Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner

vintage

DIE GESCHICHTE DER HYBRIDFAHRZEUGE

Text: Prof. DI (FH) Fritz Ehn
Fotos: Archiv Ehn

VON DER KRAFT, DIE – NICHT IMMER – AUS DER STECKDOSE KOMMT

Der hochtechnische Piaggio MP3 Hybrid ist früher Vorbote einer Fahrzeugart, die bei Rollern völlig neu ist. Weniger bekannt ist jedoch, dass die Hybrid-Szene bereits uralt ist und dass österreichische Konstrukteure eine Pionierrolle spielen



023_Piaggio_MP3_Hybrid_kl
Der MP3 125 war nur der Anfang. Mittlerweile ist auch der Hybrid mit 300-Kubik-Motor im Verkauf


zum Autor

PROF. DI (FH) FRITZ EHN (das Foto zeigt ihn im Jahr 1982) ist die Instanz im deutsch-sprachigen Raum, wenn es um die Geschichte der individuellen motorgestützten Mobilität gilt. Dass seine besondere Liebe der einspurigen Fortbewegung gilt, zeigt eine Unzahl an Buch-
veröffentlichungen, zum Beispiel „Das große PUCH Buch“ (H.Weishaupt Verlag, Graz) oder „Auf zwei Rädern ins Wirtschaftswunder“ (GeraMond Verlag, München). Das von ihm gegründete und geleitete „Erste Österreichische Motorradmuseum“ in Sigmundsherberg zeigt auf 1300 Quadratmetern Ausstel-
lungsfläche 250 wertvolle und richtungsweisende Exponate
Die Geschichte der elektromobilen Fortbewegung ist mittlerweile über 100 Jahre alt.
Doch seinerzeit war in erster Linie nicht die Suche nach Umweltfreundlichkeit die Triebfeder, sondern die Suche nach einer Energiequelle, welche die frühen „Selbstfahrer" überhaupt bewegen konnte.

Um die Wende des vorvorigen zum vorigen Jahrhundert ist es keineswegs eine ausgemachte Sache, dass der Selbstbeweger der Zukunft – der schon damals in einem unglaublich kühnen Intellektuellenkauderwelsch aus Griechisch und Latein „Automobil" genannt wird – mit Erdölderivaten (also Benzin oder Diesel) betrieben werden soll: Die Fachwelt räumt den dampfbetriebenen sowie den elektrisch betriebenen Automobilen gleich gute Chancen ein!

Von Motos, also Motorzweirädern, ist da allerdings noch keine Rede, denn das erste motorisierte Zweirad (mit zwei zusätzlichen Stützrädern) wird 1885 von Gottlieb Daimler gebaut und hört auf den Namen „Petroleum Reitwagen". Erst rund zehn Jahre später erfindet die deutsche Firma Hildebrand & Wolfmüller den Namen „Motorrad".

Das grundlegende Problem bei jeder mobilen Energiequelle liegt in der Energiedichte. Dazu eine Aussage von Professor Ernst Fiala, Vater des VW Golfs und leidenschaftlicher Benzin- und Dieselverfechter: „Erst wenn man mit einer Batterie von der Größe und dem Gewicht eines 40-Liter-Tanks 500 Kilometer weit fahren kann, dann hat das Elektroauto eine Chance". Nun gut, diese Ansage hat auch schon wieder einige Jährchen auf dem Buckel – aber sie wird noch einige Zeit Gültigkeit haben.

Personen elektrisch transportieren
Ein zeitgenössisches Werk aus der „Autotechnischen Bibliothek", Band 16, aus dem Jahr 1908 berichtet zum Elektroauto folgendes: Das Geburtsland dieser Art von Elektromobilen ist Frankreich, wo bereits 1891 Jeantaud einen kleinen zweisitzigen, von Akkumulatoren (Anmerkung 1) betriebenen Wagen baute, der allerdings nur geringen Ansprüchen genügte. Doch bereits für die Automobilfahrt am 11. Juni 1895 von Paris nach Bordeaux baute der selbe Konstrukteur ein für die damaligen Verhältnisse ganz vorzügliches Automobil. Dessen Eckdaten: 850 Kilo Batteriegewicht; 4,8-kW-Motor (6,5 PS); Spitzengeschwindigkeit 24 Stundenkilometer; Reichweite mit einer Batterieladung maximal 50 Kilometer (Anm. 2).

Den Fortschritt im Elektromobilbau zeigen die Daten des leichten Lastwagens von Lohner auf, die im Jahr 1908 wie folgt lauten: Nutzlast 200 Kilo; zwei Motoren mit 2,2 bis 6 kW (3 bis 8 PS); Batteriegewicht 350 Kilo; maximales Tempo 22 Stundenkilometer; Reichweite 50 Kilometer. Der Fortschritt liegt also in erster Linie beim Batteriegewicht.

