab sich eine reproduzierbare Reichweite von gut 130 Kilometer – und das unter praxisnahen Rahmenbedingungen: Beladung mit zwei Personen und 250 Kilo Ladegut; ein gerechter Mix aus Verkehrsinfarkt und schnellen Stadtautobahnen; Außentemperatur 27 Grad; Ecomodus aus; Klimaanlage voll und Radio auf laut. Eine ehrliche Werksangabe also. Nissan sagt weiters, dass die Reichweite um je drei Prozent pro 100 Kilo Zuladung sinkt. Das ist nicht ganz unwesentlich, weil der e-NV200 mit 770 Kilo noch mehr Zuladung verträgt als die Dieselversion, die ohnehin schon Klassenprimus ist.

Der elektrische Antriebsstrang stammt weitestgehend aus dem Nissan Leaf, der mittlerweile mit 115.000 produzierten Fahrzeugen (Stand: Juni 2014) das weltweit erfolgreichste Elektromobil ist. Lediglich der Wechselrichter – der 80 kW (109 PS) starke Synchronmotor verlangt nach Wechselstrom – wurde direkt zum schuhschachtelgroßen Motor platziert; die Batteriemodule wurden unter dem Fahrgastraum neu angeordnet. Der Aufbau entspricht dem bekannten NV200, insgesamt sind 30 Prozent der Teile des e-NV neu. Angeboten wird der Nissan e-NV200 in Österreich als biederer Kastenwagen mit Trennwand zum 2,04 Meter langen, zwei Europaletten fassenden Laderaum, als komfortabler fünfsitziger Kombi sowie als „Evalia Tekna“, dessen Ausstattung klar in Luxusregionen vordringt. Mit nur 52 Zentimeter ist die Ladekante die niedrigste der Klasse.

Die Inbetriebnahme des e-NV ist per „Intelligent Key“ und Knopfdruck denkbar einfach und unkompliziert. Dann kann man noch bei Bedarf einen Ecomodus mit geringerer Beschleunigung, weniger Leistung der Klimaanlage und stärkerer Rekuperation aktivieren und außerdem eine B-Fahrstufe, in der es noch mehr Motorbremswirkung und damit Rekuperation gibt. Wie ein Automatikauto rollt der e-NV bereits beim Loslassen des Bremspedals sehr dosierbar los und nicht erst bei der Betätigung des Strompedals, wie zum Beispiel der BMW i3.

Im direkten Fahrvergleich wirkt die Beschleunigung des gleich starken Nissan Leaf spürbar pressanter, in den Sitz wird man im e-NV nicht gedrückt. Das maximale Drehmoment ist mit 254 Newtonmeter aber gleich, genauso wie das Fahrzeuggewicht (ab) 1517 Kilo. Und siehe da, Nissan gibt für die Beschleunigung von 0 auf 100 beim Leaf 11,5 Sekunden an und beim Van hingegen 14 Sekunden. Eine mögliche Erklärung dafür wäre, dass der e-NV-Controller aus Gründen der Gesamtreichweite beim Beschleunigen nicht so viel Strom (Ampere) in den Motor schaufelt.

Es reicht immer noch, dass der E-Van die Old-school-Variante mit 1,5-Liter-Diesel um eine halbe Sekunde aussticht. Das Fahrgefühl wirkt insgesamt sehr geschmeidig, mit dem elektrotypisch bauchigen und unmittelbar wirkenden Drehmoment. Ungewohnt bei einem zweckorientierten Nutzfahrzeug, aber nicht unwillkommen, ist die ziemliche Geräuschlosigkeit. „Ziemlich“ deswegen, weil der e-NV-Antrieb besonders bei Tempi zwischen 80 und 100 Stundenkilometern einen sehr, sehr leisen Pfeifton entwickelt – so, wie man sich einen ganz leichten Tinnitus vorstellen könnte … Wenn man sich darauf konzentriert, dann hört man ihn, aber wenn man im Verkehr anderes zu tun hat, fällt er nicht auf.

