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E-BIKE-NEWS

INTERVIEW: CURTISS-DESIGNER JORDAN CORNILLE SPRICHT


Text: Alan Cathcart
Fotos: Phil Hawkins, Curtiss Motorcycles
 

„DIE BATTERIE IST UNSER HEROE!“

Warum man die Akkus bei einem E-Bike sehen soll – und was der Vorteil daran ist


Curtiss Zeus
 


Anfang Mai wurde in Carmel, Kalifornien, die erstaunliche Curtiss Zeus vorgestellt – ein Elektromotorrad, das direkt in die Fußstapfen der extravagantesten US-Custombikes tritt. (exklusiv für „motomobil“-Leser die Hintergründe zur über hundertjährigen Curtiss-Geschichte).

Jordan Cornille, geboren 1994, absolvierte sein Studium am CCS (College for Ceative Studies) an der Automotive Design School in Detroit, Michigan (eine der weltbesten Designschulen für Mobilität) mit der Fachrichtung „Klassisches Car-Styling“. Auslöser für sein Interesse an Kunst und Design waren die Motorräder der Customschmiede Confederate, in die er dann vor drei Jahren eintrat. Zu diesem Zeitpunkt war die Umbenennung von Confederate in Curtiss Motorcycles und die Neuausrichtung zur E-Mobilität bereits in Vorbereitung.

Alan Cathcart: Wie kam es dazu, dass die zukünftigen Elektromotorräder von Curtiss Motorcycles die Handschrift von Jordan Cornille aufweisen werden?
Jordan Cornille: Glücklicherweise konnte ich Confederate-Chef Matt Chambers mit meiner Arbeitsmappe beeindrucken. Mein Abschluss am CCS war natürlich eine Hilfe – aber für uns Absolventen war Confederate ähnlich unerreichbar wie Lamborghini oder Ferrari. Ich wollte bereits bei einer Autofirma zu arbeiten beginnen, dann sandte ich Mister Chambers ein Mail. Nach einer halben Stunde läutete mein Telefon, und sechs Minuten später bot er mir den Job an. Das war cool.

Curtiss Zeus, Jordan Cornille
Jordan Cornille enthüllt in Carmel (CA) das
erste Elektromotorrad von Curtiss Motorcycles
Jordan Cornille
Steil: Direkt von der der Automotive Design School
in Michigan zum Traumjob bei Confederate/Curtiss
 

Designchef bei einem Spezialmotorraderzeuger ist wohl eine andere Tätigkeit als die in der Autobranche?
Für einen passionierten Bike-Fan wie mich ist es wie die Erfüllung eines Traums. Dazu kommt, dass man als Designer in dieser Unternehmenskultur keinerlei Auflagen bekommt: keine Marketingteams, Buchhalter, Kundenbefragungen oder Büropolitik. Ich kann mich ganz darauf konzentrieren, die unglaublichsten Zweiräder zu entwerfen, die wir uns nur vorstellen können.

Begannen Sie gleich an den zukünftigen Curtiss E-Bikes zu arbeiten, oder waren sie noch an den V2-Benzinern von Confederate beteiligt?
Als ich kam, wurde gerade der Prototyp des Confederate Fighters fertig gemacht. Ich half dabei, einige Details für die Produktion vorzubereiten. Für die ganz andere Ästhetik des darauf folgenden Confederate Bombers war ich alleine verantwortlich. Aber der Hauptgrund für mein Engagement war die Arbeit an den elektrischen Modellen.

Wie wohl zu erwarten war, sehen die elektrischen Entwürfe und der Prototyp der Curtiss Zeus sehr andersartig, wenn nicht sogar gewöhnungsbedürftig aus. Wie ist der Zugang von Curtiss zur einspurigen Elektromobilität?
Bis jetzt wollten fast alle E-Bike-Designer die Akkus so weit als möglich verstecken und so tun, als ob es die Akkus gar nicht gäbe. Um quasi ein „nomal aussehendes“ Motorrad zu erschaffen. Dabei sieht ein typisches Motorrad vor allem wegen seines Antriebsstrangs und seiner Komponenten so aus, wie es eben ist. Verbrennungsmotor, Benzintank, der Rest ergibt sich. Beim Elektromotorrad haben wir jedoch einen komplett anderen Drivetrain. Es gibt einige stylische E-Bikes, aber warum muss es unbedingt so aussehen wie ein Benzinbike?
 
