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ROLLER-TEST

GENERIC SOHO 125 & IRC WINTERREIFEN

Text: Michael Bernleitner
Fotos: Michael Filippovits, M. Bernleitner

SAG FEIG!

Zwei Winterreifen, ein Roller, ein g'führiger Schnee. Juchhee!


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Von Klimaerwärmung ist in der Hubergasse 14 in Wien-Ottakring bei RSD Jelinek,
praktisch seit Jahrzehnten dem Zweirad-Reifenhändler in Ostösterreich, nicht das geringste zu bemerken. Ganz im Gegenteil, es wird immer kälter. Zumindest empfindet das der Herr Jelinek so. Wir sind hier, um dem schneeweißen Generic Soho 125 ordentliche Winterschuhe zu verpassen, wir wollen in der kalten Jahreszeit durchrollen. Josef Jelinek war der erste, der in den 1980er-Jahren Rennstrecken-Fahrtage für seine Motorradkunden veranstaltete, um sowohl den Spaß als auch den Umsatz zu erhöhen, und noch immer hat er ein untrügliches Gespür für Trends im Zweiradbereich.

„Der Markt für Roller-Winterreifen hat in letzter Zeit ein kolossales Wachstum hingelegt",
freut sich Herr Jelinek. „Jedes Jahr verdoppeln wir unsere Bestellungen für Winterreifen, und jedesmal sind wir spätestens im Jänner ausverkauft!" Wer sind die Härtlinge, die auch bei Temperaturen um die Null die Vorteile des Rollerfahrens erleben wollen? „Wir haben Pizzadienste, Zeitungszusteller, allerhand Lieferbetriebe, aber auch sehr viele Private, die mit dem Roller in die Arbeit fahren und ihm aus ökonomischen Gründen gegenüber dem Auto den Vorzug geben. Ein bunt gemischtes Volk."

Neben Heidenau ist IRC die Reifenmarke,
die ein umfassendes Scooter-Sortiment für den Winter anbietet. Der 1926 gegründete japanische Hersteller IRC hat auch das für den Generic Soho passende Format, 100/80-16 sowie 120/80-16, und er ist der erste, der nicht nur stolliges Profil, sondern auch echte Lamellentechnik anbietet. Mit dem Design der Lauffläche und den Lamellen, die sowohl radial als auch vertikal angeordnet sind, sieht der Urban Snow SN32 bereits im Stand äußerst ernsthaft aus. Kostet brutto für den Soho vorne 92,40 Euro und hinten 115,20 Euro; das Umbereifen auf die Originalfelgen samt Wuchten ist natürlich ebenfalls ein Kostenfaktor: RSD Jelinek nimmt dafür 53 Euro inklusive Mehrwertsteuer, und angesichts des Aufwands – immerhin muss die Auspuffanlage abgebaut werden und da liegen eine Menge Distanzstücke, Hülsen, Beilagscheiben und Sprengringe herum – ist das alles andere als überzogen.

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Nach einer knappen Stunde ist der Generic-Roller neu besohlt. Bei Autoreifen ist die allgemeine Weisheit verbreitet, dass hier Winterreifen unter einer Celsius-Temperatur von sieben Grad die bessere Haftfähigkeit als Sommerreifen besitzen, sowohl auf trockener als auch auf nasser Fahrbahn. Auch der IRC Urban Snow weist so wie gute Automobil-Winterpneus einen besonders hohen Silica-Anteil in der Gummimischung auf und somit ist anzunehmen, dass hier ähnliches gilt. Der Winter meint es gut mit dem Rollertester und bereits zwei Tage später fällt ein halber Meter Schnee aus dem Himmel. Wir sind so aufgeregt als ob wir einen Urlaub am Arlberg gewonnen hätten.

Die ersten Meter auf tiefem Matsch werden freilich respektvoll zurückgelegt und man will wissen, ob das da unten vielleicht unfreundlich gefrierender Matsch ist oder eher gatschiger, oder überhaupt. Teures Rukka-Goretex und blaue Flecken sind uns wurst, aber den Generic Soho wollen wir nicht in Stücken nach Krems zurückbringen. Die Anspannung löst sich jedoch schon nach kürzester in freudigem Grinsen auf. Das Zeug funktioniert! Nach und nach werden die Bremsversuche heftiger, vorne wie hinten, und die 7,5 kW (10,2 PS) des Achtelliters werden ausgewunden. Das angenehme Gefühl eines gewissen Sicherheitspolsters macht sich breit. Man kann also im Verkehr unterwegs sein, ohne als rollendes Hindernis dahinzugeigeln oder automatisch als Lorenz-Böhler-Kandidat zu gelten.