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VINTAGE

ZUM 100. TODESTAG VON JOHANN PUCH


Text: Prof. DI (FH) Fritz Ehn
Fotos: Archiv Österreichisches Motorradmuseum
 

DIE MAGIE DES NAMENS PUCH

Am 19. Juli 2014 jährte sich zum hundertsten Mal der Todestag von Johann Puch (slowenisch: Janez Puh). Das Wichtigste, das man über die spätere Marke von Weltruf wissen sollte, lesen Sie in „motomobil“


011 p250 endmont.1936 kl
 
 

Ehn rot klGegen Ende des 19. Jahrhunderts erwirbt ein Mann mit später weltberühmtem Namen eine Berechtigung für die fabriksmäßige Herstellung von Fahrrädern und beginnt in der Strauchergasse 18a in Graz sein Unternehmen. Aber beginnen wir ganz von vorn: Der im Jahr 1862 in der damaligen Untersteiermark (heute Slowenien) geborene Johann ist Sohn einer kinderreichen Familie und macht sich bereits im frühen Alter von zwölf Jahren auf, um den Beruf eines Schlossers zu erlernen. Nach abgeleisteter Militärdienstzeit – während der er wegen seiner außergewöhnlichen Kenntnisse und Fähigkeiten als Regimentsschlosser tätig war – arbeitet er bei verschiedenen Firmen. Denn damals ist es üblich, bis zur Meisterprüfung sein Handwerk auf „der Walz“, also als wandernder Handwerker, zu erlernen.

In jenen Jahren erlangt das Fahrrad größte Popularität. Vor allem bedingt durch die Tatsache, dass das bis dahin übliche Hochrad (das ja ohne Kette durch den Pedal–Direktantrieb des Vorderrades angetrieben und daher nicht einfach zu fahren ist) infolge der Erfindung der feingliedrigen Fahrradkette vom sogenannten Niederrad abgelöst wird – also jener Form des Fahrrads, wie wir es heute kennen.

Für Johann Puch liegt somit nichts näher, als sich möglichst rasch als Mechaniker mit diesen Geräten zu beschäftigen und so tritt er nach weiteren Jahren der beruflichen Perfektionierung (unter anderem bei seinem späteren Konkurrenten Benedikt Albl, der die Graziosa Fahrradwerke gründete) im 27. Lebensjahr den Weg in die berufliche Selbständigkeit an: Ende 1889 kann Puch seine Tätigkeit in vollem Umfang in der Strauchergasse in Graz aufnehmen. Johann Puch ist inzwischen mit der Tochter der Gärtnerfamilie Reinitzgruber verheiratet, auf deren Grund sich auch sein erster Betrieb befindet. Die Ehe bleibt kinderlos. Zu Puchs zahllosen zufriedenen Kunden zählen vor allem auch Mitglieder des Akademisch-technischen Radfahrvereins aus Graz, die ihn ermutigen, nicht mehr an den zumeist aus England stammenden Fahrrädern Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten durchzuführen, sondern eigene Fahrräder zu erzeugen. „Mir wird me scho machen“ pflegt Puch mit dem leichten Akzent seiner Heimat zu sagen, den er zeitlebens nicht ablegt. Und er macht.

1890 erhält er einen Gewerbeschein für die fabriksmäßige Herstellung von Fahrrädern. Mit einem Geldgeber erweitert er rasch den Umfang seiner Fabrikation, im Juni 1892 beschäftigt er am neuen Firmenstandort in der Karlauerstraße in Graz bereits 34 Arbeiter.

Johann Puch ist nicht nur selbst begeisterter Radrennfahrer, sondern er erkennt auch schnell den Wert des – wie wir heute sagen – „Marketings“ seiner unter dem Markennamen „Styria“ firmierenden Fahrräder, die bald weit über die Grenzen der Monarchie hinaus bekannt sind. Der ständige Ausbau seiner Firma efordert immer neues Kapital und so nimmt er schließlich die deutschen Dürkopp-Werke als Gesellschafter mit ins Boot. Aber das geht bei einem Patriarchen wie ihm nicht lange gut, es kommt zu Streit und im Juli 1897 scheidet Johann Puch – finanziell abgefertigt und inzwischen Millionär – aus der Styria-Fabrik aus.

