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MOBILBLOG

ÜBER MENSCH UND MASCHINE


Fotos/Illus: Archiv Piaggio, M. Bernleitner
 
 

DIE GESICHTER DER VESPA

Der tiefe Blick in unsere Seele – warum das Rollerfahren freundlicher und sympathischer wahrgenommen wird als das Motorradfahren …


043CalendarioVespa1953 kl
 
 

Autorbox Schwarz klNatürlich haben Vespas nicht wirklich ein Gesicht – sondern ihre Fahrerinnen und Fahrer. Aber genau hier verschmelzen Mensch und Maschine: Das Gefährt durchdringt die Personen der Besitzer. Es wird zum Ausdrucksmittel des eigenen Lebens, für andere Menschen erkennbar, spürbar, sichtbar, hörbar, riechbar. Wer schon einmal in Afrika auf Safari war, hat vielleicht erlebt, dass man mit dem Auto ganz nah an Löwen heranfahren kann, idealerweise am späten Vormittag, wenn sie sich nach der Jagd im Morgengrauen und der darauf folgenden üppigen Mahlzeit unter einem schattigen Baum der Verdauung hingeben. Sie lassen Autos bis auf wenige Meter heran. Was man jedoch nicht tun darf, ist aussteigen. Das kann fatale Folgen haben.

Weshalb ist den Löwen das Auto egal und der Mensch nicht? Die Lösung liegt im Geruch, ein wenig auch in der Optik. Das Fahrzeug riecht nach Benzin, Diesel, Öl, Rauch, Metall, Gummi et cetera. Das sind alles Gerüche, die bei Löwen nichts auslösen, weder Jagdtrieb noch Fluchtreflex. Menschen hingegen sind ihnen seit undenklichen Zeiten als Beute beziehungsweise als Todfeinde bekannt.

Im Auto überdecken Formen und Gerüche den Menschen. Die Löwen sehen, hören und riechen nur ein lautes Etwas, das eine Zeit lang bei ihnen verweilt und dann mit Lärm und Gestank wieder verschwindet. Die Löwen in den Nationalparks haben gelernt, dass diese Dinger nicht gefährlich sind und lassen sich daher nicht stören.

Wenn ein Mensch auf einem Motorrad oder Roller sitzt, verändert er sich. Die erste Wahrnehmung ist immer eine Kombination aus Mensch und Fahrzeug. Kleidung und Helm beeinflussen das noch zusätzlich. Haben Sie es schon einmal bemerkt: Wenn jemand von einem Motorrad absteigt und den Helm abnimmt, wird er zu einem gänzlich anderen Wesen – menschlich, mit Antlitz, eventuell verschwitzt, mit einer Stimme und eigenen Bewegungen. Vorher war er etwas anderes, nämlich ein meist lautes Etwas, das sich annähert, dann vorbeibraust und wieder verschwindet, oft im Rückspiegel auftauchend, überholend, davonziehend.

036IfonlywehadVespa1962 klMenschlich wird das Wesen erst, wenn es sich wieder von der Maschine trennt, ob freiwillig oder unfreiwillig. Der Extremfall ist der Unfall, bei dem der Zweiradfahrer sehr schnell wieder menschlich wird, mit Blut und Schmerzensschreien. Aber auch hier muss der Helm runter. Mit diesem Effekt spielten George Lucas und Steven Spielberg in den Science-Fiction-Filmen Star Wars: Die Person des Darth Vader wird vom seelenlosen Roboter zum Mensch, als er den schwarzen Helm abnimmt. Man sieht dies im Film nur ein einziges Mal, als ihm der Helm aufgesetzt wird und man nur einen verbeulten, unförmigen Hinterkopf zu sehen bekommt. Erst zum Schluss von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ wird das Gesicht kurz gezeigt, als Darth Vader wieder zu Anakin Skywalker wird.

