Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner


VINTAGE

PUCH RL 125 TUNING


Text: Redaktion
Fotos: Gottfried Frais, Redaktion
 
 

GESCHICHTSKORREKTUR

Findige Oldtimerspezialisten frisieren den braven Puch RL ein bisschen und machen ihn damit noch alltagstauglicher


002 Vintage PuchRL Tuning kl
 
 
 

Dieser Roller hat Österreich bewegt –
zwischen 1952 und 1957 wurden insgesamt 50.000 Puch R und RL erzeugt, bevor er dann vom Modell SR (mit geschobener Vorderradschwinge und geändertem Scheinwerfer) abgelöst wurde. Weil er robust und recht verwitterungsresistent ist, ist er auch heute noch höchst beliebt – und das sogar zu erschwinglichen Preisen: Einen halbwegs kompletten „Scheunenfund“ bekommt man um 800 bis 1500 Euro, in fahrbereitem Zustand zahlt man (je nach Schönheit) ab 2000 Euro. Die ganze Puch-RL-Story von „motomobil“-Vintage-Autor Fritz Ehn und unsere RL-Fahrt auf den Seiberer kann man in „motomobil“-Folge 006 und auf www.motomobil.at nachlesen.

009 Vintage PuchRL Tuning kl
Eine der markantesten
Ansichten der Rollergeschichte
017 Vintage PuchRL Tuning kl
Die Tachoskala wird vom
Tuning-RL weitgehend ausgenutzt
 
018 Vintage PuchRL Tuning kl
Dreigang, umgekehrte
Drehrichtung als bei Italo-Oldies
028 Vintage PuchRL Tuning kl
Gekapselte Rollenkette zum Hinterrad; der Stahlrohr-Blechrahmen ist teilweise monocoque-ähnlich
 

Man muss das Gerät
nicht schonen, man kann es im Alltag verwenden und man kann es auch im Freien stehen lassen, ohne dass es blitzartig welk wird. Im Vergleich zu heutigen Rollerfabrikaten muss man sich damit anfreunden, dass die Möglichkeiten der Gepäckunterbringung beschränkt sind, und dass man es mit einer Dreigang-Handschaltung statt mit komfortabler Variomatik und automatischer Fliehkraftkupplung zu tun hat. In der Praxis bemängeln nicht wenige Puch-RL-Fans, dass die serienmäßigen 3,7 kW (5 PS) des schlitzgesteuerten Zweitakters sich ein bisschen zurückhaltend bemerkbar machen. Die Puch-Werksangabe ist ohnehin optimistisch: Am Hinterrad des 125ers bleiben schmächtige 2,8 kW (3,8 PS) übrig – mit den damit erreichbaren 65 bis 70 km/h Höchstgeschwindigkeit tut man sich schon auf der Stadtautobahn schwer.

Seit Frühjahr 2015 gibt es wirkungsvolle Abhilfe: Die Puch-Spezialisten von RBO haben einen sorgfältig zusammengestellten Leistungskit im Angebot, der den Motor ohne brutales Tuning in seiner Alltagstauglichkeit belässt und ihn dennoch zur Abgabe von 6,3 kW (8,5 PS) bewegt. Und das am Hinterrad – das wären immerhin knapp zehn Kurbelwellen-PS. Der RL wird zu einem echten 100-km/h-Roller und muss sich damit nicht hinter modernen Achtelliter-Scootern verstecken.

005 Vintage PuchRL Tuning kl
RBO-Chef Hermann Stöckl hat den Puch-Tuningkit
gemeinsam mit Zweitaktspezialisten entwickelt
033 Vintage PuchRL Tuning kl
Vom Puch R und RL wurden insgesamt
50.000 Exemplare erzeugt
 

Wir pilgern ins RBO-Hauptquartier
in Tresdorf bei Korneuburg, um uns bei einer Probefahrt von der RL-Leistungswelle durchs nahe Weinviertel tragen zu lassen. Der RL-Kit kostet (je nach Rollermodell) zwischen 800 und 1000 Euro und besteht aus zehn Positionen, vom 20-Millimeter-Bing-Vergaser über einen Spezialauspuff, Luftfilter, Kolben und Zylinderkopf bis zum Graugusszylinder. Der Zylinder ist ein Austauschzylinder, man muss also einen Originalzylinder zur Bearbeitung bei RBO anliefern. Im Wesentlichen kommt der Kraftzuwachs über die Drehzahlerweiterung, die durch eine Optimierung der Steuerzeiten und des Brennraums sowie einer Erhöhung der Verdichtung möglich wird. Dabei steigt die Nenndrehzahl von original 5100 Umdrehungen auf 6600 Umdrehungen. Der Kit-Schalldämpfer ist ein Nachrüstauspuff für eine Klassik-Vespa, der sich in Versuchsreihen als günstig herausgestellt hat und mit Befestigungspunkten für den Puch versehen wird.

