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VINTAGE

KABINENROLLER: BMW ISETTA IST 60 JAHRE ALT


Text: Leibrentner
Fotos: BMW AG
 

EI, EI

„Innen größer als außen“ – der wahrscheinlichste berühmteste Zweisitzer der Welt, der aber trotzdem kein Sportwagen ist, feierte 2015 seinen 60. Geburtstag


BMW Isetta
 
 
 
Die BMW Isetta rettete nach dem Zweiten Weltkrieg die traditionsreichen Bayerischen Motoren Werke vor dem Zusperren; die Isetta ist das Symbol des deutschen Wirtschaftswunders; die Isetta verwirklichte erfolgreich die grundlegenden Leitsätze der „smarten Mobilität“, an denen sich auch heute noch die besten Konstrukteure immer wieder versuchen.

Mit 3,8 Liter Benzinverbrauch auf hundert Kilometer war die Isetta sogar das erste „Drei-Liter-Auto“ der Welt, und das mit nahezu vorsintflutlichem Stoßstangen-OHV-Zylinderkopf und grobem Bing-Schiebervergaser. Noch Kabinenroller oder schon Automobil? Ein verkleidetes Motorrad? BMW sagte selbstbewusst „Motocoupé“ dazu. Ursprünglich in Italien als Dreirad mit Ei-ähnlicher Passagierzelle konzipiert, verpasste BMW der Isetta hinten eine starre, differentiallose Kurzachse, was sie über das Fahrverhalten anderer zeitgenössischer Hybridvehikel hinaushob. Ein Kleinstwagen also, wenn es auch liebevolle Bezeichnungen wie „Asphaltblase“, „Schlaglochsucher“ oder „Stopfkugel“ für die Isetta gab.

BMW Isetta
Der elegante lifestylige Herr ist
unverkennbar Curd Jürgens
BMW Isetta
In England (Rechtslenker)
ist Stirling Moss sehr galant
BMW Isetta
Knitterfrei: Cary Grant entsteigt
der Amerikaversion der BMW Isetta
Einige Features der BMW Isetta sind – ob in dieser zielstrebigen Konsequenz beabsichtigt oder nicht – geniale Umsetzungen von physikalischen, konstruktiven und wirtschaftlichen Prinzipien. Zum Beispiel die der Natur entnommene ovale oder – je nach Blickwinkel – kreisähnliche, ellipsoide oder tropfenähnliche Form: Das heißt in der Theorie als auch in der Praxis möglichst viel Innenraum bei möglichst kleiner Oberfläche. Was beim Material für die Außenhaut natürlich ein Kostenfaktor ist. Die Anzahl der Türen ist im Automobilbau ebenfalls ein Kostenfaktor: Die Isetta hat nur eine. Aber dafür eine solche, die bei einiger Planung der Bewegungsabläufe sogar eine gute Figur und einen schlanken Fuß macht, wie man an den berühmten Testimonials der seinerzeitigen PR-Kampagne sehen kann.
 
 
Bei vielen berühmten Sparmobilen der 1950er-Jahre ist das nicht gerade selbstverständlich: Beim legendären Stuka-abgeleiteten Messerschmitt Kabinenroller KR 175 und KR 200 faltete man sich hintereinander in die Kanzel. Und beim erstaunlichen Zündapp Janus (einem Ausbund höchsten Mobilitäts-Autismus) stieg man zwar vorne und hinten bequem über Türen an der Breitseite ein, aber man saß Rücken an Rücken. Eine perfide Idee, für die Hinterbänkler eine völlig unwürdige Position. Doch wer weiß, vielleicht greift das kommende autonom bewegliche Google-Auto solche Sachen wieder auf.

BMW Isetta
Sogar an der Mille Miglia (hier im Jahr 2014)
hat die Isetta immer wieder teilgenommen
Mit 2,3 Meter Länge (der aktuelle Smart 2G hat 2,7 Meter) darf die Isetta in Deutschland quer einparken. Das Lenkrad samt Gestänge klappt über ein Kardangelenk mit der Tür auf, und trockenen Fußes betritt man den Bürgersteig. Entspannt von der verschiebbaren 1,2-Meter-Sitzbank, das kleine Gepäck holt man von der hinteren Ablage. „Platz für zwei Personen und ein Dach über dem Kopf. Was will man mehr?“ ist einer der Werbeslogans. Rasch wird die Isetta zu weit mehr als zu einer frühen Facette der Urban Mobility: Je nach Wunsch bringt sie die Welt nach Hause oder bringt den Besitzer in die Welt hinaus – neben vielen anderen Fernfahrten ist die Reise eines Ehepaares dokumentiert, das innert 62 Stunden mit einer Isetta von Sizilien nach Schweden fuhr. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 85 Stundenkilometern.

