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ROLLER-TEST

HONDA VISION 110


Text & Fotos: Redaktion

ECONOMY SCOOTER

Der neue Honda-Universalroller ist der extrem zielstrebige Versuch, persönliche Mobilität zu unschlagbar günstigen Kosten zu ermöglichen


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Während im ersten Verkaufshalbjahr 2011 in Österreich alle anderen japanischen Motorradvertriebe (und auch die in den letzten Jahren so erfolgsverwöhnte Marke BMW) zum Teil sogar erkleckliche Verkaufseinbußen hinnehmen mussten, konnte Honda die Zulassungszahlen sogar um immerhin sieben Prozent steigern. Die dahinter erkennbare Tendenz ist klar und eindeutig: Der hübsche Zuwachs kommt ausschließlich aus dem 125-Kubik-Bereich. Der Trend zu leichter zweirädriger Mobilität ist unübersehbar. Eine wesentliche Rolle in der Achtelliter-Kategorie spielen die Scooter, wobei Honda hier mittlerweile fast jeden Geschmack und jeden Geldbeutel bedienen kann: Die 125er-Scooter S-Wing, SHi, PSi und PCX sind unverwechselbare Charaktere und haben besten Leumund; die Innova 125 als Hybrid zwischen leichtem Motorrad und Schaltroller mit Fliehkraftkupplung rundet das Angebot ab.

Das antizyklische Auftauchen des brandneuen Vision 110 mitten in der Saison muss für die Mitbewerber fast handstreichartig kommen: Mit 1890 Euro Verkaufspreis siedelt sich der Vision unübersehbar am untersten Ende des von Qualitätsmarken gewohnten Preisspektrums an; mit nur 102 Kilo vollgetankt ist er federleicht und unkompliziert; Honda verspricht, dass ein Verbrauch von 1,9 Liter auf hundert Kilometer realisiert werden kann – angesichts der Schluckfreudigkeit der meisten Achtelliter-Roller wäre das ein höchst respektabler Wert. Sieht also ganz danach aus, als ob die Honda-Scooter auch 2012 eine gute Ernte einbringen können. Weil wegen der zügigen Markteinführung ein herkömmliches Testprozedere zu langatmig wäre, hatte die „motomobil“-Redaktion die Gelegenheit, bei einem halbtägigen Rollido im ÖAMTC-Fahrtechnikzentrum Teesdorf den Vision am Zweirad-Handlingparcours ausgiebig zu probieren und zu bewerten.

Der 108-Kubik-Viertakter mit elektronischer Treibstoffeinspritzung und 6,2 kW (8,4 PS) Leistung ist komplett neu – und weil der Vision weltweit als sehr preisgünstige „Basismotorisierung“ positioniert wird, kommt er mit einer Nockenwelle, zwei Ventilen und Luftkühlung aus. Die enorme Laufruhe und der angenehme, leise Charakter des Motors fallen auf den ersten Metern sofort auf. Aus dem Auspuff kommt sonorer Viertaktklang, doch in der Lautstärke extrem zurückhaltend. Weiters gibt es keinerlei nervige Schleif-oder Schergeräusche, wie man es von gebläsegekühlten Rollermotoren bisweilen hinnehmen muss. Mit 6,2 kW (8,4 PS) in der Gashand wird man klarerweise nicht blind vor lauter Beschleunigung. Automatische Fliehkraftkupplung und Variomatik sind aber so sauber und praxisgerecht abgestimmt, dass der Vortrieb des „leichten Vehikels“ bis 40, 50 km/h alles andere als fad ist. Die „nur“ 108 Kubik sind also kein Anlass, sich an der Ampel hinten anzustellen. Über 60 Stundenkilometer wird die Luft etwas dünner. Honda gibt die Höchstgeschwindigkeit mit 88 km/h an – wir biegen vom ÖAMTC-Gelände auf die angrenzende 17-Bundesstraße und ermitteln dort eine GPS-gemessene Spitze von 83 Sachen, wohlgemerkt ohne viel Anlauf und mit noch nicht eingefahrenem Motor (Tachostand drei Kilometer). Der Vision-Geschwindigkeitsmesser zeigt dabei fröhliche 98 km/h an.

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Vollwert-Roller: Großer, freier
Durchstieg, Zweiersitzbank, 14-Zoll-
Räder (ab 2012 mit 16 Zoll)
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Das Cockpit zeigt genau das, was man
für eine schnörkellose Fahrt von A nach B
braucht. Und nicht mehr

Trotz seines Freundschaftspreises ist der Vision mit CBS ausgestattet – also mit einem Kombi-Bremssystem, bei dem der linke Handhebel sowohl die hintere Trommelbremse als auch die vordere Scheibe aktiviert. Auch wenn die Komponenten hier schlicht und kostengünstig sind, ist die Gesamtbremsleistung des neuen Honda-Scooters höchst bemerkenswert: Bei Dosierbarkeit, Handkraft und Wirkung gibt’s überhaupt nichts zu meckern. Bei aktuellen Günstigrollern haben wir bereits deutlich weniger enthusiastische Trommelbremsen gesehen – die Honda-Trommel wird interessanterweise zuerst über Seilzug und auf den letzten Zentimetern über ein Gestänge betätigt, während die Bremsscheibe vorne klarerweise hydraulisch angesteuert wird.

