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VINTAGE

DER CHARME DES MOPEDROLLERS

Text: Prof. DI (FH) Fritz Ehn
Fotos: Archiv Österreichisches Motorradmuseum

MOPED MACHT MOBIL

Der große Aufbruch: Als mit dem Roller die Welt ins Haus kam



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zum Autor

PROF. DI (FH) FRITZ EHN (das Foto zeigt ihn im Jahr 2006 beim 21. Seiberer Bergpreis in der Wachau) ist die Instanz im deutsch-sprachigen Raum, wenn es um die Geschichte der individuellen motorgestützten Mobilität gilt. Dass seine besondere Liebe der einspurigen Fortbewegung gilt, zeigt eine Unzahl an Buch-
veröffentlichungen, zum Beispiel „Das große PUCH Buch“ (H.Weishaupt Verlag, Graz) oder „Auf zwei Rädern ins Wirtschaftswunder“ (GeraMond Verlag, München). Das von ihm gegründete und geleitete „Erste Österreichische Motorradmuseum“ in Sigmundsherberg zeigt auf 1300 Quadratmetern Ausstel-
lungsfläche 250 wertvolle und richtungsweisende Exponate
Das Moped ist in Österreich
– und in ähnlicher Form auch in Deutschland – eigentlich ein „Nachkriegskind“. Damals geht es darum, ein motorisiertes Fahrzeug zu schaffen, das möglichst billig in der Herstellung, aber auch möglichst rationell im Gebrauch sein soll. Die wesentlichen Impulse gehen von Deutschland aus, als dort etwa um 1950 eine eigenständige Mopedentwicklung einsetzt, die eindeutig weg vom Fahrrad mit Hilfsmotor hin zum Kleinmotorrad führt.

1954 einigt sich die deutsche Fahrzeugindustrie anlässlich der IFMA (Internationale Fahrrad und Motorradausstellung) in Köln auf den Namen „Moped“ (MOtorisierte PEDale) für jene neue Fahrzeugkategorie, die aus dem Fahrrad mit Hilfsmotor entstanden ist. Die Gesetzgebung ist in deutschen Landen von einigen Absonderlichkeiten geprägt, wie beispielsweise dem maximalen Eigengewicht von 33 Kilogramm. Diese Gewichtsformel beschert den heutigen Sammlern allerdings Raritäten wie die mit Aluminiumgussrahmen versehene Heinkel Perle! Das Hubraumlimit von 50 Kubik und eine erlaubte Höchstgeschwindigkeit (Bauartgeschwindigkeit) von 40 Stundenkilometern hat für den Rest der Welt Gewicht und wird auch in Österreich übernommen.

Dass seitens der Konstrukteure sehr schnell den Bedürfnissen vor allem der männlichen Jugend Rechnung getragen wird, versteht sich aufgrund des riesigen Marktes, der sich nach der bereits zu erkennenden Absatzkrise des Motorrades hier eröffnet, von selbst. So wird einerseits das Sportmoped mit großem Tank und Sitzbank – möglichst für den zweisitzigen Betrieb, damit auch die Freundin mitfahren kann – forciert. Dass diese durchaus maskulinen Geräte im Zeichen des Zeitgeists mit viel Chromleisten, Weißwandreifen und bunten Lackfarben angeboten werden, erhöht ihre Attraktivität. Die österreichischen Hersteller wie beispielsweise HMW, Puch, Junior, Glockner, Capo, Delta-Gnom haben gegen Mitte der 1950er-Jahre bereits ein reichhaltiges Line-up, wobei jede Firma mehrere Modelle anbietet. Die Fahrzeuge sind in erster Linie für Burschen gedacht, die wegen der Altersgrenze noch kein Motorrad lenken dürfen (Mopeds dürfen ab dem 16. Lebensjahr führerscheinfrei gefahren werden) oder sich aus finanziellen Gründen noch kein Motorrad kaufen können.

Die Welt im Kleinen bildet die große Welt ab und 1956 fahren wesentlich mehr Menschen Roller als Motorrad. Es ist nur mehr eine Frage der Zeit, bis die Hersteller den Rollerboom in der 50-Kubik-Klasse lostreten. Erstaunlich, dass der Mopedroller eigentlich eine österreichische Spezialität ist und es kaum deutsche Konkurrenz gibt. Auch in Italien setzt (mit wenigen Ausnahmen wie Vespa oder Garelli) niemand auf den Charme der kleinen Blechhummeln. Denn sie erschließen zusätzlich zur bisherigen Klientel eine völlig neue Kundenschicht: Mopedfahrerinnen! Diese wollen die maskulinen und aggressiven Sportmopeds nicht, sondern verlangen ein karossiertes Moped mit freiem Durchstieg, Komfort und Schmutzschutz – eben einen Mopedroller.

Ponny I, ebenfalls eine KTM
Beginn einer Legende:
Die Ponny I von KTM
Ein Bus voll mit KTM-Rollern verlässt gerade Mattighofen
Ein Bus voll mit KTM-Rollern
verlässt gerade Mattighofen
Und hier eine frühe Sissy in voller Ausstattung
Und hier eine frühe Sissy
in voller Ausstattung
Die etwas unglückliche Sissy III
Die etwas
unglückliche Sissy III

Am konsequentesten beschreitet im Jahr 1957 der älteste österreichische Mopedhersteller HMW mit dem Mopedroller Conny den neuen Weg des Mopedrollers in Optik und Technik und spricht gezielt das weibliche Publikum an. HMW setzt in der Werbelinie auf den Namen und die Person der Schlagersängerin Conny Froboess. Sie ist ein Fixstern am Schlagerhimmel und ein Jugendidol. Doch der Mopedroller kommt für die Firma zu spät: Man hatte dem Lockruf einer – seinerzeit ebenso wie heute – grassierenden Unart, nämlich Fördergelder für Betriebsansiedlungen zu lukrieren, nicht widerstanden. So wird 1957 die gut laufende, eingespielte und mit Facharbeitern bestens besetzte Fabrikation von Hallein in Salzburg nach Kottingbrunn in Niederösterreich verlegt. Was dann im Jahr 1959 für HMW den Konkurs bedeutet. Die Landesförderung ist längst aufgebraucht und die Facharbeiter sind in Hallein geblieben … Was uns heutigen Sammlern zwar äußerst rare Conny-Mopedroller beschert, diese weisen aber viel Rost und kaum noch Originallack auf. Denn um schnell zu verkaufen, werden die Fahrzeuge nicht einmal mehr grundiert und der Decklack direkt aufs Blech gespritzt …
 
Das Mecky-Moped von KTM
Das Mecky-Moped
von KTM
Konstrukteur Apfelbeck und Firmenchef Trunkenpolz im Technikbüro
Konstrukteur Apfelbeck und Firmenchef
Trunkenpolz im Technikbüro
Ponny I bei der Weltausstellung im fernen Amerika
Ponny I bei der Weltausstellung
im fernen Amerika