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VINTAGE

YAMAHA 125 YA-1: 60 JAHRE YAMAHA-BIKES


Text: Michael Bernleitner
Fotos: Yamaha Motor Co., Ltd.
 
 

„MORE THAN JUST A COPY“

Das erste Yamaha-Zweirad wurde 1955 hergestellt und ist ein wichtiger Mosaikstein im weltweiten Erfolg der japanischen Motorradindustrie


Yamaha 125 YA-1
 
 

Spätestens Ende der 1960er-,
Anfang der 1970er-Jahre war es vollkommen klar: Nippon-Bikes sind nicht nur motorisch leistungsfähiger, sondern auch zuverlässiger und obendrein noch preisgünstiger als die Konkurrenz, ob sie nun aus Italien, Deutschland, England, Amerika oder Österreich kommt. Viele der alteingesessenen Zweiradfabriken wurden an den Rand ihrer Existenz gedrängt, sportlich in Grund und Boden gefahren oder – wie die britischen – gar ausradiert.

Heute spricht niemand mehr abfällig von „Reiskochern“ (oder später von „Joghurtbechern“) – wie konnte es in nur 15 Jahren so weit kommen, dass die Zweiradlandschaft völlig auf den Kopf gestellt wurde? Das 125-Kubik-Modell YA-1 ist die erste Yamaha und gleichzeitig ein wunderbares Beispiel dafür, wie die Dinge ihren Lauf nahmen.

Yamaha 125 YA-1
Dieses Exemplar der YA-1steht im
Firmenmuseum in Hamamatsu
Ganz knapp die Vorgeschichte zum Yamaha-Aufbruch in die Welt der einspurigen Mobilität: Nach dem Zweiten Weltkrieg muss die 1897 von Torakusu Yamaha gegründete Klavierfabrik (von ihr kommt das berühmte Logo mit den drei gekreuzten Stimmgabeln), die mittlerweile Nippon Gakki Co., Ltd. heißt, auf Friedensfertigung umstellen, und die Manager suchen nach dafür geeigneten Produkten. Dazu müssen sie eigentlich nur in die richtigen Statistiken sehen: 1950 werden in Japan 10.000 Motorräder verkauft, 1954 ist es schon die erkleckliche Zahl von 750.000. Es gibt bereits über hundert Zweiradmarken.

Der Yamaha-Einstieg kommt 1955 also relativ spät und zu einem Zeitpunkt, wo die Claims bereits abgesteckt scheinen. Wie kommt es also zum großen Erfolg? Und woher nehmen, wenn nicht stehlen? Warum soll man nicht etwas bauen, was bereits gut funktioniert? Hier müssen wir mit dem weit verbreiteten Märchen Schluss machen, dass sich vor allem die japanische Motorradindustrie durch Patentklau oder Plagiate hervortat.

Das Vorbild zur Yamaha YA-1 ist die von 1939 bis 1944 und dann von 1949 bis 1957 gebaute DKW RT 125 (RT steht für „Reichstyp“) der Ingolstädter Auto Union. Sie ist bis heute mit 450.000 Exemplaren das meistgebaute deutsche Motorrad; samt ihren Nachbauten ist sie nach dem (der) Honda Super Cub das meistgebaute motorisierte Zweirad überhaupt. Die DKW ist das weltweit am öftesten kopierte Motorrad: Schon während des Krieges wird sie in England, Polen und der Tschechoslowakei nachgebaut. Danach sind die deutschen Patente sowieso Makulatur, und es gibt Imitate und Derivate in Amerika, der Sowjetunion, Italien, Ungarn und Indien.

DKW RT 125
Die DKW RT 125 wurde weltweit
in vielen Variationen nachgebaut
Somit erklärt sich die auch für heutige Verhältnisse ultrakurze Entwicklungszeit der Yamaha YA-1: Im März 1954 wird das Projekt gestartet, schon im Feber 1955 werden (mit einmonatiger Verspätung) die ersten 125er ausgeliefert. Nippon-Gakki-Präsident Genichi Kawakami gibt seinem Team klare Instruktionen: Er will keinen müden Abklatsch, sondern die Qualität der DKW RT 125 soll in allen Aspekten erreicht, wenn nicht sogar übertroffen werden.

Der schlitzgesteuerte 123-Kubik-Zweitaktmotor erfährt daher einige Veränderungen: Statt des originalen Dreiganggetriebes hat er nun vier Gänge, und die Kickstarterwelle ist so angeordnet, dass das Motorrad auch bei eingelegtem Gang und mit gezogener Kupplung angetreten werden kann. Bei der DKW muss man vorher den Leerlauf einlegen. Bohrung und Hub sowie das Arbeitsprinzip der Umkehrspülung werden vom Vorbild übernommen. Mit 4,1 kW (5,5 PS) und nur 94 Kilo Trockengewicht erreicht die YA-1 eine Spitze von 80 Stundenkilometern.

