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MOBILBLOG

FREUD UND LEID DER VESPA-OLDTIMEREI

Text & Fotos: Guido Schwarz
 
 

DER KNOPF, DER KNOPF!

Richtige Glücksmomente vergisst man nicht. Wie einem ein verbogenes und zersprageltes Stück Blech den Tag verdirbt – und auch den Tag retten kann



003 Vespa-Hupknopf kl
Die wertvolle Chromkappe, verbogen und zerspragelt!
 
 

schwarz blau
Schon in der Früh
strahlender Sonnenschein, aber es ist eiskalt – zumindest im Vergleich zu vorgestern. Dazwischen Wolken, wieder Sonne – so muss der April sein. Heute ist der große Tag. Ich möchte die von mir fertig zusammengebaute Vespa Rally ausprobieren. Und morgen an ihren Besitzer, meinen lieben Freund Cody, nach Klosterneuburg liefern, damit er sie anmelden und danach zweitaktenderweise Ostern erleben kann.

Ich mache diese Probefahrten immer hinauf zum Salettl-Pavillon im 19. Bezirk. Das ist ungefähr der höchste Punkt in meiner Umgebung und ich kann den Roller im Falle des Verreckens fast bis zu mir hinunterrollen lassen, mit nur wenigen und kurzen ebenen Stücken dazwischen. Das hat sich schon ein paar Mal bewährt. Wenn ich dann noch mutig bin, fahre ich bis zur Krottenbachstraße hinunter und bis zum Kreisverkehr nach Neustift.

Diesmal bin ich mutig und komme auch problemlos bis zum Kreisverkehr. Danach bleibe ich kurz am Straßenrand stehen, um ohne Helm den Leerlauf – und den Motorlauf generell – besser hören zu können. Alles scheint in Ordnung. Bis ich den fehlenden Hupknopf bemerke. Verdammt! Plötzliche Stimmungsschwankung, härter und schneller als jeder Lastwechsel.

Was ist passiert? Dazu muss man die Vorgeschichte kennen. Die österreichischen Vespamodelle der 1970er-Jahre hatten am linken Drehgriff einen eigens für sie eingebauten Knopf, der als Lichthupe funktionierte. Kein Vespafahrer hat diesen jemals betätigt, denn zu dieser Zeit hatten alle Vespas eine 6-Volt-Lichtanlage – und das entspricht der Wirkung einer tapferen Kerze. Hier eine Lichthupe zu konstruieren war komplett sinnlos, musste aber aufgrund irgendeiner bürokratischen Kraftfahrgesetzordnung gemacht werden, nur für Österreich.

Dieser Knopf wurde daher nie nachgebaut und ist seit den frühen 1980er-Jahren außer Produktion. Es gab ihn sowieso nie in hoher Stückzahl. Daher ist er seit mehr als 30 Jahren schwer zu bekommen. Genaugenommen bekommt man ihn gar nicht, er ist seltener als die Blaue Mauritius. Wer noch einen hat, gibt ihn nicht her.

Und ich habe ihn verloren.

Das kommt daher, weil beim Ausbau die verchromte Kappe zwei Risse erlitten hatte und er daher nur lose draufsaß. Der Knopf darunter hat eigentlich einen Stift, der ihn auf der Unterkonstruktion festhält. Diesen gab es seit dem Ausbau auch nicht mehr, und als ich ihn für den Zusammenbau suchte, musste ich halt eine Eigenkonstruktion bauen, um ihn zu ersetzen. Die hat naturgemäß keinen Haltesplint, und so hielt nur die Kappe den Knopf. Und daher ist jetzt nicht nur die Kappe weg, sondern auch der Knopf.