001 Johann Puch kl
Johann Puch (Janez Puh)
Damit wäre die Geschichte auch schon zu Ende, wenn, ja wenn da nicht der große Ehrgeiz von Johann Puch wäre. Schwer gehandikapt durch eine zweijährige Konkurrenzklausel, beginnt er bereits an der Gründung seiner „Johann Puch – erste steiermärkische Fahrrad-Fabriks AG“ in Graz zu arbeiten, die am Ende des Jahres 1899 ihren Betrieb in der Laubgasse aufnimmt. Und hier legt er richtig los: 1900 gibt es die ersten Prototypen eines Automobils mit eigenem Boxermotor und eines Motorrads mit eigenem Einzylindermotor.

Die serienmäßige Fabrikation von Motorrädern beginnt 1903, die von Automobilen 1906. Die erste Phase der Automobilfertigung endet 1919, die zweite Phase beginnt mit dem Kleinwagen Puch 500 im Jahr 1957 und dauert, wenn man so will, beim neuen Eigentümer Magna Steyr bis heute an.

Doch Johann Puchs Leidenschaft gehört eindeutig dem Zweirad. Bei den Fahrrädern steht Puch als größter Produzent der Monarchie an erster Stelle und exportiert die Puch-Räder unter anderem unter dem Namen „Velos JPAG" (Johann Puch AG) nach ganz Europa und nach Übersee. Bei den Motorrädern liegen ihm ganz besonders die Rennerfolge am Herzen, und daher werden neben den gut verkauften Serienmodellen mit Ein- und Zweizylindermotoren vor allem die Rennmodelle kultiviert. So steht er persönlich hinter den ersten großen Rennerfolgen seiner Maschinen bei den großen internationalen Rennen – beispielsweise dem Coupe Internationale in Patzau in Böhmen, bei dem Nikodem auf der Puch 900 Renntype siegt. Puch-Motorräder siegen auf der ganzen Linie, sowohl beim Semmeringrennen als auch international in München, Budapest, Barcelona und Warschau. Natürlich gegen starke internationale Konkurrenz wie Norton/GB, Bianchi/I, Laurin & Klement/A oder Motosacoche/CH.

Johann Puch, dessen Gesundheit infolge eines Herzleidens bereits schwer angeschlagen ist, stirbt am Vorabend des Ersten Weltkriegs in Agram, dem heutigen Zagreb, am 19. Juli 1914. Sein Werk lebt bis heute fort.

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Dichtes Gedränge: ein Eindruck von der Puch-Fahrradauslieferung im Jahr 1930
005 Semmering1909 links J. Puch kl
Am Semmering im Jahr 1909,
ganz links im Bild Johann Puch

 
004 puch motorr. 1907 kl012 250 TF 1949 Figl kl
Eine Puch aus dem Jahr 1907
und ihr stolzer Besitzer
Bundeskanzler Leopold Figl bestaunt
im Jahr 1949 die Puch 250 TF
 

Am Ende des Weltkriegs
sind die Puch-Werke derart verschuldet, dass der Hauptgläubiger, die Österreichische Bodenkreditanstalt, auf Geheiß des Hauptaktionärs Camillo Castiglione den Techniker Giovanni Marcellino nach Graz entsendet, um das Werk zu liquidieren. Marcellino sieht jedoch eine gute Chance, Puch wieder in die Gewinnzone zu bringen – und zwar mit einem komplett neuen Motorenkonzept, dem Doppelkolbenprinzip, mit dem dann die Puch-Motorräder bis 1968 ausgestattet sind. Sehr schnell kommt es mit dem neuen Modell Puch LM und Puch LM II Monza zu großen Sporterfolgen – Puch ist wieder erfolgreich unterwegs.

Dennoch erfordern die wirtschaftlich schwierigen Zwischenkriegsjahre ihren Tribut: 1928 wird Puch mit den Austro Daimler Werken aus Wiener Neustadt (bis dahin als Produzent hochkarätiger Luxusautomobile bekannt) unter dem Namen ADP – Austro Daimler Puch AG – fusioniert. 1934 kommt der Steyr-Konzern aus Oberösterreich dazu: Die Steyr Daimler Puch AG ist geboren und wird erst durch den Verkauf an Frank Stronachs Magna-Konzern Ende der 1980er-Jahre endgültig zerschlagen.