Curtiss Zeus
Modulares Curtiss-Konzept: Fortschritte in der
Akku-Technologie sind einfach zu implementieren
Curtiss Zeus
Die plus-170-PS-Doppelmotorisierung
kommt vom Marktführer Zero
 

Das ist also der Grund, warum die Batterien in den Motorrädern von Curtiss stärker sichtbar gemacht werden?
Ja, aber nicht nur deswegen. Ich glaube fest daran, dass E-Motorräder die Zukunft sind, und dass es für unser Unternehmen wichtig ist, in diesen Markt eher früher als später einzusteigen. Unser Konzept bezeichne ich als modulares Design: Es wird uns erlauben, eine große Bandbreite an Sitzpositionen und Looks auf Basis derselben Plattform anzubieten. Damit können wir Personen erreichen, die bisher nie an ein E-Bike dachten, speziell im Customcruiser- und Chopper-Segment.
Die Reichweite muss beim Entwurf eines Electric Vehicles natürlich in die Rechnung miteinbezogen werden. Daher arbeiten wir mit dem besten, was wir von unserem Lieferanten beziehen können (Anm.: Zero Motorcycles), denn wir sind keine Batterietechniker. Unser Chassis ist so konstruiert, dass die Batterien austauschbar sein werden. Wenn sich also die Batterien verbessern und mehr Energiedichte haben, können wir mehr Reichweite anbieten. Man muss kein neues Fahrzeug kaufen, sondern lediglich die Akkus und hat den aktuellen Stand der Technik und der Autonomie.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Zero Motorcycles?
Wir sind vor allem sehr damit zufrieden, dass uns Zero mit dem kompletten Paket versorgen kann – Motoren, Akkus, Controller. Sie haben die Kontrolle über den gesamten Antriebsstrang, sowohl was die Hardware als auch die Software betrifft. Weiters gefällt mir, dass alle Komponenten luftgekühlt sind. Außerdem entwickeln sie ihre Produkte unaufhaltsam weiter – wir integrieren diese in unser Chassispaket und profitieren ebenfalls davon. Ich denke, dass die Modulbauweise einen großen Vorteil bietet und sogar ein Gamechanger ist.
 
Curtiss Starfire
Entwurf für die Curtiss Starfire
im „Porcupine“-Design
Curtiss Panther
Die Curtiss Panther wird im
Slant-Block-Styling vorbereitet


 
 
 
PORTRÄT: CURTISS MOTORCYCLES

Die Confederate Motorcycle Inc. wurde 1992 in Louisiana durch den ehemaligen Rechtsanwalt Matt Chambers gegründet, seither wurden insgesamt 1300 exklusive Maxi-Cruiser mit großen amerikanischen V2-Motoren erzeugt. Zur betuchten Confederate-Kundschaft gehört zahlreiche A-Prominenz aus dem Showbusiness wie zum Beispiel Tom Cruise, Brad Pitt, Nicolas Cage, Bruce Springsteen, Steven Tyler oder Country-Star Tim McGraw.

Nach den Verheerungen durch den Hurrikan Katrina übersiedelte das Unternehmen 2005 nach Birmingham, Alabama. Im Jänner 2018 wurde Confederate in Curtiss Motorcycles umbenannt, die Markenrechte an diesem historisch bedeutsamen Namen hält Matt Chambers bereits seit sieben Jahren (hier lesen Sie alles alles über die Curtiss-Historie).

Gleichzeitig wurde mit der Vorstellung der neuen Curtiss Warhawk auch bekanntgegeben, dass sie das letzte Motorrad der Marke mit Benzinantrieb sein wird – in den nächsten Jahren sollen sechs Modelle mit E-Motoren und unterschiedlicher Ästhetik vorgestellt werden. Sie werden von Twin-Motoren von Zero aus Kalifornien mit zirka 125 kW (170 PS) Leistung und Doppelcontrollern angetrieben, wobei es laut Matt Chambers die Akkus am Monocoque in sechs Konfigurationen geben wird: T-Block, Y-Block, „Stachelschwein“-Block, V-Block und Slant Block. Der Anfang Mai vorgestellte Prototyp für die Curtiss Zeus besitzt mit 14.400 Wattstunden noch den gleichen Energieinhalt wie die Serien-E-Bikes von Zero.
 
Matt Chambers, Jordan Cornille

Von links nach rechts: Curtiss Warhawk Benzinversion,
Matt Chambers, Jordan Cornille, Curtiss Zeus



Wohin will Curtiss Motorcycles in den nächsten Jahren?
Dazu Matt Chambers: „Vorerst sind wir vor allem auf die urbane kalifornische Szene fokussiert. Dazu gehören die jungen Leute in Silicon Valley und all die Typen, die mit ihren Maschinen am Mulholland Highway und am Rock Store herumfahren. Als Einstiegspreis peilen wir um die 25.000 Dollar an. Unser großer Vorteil ist, dass alles am modularen Konzept von Curtiss Motorcycles skalierbar ist – von der Technik über die Ausstattung bis zur Stückzahl. Noch im Sommer werden wir sehen, ob in den nächsten Jahren ein paar tausend Leute unsere E-Bikes haben wollen, ob es ein paar hundert sind, oder vielleicht sogar einige zehntausend. Wir sind auf alle Aspekte vorbereitet.“ Einen ersten Test des Curtiss-Zeus-Prototyps gibt es in der kommenden „motomobil“-Folge 030 Anfang Juli!


Test Curtiss Zeus

„motomobil“-Autor Alan Cathcart testet das
erste Elektromotorrad von Curtiss Motorcycles



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