001 Vintage PuchRL Tuning kl
Das zufriedene „motomobil“-Testimonial:
Chefinspektor a. D. Robert „Blacky“
Schwarz war früher Ausbildner der
Polizei-Motorradstaffel („Weiße Mäuse“)
Der Power-RL springt auf den ersten Tritt an, wobei in kaltem Motorzustand der Tupfer des Bing-Vergasers betätigt werden will. Schon nach kurzer Zeit gibt es sauberen und stabilen Leerlauf; der Klang ist etwas knackiger und härter als beim Serienauspuff. Das geübte Ohr kann heraushören, dass da gearbeitet wird. Die Kupplung ist leichtgängig, und der erste Gang fährt mit dem typischen „Klonk“ vernehmlich ein. Italo-Fans müssen daran denken, dass der Drehgriff der Handschaltung beim Puch in entgegengesetzter Richtung betätigt wird.

Der frisierte RL ist weder brachial, noch zickt er, sondern setzt sich leichtfüßig in Bewegung. Sehr positiv fällt auf, dass der Durchzug im unteren Drehzahlbereich voll erhalten geblieben ist, es können sogar lange Steigungen im dritten Gang gefahren werden. Regelrecht Flügel bekommt die RBO-Edition, wenn es über das serienmäßige Drehzahlband hinausgeht: Der Klang wird markant, ohne laut zu werden; schon im zweiten Gang werden an die 60 Stundenkilometer erreicht, der dritte zieht nahtlos bis zum Hunderter durch. Dabei gibt es leichte Vibrationen, die sich nicht am Lenker, sondern am Trittbrett des ebenen Durchstiegs bemerkbar machen.

Bremsen sind beim Puch RL vorhanden; die Festigkeit des stählernen Einrohr-Tragrahmens mit seiner Blechverkleidung ist für die höhere Geschwindigkeit völlig ausreichend; auch die Stabilität der 12-Zoll-Bereifung ist besonders in Anbetracht des Umstands, dass der Radstand mit 1300 Millimetern nicht allzu lang ist, überraschend hoch. So verwundert es nicht, dass der Puch seinerzeit sogar in den Sporteinsätzen (siehe auch „motomobil“-Folge 005 und auf www.motomobil.at) eine sehr gute Figur machte. Mit den neuen RBO-Zutaten ist der Kraftroller jetzt ein besonders angenehmer Zeitgenosse.
 


DIE PUCH-FIBEL
buch kl
„Das große Puch-Buch“ von „motomobil“-Vintage-Autor Fritz Ehn ist bereits Ende der 1980er-Jahre erstmals erschienen – mittlerweile gibt es das umfassende Kompendium aus dem Grazer Weishaupt-Verlag in der achten Auflage!

Es ist das Standardwerk: Entstehungsgeschichte, Hintergründe und technische Daten über die Puch-Zweiräder von 1890 bis 1987. Zu beziehen um 48 Euro über die Bestseller-Läden in der Millennium City und im Hietzinger Ekazent, oder online über www.buchhandlung-bestseller.at




 

TECHNISCHE DATEN: PUCH RL 125 „RBO-EDITION“
MOTOR 1-Zyl.-2-Takt, gebläsegekühlt, 20 mm Bing
HUBRAUM 121 ccm 
LEISTUNG (am Hinterrad) 6,3 kW (8,5 PS) bei 6600/min 
DREHMOMENT 9,0 Nm bei 6500/min 
GETRIEBE Dreigang, Lenkerschaltung 
FAHRWERK Stahlrohrrahmen, Zweiarmschwinge 
AUFHÄNGUNG vo/hi Telegabel, Stereofederbeine 
RADSTAND 1300 mm
FEDERWEG vo/hi 70/80 mm 
BEREIFUNG vo/hi 3,25-12“/ 3,25-12“ 
BREMSEN vo/hi Trommel 125 mm/ Trommel 125 mm 
SITZHÖHE 745 mm 
TANKINHALT 7 l 
TROCKENGEWICHT 100 kg 
HÖCHSTGESCHWINDIGKEIT ca. 100 km/h 
TESTVERBRAUCH 3,2 l/100 km 
PREIS (für den Leistungskit, je nach Modell) € 800,– bis € 1000,–
VERTRIEB/INFO Tel.: 02262/725 13; www.rbo.at 



































Diesen Bericht als E-Paper gratis downloaden pdf
 




FINDE ICH GUT
Facebook! Mister-Wong! Twitter! Del.icio.us! StumbleUpon! Netscape! Google! Furl! Yahoo! Diigo! Technorati! Smarking! Netvouz! MySpace! Live! Joomla Free PHP