An einer mit 10 Ampere abgesicherten Haushaltssteckdose dauert das Aufladen zehn Stunden. Mit dem optionellen 6,6-kW-Onboard-Ladegerät und Typ-2-Stecker lässt sich die Zeit auf vier Stunden verringern; mit dem in Europa noch unterrepräsentierten CHAdeMO-Standard gibt es eine 80-prozentige Schnellladung innert 30 Minuten. Schon demnächst soll aber der „Central European Green Corridor“ mit 115 CHAdeMO-Stationen zwischen Preßburg und München aufgebaut werden, von denen 60 auf österreichischem Gebiet geplant sind.

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Ganz oben am E-Motor (80 kW/109 PS, 360 V)
ist der Wechselrichter platziert
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Hier ein Evalia als Rechtslenker. Gut erkennbar die Batteriemodule unter dem Wagenboden
 
029 Nissan e-NV200 kl
Je nach „Stromstoß“ gibt’s Ladezeiten zwischen
zehn Stunden und 30 Minuten (CHAdeMO)
030 Nissan e-NV200 kl
60 neue Zapfsäulen nach CHAdeMO-Standard sollen
demnächst zwischen Wien und Salzburg aufgebaut werden
 

Fahrwerksgeräusche gibt es beim fabriksneuen Testfahrzeug natürlich kaum. Vom tiefen Gesamtschwerpunkt durch die Einbaulage der Akkus profitiert das – trotz der hinteren Starrachse – Pkw-ähnliche Fahrverhalten mit seiner nur minimalen Kurvenneigung. Der Verstellbereich des (beheizbaren) Lenkrads Richtung vertikale Stellung könnte ein bisschen größer sein. Sonst sind die Platzverhältnisse (abgesehen vom Laderaum) nicht üppig, aber immerhin kommod – lediglich sehr große oder beleibte Personen könnten auf dem in der Variante mit abgetrennter Kabine nicht verstellbaren Beifahrersitz ins Schwitzen geraten.

Man mag zur Elektromobilität aus guten Gründen stehen, wie man will. Wird man als Berufsfahrer von seinem Arbeitgeber mit einem e-NV200 auf Tour geschickt, so wird man wahrscheinlich auf ewig dafür dankbar sein, nicht mehr mit einer dieseligen Knatterkiste an die Front zu müssen. Das spricht auch für eine vorsteuerbegünstigte Anschaffung durch Handwerker und Einzelunternehmer, die vom „Basic Van“ um 24.700 Euro bis zur Luxusversion um 34.000 Euro samt Navi, Klima, Sitzheizung, Rückfahrkamera, metallisée, et cetera et cetera wählen können. Alles plus Akku, entweder für 5900 Euro auf den Ladentisch oder ab 87 Euro monatlich. Kein Pappenstiel, aber auch kein Pappendeckelauto. Erhältlich in Österreich ab Juli 2014.



TECHNISCHE DATEN: NISSAN e-NV200
Länge x Breite x Höhe: 4,56 x 1,76 x 1,86 m; Elektromotor: Wechselstrom-Synchronmotor 360 V, Vorderradantrieb; Spitzenleistung: 80 kW (109 PS); Max. Drehmoment: 254 Nm; Batterie: Lithium-Ionen, 48 Module, 267,5 kg, 24 kWh; Onboard-Lader: 3,3 bzw. 6,6 kW; Ladezeit an Schukosteckdose (10 A,/230 V): 10 h; Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h; Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 14 sec; Reichweite (nach NEFZ): 170 km; Leergewicht/Zuladung: Kastenwagen 1517 kg/770 kg, Evalia 1641 kg/579 kg; Ladekapazität: Kastenwagen 4200 l, Evalia 2270 l; Bereifung: 185/65-R15; Preise (brutto): je nach Version von € 24.708,– bis € 34.081,– zuzügl. Batteriekauf oder Batterieleasing; Vertrieb/Info: www.nissan.at









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