Bereits in der Frühphase zeichnen sich zwei grundsätzliche Entwicklungsrichtungen ab: Es gibt die reinen Elektrowagen, die ihren Energiezufluss aus der Steckdose beziehen. Und solche, die ein „Ladegerät" –also einen Benzinmotor – mit sich führen. Die Hybriden.

Vom ersten serienmäßigen Elektromobil der Wiener Automobilfabrik Jacob Lohner, dem Typ Egger-Lohner C2, werden in den Jahren 1998 bis 1899 wahrscheinlich vier Stück gefertigt. Die Leistung des (über eine Innenverzahnung direkt auf die Hinterräder wirkenden) Elektromotors beträgt 2,2 bis 3,7 kW (3 bis 5 PS) bei 500 Umdrehungen pro Minute; die Batteriekapazität ist 120 Amperestunden; Batteriegewicht 550 Kilo; Gesamtgewicht des Fahrzeugs 1350 Kilo; Fahrtdauer 3 bis 6 Stunden. 1899 erringt Lohner mit diesem Modell bei der „Internationalen Motorwagen–Ausstellung Berlin 1899" nicht nur eine Goldmedaille, sondern darüber hinaus bei der „Internationalen Concurrenzfahrt electrischer Automobile" (über 40 Kilometer auf Steigungen und 12 Kilometern Rennstrecke) bei Messungen des Stromverbrauchs und anderen Disziplinen den ersten Ehrenpreis (Anm. 3).

Beachtlich an diesem Fahrzeug, das als letztes seiner Art als karosserieloses Fahrwerk im Technischen Museum in Wien erhalten geblieben ist, ist die Tatsache, dass das Firmenzeichen an der Vorderfront des Wagens keineswegs das Firmenlogo aufweist (dieses befindet sich seitlich am Wagen), sondern das Firmenzeichen „Tudor" – also das des Akkumulatorenherstellers!
Nun ist es jedoch keineswegs so, dass die Elektroautos der Pionierjahre ausschließlich rollende Schnecken sind. Es gibt durchaus auch Elektrorenn- und Elektrorekordwagen: Bereits 1899 erreicht der E-Renner „Jamais contente" („Niemals erreicht") unter dem Fahrer Camille Jenatzy 105,882 Stundenkilometer.

Der eigentliche Durchbruch – und damit der wesentliche Unterschied zu allen Konkurrenten auf dem Elektroautomobilsektor – gelingt Lohner jedoch mit einer Erfindung des legendären Automobilpioniers Ferdinand Porsche (Anm. 4): nämlich dem Radnabenmotor. Beim Radnabenmotor handelt es sich um einen Elektromotor, dessen Mittelachse die Radachse bildet und in dessen Felge die elektrischen Wicklungen untergebracht sind, die daher um die Achse laufen und den Wagen antreiben. Diese direkte und verlustlose Umsetzung der elektrischen Energie ist bahnbrechend und wird heute (über 100 Jahre später nach Ablauf jedweder Patentfristen) bei weltweit Millionen Elektrozweirädern – Stichwort China – angewendet.

Kuschelmuschel: Der Radnabenmotor von Ferdinand Porsche ist der Durchbruch für die Marke Lohner
Kuschelmuschel: Der Radnabenmotor von Ferdinand
Porsche ist der Durchbruch für die Marke Lohner
Diese Reste des Egger-Lohner C2 stehen im Wiener Technischen Museum
Diese Reste des Egger-Lohner C2
stehen im Wiener Technischen Museum

Eine Art selbstfahrendes Projektil: Bereits im Jahr 1899 erreichten Elektro-Renner über 100 Stundenkilometer
Eine Art selbstfahrendes Projektil: Bereits im Jahr 1899 erreichten Elektro-Renner über 100 Stundenkilometer
Aus dem frühen 20. Jahrhundert: das elektrische Post-Dreirad!
Aus dem frühen 20. Jahrhundert:
das elektrische Post-Dreirad!
Der mächtige hybride Landwehr- Zug „C-Train“ hat 150 PS und zieht ganz locker 51 Tonnen …
Der mächtige hybride Landwehr-Zug
„C-Train" hat 150 PS und zieht
ganz locker 51 Tonnen ...
Die legendären Paketwagen (hier vor der Basisstation im dritten Wiener Gemeindebezirk) waren ein echtes Wahrzeichen der Postdirektion
Die legendären Paketwagen (hier vor der
Basisstation im dritten Wiener Gemeindebezirk)
waren ein echtes Wahrzeichen der Postdirektion