Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung dieser Seite erklären Sie sich damit einverstanden. Weitere Informationen.

Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite.

 
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner


ROLLER-DAUERTEST

PIAGGIO FLY 125 i.e. 3V (KILOMETERSTAND: 578)


Text: Michael Bernleitner
Fotos: Piaggio
 
 

ÜBERFLIEGE(R)

Der Erfolg ist quasi programmiert: Mehrere Fliegen gleichzeitig mit einem Streich!


002 PiaggioFly125 kl
 
 

Der neue (oder die? Je nachdem halt …) Fly 125
mit dem noch taufrischen modernen Dreiventilmotor von Piaggio kam mit einiger Verspätung nach Österreich. Die erste Lieferung war gleich ratzeputz ausverkauf. Offensichtlich wissen zahlreiche Rollerkunden ganz genau, was sie wollen – das G’riss um den neuen budgetschonenden Allround-Scooter wird bei näherer Betrachtung mehr als plausibel: Zum einen ist er derzeit um 2299 Euro mit Abstand die günstigste Möglichkeit, an den sparsamen Dreiventiler zu kommen – neben dem wahrscheinlich um die Jahreswende kommenden Piaggio Liberty 125 3V, der zu einem ähnlichen Preis im Angebot sein wird. Man muss nicht mehr unbedingt die um zwei Tausender kostspieligeren Vespa LX oder S kaufen, die sind eher etwas für junge (und jung gebliebene) Mädchen. In der „motomobil“-Test-LX verbrauchte der Tre Valvole nur zwischen 2,4 und (auf der Autobahn) knapp über drei Liter auf hundert Kilometer. Nach den ersten Runden mit dem Dauertest-Fly werden hier dieselben Werte zu erwarten sein.

010 PiaggioFly125 kl
Trotz schlanker Dimensionen
genug Platz für zwei Passagiere
Und zum anderen ist der Fly mit seinen 132 Kilo fahrfertig ein schlankes, wendiges und gerade noch leichtes Stadtfahrzeug, aber dennoch bereits ein erwachsener Vollwert-Roller. Seine Dimensionen liegen irgendwo zwischen der Vespa-LX- und Vespa-GTS-Serie: Das heißt, dass Fahrer über einmeterfünfundachtzig genügend Platz und Fußraum vorfinden, und ebenso, dass man auch zu zweit recht entspannt unterwegs sein kann. Die Sitzbank ist zwar kein Fauteuil wie die eines Suzuki Burgman 125, doch sie ist großzügig bemessen. Durch die recht dezente Abstufung zwischen Fahrer- und Beifahrersitz wird man nicht in eine starre Sitzhaltung gezwungen, sondern kann seine Position ändern und sich sortieren.

Unter dem freien und ebenen Durchstieg gibt es den sieben Liter fassenden Unterflurtank, dennoch ist die Trittbretthöhe tief genug und die Beine müssen nicht stark angewinkelt werden. Einziger Wermutstropfen: Durch den breiten Spalt zwischen Lenkerverkleidung und Oberkante der Frontschürze hat man die Knie auch dann im Wind und im Wetter, wenn man die Beine schön brav innerhalb der Karosseriebreite platziert. Im Winter und in der Übergangszeit kann man sich da natürlich mit einer Hotcover-Fußdecke gut behelfen. Zur – für die Preisklasse des Fly 125 – sehr kompletten Ausstattung zählen Haupt- als auch Seitenständer sowie eine 220-Millimeter-Scheibenbremse nicht nur vorne, sondern auch am Hinterrad; man braucht sich nicht mit einer an der Grenze der Leistungsfähigkeit arbeitenden hinteren Bremstrommel abfretten.

Weil der Tank wie erwähnt nicht im Rahmenheck platziert ist und dort Platz okkupiert, ist der Sitzbank-Stauraum überraschend groß. Der Piaggio Fly kann es zwar nicht mit den Transportgrößen der Achtelliterklasse – wie Honda S-Wing, Piaggio Beverly, Suzuki Burgman oder Yamaha X-Max – aufnehmen, und es passt auch kein Integralhelm unter die Sitzbank, doch im Vergleich zum Piaggio Typhoon oder zu den Vespas schluckt er wirklich viel. Dafür kann das Handschuhfach in der Frontschürze eher wenig. Und es wäre nicht Piaggio, wenn zu den vielen attraktiven Eigenschaften des Dreiventil-Fly auch einige weniger überzeugende dreingemengt würden: So ist der ausziehbare Gepäckhaken unter der Sitzbanknase ein konstruktiver Unfug, an dem die Halteschlaufe des Transportgutes niemals sicher fixiert werden kann; und auch an der serienmäßigen Topcase-Grundplatte würde man sich ein paar Stifte zur Aufnahme von Gummispannern wünschen. So, wie sie ist, bleibt sie wirklich nur eine Topcase-Grundplatte und ist kein Gepäckträger.

