Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner

INTERVIEW

ROTAX-TECHNIKCHEF WOLFGANG WUKISIEWITSCH SPRICHT

Text: Michael Bernleitner
Fotos: BRP-Powertrain (5), Bernleitner (1)

„DIE ZUKUNFT IST HYBRID!“

ÜBER ALTE UND NEUE ENERGIEN, ALTE UND NEUE ANTRIEBE



004_Interview_Rotax_Schwenkprufstand_kl

DI Wolfgang Wukisiewitsch
DI Wolfgang Wukisiewitsch
ZUR PERSON

DI Wolfgang Wukisiewitsch studierte Elektrotechnik in Graz, war bei BMW und AVL in der Motorentwicklung tätig und ist seit 2007 bei BRP-Powertrain in Gunskirchen als Vice President Engineering für den Bereich Forschung & Entwicklung verantwortlich. Damit ist er für die weltweite Entwicklung von Motoren der Marken Rotax und Evinrude & Johnson zuständig. Rotax-Motoren werden in BMW-und Aprilia-Motorrädern eingesetzt sowie in BRP-Produkten wie Schnee- und Wasserschlitten, Sportbooten, ATVs, Karts, Leichtflugzeugen und dem Can-Am Spyder. Am BRP-Powertrain-Standort in Gunskirchen bei Wels sind 1100 Mitarbeiter beschäftigt; in den letzten 50 Jahren wurden über sechs Millionen Motoren erzeugt

„motomobil“: Vor einiger Zeit wurde von BRP-Powertrain die Entwicklung und Produktion neuer Antriebstechnologien bekannt gegeben. Welcher Weg wird hier eingeschlagen, welche Antriebe dürfen wir erwarten: Verbrennungsmotoren, Hybride, Elektroantriebe?
DI Wolfgang Wukisiewitsch: Wir sind der Überzeugung, dass die Zukunft sehr divers ist. Dass die Straße für Motorenentwickler immer breiter wird – dass also viele Motorenkonzepte ihren Platz finden werden und dass je nach spezieller Anforderung die bestmögliche Antriebstechnologie oder eine Kombination bevorzugt werden muss. Die großen Themen sind Nachhaltigkeit, geringstmögliche Emissionen und geringstmöglicher Energieverbrauch, vor allem, wenn es sich um nicht erneuerbare Energie handelt. Dabei müssen berücksichtigt werden: die Verfügbarkeit der Energie, die Herausforderungen bei der Speicherung der Energie, die geforderte Reichweite der Fahrzeuge und das Gewicht-Leistungs-Verhältnis des Antriebs.

Wie schnell – oder wie langsam – kann sich Elektromobilität durchsetzen?
Der manchmal verbreitete Glaube, dass in 20 Jahren alles elektrisch fährt, ist nicht umsetzbar. Und auch nicht wirklich sinnvoll. Denn die Elektromobilität ist schon gar kein klimatisches Allheilmittel: Ein Elektroauto, das in Frankreich fährt, hat lobenswerterweise null Schadstoffausstoß. Dafür fährt es mit Atomstrom, der bekanntlich reichlich Zerstörungspotenzial mit sich bringt. Ein Elektroauto aber, das in China fährt, hat mehr Ausstoß als ein Diesel! (Anmerkung der Redaktion: Allein im Jahr 2007 ging in China jeden zweiten Tag ein Kohlekraftwerk ans Netz …)
Bei der Verwendung von fossiler Energie wird in absehbarer Zeit ein Umdenken stattfinden, was den Energie-Mix betrifft. Denn es gibt ja nicht nur Öl, sondern auch Ethanol und Erdgas. In Ländern wie Brasilien ist zum Beispiel Benzin bereits in der Minderheit.
Der Can-Am Spyder Hybrid ist in Entwicklung
Der Can-Am Spyder
Hybrid ist in Entwicklung

Das hieße aber auch, dass der Verbrennungsmotor noch lange nicht am Ende ist?

So ist es. Es ist realistisch, dass bis zum Jahr 2030 Energieverbrauch und  Emissionen von Kraftfahrzeugen drastisch gesenkt werden können und dann sieht der Vergleich zur Elektromobilität wieder sehr günstig aus. Wir haben bereits jetzt mit dem neuen 600er-ACE-Viertakt-Zweizylinder für Ski-Doos ein Triebwerk, das bis zu 45 Prozent weniger verbraucht als die nächste Konkurrenz. Da ist auch weiterhin noch viel drin. Außerdem bin ich der Meinung, dass manche Technologien zu früh abgeschrieben wurden, wie etwa der Zweitakter: Dass die Direkt-Einspritzung erfolgreich ist, sehen wir an unseren Evinrude-Außenbordern. Und mit dem E-TEC-Zweitakter für Schneemobile haben wir einen im Gewicht-Leistungs-Verhältnis unschlagbaren Antrieb, der völlig rauch- und geruchslos ist.

Welche Chance hat die Kombination aus Elektromotor und Verbrennungsantrieb?
Das wird sich durchsetzen, und zwar in den verschiedensten Spielarten. Als Micro Hybrid (Start/Stopp-Systeme), als Parallel Hybrid und als serieller Hybrid, also E-Motor mit Range Extender. Beim Range Extender kommen sogar wieder bereits ad acta gelegte Technologien ins Spiel wie der bereits erwähnte Zweitakter oder der Wankelmotor. Hier schließt sich auch der Kreis: Bereits um 1902 entwickelte Ferdinand Porsche im Rotax-Vorgängerunternehmen Lohner ein Automobil mit Mixte-Hybridantrieb (Anm.: siehe auch „motomobil“ Folge 001 oder www.motomobil.at) …

Sehen Sie den sinnvollen Einsatz von Hybridantrieben auch im Zweiradbereich?
Grundsätzlich ja, vor allem jedoch im Sport-Touren-Segment. Oder wenn gewisse Zwänge gegeben sein sollten wie Gebiete, die nur elektrisch befahren werden dürfen. Hier eröffnen sich auch Einsatzmöglichkeiten für Marineprodukte.

Wir danken für das Gespräch.

E-TEC Zweitakt-Direkteinspritzung
E-TEC
Zweitakt-
Direkteinspritzung
Der Rotax 600 ACE Twin ist der sparsamste Schneeschlittenmotor
Der Rotax 600 ACE
Twin ist der sparsamste
Schneeschlittenmotor



Diesen Bericht als E-Paper downloaden pdf





FINDE ICH GUT
Facebook! Mister-Wong! Twitter! Del.icio.us! StumbleUpon! Netscape! Google! Furl! Yahoo! Diigo! Technorati! Smarking! Netvouz! MySpace! Live! Joomla Free PHP