Die Planung und die schnelle Umsetzung der Isetta-Idee erzählt von den Zufällen und auch von der Entscheidungsfreudigkeit der Nachkriegswirtschaft – heutzutage könnte so ein Projekt wohl kaum um einen Tag rascher abgewickelt werden: Wie eingangs erwähnt, ist BMW in der Nachkriegszeit wirtschaftlich angeschlagen. Neben der bedeutungsloser werdenden Motorradsparte (der auf den Vintage-Seiten von „motomobil“-Folge 011 und auf www.motomobil.at vorgestellte Roller-Prototyp R10 erblickte nie die Serienproduktion) hat man außerdem kein zugkräftiges und umsatzbringendes Automobil im Angebot.

Auf dem Turiner Autosalon im April 1954 erblicken die BMW-Manager eine dreirädrige fahrende Kapsel des italienischen Zweiradherstellers Isomoto und fassen einen Plan. Isomoto-Inhaber Renzo Rivolta, der später mit rassigen Sportwagen berühmt werden sollte, ist darüber sehr erfreut, sein Mobilitätskonzept in Lizenzfertigung in verschiedene Länder vergeben zu können, darunter Spanien, Frankreich, England und Brasilien. BMW ist ein namhafter Partner von Weltruf und erhält den Zuschlag für die Lizenzproduktion und den Vertrieb in einigen europäischen und überseeischen Ländern. Schon knapp ein Jahr später wird die fertige BMW Isetta im März 1955 den ersten Journalisten zum Ausprobieren zur Verfügung gestellt, gleich darauf folgt der Verkaufsstart.

BMW Isetta
Fließbandproduktion in München: Insgesamt
wurden bis 1962 161.728 Exemplare hergestellt
BMW Isetta
Der Einzylindermotor kommt aus
dem Motorrad BMW R25/3
 

Die BMW-Leute haben den italienischen Doppelkolben-Zweitaktmotor durch den Einzylinder-Viertakter der BMW R25/3 ersetzt: Aus 245 Kubik kommen 9 kW (12 PS) bei 5800 Umdrehungen, es gibt ein handgeschaltetes Vierganggetriebe mit Retourgang. Das Winzfahrzeug ist zuverlässig und technisch sauber gemacht, die Hydraulikbremsanlage gilt sogar als fortschrittlich. Die Isetta kostet 2550 Deutschmark, das ist ein halbes durchschnittliches Jahresgehalt. Der Traum von Mobilität, Fortschritt und Unabhängigkeit ist für viele Deutsche und Österreicher wieder ein Stück greifbarer geworden.

Von 1955 bis zur Einstellung der Produktion im Jahr 1962 gibt es dezente Detailverbesserungen. Insgesamt werden 161.728 BMW Isettas gebaut, die im Weichbild der Städte bis in die 1970er-Jahre hinein unübersehbare Bausteine des wirtschaftlichen Aufbruchs sind. Sogar in die Vereinigen Staaten werden über 12.000 speziell ausgestattete Isettas geliefert, außerdem erzeugt man einen „Typ Übersee“ und eine Tropenvariante, bei der besonderen Wert auf „Schutz vor Befall von Schimmelpilzen und Termitenfraß“ gelegt wird. Ab 1957 gibt es parallel mit dem 600 eine verlängerte Variante mit Zweizylinder-Boxermotor im Heck, 1959 kommt ein 700er. 1961 schreibt eine Fachzeitschrift das Ende herbei: „Wie man die Isetta auch betrachtet, ihre Zeit ist vorbei.“ Alles zu seiner Zeit, oder: zur richtigen Zeit am richtigen Ort!

BMW Isetta

TECHNISCHE DATEN DER BMW ISETTA 250 (300)

BMW IsettaLänge x Breite x Höhe: 2285 x 1380 x 1340 mm;
Motor: 1-Zyl.-4-Takt, OHV, 2 Ventile;
Hubraum: 247 ccm (298 ccm);
Leistung: 9 kW/12 PS (10 kW/13 PS);
Getriebe: Einscheiben-Trockenkupplung, vier Gänge + Retourgang;
Lichtmaschine: 130 Watt;
Bereifung: 3 x 4,80-10;
Bremsen: hydraulische Trommelbremsen;
Leergewicht: je nach Ausführung ca. 350 bis 360 kg;
Zulässiges Gesamtgewicht: 580 kg (600 kg)



BMW ISETTA – INFOS & WWW
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Als prominenter Protagonist
der Wirtschaftswunderzeit ist die Geschichte der BMW Isetta umfangreich und nahezu lückenlos dokumentiert. Zahlreiche Isetta-Bücher sind ständig lagernd beim Motorbuch-Spezialist Bestseller im Hietzinger Ekazent, 1130 Wien, Tel.: 01/877 61 02; sie sind auch online zu beziehen über die Bestseller-Webseiten www.motorbox.at und www.motorradbuch.at

Natürlich ist auch das Internet voll mit Isetta. Besuchenswert ist zum Beispiel www.isetta-club.de, mit vielen Links zu weiterer Literatur und interessanten Webseiten.






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