Irgendwie scheint das nicht mein Tag zu werden – oder eigentlich doch, weil der klaglos funktionierende Motor ist natürlich wichtiger, und für die Hupe wird mir schon etwas einfallen …

001 Vespa-Hupknopf kl
Wer so etwas hat, gibt es
normalerweise nicht her
006 Vespa-Hupknopf 1 kl
Die schöne Rally ist ein
gelungenes Restaurierungsprojekt
 


Dann kommt der nächste Tag, sozusagen der große Tag der Abgabe. Ich muss zuerst ins Rollerkabinett, um dort einen Hupknopf aus einer anderen Rally auszuborgen, damit ich beim Pickerl die Hupe vorführen kann. Dann das Probekennzeichen montieren und nach Klosterneuburg zum Pickerlmachen fahren. Danach, wenn alles klappt, kann ich das Fahrzeug seinem Besitzer geben. Ein großer Moment steht bevor, hoffentlich!

Weil sich die Sache mit der Probenummer verzögert, beschließe ich eine kleine Radtour. Nämlich entlang der Route, die ich am Vortag mit der Vespa gefahren bin, um den Hupknopf vielleicht doch noch zu finden. Die Chance darauf ist extrem gering, denn bei flotter Fahrt müsste der Knopf sieben Mal aufgepeppelt sein und daher irgendwo liegen, bis zu mehreren Metern seitlich in der Botanik oder unter einem der zahlreichen Autos, die da überall geparkt sind.

Egal, ich habe Zeit und fahre los, und zwar so langsam, wie ich noch nie mit dem Rad gefahren bin. Zu finden ist der Hupknopf, der Kontaktbalken, die winzige Feder – und vor allem die verchromte Kappe! Die Unterkonstruktion kann man nachbauen oder irgend einen anderen Knopf kaufen und adaptieren, aber die Kappe ist einzigartig.

Ich fahre die gesamte Tour ab und finde nichts, gar nichts. Ich weiß dafür jetzt, wieviele Zigarettenpackungen – und vor allem wieviele Alufolien von Zigarettenpackungen – die Leute beim Autofahren einfach aus dem Fenster schmeißen. Die Alufolien schauen nämlich manchmal aus wie so ein verchromter Knopf, vor allem aus der hoffnungsfrohen Entfernung. Die Runde ist somit voll von Enttäuschungen, so alle 200 Meter eine neue. Quasi eine „Tour de désillusion“.

Kurz bevor ich wieder bei meinem Häuserblock bin, finde ich sie, die verchromte Kappe. Von einem Auto plattgewalzt. Was für ein Tagesbeginn!

Dann wird es noch besser, denn ich schaffe die Fahrt bis Klosterneuburg problemlos, und alles an der Vespa funktioniert. Das Pickerl ist kein Problem und die darauffolgende Übergabe der Rally sehr erfreulich. Am Nachmittag ruft mich Cody an und erzählte mir, dass er einen Anruf bekommen hätte – jemand hat einen neuwertigen Lichthupenschalter für ihn, selbstverständlich inklusive der verchromten Kappe. Nicht ganz billig, aber sofort zu haben. Was für ein Apriltag!



VESPA – GESCHICHTEN VON WIEN BIS ROM
VESPA – GESCHICHTEN VON WIEN BIS ROM Buch

Das zweite Vespa-Buch von „motomobil“-Autor Guido Schwarz ist das Nachfolgewerk von „Vespa – was für ein Leben!“ Es enthält neue Geschichten und philosophische Analysen zum Mythos Vespa, genauso humorvoll, provokant und vielleicht noch tiefer gehend. Der Autor machte sich im Sommer 2012 mit seiner 39 Jahre alten Vespa Sprint auf die Fahrt von Wien nach Rom. Es wurde eine Abenteuerreise, die ihresgleichen sucht.

„Vespa – Geschichten von Wien bis Rom“ (Format A5, ca. 200 Seiten, ISBN 9783200028746) ist um 15 Euro bei Scooter-Shops erhältlich, im sortierten Buchhandel, bei Amazon, in den Bestseller-Shops (im Ekazent Hietzing und in der Millennium City, online über www.motorbox.at) sowie im Direktvertrieb des Autors über die Webseite www.guidoschwarz.at/vespabuch-2



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