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INTERVIEW

KTM-TECHNIKCHEF HARALD PLÖCKINGER SPRICHT


Text: Michael Bernleitner
Fotos: KTM, Kiska, Bernleitner
 
 

„E-BIKES SOLLEN IN DEN ALLTAG PASSEN“

Über E-Offroader und über das Missing Link zwischen Roller und Supermotos


006 InterviewKTM aHaraldPloeckinger kl

 
 
 

001 InterviewKTM aHaraldPloeckinger klZUR PERSON

DI HARALD PLÖCKINGER Der gebürtige Welser (Jahrgang 1961) graduierte an der Technischen Universität in Graz in der Fachrichtung Maschinenbau und ist Master of Arts in Management (Lancaster, UK). Seine Karriere begann 1987 bei BMW als Entwicklungsingenieur. Von 1990 bis 2004 war er als Prokurist, Produktionsleiter, Leiter der strategischer Planung und anschließend als Geschäftsführer bei Bombardier-Rotax tätig. Seit 2004 ist Harald Plöckinger als Vorstand in der KTM-Sportmotorcycle AG sowie seit 2007 auch als Vorstandsmitglied der KTM AG tätig


„motomobil“: Das Bekanntwerden der elektrischen Offroad-Pläne von KTM liegt nun etwas über sechs Jahre zurück. Es gibt in den Startlöchern scharrende Interessenten für die Freeride E, die ständig eine „eiserne Reserve“ horten, um sofort beim Verkaufsstart zuschlagen zu können. Wann ist es endlich so weit?
Harald Plöckinger: Es geht mit dem internationalen Presse-Launch Mitte September in Saalbach-Hinterglemm los, bevor wir das Serienbike dann auf der Intermot in Köln Anfang Oktober 2014 endgültig vorstellen. Der Preis für die Freeride E-SX wird zirka 11.000 Euro betragen – inklusive Batterie und Ladegerät. Die für die Straße zugelassene Freeride E-XC wird aufgrund der zusätzlichen Teile für die Homologation ein wenig mehr kosten. Leasing- und Finanzierungsmöglichkeiten für Akku und Bike werden in den einzelnen Ländern über „KTM Finance“ angeboten und den lokalen gesetzlichen Bestimmungen angepasst. Als Version E-SX ist sie ein pures Sportbike, als E-XC gibt es eine verkehrstaugliche Variante mit Licht, also eine klassische Enduro.

Subjektiv gefühlt, kommt es einem so vor, als ob der Verkaufsstart über längeren Zeitraum verschoben wurde. Welche Gründe gibt es dafür?
Wir wollten bewusst mindestens ein Jahr lang in den Parkbetrieb gehen und dort Erfahrungen sammeln. Die Freeride E wurde in vier Offroad-Parks intensiv erprobt und sie wird mittlerweile in insgesamt acht E-Parks in den Ländern Deutschland, Niederlande, Belgien, Frankreich, Finnland und Österreich betrieben. Außerdem gab es unzählige Prüfungen und Crash-Tests, wir haben auch Autos gegen das Motorrad fahren lassen. Bei keinem der nachgestellten Unfälle gab es Probleme mit dem Elektrokonzept oder ist es gar zu Feuer gekommen. Wir waren von Beginn an am richtigen Weg, was eben zu beweisen war.

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Harald Plöckinger (rechts) bei der
Präsentation der E-Speed-Rollerstudie
auf der Tokyo Motorcycle Show
KTM E-Park Munderfing kl
Intensive Erprobung im
E-Park Munderfing gleich beim
KTM-Werksgelände in Mattighofen
 

Welche der vier Offroad-Parks ist der am besten besuchte?
Das ist die Area 47 im Ötztal, aber auch unser Gelände in Munderfing bei Mattighofen ist sehr beliebt. Auf der Schmittenhöhe bei Zell am See fahren die E-Bikes zum Beispiel seit Juni 2013 – bereits Anfang August im selben Jahr gab es schon über 350 Probefahrten, obwohl man dort erst mit der Seilbahn raufkommen muss. Das belegt jedenfalls das große Interesse am KTM-Konzept. Zum anderen hat das Thema Elektromobilität sehr viele Facetten: Da gibt es nicht nur das Produkt an sich, sondern auch dessen Betreuung durch die Händlerschaft. Das geht bis hin zur Frage der Akku-Lagerung, und in allen diesen Bereichen werden wir sehr stark und kompetent sein: Die Freeride-E-Händler müssen vor dem Verkaufsstart an Hochvolt-Schulungen teilnehmen und die Werkstatt nach vorgegebenen Richtlinien ausstatten.