016 PiaggioFly125 kl
Ohne übertriebenen Luxus,
aber vollwertig
018 PiaggioFly125 kl
Die Platzierung des Tanks ist auch
für einen günstigen Schwerpunkt gut
 
017 PiaggioFly125 kl
Fast schon nobel: Scheiben-
bremse auch am Hinterrad
020 PiaggioFly125 kl
Immerhin passen zwei
Jethelme hinein
 

Freuen kann man sich an der durchgängig soliden und schönen Verarbeitung, zum Beispiel am Lack mit Metallic-Effekt oder an den ausklappbaren, fein ausgeführten Beifahrerfußrasten. Wohl aus Kostengründen wurde ein Tageskilometerzähler eingespart (es gibt nur ein Walzenzählwerk für die Gesamtkilometerzahl), und auch gibt es keine Sitzbank-Fernentriegelung, sondern ein spartanisches Sitzbankschloss – aber hier kommt wieder der extrem verlockende Kaufpreis des Fly 125 3V ins Spiel und kann noch so manches rechtfertigen.

Der Dreiventiler als Herzstück des Fly gehört zu seinen stärksten Argumenten: Neben der Verbrauchsreduktion gegenüber dem Vorgängertriebwerk ist er spontaner und wirkt deutlich lebendiger; von der Ampel weg legt er spürbar kräftiger los. Auch ist der Klang wesentlich angenehmer, so wie in den neuen Vespa LX und S ist das gequält wirkende Pfeifen des Lüfterrads der Gebläsekühlung jetzt eliminiert. Und so wie zum Beispiel bei der jüngsten Generation des erfolgreichen Honda SH125i zeigt sich auch beim neuen Piaggio-Leichtlaufmotor, dass ein Achtelliter-Scooter nicht unbedingt die gesetzlich erlaubten 11 kW (15 PS) ausnutzen muss, um beim Fahren Spaß zu bereiten. Der Fly 3V stemmt 8,9 kW (12,1 PS) auf die Fahrbahn – an der Performance gibt’s dabei nicht das Geringste zu nörgeln, ganz im Gegenteil: Noch in der Einfahrzeit vor dem ersten Service haben wir die Spitze mit 102 km/h gemessen, besser geht’s kaum.

019 PiaggioFly125 kl
Leider macht sich auch der Batteriekasten
(links) im Handschuhfach breit
001 PiaggioFly125 kl
Klassisches Rollerdesign,
klassische Rollertugenden
 

Von der Fahrwerksseite gibt es erwartungsgemäß wenig Überraschungen: Die 12-Zoll-Reifendimension ist bei entsprechender Chassisgeometrie für vernünftige Fahrstabilität ausreichend groß. Die Vorderpartie des Fly federt sehr komfortabel, ohne einen unterdämpften Eindruck zu machen. Die Triebsatz-Einarmschwinge mit Monofederbein leitet manche Schläge weiter, wie es konstruktionsbedingt üblich ist. Dass der linke Ausleger des Hauptständers bereits bei zurückhaltender Schräglage auf der Fahrbahn kratzt, ist verbesserungswürdig.

Insgesamt ist der neue Piaggio Fly 125 3V ein geglückter kleiner Budget-Roller mit schlüssigem Konzept und einem Motor am letzten Stand der Rollertechnik. Mitgeliefert werden zwei, drei kleine Piaggio-Oberflächlichkeiten – wahrscheinlich, um den gewissen italienischen Charme zu unterstreichen. Alles das zu einem Preis, der einen Misserfolg des Modells nahezu ausschließt. Demnächst wissen wir noch mehr: Abschlussbericht des „motomobil“-Dauertests in der Frühjahrsfolge 2014.


TECHNISCHE DATEN: PIAGGIO FLY 125 i.e. 3V
MOTOR 1-Zyl.-4-Takt, luftgekühlt, SOHC, 3 Ventile, EFI
HUBRAUM 124 ccm 
LEISTUNG 8,9 kW (12,1 PS) bei 8250/min 
DREHMOMENT 10,6 Nm bei 6500/min 
GETRIEBE autom. Kupplung, stufenlose Variomatik 
FAHRWERK Stahlrahmen, Triebsatzschwinge 
AUFHÄNGUNG vo/hi Telegabel 32 mm, Monofederbein 
RADSTAND 1325 mm 
FEDERWEG vo/hi 78/73 mm 
BEREIFUNG vo/hi Cheng Shin120/70-12, 120/70-12 
BREMSEN vo/hi Scheibe 220 mm/Scheibe 220 mm 
SITZHÖHE 760 mm 
TANKINHALT 7 l 
GEWICHT (fahrfertig) 132 kg 
SPITZE 102 km/h 
VERBRAUCH (Stadtverkehr) ca. 2,6 l/100 km 
PREIS (2013) Aktionspreis € 2299,– (Listenpreis € 2500,–) 
VERTRIEB/INFO www.piaggio.at 




































Diesen Bericht als E-Paper gratis downloaden pdf
 




FINDE ICH GUT
Facebook! Mister-Wong! Twitter! Del.icio.us! StumbleUpon! Netscape! Google! Furl! Yahoo! Diigo! Technorati! Smarking! Netvouz! MySpace! Live! Joomla Free PHP