008 puchstr.Versuchsbahn 1924 kl
Die Versuchsbahn der
Puch-Werke im Jahr 1924
013 SDP Produkte Wr. Messe 1950 kl
Auf der Wiener Messe 1950 belegt Steyr
Daimler Puch riesige Ausstellungsflächen
 
009 puch 175 1926 kl
Puch-Paar auf einer
175er im Jahr 1926
016 Blechrahmen-Puch kl
Der Puch RL 125 wurde
über 85.000 Mal verkauft
 

Die Motorräder der Zwischenkriegsjahre wie Puch 125, 220 und 250 sind heute Legende. Ebenso die Exoten wie die Puch 500 mit dem Doppel- Doppelkolbenmotor, die Puch 800 mit Vierzylinder Boxermotor oder das erste „Moped“ aus Graz, die Puch Styriette mit 60-Kubik-Motor. Nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt Puch mit der Fertigung des neuen Modells Puch 125, aus dem sich die Modelle 125 T, 125 S, 125 TT und 125 TS entwickeln. Der große Durchbruch ist dann die Puch 250 TF, die sich infolge ihrer unglaublichen Zähigkeit und Zuverlässigkeit schnell den Ehrennamen „die steirische Norton“ erwirbt. Doch in den 1950ern geht die Zeit des Motorrads zu Ende – da helfen auch die neuen Schalenrahmenmodelle (von der 150 TL über die 175 V bis zur 250 SG und SGS) nicht mehr viel.

017 Puch Maxi Modell 1 1969 kl
Das Puch Maxi schließlich fand weltweit
1,8 Millionen begeisterte Käufer
Der seinerzeitige Firmenchef  Ingenieur Walter Kuttler reißt noch einmal das Ruder herum, indem er mit dem Know-how der Motorradfertigung einen sensationellen Motorroller auf den Markt bringt: den Puch RL 125. Dieser (wegen seiner Farbe auch „Grüner Heinrich“ genannte) Roller weist von Anfang an die Konkurrenz in die Schranken: Große 12-Zoll-Räder, ein echtes Teleskopgabel–Schwingenfederungs-Fahrwerk und ein bergfreudiger, gebläsegekühlter 123-Kubik-Einkolbenmotor sind Argumente, denen sich schlussendlich über 85.000 Käufer – und vor allem auch Käuferinnen – nicht entziehen können. Denn Puch hat bei diesem ersten „Zeitgeistfahrzeug“ vor allem auch die weibliche Kundschaft im Auge. Ebenso wie gut sieben Jahre später mit dem Mopedroller Puch DS 50, von dem ab 1959 in allen Varianten insgesamt 283.554 Stück gebaut und verkauft werden.

Auch wenn die Schalenrahmen-Puchs den Niedergang des Motorrads nicht aufhalten konnten, so soll doch ihre Bedeutung für die Motorisierung der Nachkriegsjahre nicht unterschätzt werden: Immerhin wurden 220.000 Exemplare gebaut, mehr als alle TF und RL zusammen. Auch das Moped Puch Maxi war ein Verkaufsknüller, sogar weltweit – in verschiedenen Varianten wurde es 1,8 Millionen Mal erzeugt. Trotz der großartigen Verkaufserfolge einzelner Modelle und Baureihen stellt die Steyr Daimler Puch AG die Zweiradfertigung im Jahr 1987 endgültig ein. Doch im Geiste von Firmengründer Johann Puch werden sämtliche Puch-Produkte bis heute von einer höchst lebendigen und umtriebigen Puch–Fangemeinde aufrechterhalten.



DIE GRÖSSTE PUCH-SAMMLUNG DER WELT
IM „1. ÖSTERREICHISCHEN MOTORRADMUSEUM“


Das von „motomobil“-Vintage-Autor Fritz Ehn
gegründete „1. Österreichische Motorradmuseum/Sammlung Ehn“ im niederösterreichischen Sigmundsherberg bei Horn beherbergt die weltweit größte Puch-Motorradsammlung und besteht aus 60 Puch-Motorrädern aller Epochen und 34 Puch-Mopeds. Im Puch-Saal des Museums sind rund 65 Fahrzeuge ständig ausgestellt.

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Museumsdirektor Professor Ehn ist Liebhaber von authentischen Dioramen und fühlt sich im zeitgenössischen Ambiente seiner Puch-Sammlung sichtlich wohl
(Foto: M. Bernleitner)
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Hier eine Auswahl der interessantesten Puch-Modelle
im „1. Österreichischen Motorradmuseum“:

Puch R 2 Baujahr 1914
Puch Damen LM 1924
Puch 500 JAP 1928 (gebaut rund 300 Stück)
Puch 250 Sport 1930 (Bronzekopf)
Puch 250 SL 1933 (gebaut 340 Stück)
Puch 800 1937 (gebaut 550 Stück)
Puch 125 SL 1953
Puch 250 TFS 1953
Puch 175 SVS Werks-Schrittmachermaschine 1957
Puch RL 125, erster Serienroller 1952, FIN 600001
Puch MC 250 ex Harry Everts, WM 1975
Puch MS 50 Erstversion 1954
Puch MV 50 „Sears“-Exportmodell USA
Puch Monza 6 SL schwarz, 1976
Puch MC II 1974
Puch MS 50 Expeditionsmoped „Rund um die Welt“/Stefan Waigand