Die Verwandlung zur Maschine – beziehungsweise zur Einheit mit der Maschine – wird von Motorradfahrern oft ganz bewusst inszeniert: Man verwendet auffällig verzierte Helme mit verdunkeltem oder verspiegeltem Visier, der Mensch darunter soll möglichst nicht mehr erkennbar sein. Man wird zum schnellen, potenten, lauten und möglicherweise gefährlichen „Ding“, gut unterscheidbar von den behäbigen Kisten, in denen die „Feinde“ sitzen.

Interessanterweise ist das bei den Rollerfahrerinnen und -fahrern etwas anders, und bei Radfahrern noch einmal: Letztere sind als Menschen immer deutlich erkennbar, inklusive der größeren Verletzbarkeit, da sie bis auf Helm und Handschuhe keinerlei Schutzbekleidung, keinen Panzer, um sich herum haben.

Sehr viele Rollerfahrer – und noch mehr Rollerfahrerinnen – haben das übrigens auch nicht. Gerade mal ein City-Helm, und auch der sitzt oft nicht ganz ernsthaft auf dem Kopf, nicht geschlossen, zu locker, und im Falle eines Falles nur wenig Schutz.

003 Motorpsycho Russ Meyer
Das Filmplakat des Busenregisseurs
Russ Meyer sagt alles über den Stellen-
wert des Motorrads im Amerika der
1960er-Jahre
Sie sind dadurch wesentlich verletzbarer. Aber im Gegenzug auch stärker als Menschen erkennbar. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum sie sympathischer wahrgenommen werden als grimmige Motorradfahrer in Lederkombi und schweren Stiefeln. Wobei natürlich auch die Fahrzeuge selbst eine Rolle spielen: „Normale“ Vespas sind nie sehr schnell, sie werden nicht sehr stark als Gegner wahrgenommen. Der Extremvergleich ist der Supersport-Motorradfahrer in der Lederkombi neben einem jungen Mädchen im kurzen Rock auf der hellblauen Vespa.

Nur ganz wenige Menschen finden Vespas abstoßend. Sie sind wie ein kleinster gemeinsamer Nenner, auf den sich viele einigen können – unbewusst natürlich.  Das hat auch mit der Geschichte der beiden Fahrzeugtypen zu tun: Motorräder hatten von Anbeginn einen sportlichen Aspekt, während Vespas schon in ihrer Grundkonstruktion als motorisierte Verbindung von A nach B entworfen wurden. Wie beim Mensch beeinflusst quasi die Evolutionsgeschichte des jeweiligen Fahrzeugs sein ganzes Wesen und auch seine Wahrnehmung im Straßenverkehr.

In der Extremformulierung lautet das dann: Rollerfahrer sind menschlicher als Motorradfahrer. Vielleicht ist das einer der Gründe, weshalb man ihnen weniger böse ist, wenn sie sich zwischen den Autos vorbeischlängeln. Würde sich das auch noch in mehr Rücksichtnahme seitens der Autofahrer äußern, dann wäre die Welt wieder ein Stückchen schöner geworden, und zwar für alle.









VESPA – GESCHICHTEN VON WIEN BIS ROM

Buch
Das zweite Vespa-Buch von „motomobil“-Autor Guido Schwarz ist das Nachfolgewerk von „Vespa – was für ein Leben!“ Es enthält neue Geschichten und philosophische Analysen zum Mythos Vespa, genauso humorvoll, provokant und vielleicht noch tiefer gehend. Der Autor machte sich im Sommer 2012 mit seiner 39 Jahre alten Vespa Sprint auf die Fahrt von Wien nach Rom. Es wurde eine Abenteuerreise, die ihresgleichen sucht.

„Vespa – Geschichten von Wien bis Rom“ (Format A5, ca. 200 Seiten, ISBN 9783200028746) ist um 15 Euro bei Scooter-Shops erhältlich, im sortierten Buchhandel, bei Amazon, in den Bestseller-Shops (im Ekazent Hietzing und in der Millennium City, online über www.motorbox.at) sowie im Direktvertrieb des Autors über die Webseite www.guidoschwarz.at/vespabuch-2






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