Der mit 26 Millimetern eher grazile Standrohrdurchmesser der Telegabel sowie die einseitige Abstützung der Triebsatzschwinge per Einzelfederbein passen ebenfalls ins Honda-Gesamtkonzept, mit überschaubarem Aufwand ein Maximum an Funktionalität und Alltagstauglichkeit zu schaffen. Bei nicht übermäßig langen Federwegen ist die Grundabstimmung eher komfortabel, doch ohne jeden Anflug von Schwammigkeit oder Unterdämpfung. So kann man sich die Auslegung eines kleinen, leichten Universalrollers gut vorstellen. Die 14-Zoll-Felgengröße, mit der der Vision heuer ausgeliefert wird, passt gut zu den problemlosen Eigenschaften: Die leichten Räder sorgen für feine und sehr sensible Handlichkeit ohne Nervosität, wie geschaffen für eine präzise Schneise durch den Stadtverkehr. Ab 2012 gibt es den Vision (voraussichtlich um hundert Euro Mehrpreis) hauptsächlich mit 16-Zöllern: Auf schlechten Straßen ist noch mehr Abrollkomfort zu erwarten, dafür aber auch das vergleichsweise etwas storchige Handling, von dem Großradroller gekennzeichnet sind. Die 14 Zoll sollen auf Anfrage im Angebot bleiben – solange die Straßen nicht allzu mies sind, ist diese Radgröße eine hervorragende Kombination aus Wendigkeit, Stabilität und Fahrsicherheit.

Verarbeitung, Lack, Oberflächen und überhaupt das Finish des Vision, der in einem chinesischen Honda-Werk produziert wird, können gut gefallen. Alles wirkt zweckmäßig, aber keineswegs billig oder gar nachlässig. Freilich, bei aller Erfahrung im Zweiradbau kann auch Honda nicht zaubern – zum Beispiel geht man etwa bei der Cockpit-Ausstattung an die Grenze dessen, was man als „Kunst der Reduktion“ bezeichnen könnte: Tacho; Benzinuhr für das 5,5-Liter-Treibstoffbehältnis; ganz wenige Kontrolllämpchen; Walzenzählwerk für den Kilometerstand. Aus. Kein Tageskilometerzähler, kein Unversaldisplay für Uhr oder sonstige Spielereien. Kein Wunder, dass dann auch die angenehm geformte Sitzbank nicht über das Zündschloss fernentriegelbar ist, sondern dass der kleine Zündschlüssel in ein Extra-Sitzbankschloss eingesteckt wird. Bei aller Sparsamkeit lässt Honda dem Vision jedoch sowohl einen gut platzierten Seitenständer als auch einen gleichsam stabilen Hauptständer. Beim Gepäcktransport wartet der Vision sogar mit einer unerwarteten Überraschung auf: Ein Gepäckhaken und die beiden offenen Ablagefächer in der Vorderschürze sind nette Dreingabe – aber die Aufnahme eines ausgewachsenen Vollvisierhelms unter der Sitzbank ist für Großradroller eine kleine Sensation, erst recht im Low-Budget-Bereich.

Kräftig sparen, aber intelligent, so könnte man den Vision charakterisieren. Und noch dazu mit dem Vertriebsnetz und dem Back-up einer Weltmarke. Die Leistungsausbeute des außerordentlich kultivierten neuen Motors ist verwertbar, Straßenlage und Bremsen scheuen nicht den Vergleich mit deutlich teureren 125ern. Das Zubehörprogramm für den Honda Vision wird noch im Herbst 2011 vorgestellt – wie man auf den ersten Werksfotos sieht, werden jedenfalls eine hohe Windschutzscheibe und ein Topcase dazugehören. Fehlt noch was?

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Die Nissin-Kombibremsanlage erfreut
mit kräftigen Bremsleistungen
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Neuer luftgekühlter SOHC-Zweiventiler mit
dezentem Geräusch und hoher Laufkultur

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Einfach, aber praktisch: Gepäckhaken und
offene Ablagefächer in der Vorderschürze
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Honda-Techniker Christian Zwedorn freut sich
über genügend Stauraum für einen Integralhelm

TECHNISCHE DATEN: HONDA VISION 110
Motor: 1-Zyl.-4-Takt, luftgekühlt, OHC, 2 Ventile, EFI; Hubraum: 108 ccm; Leistung: 6,2 kW (8,4 PS) bei 8000/min; Drehmoment: 8,7 Nm bei 6500/min; Getriebe: stufenlose Variomatik; Bremsen vo/hi: Combined Brake System Scheibe 220 mm/Trommel 130 mm; Bereifung vo/hi: 80/90-14, 90/90-14; Federweg vo/hi: 80 mm/74 mm; Radstand: 1255 mm; Sitzhöhe: 755 mm; Tankinhalt: 5,5 l; Gewicht fahrfertig: 102 kg; Höchstgeschwindigkeit: ca. 88 km/h; Preis: € 1890,–; Vertrieb/Info:  www.honda.at

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