Gab es im Lauf der Zeit viele technische Änderungen an der Freeride?
Das wichtigste Update während der Entwicklungszeit war die Entscheidung, die ECU mit Wasserkühlung auszustatten. Die Freeride E ist mit Hochvolt-Technologie ausgestattet, es gibt im Offroad-Betrieb hohe kurzzeitige Stromentnahmen, und das elektronische Management ist sehr komplex. Ursprünglich war der Energieinhalt des Akkus mit 2100 oder 2200 Wattstunden vorgesehen, das endgültige Bike hat jetzt 2600 Wattstunden. Hier nehmen wir an jeder Entwicklung teil, die international im Bereich der 18650er-Akkuzellen stattfindet. Der sehr schmale, leichte und wartungsarme E-Motor ist ein Permanentmagnet-Synchronmotor in Scheibenläuferbauweise, der von der deutschen Firma Perm speziell für KTM entwickelt wurde. Es gibt drei wählbare Motorcharakteristiken – Economy, Enduro und Motocross.

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Vorstellung der neuen RC-Serie auf der
Mailänder EICMA im November 2013
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Harald Plöckinger und Philipp Grünberger
beim „motomobil“-Interview
 

Gibt es Pläne für eine Rennserie, einen Elektro-Offroad-Cup?
Wir haben die Idee von Zolder-Rennstreckenchef Thierry Deflandre aufgegriffen und sind in Verhandlungen über eine Serie in diesem neuen BMX-ähnlichen Format (Anm.: siehe auch „motomobil“-Folge 013 und auf www.motomobil.at). Natürlich wird es Sport und Wettbewerb mit dem E-Bike geben, dafür ist es ja gemacht.

Welche Verkaufszahlen erwartet man sich denn von der Freeride E?
Da sind wir sehr flexibel, und das ist auch kein großes Geheimnis: Wir legen im ersten Los 1500 Exemplare – großteils E-XC mit Straßenhomologation – auf und werden sehen, wie die Resonanz ist. Dann gibt es weitere Entscheidungen. Im allerersten Jahr ist die Freeride E nur für den Vertrieb in Europa vorgesehen.

Wird es auch eine elektrische Supermoto geben?
Es würde der bisherigen Denkschule entsprechen, auf die Freeride auch asphalttaugliche Bereifung zu tun. Allerdings ist dieses Fahrzeugdesign mittlerweile in die Zeit gekommen. Ich glaube, eher nicht.

Doch man darf erwarten, dass das Antriebssystem in der einen oder anderen Form in den geplanten KTM-Elektroroller E-Speed implantiert wird?
Die im Frühjahr 2013 in Tokio gezeigte Studie des E-Speed hat starke Reaktionen hervorgerufen. Sowohl im Design als auch in der Produktstrategie ist hier das letzte Wort noch nicht gesprochen, da stellen wir intensive Überlegungen an. Zum Beispiel wäre es durchaus denkbar und hätte viel Charme, wenn Supermoto und Scooter zu einem urbanen zweisitzigen Fahrzeug mit Stauraum und eingebautem Ladegerät zusammenwachsen könnten. Es haben mir einige Leute gesagt, dass sie einen schnittigen KTM-E-Roller wollen – und dass es da egal ist, ob ein Helm in den Stauraum passt oder nicht. Aber das ist nicht die Masse. Da müssen wir vorsichtig sein.

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So sieht die aktuelle
KTM Freeride E aus
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Kann zum Beispiel auf der Salzburger
Schmittenhöhe ausprobiert werden
 


Die Verkaufszahlen von E-Rollern sind ja derzeit noch nicht berauschend, das Angebot wird jedoch langsam größer. Hat die Ankunft des BMW C evolution Ihr Unternehmen vielleicht dazu veranlasst, die Entwicklungsgeschwindigkeit des KTM E-Speed angesichts der möglichen Stückzahlen etwas herunterzufahren?
Nein, hier sind wir überhaupt nicht vom Wettbewerb getrieben. Unsere Aufgabe ist es, das Konzept ganz genau zu hinterfragen und zu überdenken: Was passt am besten zur Marke, und wie passt es in den Alltag?

Für das noch junge KTM-Joint-Venture mit CFMoto in China würde ein Elektroroller aber einige Phantasie eröffnen?
Derzeit nicht. Der Markt für E-Scooter ist dort wieder ganz anders, die fahren mit Bleibatterien. Zuerst werden die kleinvolumigen Duke-Modelle bis 390 Kubik bei CF in Hangzhou zusammengebaut, und dann die ganz neue RC-Sportserie. Die Enduros mit dieser Motorbaureihe kommen ein Jahr später. Hier gehen wir Schritt für Schritt vor.

016 InterviewKTM aHaraldPloeckinger kl

Spannend: Wird die E-Roller-Studie mit dem betagten
Supermoto-Konzept zusammenschmelzen?



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