1. Österreichisches Motorradmuseum, Kleinmeiseldorferstraße 8, 3751 Sigmundsherberg, Tel.: 0664/649 38 55. Geöffnet von 15. März bis 15. November an Samstagen, Sonn- und Feiertagen von 10.00 bis 17.00 Uhr; Eintritt für Erwachsene € 6,–, Kinder frei, Schüler und Jugendliche von 6 bis 18 Jahren € 3,–; www.motorradmuseum.at




DAS GROSSE PUCH BUCH
buch kl
Die ultimative Aufarbeitung der legendären Zweiradmarke Puch durch „motomobil“-Vintage-Autor Fritz Ehn erschien im Verlag Weishaupt erstmals 1988, die jüngste Neuauflage erschien im Juni 2008. Auf 288 Seiten sind alle Modelle und Typen von 1890 bis 1987 exakt beschrieben, umfangreiche Kapitel befassen sich mit den großen Sporterfolgen. „Das große Puch Buch“  kostet € 50,–, es ist lagernd im Österreichischen Motorradmuseum/Sigmundsherberg sowie bei Bestseller im Ekazent Hietzing, 1130 Wien, Tel.: 01/877 61 02 oder kann online bestellt werden auf www.bestseller.co.at und www.motorbox.at






INTERVIEW:
PUCH-SPEZIALIST HERMANN STÖCKL SPRICHT

„1500 EURO FÜR EINEN
FUNKTIONIERENDEN ROLLER-OLDIE“


RBO-Gründer Hermann Stöckl ist die Adresse, wenn es darum geht, mit kalkulierbarer Teileversorgung historische Puch-Bikes am Leben und am Laufen zu erhalten (www.rbo.at). Welche Puch-Modelle sind am nachhaltigsten und am unkompliziertesten?


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Puch-Spezialist
Hermann Stöckl
„motomobil“: Wenn man als Puch-Fan, aber als Neuling der Veteranenszene, in die Sammlerei einsteigen will – welches Modell würde sich anbieten, das zu einem erschwinglichen Preis erhältlich ist und mit dem man einigermaßen zuverlässig ein paar Mal im Jahr einen Ausflug machen kann?
Hermann Stöckl: Zum Einsteigen in dieses Thema sind die Mopeds MS 50 oder DS 50 am besten geeignet. Das sind echte „Puch-Klassiker“, die mit sehr überschaubarem technischen und finanziellen Aufwand am Leben zu erhalten sind. Ein Einsteiger sollte ein funktionsfähiges Fahrzeug erwerben. Im Betrieb kann er sich an die fahrzeugspezifischen Eigenschaften gewöhnen und wertvolles Know-how erlernen.

Wenn man eine typische Doppelkolben-Puch sucht, welches Modell wäre denn dafür am besten geeignet?
Als Einsteiger sollte man sich ein Nachkriegsmodell zulegen. Die sind technisch ausgereift und zuverlässig. Prinzipiell sind alle Doppelkolben-Puchs sehr gute Motorräder. Wenn es keine 250er sein muss, ist eine 175 SV sehr zu empfehlen: Gute Fahrleistungen und spurtreues, komfortables Fahrwerk sowie gute Ersatzteilversorgung sprechen für dieses Modell.

Zu welchen Preisen können Rollerfreunde einen funktionierenden Puch RL finden?
„Scheunenfunde“ gibt es ab 500 Euro. Um 1000 bis 1500 Euro darf man sich schon ein tadellos fahrbares Exemplar erwarten.

Wie ist die Verfügbarkeit von Puch-Oldies der Zwischenkriegsjahre? Welche Typen sind leistbar und welche sind sehr rar? Gibt es auch hier eine Versorgung mit Ersatzteilen?
Für den „Veteranen-Normalverbraucher“ sind nur mehr die 250er-Modelle leistbar. Für die gibt es auch eine passable Ersatzteilversorgung. Die Modelle 175, 220, 350, 500 und 800 sind etwas für Spezialisten, die weder technischen Aufwand noch Kosten scheuen.

Und wie sieht es mit den Modellen vor dem Ersten Weltkrieg aus?
Die findet man kaum noch. Hier ist der Liebhaber ganz auf sich alleine gestellt.


 


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