Im Japan der 1950er ist das Motorrad ein pures Zweckfahrzeug. Die meisten Bikes sind ungeschlacht, und es gibt nur die Farbe Schwarz. Ganz anders die Yamaha YA-1: Schon die elegante Farbgebung in Kastanienbraun und Elfenbein ist im seinerzeitigen Umfeld fast atemberaubend schön; das qualitätvolle Finish ist unübertroffen. Dementsprechend auch der Preis der „Red Dragonfly“ („Aka Tombo“, „Rote Libelle“), der etwa 20 Prozent über dem der Konkurrenz liegt und mit 138.000 Yen das Jahresgehalt eines Hochschulabsolventen übertrifft.

Anfänglich hat Yamaha erhebliche Probleme, sein erstes Motorrad zu vermarkten. Die besten Händler in den jeweiligen Regionen haben bereits bindende Verträge mit namhaften Herstellern, zusätzlich zum hohen Preis gibt es für den Nachzügler also auch Schwierigkeiten beim Aufbau des Vertriebs. Ein großer Händler meint dazu: „Abgesehen vom guten Aussehen der YA-1 ist besonders auch ihre Elektrik sehr hochwertig. Aber die Kundschaft weiß das nicht. Und wenn der Preis nicht günstiger wird, wird sie es auch nie erfahren.“

Die glückliche Wende kommt beim dritten Mount Fuji Ascent Race im Juli 1955, zehn Tage nach Gründung der Tochterfirma Yamaha Motor Co., Ltd. Genichi Kawakami ist von seinem Bike überzeugt und hat rechtzeitig die Nennung für das Fujiyama-Bergrennen abgegeben – erster Sieg bereits beim ersten Rennen! Vier Monate später belegt Yamaha beim ersten Asama Highland Race alle drei Podestplätze. Buchstäblich über Nacht ist die Marke bei Motorradfahrern bekannt, die YA-1 ist das Maß der Dinge. In wenigen Tagen vergrößert sich die Anzahl der Yamaha-Händler in Tokio von drei auf zwanzig. In den drei Jahren ihrer Bauzeit werden insgesamt 11.000 Exemplare verkauft.

Im Yamaha Communication Plaza, dem heutigen Firmenmuseum in Hamamatsu, werden einige verdiente Exemplare gepflegt und am Laufen erhalten. Außerhalb von Japan kann man die YA-1 zum Beispiel im Motorradmuseum Schloss Augustusburg in Sachsen bestaunen. In einiger Entfernung davon bei Incolmotos, dem kolumbianischen Yamaha-Vertrieb.

Yamaha Y125 Moegi
Das 2011 präsentierte Konzeptmodell
Y125 Moegi hat optische Parallelen zur YA-1
Yamaha Y125 Moegi
Crossover aus Motorrad
und Fahrrad mit Hilfsmotor?
 

Bei der 42. Tokyo Motor Show 2011 präsentierte Yamaha das verführerische Konzeptmodell Y125 Moegi, das in modernisierter Form viele Stilelemente der YA-1 zitiert (gleichzeitig hat sie auch den kühnen „schwebenden Sattel“ ähnlich wie die im selben Monat gezeigte Vespa Quarantasei). Der 125er-Einspritzmotor des 80-Kilo-Vehikels soll nur 1,3 Liter Benzin auf hundert Kilometer verbrauchen – die Moegi wäre somit auch ein gelungener Crossover aus Motorrad und Fahrrad mit Hilfsmotor. Die Geschichte ist jedenfalls noch nicht fertig.


DIE TECHNIK DER YAMAHA YA-1
MOTOR 1-Zyl.-2-Takt, luftgekühlt
HUBRAUM 123 ccm 
LEISTUNG 4,1 kW (5,5 PS) bei 5000/min 
DREHMOMENT 9,4 Nm bei 3300/min 
GETRIEBE Viergang 
BREMSEN vo/hi Trommelbremse 
BEREIFUNG vo/hi 2,75-19 
RADSTAND 1290 mm 
SITZHÖHE 784 mm 
TANKINHALT 9,5 l 
TROCKENGEWICHT 94 kg 
HÖCHSTGESCHWINDIGKEIT 80 km/h 
PREIS (1955) 138.000 Yen 





































SC-1 – DER ERSTE YAMAHA-ROLLER

Yamaha SC-1Auch in den Rollermarkt steigt Yamaha 1960 mit dem Yamaha SC-1 eher spät ein. Der 175-Kubik-Zweitaktmotor treibt mit seinen 7,6 kW (10,3 PS) den 123 Kilo schweren Scooter auf 90 km/h. Optisch inspiriert vom 1957er Fuji „Kaninchen“, ist er in technischer Hinsicht fortschrittlich: einseitige Radaufhängung vorne und hinten; automatischer Drehmomentwandler mit zwei Getriebestufen; Dynastarter (kombinierter Starter/Lichtmaschine); Hinterradantrieb per Kardan. Möglicherweise zu avantgardistisch – gegen die etablierte Konkurrenz von Fuji, Mitsubishi und Honda kann er sich nicht durchsetzen.

1958 kommt das erste 50-Kubik-Moped von Yamaha (unser Bild zeigt ein 1960er-Modell), die 67 Kilo leichte und 2,6 kW (3,5 PS) starke Yamaha MF-1 in den Yamaha MF-1Verkauf.









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